HEY SCHÖN, DASS DU DA BIST! / HEY, NICE THAT YOU ARE HERE NOW!

Als Kunsttherapeut zeigen mir Menschen gerne eine Seite von sich, die ihr kreatives Ausgedörrtsein beklagt, und verkünden ihren Wunsch danach, mehr in ihrem Herzen zu sein. Meistens wird das so dargestellt, als wäre alles bereit, man kommt jedoch einfach nicht in das Tun in die aktive Hinwendung. Die Anzahl dieser ähnlichen Aussagen macht es für mich zu einem bemerkenswerten gesellschaftspolitischen Phänomen …

Der Beginn der Hinwendung, das erste Tun, ist eine Art Öffnung, ein Zuhören, das in der Sekunde die strenge – scheinbar schützende – doch eigentlich verhindernde Schale bricht. Der Körper öffnet sich und die Sinne nehmen ihre Kommunikation auf. Je mehr sich die köstliche Achtsamkeit dem Hintergrund der Dinge dem Raumbewusstsein zuwendet, desto mehr fließen die kreativen Ströme des Seins …

Egal wie lange wir Bedürfnisse und Sehnsüchte des*der inneren Künstler*in, zugunstun des Überlebenskampfes ignoriert hatten, egal wie lange die Zeit der Ablenkungen dauerte, jede aufrichtige Zuwendung wird sofort begrüßt mit einem: Hey, schön, dass du jetzt da bist!

As an art therapist, people like to show me a side of themselves that laments their creative parchedness and announce their desire to be more in their hearts. Most of the time this is presented as if everything is ready, but you just can’t get into the doing in the active turning. The number of these similar statements makes it a remarkable socio-political phenomenon for me …

The beginning of the orientation towards, the first doing, is a kind of opening, a listening, which breaks the strict – apparently protective – but actually preventing shell in a second. The body opens up and the senses begin to communicate. The more the delicious mindfulness turns to the background of things turns to the spatial consciousness, the more the creative streams of being flow …

No matter how long we had ignored the needs and desires of the inner artist, in favor of the struggle for survival, no matter how long the time of distractions lasted, every sincere turning towards it is immediately greeted with a: Hey, nice that you are here now!

SECRETS OF MIND

Der Verstand interpretiert die Welt so wie er konditioniert wurde. Identifiziert man sich unbewusst damit, bleibt einem nichts anderes übrig, als immer wieder dieselben Mustern und Loops zu durchleben. Das ist ein mechanischer Prozess, der sich auf Sicherheit bezieht, alles andere wäre viel zu gefährlich …

Interessanterweise hat der Verstand – fast wie ein Wesen – eine geheime Neigung zur Befreiung. Er möchte die vermeintliche Sicherheit um jeden Preis aufrecht erhalten, ist insgeheim jedoch auch müde, dieser ungeheuren Anstrengung sich gegen die Offenheit des Lebens zu panzern …

Der Verstand entspannt sich, wenn er mehr und mehr versteht, wie unwahr die Geschichten sind, die er erzählt. Er kann erst loslassen, wenn er sieht, dass etwas anderes – etwas noch Fähigeres als er selbst – die Geschicke der Welt trägt …

The mind interprets the world as it has been conditioned. If you unconsciously identify with it, you have no choice but to live through the same patterns and loops over and over again. This is a mechanical process, which refers to security, everything else would be much too dangerous …

Interestingly, the mind – almost like a being – has a secret tendency to liberation. It wants to maintain the supposed security at all costs, but is secretly tired of this enormous effort to armor itself against the openness of life …

The mind relaxes as it understands more and more how untrue the stories it tells are. It can only let go when it sees that something else – something even more capable than itself – carries the destinies of the world …

VOLLKOMMENE UNVOLLKOMMENHEIT / PERFECT IMPERFECTION

Es ist schon erstaunlich, dass man trotz fortgeschrittenen Alters immer noch so unbeholfen mit vielen Dingen ist. Man hat so seine kompletten Baustellen, manches, dass man so halbwegs im Griff hat und relativ wenig hat man wirklich gut drauf …

