Blues in Paradise

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Fotos: Renée Kellner

Immer wieder mal kommen DIESE Gefühle zu Besuch, hüllen einem in kratzige Filzdecken und trübe Wolken. Jaja, entzünden sich die alten Stimmen, irgendetwas läuft hier ganz falsch und man verdächtigt auch bereits jemanden sehr wohl schuld an dem ganzen Dilemma zu sein. Manchmal ist es jemand bestimmter, meistens ein enger Angehöriger oder das ganze Universum, manchmal man selber. Der Blues ist zu Gast und spielt seine Mundharmonika …

Für das Drama braucht man die passende mentale Geschichte, je fester man daran glaubt, je stärker die Überzeugung ist, recht zu haben, desto wirklicher wird das Ganze. Und das treibt dann in all seiner Ernsthaftigkeit umher, wie Rauch der sich bereitwillig in den Wind reibt …

Das Gesicht der Liebe versteckt sich hinter all dem Gedöns und grinst wie die Sonne hinter Wolken. Sie hat leicht lachen, aus einer gewissen Distanz betrachtet entbehrt es ja auch wirklich nicht eines gewissen Humors. Wie wir da in unseren Dramablasen hocken, ganz sicher recht haben, gegen Gott und die Welt wettern, weil wir einfach nicht bekommen, was wir wollen …

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Again and again, THESE feelings come to visit, wrap you in scratchy felt blankets and murky clouds. Yah yah, the old voices ignite, something is going quite wrong here and someone is already suspected guilty causing the whole dilemma. Sometimes it is someone particular, usually a close relative, or the whole universe, sometimes oneself. The Blues is a guest and plays his harmonica …

You need the right mental story for the drama, the harder you believe in it, the stronger the conviction is to be right, the more real the whole thing becomes. And that goes on in all its seriousness, like smoke rubbing willingly into the wind …

The face of love hides behind all the fuss and grins like the sun behind clouds. Its all very well for her to laugh, but from a certain distance it really does not lack a certain humor. How we are sitting there in our drama bubbles, certainly right, raging against God and the world, because we just do not get what we want …

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Weckruf / Wake up call

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Foto: Renée Kellner

Die stille Riesin, die in deiner Form geschlafen hat, erwacht. Sie hat keine Grenzen, erstreckt sich ewig inmitten der Phänomene. Ihr Atem strömt durch die Geheimgänge der Herzen. Sie durchdringt dich, ihr seid jederzeit zusammen und doch kannst du sie niemals besitzen. Euer zu Hause ist die Weite des „Hier“ und es ist immer offen. Dankbar, sich selbst kennenzulernen, feiert sie mit dir hier den Augenblick …

Doch etwas in dir möchte dich in die Geisterstadt der Gedanken entführen, dort erntest du Geistergras, versklavt von niemanden, gespalten und verstrickt. Dort irrst du verschwunden in den Gassen, glaubst den Straßenhändlern, die an dir zerren und dir ihren hohlen Tand verkaufen wollen. Sie erzählen, dass dir etwas fehlen würde, dass du noch nicht komplett wärst und sie könnten dir zeigen, wo du zu suchen hättest, etwas Bedeutsames, etwas Wichtiges …

Langsam, langsam, über die Jahrtausende findest du deinen Weg zurück ins „Hier“. Wenn du den alten Stimmen nicht mehr glaubst, wenn du gar nichts mehr glaubst, spürst du bereits die stille Präsenz der Riesin und das Hier breitet sich aus. Dieser wilde, lebendige Raum, in dem rein gar nichts fehlt, in dem du immer so willkommen bist, wie du gerade bist …

 

 

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The silent giantess, who has slept in your form, awakens. She has no limits, extends forever in the midst of phenomena. Her breath streams through the secret passages of hearts. She pervades you, you are always together and yet you can never own her. Her home is the vastness of  „here“ and it is always open. Thankful to meet herself, she celebrates the moment with you …

But something in you wants to kidnap you into the ghost town of thoughts, where you harvest ghost grass, enslaved by no one, split and entangled. There you are lost in the alleys, believing the street vendors, who tug at you and try to sell their hollow trumpery. They tell you that you are missing something, that you are not yet complete and they could show you where to find, something significant, something important …

Slowly, slowly, over the millennia you will find your way back to „here“. If you no longer believe the old voices, if you no longer believe in anything, you already feel the silent presence of the giantess and the here spreads out. This wild lively space, where nothing is missing, where you are always welcome just as you are …

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Das alte und das neue Spiel / The old and the new game

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Fotos: Renée Kellner

Das alte Spiel eine bestimmte Person zu sein, hat einen starken Magnetismus. Wir sind so gewohnt, danach zu streben diese Person zu verbessern oder zu beschützen. Wir kehren ganz automatisch gedanklich immer wieder zu unseren Wünschen, Hoffnungen und Befürchtungen …

