Die Kunst und der Tod / Art and death

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Fotos: Renée Kellner

Bewusstsein, dieser feine, lebendige, stille, aufmerksame, intelligente Strom, erfreut sich nicht nur an menschlichen Erfahrungen, er leuchtet auch in die dunklen Ecken. Er sieht auch den Tod in all seinen Verkleidungen. So sanft Bewusstsein zu sein scheint, verbrennt doch alles Unechte in seiner Gegenwart. Die Region der Monster sind die Schattenlande des Unbewussten …

Wir sind keine bewusste Gesellschaft, wir gehorchen dem Ego, der Gier, dem Mangel, der Angst vor dem Tod. Wir tun das nicht aus Bosheit, sondern einfach, weil das Bewusstsein wie gefangen ist, in den Geschichten im Kopf, die wir uns über uns selbst und dem Leben erzählen …

Immer wenn in den Geschichten der Tod übermächtig und bedrohend wird und als Verlust vor unserer Tür steht, haben wir die Möglichkeit, das bewusste Sein kennenzulernen. Richten wir unsere Aufmerksamkeit in die Stille, zieht Bewusstsein aus den Geschichten, wie der Geist aus der Flasche und erkennt sich selbst …

Vielleicht ist die konstante Nähe des Todes für Künstlerlnnen Nährboden? Wir brauchen den Tod, um aus dem Schatten zu treten. Malen ist wie sterben …

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Consciousness, this fine, alive, silent, attentive, intelligent stream, not only enjoys human experience, it shines into the dark corners as well. It also sees death in all its disguises. As gentle as consciousness seems to be, everything burns in its presence. The region of monsters are the shadowlands of unconsciousness …

We are not a conscious society, we obey ego, greed, shortage, fear of death. We do not do this out of malice, but simply because consciousness is trapped in the stories that we tell us about ourselves and about life, in our minds …

Whenever death becomes overpowering and threatening in the stories and stands as a loss at our door, we have the opportunity to get to know conscious being. Turning our attention to silence, draws consciousness from the stories, as the genie from the bottle and then it recognizes itself.

Perhaps the constant closeness of death is fertile ground to artists ? We need death to step out of the shadows. Painting is like dying …

Weckruf / Wake up call

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Foto: Renée Kellner

Die stille Riesin, die in deiner Form geschlafen hat, erwacht. Sie hat keine Grenzen, erstreckt sich ewig inmitten der Phänomene. Ihr Atem strömt durch die Geheimgänge der Herzen. Sie durchdringt dich, ihr seid jederzeit zusammen und doch kannst du sie niemals besitzen. Euer zu Hause ist die Weite des „Hier“ und es ist immer offen. Dankbar, sich selbst kennenzulernen, feiert sie mit dir hier den Augenblick …

Doch etwas in dir möchte dich in die Geisterstadt der Gedanken entführen, dort erntest du Geistergras, versklavt von niemanden, gespalten und verstrickt. Dort irrst du verschwunden in den Gassen, glaubst den Straßenhändlern, die an dir zerren und dir ihren hohlen Tand verkaufen wollen. Sie erzählen, dass dir etwas fehlen würde, dass du noch nicht komplett wärst und sie könnten dir zeigen, wo du zu suchen hättest, etwas Bedeutsames, etwas Wichtiges …

Langsam, langsam, über die Jahrtausende findest du deinen Weg zurück ins „Hier“. Wenn du den alten Stimmen nicht mehr glaubst, wenn du gar nichts mehr glaubst, spürst du bereits die stille Präsenz der Riesin und das Hier breitet sich aus. Dieser wilde, lebendige Raum, in dem rein gar nichts fehlt, in dem du immer so willkommen bist, wie du gerade bist …

 

 

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The silent giantess, who has slept in your form, awakens. She has no limits, extends forever in the midst of phenomena. Her breath streams through the secret passages of hearts. She pervades you, you are always together and yet you can never own her. Her home is the vastness of  „here“ and it is always open. Thankful to meet herself, she celebrates the moment with you …

But something in you wants to kidnap you into the ghost town of thoughts, where you harvest ghost grass, enslaved by no one, split and entangled. There you are lost in the alleys, believing the street vendors, who tug at you and try to sell their hollow trumpery. They tell you that you are missing something, that you are not yet complete and they could show you where to find, something significant, something important …