Im Kollektiven macht uns das zu einer Gesellschaft, die herzlich ungeschickt mit Herausforderungen umgeht. Umweltthematik, Politik, Umgang mit dem anderen Geschlecht, mit anderen Kulturen, mit Andersdenkenden etc. Ganz zu schweigen von der Entwicklung der Menschlichkeit …

Die offensichtliche Unvollkommenheit in individuellen und kollektiven Bereichen kann man streng und ernst nehmen, die eigene Unzulänglichkeit ausblenden und einander Schuld oder Versagen vorwerfen …

Man kann das Ganze allerdings auch mit einer gewissen Portion Humor sehen, denn Dinge Ala Laurel und Hardy in den Sand zu setzen war ja schon immer eine Lachnummer. Gepaart mit etwas Freundlichkeit käme man der Entwicklung der Menschlichkeit einen entscheidenden Schritt näher …

It’s amazing that despite one’s advanced age one is still so clumsy with many things. You have your disaster sites, some things that you have halfway under control and relatively little you are really good at …

Collectively, this makes us a society that deals with challenges in a heartily clumsy manner. Environmental issues, politics, dealing with the opposite sex, with other cultures, with those who think differently, etc. Not to mention the development of humanity …

The obvious imperfection in individual and collective areas can be taken strictly and seriously, one can ignore one’s own inadequacy and blame another for failure …

But you can also look at the whole thing with a certain amount of humor, because to mess things up like Laurel and Hardy has always been a good laugh. Coupled with a little friendliness one would come a decisive step closer to the development of humanity …

TALKING TO THE MOON

Mit dem Mond zu sprechen bedingt den ganzen Menschen, nicht bloß die kleinen gedanklichen Wellen an der Oberfläche. Es braucht die Stimme aus der Tiefe des Herzens. Die Antwort des Mondes hört man nicht mit den Ohren, der ganze Körper lauscht seiner ungeheuerlichen Existenz …

Was man dem Mond erzählt, geschieht bereits. Mit 1000 feinen Silberklingen löst er den Kokon, befreit aus der Maske der Welt. In seinem Licht spiegelt sich der eigene nackte Glanz …

Kein Wunder, dass man früher tanzte mit Federn in den Haaren. Kein Wunder, dass  Frauen bluten, Wölfe heulen und das Meer sich hebt …

Talking to the moon requires the whole human being, not just the small mental waves on the surface. It needs the voice from the depth of the heart. The answer of the moon is not heard with the ears, the whole body listens to its outrageous existence …

What you tell the moon is already happening. With 1000 fine silver blades it releases the cocoon, frees from the mask of the world. In its light the own naked brilliance is reflected …

No wonder that people used to dance with feathers in their hair. No wonder that women bleed, wolves howl and the sea rises …

DAS FENSTER / THE WINDOW

Die Verstrickungen der Welt machen müde. Die Stimme der unversöhnten Wunde treibt an: Bleib nicht stehen. Bleib geschäftig. Sei nur ja nicht still weiter, weiter. Als würdest du weglaufen, als würde dein Leben davon abhängen …

Die nagende Rastlosigkeit ist eine gute Erinnerung. Ein Zeichen, die Dinge der Welt liegen zu lassen, sich nicht mehr um das Zeitgebundene zu kümmern. Das Zeitlose ruft dich. Du öffnest das Fenster und lässt dich von Peter Pan entführen …

Am Herz entfaltet sich das stille Meer. Eintauchend – als ob man ur-alten Stimmen folgte, als würde man im Vorsprachlichen walten, als hätte man die süße Braut am Grund der Kunst geküsst – sinkt man unter die Haut der Landschaft und in den Körper – fraglos – wie ein*e Eingeborene*r …

The entanglements of the world make you tired. The voice of the unreconciled wound drives: Do not stop. Stay busy. Just don’t keep quiet, keep going. As if you were running away, as if your life depended on it …

The nagging restlessness is a good memory. A sign to leave the things of the world alone, to no longer care about the time-bound. The timeless calls you. You open the window and let Peter Pan take you away…

The silent sea unfolds at your heart. Immersing yourself – as if you were following ancient voices, as if you were travelling beyond language, as if you had kissed the sweet bride at the bottom of art – you sink under the skin of the landscape and into your body – unquestionably – like an native …