Wir selbst halten das alte Spiel aufrecht, weil wir es auch mögen, wenn wir bloß dies oder jenes noch erreichten, wäre alles gut. Das Kleingedruckte in dieser unausgesprochenen Verpflichtung übersehen wir: Mangel, Angst, Anstrengung und Leid schleichen an der Seite unseres Kampfwagens …

Dabei brauchen wir kein langes Gesicht zu machen, wir sitzen mitten an der Diamantentafel, halten den Kopf wie eine Knospe ans Licht. Weigern wir uns wirklich an das alte Spiel zu glauben, entfaltet sich das neue Spiel von Selbst. Das, was wir immer übersehen haben, tritt aus dem Verborgenen, mit einer Präsenz, so klar und einfach, dass unser Kampfwagen fällt und Freude an unserer Seite schleicht …

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The old game of being a particular person has a strong magnetism. We are so used striving to improve or protect this person. In our thoughts we automatically return continuously to our wishes, hopes and fears …

We ourselves keep the old game alive, because we like it, if only we could achieve this or that, everything would be fine. We overlook the small print in this unspoken commitment: lack, fear, effort and suffering sneak by the side of our chariot …

We do not have to make a long face, we sit in the middle of the diamond table, keep our heads like buds to the light. If we really refuse to believe in the old game, the new game unfolds by itself. What we have always overlooked emerges from the hidden, with a presence so clear and simple that our chariot falls and joy pokes along our side.

Wandern im Nichts / Walking in Nothingness

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Fotos: Renée Kellner

Wie ein Detektiv jeden Hinweis nachgehend, schon seit die Zeit aus dem Schatten getreten ist …

Wir wandern im Nichts. Stille schließt unsere Form auf. Wir streunen in Auslöschung auf Seiden knisternden Ebenen des weißen Morgens. Wir flanieren in nichts als Öffnung, die weder Geburt noch Tod kennt …

Der sprachlosen Ahnung folgend, die alleine Herzen kennen, richten wir uns innerlich auf, wächst in uns der Mensch, der wir eigentlich sind …

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Like a detective following any hint, since time has come out of the shadows …

We walk in nothingness. Silence unlocks our form. We roam in obliteration on silky-cracking levels of the white morning. We stroll in nothing but an opening that knows neither birth nor death …

Following the speechless notion that our hearts alone know, we raise inside, becoming the human being that we really are …

Am Grund der Dinge / At the bottom of things

 

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Du rinnst wie Sand im Stundenglas, all das Aufgewühlte sinkt zu Boden. Am Grund der Dinge ist es still …

Am Grund der Dinge breitet sich der Morgen aus, als wär er ewig. Die Geschichten in deinem Kopf brechen wie Eierschalen an der Weltenwand. Übrig bleibt das neue Land, die Vergangenheit hat ihre Anker gelichtet und zieht fort zu den blauen Bergen am Horizont …

Platzen die Gedanken wie Seifenblasen, bleibt allein deine Beziehung zum Grund der Dinge. Ist er Freund oder Feind? Ist er etwas, dass du manipulieren oder kennenlernen willst?

Selbst wenn Gewalten durch die frischen Lande ziehen und es bläst uns volle Kanne um, stehen wir doch wieder auf, nackt, verliebt und bereit zu neuen Schandtaten …

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You run like sand in the hourglass, all the turbulence sinks to the ground. At the bottom of things, it is quiet …

At the bottom of things, the morning spreads as if it were eternal. The stories in your head break like egg shells on the world wall. Only the new country remains, the past has eased its anchor and continues to the blue mountains on the horizon …

When thoughts burst like soap bubbles, only your relationship with the bottom of things is left over. Is it a friend or an enemy? Is it something that you want to manipulate or get to know?
Even when forces run through the fresh lands and blow us down, we stand up again, naked, in love and ready for new outrages …

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Kieselsteine und Wunder / Pebbles and miracles

 

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Man nehme einen x-beliebigen Kieselstein – es muss wahrlich kein Besonderer sein – er könnte ruhig auch Ecken und Kanten haben, farblos sein, wie ein ganz gewöhnlicher Kieselstein eben und schenke ihm Aufmerksamkeit. Wenn man ihn, sagen wir, 20 Jahre lang, als etwas Besonderes hegt und pflegt, ihn immer wieder mit dabei hätte, ihm die Lieblingsorte zeigte, würde er an Bedeutung gewinnen, mit der Zeit wäre er kostbarer als ein Edelstein …

Jetzt nur mal so als Experiment könnte ja ALLES die Stelle des Kieselsteins einnehmen. Würde man einem Projekt, einem Ding, einem Garten, einem Menschen, sich selbst, freundliche Aufmerksamkeit schenken über 20 Jahre, was für wundersame Dinge und Beziehungen könnten entstehen? Ist Aufmerksamkeit Zauberei? Kann man damit Lebensbereiche oder Personen zum Blühen bringen? Erschafft man damit Wirklichkeiten? In dem Moment der ungeteilten Aufmerksamkeit verlässt man den vermeintlichen Schutz des Rechthabens, man wird offen und reicht ins Unbekannte …