Slowly, slowly, over the millennia you will find your way back to „here“. If you no longer believe the old voices, if you no longer believe in anything, you already feel the silent presence of the giantess and the here spreads out. This wild lively space, where nothing is missing, where you are always welcome just as you are …

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Spieglein, Spieglein an der Wand / Mirror Mirror on the wall

 

 

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Fotos: Renée Kellner

Durch die Mauer der Trennung sieht man die Magie der Dinge nicht mehr. Der psychologische Verstand – der alte Schmuggler und Schwarzmarkthändler – kreiert durch das Gefühl der Trennung, den Verlust von etwas Wesentlichen und beginnt dann auch gleich damit ein Problem zu entwickeln und Lösungsmöglichkeiten zu finden. Er leitet die Suche an und vertieft damit den Glauben, das, wonach wir uns sehnen, sei nicht da …

Wenn die Wand zum Spiegel wird, enthüllt dieser das ausgefuchste Spiel, indem er all die unbewussten Geschäfte des Denkens NICHT zeigt. Er zeigt nicht Wünsche und Wollen, er zeigt nicht, was fehlt, nicht, was falsch läuft, nichts, was im Weg ist, keine religiösen oder politischen Parolen, nichts auf das man warten müsste und nichts, was man glaubt, noch suchen zu müssen …

Wenn die Wand zum Spiegel wird, zeigt dieser nur, was wirklich hier ist. Er zeigt das vergessene Gesicht, bringt alles hierher zurück, was ausgelagert wurde. Was auch immer man performt, reflektiert er, ohne zu werten. Auch wenn man alle Manipulationstricks mit ihm versucht, hilft er bloß, durch sein Spiegeln, zu erkennen. Der Weltenspiegel hat keine Agenda, er spiegelt alles gleich gern …

Wenn die Wand zum Spiegel wird, entsteht im Spiegeln Stille – das freundliche Nichts. Obwohl der Spiegel, außer zu reflektieren, nichts tut, verändert sich dadurch alles. Durch das Erkennen lösen sich die inneren Haltegriffe und erste, freie Schritte sind wohlwollend möglich …

Der Spiegel ist riesig, die Einladung der Stille enorm. Hier geht es nicht um nachgeordnete Ziele wie im Denken, sondern um das direkte Atmen von Sternenstaub, um den freien Moment, um die Gnade der Auslöschung der Verwunschenheit allen Ernstes eine bestimmte Person sein zu müssen …

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Through the wall of separation one can no longer see the magic of things anymore. The psychological mind – the old smuggler and black market trader – creates through the illusion of separation, the feeling of loss of something essential and then immediately starts to develop a problem and try to find solutions. He initiates a search and deepens through that the belief that what we long for is not here …

When the wall becomes a mirror, it reveals the leery game by NOT showing all the unconscious business of thinking. The mirror does not show wishes and wills, he does not show what is missing, not what goes wrong, nothing that gets in the way, no religious or political slogans, nothing to wait for and nothing to look for …

When the wall becomes a mirror, it only shows what is really here. He shows the forgotten face, brings everything back here, what was outsourced. Whatever one performs, he reflects without judging. Even if you try all the manipulation tricks with him, he only helps to recognize by his mirroring. The World Mirror has no agenda, he likes to reflect everything …

When the wall becomes a mirror, silence arises in the mirroring – the friendly nothingness. Although the mirror does nothing but reflect, everything changes. By recognizing the inner grips are loosening and first, free steps are benevolent possible …

The mirror is huge, the invitation of silence enormous. This is not about subordinate goals as in thinking, but about the direct breathing of stardust, about the free moment, about the grace of extinguishing the spell to be a certain person in all seriousness …

Die richtige Temperatur / The right temperature

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Endlich wieder im Atelier! Halbzeit bei der Leiterskulptur, das erste Mal, das ich ein vorgefundenes Objekt mir Scherben beklebe. Hat natürlich jede Menge philosophischer Bezüge, wie sich das gehört für einen Old School Künstler. Frei nach Ramakrishna: wenn du einem Kind sagst, dass eine Leiter, Leiter genannt wird, sieht es nie mehr eine Leiter. Wir haben die Welt verkonzeptionalisiert, eingewickelt in Sprachfetzen und Sinnzusammenhängen. Das geht nicht, da braucht es einen heroischen Bildhauer, der die Dinge sprichwörtlich zerschlägt und neu zusammensetzt, damit man sie wieder in ihrer ursprünglichen Magie sieht, he he …

