Das Ende der Nacht / End of night

20180613_153322Fotos: Georg Bernhard Rusch

Das, wonach man wirklich sucht, lässt sich nicht halten. Es ist jenseits der Sinne, absolut frei. Am äußersten Rand der erschöpften Person, da wo ihre ausgestreckten Finger in das Ende der Nacht hinein reichen, regiert das Überpersönliche, in all seiner frischen Pracht …

Im Feld der Wunder stirbt die Person. In dem Moment, im dem das Leben der psychologischen Person beginnt, verbirgt sich das Mysterium. Deshalb auch das Gefühl der Abgetrenntheit, des verlorenen Paradieses …

Doch den Fingern, die ins Ende der Nacht reichen, kommen bereits Hände aus dem Morgen entgegen. Die unmittelbare, quellende Stille tastet schon im Inneren herum und holt den Anker ein …

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What one is really looking for can not be sustained. It is beyond the senses, absolutely free. At the extreme edge of the exhausted person, where their outstretched fingers reach into the end of the night, the super-personal reigns, in all its fresh splendor …

In the field of miracles, the person dies. The moment the life of the psychological person begins, the mystery hides. That’s why we experience the feeling of separateness, the lost paradise …

But the fingers, which reach into the end of night, are already meeting hands  coming from the morning. The immediate, swelling silence already gropes around inside and fetches the anchor …

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Wieso? / Why?

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Fotos: Renée Kellner

Wie kann ich dich nicht sehen, wo du doch am Nächsten bist? Wieso vermeide ich dich, wo du doch das Einzige bist? Wieso tue ich nicht, was gut für mich ist, obwohl ich doch weiß, was das wäre? Wieso setze ich mich nicht zu dir an einem Tisch in der Morgenbrise, solange die Tage dauern …

Wieso gehe ich durch die Täler der Schatten und glaube ihren Stimmen, wo ich doch deinen Umhang trage und deinen Kompass? Wieso dieser K(r)ampf im Denken, wo doch loslassen möglich ist? Wieso frage ich, wenn ich die Antwort doch kenne? Wieso schwanken, wenn ich doch kerzengerade weitergehen kann …

Wieso hängen sich Sorgen wie Sandsäcke an meine Handlungen, wo sie doch genauso gut voll Vertrauen in die Welt segeln können, wie in den Herzen der Abenteurer? Wieso dieses dauernde Anklammern, wo ich doch in deinem Strömen wohnen darf? Wieso dieses dumpfe Starren, wo doch der Blick auch wieder frei tanzen und in tiefe Winkel dringen kann, wie damals in der Magie der Kindheit …

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How can I not see you even you are closest?
Why am I avoiding you when you are the only one?
Why do I refuse to do what’s good for me, even though I know what that would be?
Why dont I sit with you at a table in the morning breeze, as long as the days last …

Why do I go through the valleys of the shadows and believe their voices even I still wear your cloak and your ? Why all this fight in thinking when it is possible to just let go? Why am I asking if I already know the answer? Why waver, if I can go bolt upright …

Why are worries like sandbags attached to my actions, when they can just as easily sail into the world with confidence as in the hearts of adventurers? Why this constant clinging, if I am at home in your streaming?
Why this dull staring, when the gaze can dance free again and penetrate into deep corners, as in the magic of childhood …

Everything is about something else …

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Zwischen den Schritten, zwischen den Denkprozessen, zwischen dem Ein – und Ausatmen, zwischen den Ereignissen, passiert etwas, von selbst. Wir bemerken es nicht, weil es eben zwischen dem geschieht, das wir erfahren. Wäre unser Leben ein Film, den wir anhalten könnten – bevor er wieder weiterläuft – würden wir in diesen Schnittstellen den Kurs der Veränderung sehen können …

Wir brauchen Erfahrungsräume, Möglichkeiten sich existenziell auszuprobieren, ohne Leistungsanspruch, doch mit maximalem Einsatz …

Die kaum wahrnehmbare Abendbrise, die dich völlig innehalten lässt, als würde man sich auflösen, als hätte man keinen Widerstand mehr, beladen mit Schätzen, gewaltig überrascht von der Stille …

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Between the steps, between the processes of thought, between inhaling and exhaling, between events, something happens by itself. We do not notice it, because it happens between what we experience. If our lives were a movie that we could stop – before continuing again – we would be able to see the course of change in these interfaces …

We need experiential spaces, possibilities to prove ourselves existentially, without performance orientation, but with maximum commitment …

The barely perceptible evening breeze, which makes you stop completely, as if you dissolve, as if you would have no resistance anymore, laden with treasures, surprised big time by silence …

All my relations …

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Auf alten Felszeichnungen sieht man manchmal rote Linien zwischen Jäger und Gejagten, als wären sie verbunden. Für Naturvölker eine klare Sache: Ohne Sonne kann der Baum nicht überleben, ohne Baum stirbt die Luft. Ein Mensch kann ohne seine Finger überleben, aber nicht ohne die Luft, die ihn umgibt oder ohne Nahrung. Alles hängt voneinander ab …

Im Ego, in der Welt der Gedanken, ist nur dann Verbundenheit, solange sie etwas nützt oder nicht bedroht. Ego kann nicht zwischen Menschen und Dingen unterscheiden, sobald etwas nutzlos geworden ist, wird es ausgetauscht oder weggeworfen, sobald etwas die Stabilität des Egos – das an sich sehr instabil ist – bedroht, wird es zum Feind. In der Welt der Stille regiert ein anderes Prinzip, hier ist alles eins, immer, wie durch dünne, rote Linien verbunden. In einem kreativen Universum löst alles etwas aus, das wiederum in Bezug mit etwas anderem steht …

Erst, wenn man selbst aus dem trennenden Prinzip des Egos den Eingang in das Netz der ursächlichen Verbundenheit findet, beginnt man die Zusammenhänge zu sehen, zwischen Handlungen und Auswirken, zwischen allen Wesenheiten. Die Intelligenz wird klar, die alles durchdringt und jedes hält …

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On old petroglyphs you can sometimes see red lines between hunter and hunted as if they were connected. For native people a clear thing: Without sun a tree can not survive, without tree the air dies. A human can survive without his fingers, but not without the air surrounding him or without nourishment. Everything depends on each other …

In the world of ego, in the thoughts, connectedness exists only as long as it is of use or does not threaten. Ego can not distinguish between humans and things, as soon as something has become useless, it is exchanged or thrown away, as soon as something threatens the ego’s stability – which in itself is very unstable – it becomes an enemy.
In the world of silence, another principle rules, here everything is one, always, as if connected by thin, red lines. In a creative universe, everything triggers something that is in turn related with something else …

Only when one gets out of the dividing principle of ego and finds the entrance into the net of causal connectedness, one begins to see the relations, between actions and effects, between all beings. The intelligence becomes clear that permeates everything and holds each …