Schenkt man der Stille Aufmerksamkeit, öffnen sich die magischen Felder. Hier bekommt das Spiel noch mal eine ganz andere Dimension. Wenn die Stille erblüht, lässt sie ungeahnte Einblicke zu. Sie stellt deine Welt auf den Kopf und versorgt dich mit dem richtig guten Zeug …

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Take an arbitrary pebble – it must not be a peculiar one – it could also have corners and edges, be colorless, just like a normal pebble and give it attention. If, say, for 20 years, you treat it with special care like something very relevant, showing it your favorite places, tell it your secrets, it would gain in meaning, in time it would be more precious than a gemstone …

Now only as an experiment could EVERYTHING take the place of the pebble? If you would  kindly pay attention to a project, a thing, a garden, a person, yourself, over 20 years, what wonderful things and relationships could arise? Is attention magic? Can you use it to make areas of life or people bloom? In the moment of undivided attention one leaves the alleged protection of righteousness, one becomes open and reaches into the unknown …

If you pay attention to silence, the magical fields open. Here the game gets into another level. When the silence blossoms, it allows unimagined insights. It turns your world upside down and provides you with the really good stuff …

Spieglein, Spieglein an der Wand / Mirror Mirror on the wall

 

 

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Fotos: Renée Kellner

Durch die Mauer der Trennung sieht man die Magie der Dinge nicht mehr. Der psychologische Verstand – der alte Schmuggler und Schwarzmarkthändler – kreiert durch das Gefühl der Trennung, den Verlust von etwas Wesentlichen und beginnt dann auch gleich damit ein Problem zu entwickeln und Lösungsmöglichkeiten zu finden. Er leitet die Suche an und vertieft damit den Glauben, das, wonach wir uns sehnen, sei nicht da …

Wenn die Wand zum Spiegel wird, enthüllt dieser das ausgefuchste Spiel, indem er all die unbewussten Geschäfte des Denkens NICHT zeigt. Er zeigt nicht Wünsche und Wollen, er zeigt nicht, was fehlt, nicht, was falsch läuft, nichts, was im Weg ist, keine religiösen oder politischen Parolen, nichts auf das man warten müsste und nichts, was man glaubt, noch suchen zu müssen …

Wenn die Wand zum Spiegel wird, zeigt dieser nur, was wirklich hier ist. Er zeigt das vergessene Gesicht, bringt alles hierher zurück, was ausgelagert wurde. Was auch immer man performt, reflektiert er, ohne zu werten. Auch wenn man alle Manipulationstricks mit ihm versucht, hilft er bloß, durch sein Spiegeln, zu erkennen. Der Weltenspiegel hat keine Agenda, er spiegelt alles gleich gern …

Wenn die Wand zum Spiegel wird, entsteht im Spiegeln Stille – das freundliche Nichts. Obwohl der Spiegel, außer zu reflektieren, nichts tut, verändert sich dadurch alles. Durch das Erkennen lösen sich die inneren Haltegriffe und erste, freie Schritte sind wohlwollend möglich …

Der Spiegel ist riesig, die Einladung der Stille enorm. Hier geht es nicht um nachgeordnete Ziele wie im Denken, sondern um das direkte Atmen von Sternenstaub, um den freien Moment, um die Gnade der Auslöschung der Verwunschenheit allen Ernstes eine bestimmte Person sein zu müssen …

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Through the wall of separation one can no longer see the magic of things anymore. The psychological mind – the old smuggler and black market trader – creates through the illusion of separation, the feeling of loss of something essential and then immediately starts to develop a problem and try to find solutions. He initiates a search and deepens through that the belief that what we long for is not here …

When the wall becomes a mirror, it reveals the leery game by NOT showing all the unconscious business of thinking. The mirror does not show wishes and wills, he does not show what is missing, not what goes wrong, nothing that gets in the way, no religious or political slogans, nothing to wait for and nothing to look for …

When the wall becomes a mirror, it only shows what is really here. He shows the forgotten face, brings everything back here, what was outsourced. Whatever one performs, he reflects without judging. Even if you try all the manipulation tricks with him, he only helps to recognize by his mirroring. The World Mirror has no agenda, he likes to reflect everything …

When the wall becomes a mirror, silence arises in the mirroring – the friendly nothingness. Although the mirror does nothing but reflect, everything changes. By recognizing the inner grips are loosening and first, free steps are benevolent possible …

The mirror is huge, the invitation of silence enormous. This is not about subordinate goals as in thinking, but about the direct breathing of stardust, about the free moment, about the grace of extinguishing the spell to be a certain person in all seriousness …