Und was kann man alles mit einem unschuldigen Porzellankrug anstellen? Nun seht es euch an, ein paar einfache Eingriffe und er ist ein rituelles Gefäß! Man stelle ihn während einer Performance auf zum richtigen Zeitpunkt an dem rechten Ort und braucht nur zu warten. Die Götter können einem rituellen Gefäß, das ordentlich gestaltet ist, nicht widerstehen, sie steigen rein und schon ist der Krug Bindeglied. Einem lebendigen Wesen gleich beginnt er zu erzählen, antwortet sogar, wenn man nachfragt! Und wieder habe ich ein armes Objekt vor dem wahnsinnigen Nutzdenken unserer Zeit gerettet …

Recht viel Arbeit, das große Bild braucht noch was, das war schon so herrlich unkontrolliert, wurde dann wieder sehr konkret und jetzt braucht es den alten Alles-auf-eine-Karte-hopp-oder-tropp-Trick, entweder es ist dann voll hinüber oder fahrt ab ins Zeitlose. Dann noch die neue Maske, bis zur KunstMeeting Tour möchte ich sie noch fertig bekommen, Halleluja, wird diesmal noch durchgeknallter als üblich, wie ein geiler, dunkelblau/goldener Scherbenhaufen im Gesicht, wie ein Batman Maske auf Drogen, dem ein Vogel quer drüber geklatscht ist …

Ich leg mich kurz hin, so zusammengerollt und zack, ich bin eine Art Urform, wie ein Fossil, Briant der Ammonit, muss ich skizzieren, keine Ahnung, was aus dem noch wird, aus dem großen Bild könnte sich eine Serie entwickeln, oder eine Skulptur vielleicht? Wie immer bin ich Teil einer Kommunikation, die ich immer erst dann verstehe, wenn es offensichtlich wird. Bis dahin gilt blindes Vertrauen. Ich weiß, alles passt zueinander, wie eine Sprache unter Liebenden …

Pause! Danke Maronitascherl vom Bäcker, danke Schlückchen Rotwein aus einem Kristallglas, danke Esbjörn Svensson Trio, ich hab deine supergroovigen Jazznummern kaum dreimal gehört, schon kommen sie daher wie alte Freunde. Draußen glüht die Nacht, drinnen ist alles schön verrückt. Was soll man machen? ES will das alles durch mich erleben, ES benützt meine Form für seine wilden Spiele; ich mach ihm nur die Tür auf, bin bloß Marionette. Und wenn ich nicht alles herzlich erlaube, was hier abgeht, dann kriegt die Ateliernacht nicht dieses frische Feuer, das ganze Atelier ist bereits wie ein Ritualgefäß und es kriegt schon langsam die richtige Temperatur …

 

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Finally back in the studio! Halftime with work at the ladder sculpture, the first time that I glue my shards on a ready made object. Of course it has a lot of philosophical references, as it is custom for an old school artist. According to Ramakrishna, when you tell a child that a ladder is called a ladder, it never sees a ladder again. We have conceptualized the world, wrapped it up in language fragments and contexts of meaning. Enough! We need a heroic sculptor who literally smashes things up and reassembles them to see them back in their original magic, he he …

And what can you do with an innocent porcelain jug? Now look at it, a few simple interventions and it is a ritual vessel! Set it up during a performance at the right time in the right place and just wait. The gods can not resist a ritual vessel that is neatly designed, they go in and the jug becomes a link. Like a living being, it begins to tell, it even answers when asked! And again I have saved a poor object from the mad materialistic thinking of our time …

Quite a lot of work here, the big painting still needs something, it was done so wonderfully uncontrolled, then became very concrete again and now it takes the old to-go-for-broke-all-or-nothing-trick, either it has had it then or it takes off into timelessness. And then the new mask: until the KunstMeeting tour I would like to get it done, Hallelujah, this time it gets even crazier than usual, like a wicked, dark blue / gold pile of broken shards right in the face, like a Batman mask on drugs, with a bird smacked across it …

