Vollmond / Full moon

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Die Amphibien in den mit Wasser gefüllten Steinbecken sehen irgendwie wie Spielzeugfrösche aus. Sie sind so klein und putzig, wenn sie schnell vom Rand ins Wasser springen, wenn jemand vorbeigeht und sie haben auch so ein eigenartiges hölzernes Schnattern. Wenn du barfuß auf die glatten, lang gezogenen Felsen gehst, fühlt sich das an, wie wenn du auf alte Schlangenhaut steigst.
Der lebhafte Wind wühlt die Baumkronen auf, in denen auch so manches schwere Tier mitschaukelt. Die helle Nacht besteht fast nur aus wogenden Geräuschen, jeder Baum rauscht in unterschiedlicher Pracht …

Viele weise Menschen haben die Höhlen vom Arunachala, einem der wichtigsten Orte der indischen Mythologie, zeitweise bewohnt. Wir übernachten in der Höhle in der Poonjaji gelebt hat, ein versteckter Ort, kaum bekannt und äußerst bezaubernd …

Zu den beiden Vollmondnächten ist hier wirklich was los. Wenn der Mond das erste Mal hinter dem Arunachala auftaucht, setzen sich zwischen einer halben Million und 10 Millionen Menschen (so die unterschiedlichen Schätzungen der Einheimischen) in Bewegung und umrunden zu Fuß den Berg. Die Hauptstraße ist jeden Monat für 24 Stunden gesperrt …

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Während das Treiben seinen Gang nimmt, versuchen wir in der Höhle – relativ windgeschützt – die Nacht durchzuwachen. Man muss sich doch alles Anziehen, was nur irgendwie mit dabei ist, winziger Haken: meine spärliche Kopfbehaarung. Da pfeift der Wind ordentlich drüber und mit Hut schläft man bekanntlich nicht sehr gut. Aber ich habe noch eine Reserveunterhose mit und flugs eine Technik entwickelt, wie ich mir die als Haube nützlich machen kann. Durch die Bauchöffnung kann man nicht schlüpfen, zu groß, aber durch eine Beinöffnung geht, drüberziehen, fertig!
Um nicht einzuschlafen wird gezeichnet, schnell mit dem patzenden Kugelschreiber übers Blatt gesaust, so schnell wie die Ströme der Nacht, so ziehend wie die zirpenden Klangteppiche im Dunkel, so hell wie der Regen aus Mondlicht …

Künstlerisches Werken ist eine unpraktische Tätigkeit, daher eignet es sich gut für rituelles Tun, in dem man alles spürt und gleichzeitig etwas macht, wie aktive Meditation. Und bald übernimmt etwas die Regie. Etwas möchte sich hier als Künstler erleben. Ich wetteifere mit dem Berg in Punkto Realität, wer von uns echter ist und muss mich bald kläglich geschlagen geben. Gegen ihn bin ich ein flüchtiges Realitätszwergerl mit einer Unterhose am Kopf. Lässig erstrecken sich die Felsrücken rund um mich und ich kann diesen Berg nur anhimmeln bis in die frühen Morgenstunden.

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The amphibians in the stone basins filled with water somehow look like toy frogs. They are so small and cute when they jump quickly from the edge into the water when someone passes by and they also have such a weird wooden chatter. If you walk barefoot on the smooth, long-drawn rocks, it feels like climbing on old snakeskin.
The lively wind stir up the treetops, in which many a heavy animal swings along. The bright night consists almost only of billowing noises, every tree rushes in different splendor …

Many wise people have temporarily inhabited the caves of Arunachala, one of the most important places in Indian mythology. We stay in the cave where Poonjaji lived, a hidden place, little known and extremely enchanting.

The two full moon nights are a big show around here. When the moon appears for the first time behind the Arunachala, between half a million and 10 million people (according to the different estimates of the locals) set in motion and walk around the mountain on foot. The main road is closed for 24 hours every month …

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While the hustle and bustle takes its course, we try in the cave – relatively sheltered – to stay awake all night. its starting to get chilly so you have to wear everything, which is avaliable, and there is a tiny snatch: my sparse head hair. The wind blows fiercly  over it and with a hat on you cannot lay down very well. But I still have a spare underpants and quickly developed a technique that makes it useful as a hood. Through the abdominal opening you can not slip through, too big, but go through a leg opening, pull over, done!
In order not to fall asleep sketching works perfectly fine, swiftly moving over the sheet of paper with the spilting ballpoint pen, as fast as the streams of the night, as dragging as the chirping sound carpets in the dark, as bright as the rain of moonlight …

Artistic work is an impractical activity, so it is well suited for ritualistic activity where you feel everything and at the same time do something, like active meditation. And soon something takes over. Something would like to experience itself here as an artist. I am competing with the mountain in terms of reality, who is more genuine of us and I am soon be pitifully conquered. Compaired to him I am a fleeting reality dwarf with a pair of underpants on my head. The rocky ridges extend casually around me and I can only adore this mountain until the early morning hours.

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