Notizen einer Raunacht / Notes from the twelfe nights

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In den dünnhäutigen Nächten ist es wieder ganz klar: Die konditionierte Persönlichkeit kann ihre illusionären Muskeln nur anspannen, wenn man sie unbewusst gewähren lässt und ihr unbewusst glaubt. Dann bekommt ihre Scheinwelt Macht. Ansonsten ist sie überhaupt nicht vorhanden …

Die konditionierte Persönlichkeit sucht den Schatz in sich und findet ihn nicht. Sobald gesucht wird, ist er tief verborgen. Das liegt darin, dass unsere Essenz immer dort ist, was gerade ist, deshalb findet man sie nicht woanders …

Lässt man sich selbst gewähren, vielleicht sogar mit einer freundlichen Neugier, ohne etwas zu wollen, so wie man gerade ist – egal in welcher Stimmung, egal in welcher Aktion – zeigt es sich, kommt wie ein Reh aus dem Wald. Und es hilft, es zu mögen, denn man verbindet sich immer mit dem, das man mag …

Der Schatz, der uns belebt, ist schon wirklich erstaunlich: Er hat sich diesen menschlichen Anzug angezogen und macht sein Ding im Verborgenen, überlagert von der konditionierten Persönlichkeit, die meint, das wäre sie. Das sonderbare Wunderbare tut, was es tut. Es kratzt sich am Popo, ist erstaunt sich selbst zu bemerken, kritzelt etwas in ein Buch und geht dann schlafen. Es bespielt den menschlichen Anzug ohne Vergangenheit und ohne etwas zu werten, erstaunt über die Möglichkeiten …

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Again, in the thin-skinned nights, it is clear that the conditioned personality can only tense up its illusionary muscles by unconsciously allowing them to and unconsciously believing them. Then their illusory world gets power. Otherwise it is not present at all …

The conditioned personality seeks the treasure in itself and does not find it. As soon as he is searched, he is deeply hidden. That’s because our essence is always with what is right now, so you will not find it anywhere else …

If you allow yourself, perhaps even with a friendly curiosity, without wanting anything, to be exactly the way you are right now – no matter in what mood, no matter what action – it shows itself, comes out of the forest like a deer. And it helps to like it, because you always connect with the one you like …

The treasure that invigorates us is truly amazing: He has put on this human suit and is doing his thing in secret, superimposed by the conditioned personality who thinks that it is doing this. The strange miracle does what it does. It scratches at its bottom, is surprised to notice itself, scribbles something in a book and then goes to sleep. It utilises the human suit without past and without judging, astonished about the possibilities …

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Stille Wasser sind tief / Still waters run deep

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Fotos: Renée Kellner

Hinter den sieben Bergen in der Seestadt Aspern wohnte einmal ein Bildhauer. Im wahrsten Sinne des Wortes erhaute er sich seine Bilder mit dem Hammer, zerbrach Nützliches und beklebte praktische Dinge mit Scherben, um sie unbrauchbar zu machen. Ja, aus den Scherben entstanden zwar recht scharfe Skulpturen, aber wundert sich hier niemand, warum dort lauter Unsinn gemacht wird? Warum macht dieser Mann alles zunichte? Ist er verwunschen?

Zum besseren Verständnis: der Bildhauer wusste es selbst nicht, allein die Stille kennt den Grund. Der Bildhauer fischte in den Gewässern der Stille nicht nach Nützlichen, damit hatte man seine Welt sowieso schon überfrachtet. Er hoffte noch nicht mal darauf, seine Wünsche zu fangen. Nichts, dass er sich vorzustellen vermochte, machte ihn satt …

Bald hatte er alles zerschlagen, seine alte Welt zum Schweigen gebracht, um das zu sehen, was immer übersehen wurde. Wenn der intime Blick nicht mehr durch immer neue Dinge verstellt wird, erhebt sich das klare Leben, pure Lebendigkeit, aus den Scherbenhaufen und die Gestalten der Stille geben ihre Geheimnisse preis …

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Behind the seven mountains in the Seestadt Aspern lived once a sculptor. He smashed around with a hammer, broke up useful objects, and pasted shards all over practical things to make them useless. Yes, out of the broken pieces, some quite sharp sculptures arose, but is there no one wondering why he created such a lot of nonsense? Why does this man ruin everything? Is he haunted?

For a better understanding: the sculptor does not know it himself, only the silence knows the reason. The sculptor did not not fish for useful things in the waters of silence, his world was already overburdened by them anyway. He did not even hope to catch his wishes. Nothing that he could imagine made him full …

Soon he had smashed everything, silenced his old world to see what was always overlooked. When the intimate gaze is no longer obscured by ever new things, clear life, pure liveliness rises out of the heap of shards and the figures of silence reveal their secrets …

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