I lie down for a moment, rolled up and Peng!, I’m a kind of an archetype, like a fossil, Briant the ammonite, I have to sketch that, no idea what’s going to happen with it: maybe out of the big painting a series could develope, or a sculpture maybe? As always, I am part of a communication that I understand only when it becomes obvious. Until then, just blind trust works. I know, everything fits together, like a language among lovers …

Break! Thank you Chestnut Muffin from the bakery, thank you sip of red wine from a crystal glass, thank you Esbjörn Svensson Trio, I’ve barely heard your supergroovious jazz  compositions three times, yet they come along like old friends. Outside, the night is glowing, inside everything is pretty crazy. What can you do? IT wants to experience all this through me, IT uses my form for its wild games; I’m just opening the door for it, I’m just a marionette. And if I do not allow everything that goes on here from my heart, the studio night does not get this fresh fire, the whole studio is already like a ritual vessel and it is getting slowly the right temperature …

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Your best friend

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Fotos: Renée Kellner

Es ist, als wäre man zu zweit: zwei Personen, die ineinander verwoben sind. Die eine Person ist eigentlich keine Person, eher eine Wesenheit, sie hat nur wage Umrisse und ist dennoch das einzig Wirkliche weit und breit, der Grund, aus dem die Dinge sind. Sie lebt verborgen in offener Sicht. Wird gesucht, obwohl sie das Allgegenwärtigste ist, wird mystifiziert, obwohl sie das Normalste ist. Sie ist der beste Freund, nimmt unbedingt Teil und verbirgt doch ihre Wunder vor aller Augen …

Die andere Person, mit und zu der man heranwächst, hat einen Namen und eine kontinuierliche Geschichte, mit der man sich üblicherweise identifiziert und sagt: Das bin ich. Das sieht über weite Strecken so real aus, man käme nicht auf die Idee, das anzuzweifeln. Dennoch fehlt dieser Person etwas. Obwohl sie scheinbar so wirklich ist, hält sie keiner genauen Untersuchung stand, ist gestrickt aus Gedankenfäden und braucht ein enormes Maß an Anstrengung, um über die Runden zu kommen. Weil sie eigentlich so wenig real ist, braucht sie ständig Bestätigung, möchte sie Anerkennung und Bedeutung, um zumindest das Gefühl zu haben, jemand zu sein …

Die eine Person, der beste Freund ist der anderen Person näher als der Atem, er führt ihre Hand und flüstert in ihr Ohr. Obwohl er von der anderen Person übersehen, vergessen und ignoriert wird, kennt er doch ihre Sehnsucht und ist immer offen und bereit …

Die andere Person glaubt immer irgendwohin zu müssen, glaubt immer, etwas müsse anders sein. Die eine Person ist schon da und alles darf sein, wie es ist …

Die andere Person sucht immer etwas, will immer etwas, das nicht hier ist. Sie sucht in Wahrheit die eine Person, den besten Freund …

Die beiden treffen sich an der Spiegelfläche, hier lädt der beste Freund die andere Person zum Rendezvous ein. Und er ist ein guter Verführer: er kennt seine Tricks, er macht alles genauso wie die andere Person – jede ihrer Handlungen, jedes noch so winzige Detail – vollführt sie jedoch in Liebe, Freude und Freiheit. Wer kann da schon widerstehen? Der anderen Person bleibt nur mehr Hingabe …

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It’s like two persons living in one: together intertwined.
The one person is actually not a person, more a being, it has only vague outlines and yet is the real deal, the cause of things. It lives hidden in open view. It is sought, though being the most omnipresent, is mystified even though it is the most normal. It is the best friend, it takes totally part and yet hides its miracles in front of all eyes …

The other person is the one with whom you grow up with, which has a name and a certain history and  you usually identify with it and say: That’s me. This looks so real over long distances, you would not have the idea to doubt it. Nevertheless, this person is missing something. Although it seems so real, it does not stand up to any inquiry, it is knit with thought threads, and needs a tremendous amount of effort to make ends meet. Because it is so unreal, it always needs confirmation, wants recognition and meaning, to feel that it at least is somebody …

The one person, the best friend is closer to the other person than the breath, it takes its hand and whispers in its ear. Although it is overlooked, forgotten and ignored by the other person, it knows its longing and is always open and ready …

The other person always believes it has to go somewhere, believes something should be different. The best friend is already here and everything may be as it is …

The other person is always looking for something, always wants something that is not here. Essentially it is looking for the one person, the best friend …

The two meet at the mirror surface, here the best friend invites the other person to a rendezvous. And it is a good seducer: it knows its tricks, it does everything the same way as the other person – each of its actions, every minute detail – executes them in love, joy and freedom. Who could resist that? There is nothing else for the other person but to surrender …

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Ataraxia

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„Es ist Zeit die Konsensrealität zu missachten.“

Charles Eisenstein

Offenheit brennt dir Löcher in den Teppich deines Egos. In der Öffnung hältst du die Stange der Stille hoch inmitten der Schlachtfelder der Konditionierung, selbst wenn Furien nach dir schnappen. In jedem Moment von Offenheit atmest du mit den Gestirnen, auch wenn die alten Stimmen wie Sirenen schreien im trockenen Wald …

Egal welche Klammer dich hält und welche Stricke dich binden, in der Öffnung lösen sie sich. Egal welche Geschichten dir die ausgefuchsten Fischhändler, Priester und Politiker in die Ohren blasen, in jedem Augenblick von Stille wird dein Spiegel klarer …

Immer wenn du die Türen öffnest und den Wachposten der Stille betrittst, gewinnt das Abenteuer über die Knechtschaft. Egal wie erschöpft du bist und wie sehr du von quälenden Trugbildern verfolgt wirst, jedes Mal, in deiner offenen, stillen Präsenz bekommt das Unaussprechliche deinen ganz besonderen, frechen Blick …

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„It’s time to disregard consensus reality.“
Charles Eisenstein

Openness burns holes in your ego’s carpet. In the opening you hold the pole of silence high in the midst of battlefields of conditioning, even when furies snap at you. In every moment of openness you breathe with the stars, even if the old voices scream like sirens in the dry forest …

No matter which brackets hold you and which ropes bind you, they dissolve in the opening. No matter what stories the sleeky fishmongers, priests and politicians blow in your ears, in every moment of silence your mirror becomes clearer …

Whenever you open the doors and enter the Sentinel of Silence, adventure wins over bondage. No matter how exhausted you are and how much you are persecuted by tormenting illusions, every time, in your open, silent presence, the inexpressible gets your very special, cheeky look …

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Kultivierung der Freude / Cultivation of joy

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Fotos: Renée Kellner

Wer vom Brunnen der Stille genascht hat, wer vom Wein der Freude gekostet hat, will mehr, will das immer, will nach Hause. Man kann die Stille jedoch nicht dazu bringen, ihre Geheimnisse zu lüften. Weder durch Wollen, durch Disziplin, durch Verführung oder durch Bitten und Betteln, noch wenn wir wieder und wieder mit dem Kopf gegen die Wand der Trennung laufen. Die Existenz zeigt sich erst dann, wenn sie sich zeigt, wie ein Geschenk, nicht wenn man etwas richtig oder falsch gemacht hat. Sie entfaltet sich in einer Freiheit, die sich allen Manipulationsversuchen – die man im Laufe des Lebens gelernt hat – entzieht …

Es ist gut zu wissen, was man tun kann und was nicht. Das, was wir im Grunde sind, unterhalb oder innerhalb unserer unterschiedlichen konditionierten, psychologischen Persönlichkeiten, hat bestimmte Eigenschaften: ES ist eins, lebt in Fülle, ist offen, es kann nicht werten, es ist bereit wie ein Kind, und es bewegt sich in Freude, wie ein Fisch im Wasser …

Taucht man diese Eigenschaften ein, bis man sie nicht nur kennt oder betrachtet, sondern wirklich IST, wird jede dieser Qualitäten zu einem Portal. Und das ist etwas, das man tun kann:

Dinge, die Trennung schaffen, die Mangel kreieren oder die bewerten und verurteilen zu vermeiden, oder zu mindestens ihren Wahrheitsgehalt infrage zu stellen. Das betrifft an die 95 % unserer Gedankentätigkeit …

Offenheit zelebrieren. Offen zu sein, ist ein magischer Platz, an dem wir an keinen Meinungen kleben. Ein Raum, in dem wir lauschen und verfügbar sind für die Strömungen des Wesentlichen …

Freude kultivieren, selbst den kleinsten Funken an Freude oder Bereitschaft folgen, es zu lernen, Freude in unbedeutendsten Bewegungen des Alltags zu finden, sich darin körperlich der Glut der Freude zu überantworten. Überall wo wir unsere Existenz von Herzen genießen, sind wir zu Hause …

 

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Who has nibbled from the well of silence, who has tasted the wine of joy, wants more, wants that all the time, wants to come home. But you can not force silence to unlock its secrets. Not by wanting, by discipline, by seduction or by begging, nor by running our heads against the wall of separation again and again. The existence shows itself only on ist own accord, like a gift, not when you did something right or wrong. It unfolds in a freedom that defies all manipulation attempts – which one has learned in the course of life – …

It’s good to know what you can and can not do. What we basically are, underneath, or within our different conditioned, psychological personalities, has certain qualities: It is one, lives in abundance, is open, it can not judge, it is willing as a child, and it moves in Joy, like a fish in the water …

If one dives into these qualities, until one not only knows or looks at them, but actually BECOMES them , each of these qualities are a portal. And that’s something you can do:

Avoid things that accomplish separation, create lack, or judgement, or at least question their veracity. This concerns about 95% of our thought activity.

Celebrate openness. Being open is a magical place where we stick to no opinions. A space in which we listen and are available for the currents of essence.

To cultivate joy, to follow even the smallest spark of joy or willingness, to learn to find joy in the most insignificant movements of everyday life, to physically surrender oneself into the glow of joy. Wherever we relish our very existence, we are at home …

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Joy and Fear

 

Parallel Landscape 1

„Wie ist es möglich da zu sein?“

Rainer Maria Rilke

Der psychologische Verstand webt Ungenügen ins Erleben, streut Zweifel und mischt etwas Versäumnis hinzu, so als wäre da ständig etwas, dass zu korrigieren wäre, um die Persönlichkeit zu verbessern. Das lässt so einen Geschmack von Mangel zurück, es wirft einen Schleier über die Person wie eine Religion. Mit diesem ungenügenden Blick betrachten wir einander. Das Grundgefühl dieser Lebenskultur ist Angst …

Das schleichende Gift wirkt jedoch nur in der Dunkelheit der Ego-Trance. Sobald etwas Licht auftaucht, vertreibt es die Gespenster der Nacht …

Die Hüter der Morgensonne tauchen durch das Gedankenwasser auf den Grund der Dinge. Hier wachen sie in süßem Bann. Stille streift durch die Landschaft ihrer Körper, ohne auch nur auf ein geringstes Hindernis zu treffen. Sie haben den Flaschengeist, der in ihnen wohnte nach Hause geschickt. Niemand glaubt mehr an den Sand, den er in Augen streut. Die verliebten Wächter werfen sich in die Arme des Windes, das Grundgefühl ihrer Lebenskultur ist Freude …

 

Parallel Landscape 8

„How is it possible to be here?“
Rainer Maria Rilke

The psychological mind weaves inadequacies into experience, sprinkles doubts, and adds some omission, as if there were always something to be corrected to improve one’s personality. That leaves behind a taste of constant lack, it casts a veil over the person like religion does. With this gaze to be not o.k., we look at each other. The basic feeling of this culture is fear …

This creeping poison works only in the darkness of ego-trance. As soon as some light appears, it dispels the ghosts of the night …

The guardians of the morning sun dive through the water of thought to the bottom of things. Here they are awake in a sweet ban. Silence wanders through the landscape of their bodies without encountering even the slightest obstacle. They sent the genie who lived in them back home. No one believes anymore in the sand they scatter in ones eyes. The amorous guards throw themselves into the arms of the wind, the basic feeling of their culture is joy ….

 

Die Kunst ist ein einziger weißer Fleck / Art is a unique white spot

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Hey now, all you children
Leave your lights on
You better leave your lights on
‚Cause there’s a monster
Livin‘ under my bed
Whisperin‘ in my ear
And there’s an angel
With her hand on my head
She say I got nothing to fear.

Songtext „Put your Lights on“ von Everlast

Als Kind war ich oft entäuscht, weil es keine weißen Flecken mehr auf den Landkarten gab, alles war schon entdeckt, keine richtigen Abenteuer mehr. Oh Mann, wie sehr ich mich geirrt habe! Das Leben ist ein einziger weißer Fleck …

In Da Vincis Tagebüchern stand zu lesen, er hätte sich angesichts der Leistung vorangegangener KünstlerInnen, gefragt, was er denn da überhaupt noch neues finden könnte, alles sei ja schon gemacht worden. Oh Mann, wie sehr er sich geirrt hat! Die Kunst ist ein einziger weißer Fleck …

Drehen wir im Höhlensystem unserer Gedanken ewige Runden, befinden wir uns immer, egal wo hin wir uns wenden, in der Vergangenheit. Der Verstand besteht aus Vergangenheit, er kann nur aus bereits da gewesenem schöpfen, das wirklich Neue kennt er nicht. Seine Gefilde bestehen nur aus Projektionen in Dunkelheit …

Drehen wir das Licht an, sehen wir den weißen Fleck immer neu. Er ist aus dem seltsamen Stoff gesponnen, der niemals altert. Während er sich ständig erneuert, nimmt er gern deine Farbe auf und freut sich auf deine Berührung. Durchmisst unser Körper das Licht der Stille, wandern wir im Kristallregen immer neuen Abenteuern entgegen …

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Hey now, all you children
Leave your lights on
You better leave your lights on
‚Cause there’s a monster
Livin‘ under my bed
Whisperin‘ in my ear
And there’s an angel
With her hand on my head
She say I got nothing to fear.

Songtext „Put your Lights on“ Everlast

As a kid I was often disappointed because there were no more white spots on the maps, everything was already discovered, no more real adventures. Oh man, how wrong I was! Life is a unique white spot …

In Da Vinci’s diaries was to read, he had trouble finding the new. The artists before him seem to have done everything essential already. Oh man, how wrong he was! Art is a unique white spot …

If we turn eternal rounds in the cave system of our thoughts, we are always, no matter where we turn, in the past. The mind consists of the past, it can only synthesize from already existing, he does not know the actually new. His realms consist only of projections in darkness …

When we turn on the light, we always see the white spot new again. It is spun out of the miraculous stuff that never ages. As it keeps renewing itself, it likes to pick up your color and looks forward to your touch. As our body strides across the light of silence, we will continue to walk in the crystal rain towards new adventures ….

 

Stille Wasser sind tief / Still waters run deep

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Fotos: Renée Kellner

Hinter den sieben Bergen in der Seestadt Aspern wohnte einmal ein Bildhauer. Im wahrsten Sinne des Wortes erhaute er sich seine Bilder mit dem Hammer, zerbrach Nützliches und beklebte praktische Dinge mit Scherben, um sie unbrauchbar zu machen. Ja, aus den Scherben entstanden zwar recht scharfe Skulpturen, aber wundert sich hier niemand, warum dort lauter Unsinn gemacht wird? Warum macht dieser Mann alles zunichte? Ist er verwunschen?

Zum besseren Verständnis: der Bildhauer wusste es selbst nicht, allein die Stille kennt den Grund. Der Bildhauer fischte in den Gewässern der Stille nicht nach Nützlichen, damit hatte man seine Welt sowieso schon überfrachtet. Er hoffte noch nicht mal darauf, seine Wünsche zu fangen. Nichts, dass er sich vorzustellen vermochte, machte ihn satt …

Bald hatte er alles zerschlagen, seine alte Welt zum Schweigen gebracht, um das zu sehen, was immer übersehen wurde. Wenn der intime Blick nicht mehr durch immer neue Dinge verstellt wird, erhebt sich das klare Leben, pure Lebendigkeit, aus den Scherbenhaufen und die Gestalten der Stille geben ihre Geheimnisse preis …

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Behind the seven mountains in the Seestadt Aspern lived once a sculptor. He smashed around with a hammer, broke up useful objects, and pasted shards all over practical things to make them useless. Yes, out of the broken pieces, some quite sharp sculptures arose, but is there no one wondering why he created such a lot of nonsense? Why does this man ruin everything? Is he haunted?

For a better understanding: the sculptor does not know it himself, only the silence knows the reason. The sculptor did not not fish for useful things in the waters of silence, his world was already overburdened by them anyway. He did not even hope to catch his wishes. Nothing that he could imagine made him full …

Soon he had smashed everything, silenced his old world to see what was always overlooked. When the intimate gaze is no longer obscured by ever new things, clear life, pure liveliness rises out of the heap of shards and the figures of silence reveal their secrets …

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