PORZELLANTRÄUME / PORCLAIN DREAMS

Es gibt immer noch einen Stern, der blinkt über der schlafenden Stadt, immer noch einen Baum, dessen dunkles Wogen man nicht versteht in der ersten Stunde des Morgens. Es gibt immer noch Regen, der an die Scheiben streift und perlt, auch wenn niemand mehr wacht …

Dein allererstes Gesicht kannte noch keine Trennung.
Dein erstes Erleben war noch Heimat für dich, als konntest du deine Stirn dagegen lehnen.
Dein erster Blick sah noch über die fernsten blauen Berge.
Dein erstes Gewahren wanderte durch die Architektur der Stille …

Deine allerersten Träume waren wie aus Porzellan.
Dein erstes Gespräch brauchte keine Worte.
Dein erstes Haus war ein Tempel.
Dein allererster Atem warst ganz du …

There is still a star blinking above the sleeping city, still a tree, whose dark sway is not to be understood in the first hour of the morning. There is still rain, which brushes against the windows and sparkles, even if nobody is awake anymore …

Your very first face knew no separation.
Your first experience was still home to you, as if you could lean your forehead against it.
Your first glance still looked over the farthest blue mountains.
Your first awareness wandered through the architecture of silence …

Your very first dreams were like porcelain.
Your first conversation needed no words.
Your first house was a temple.
Your very first breath was all you …

OKTOBERMOND / OCTOBER MOON

Etwas hält den Körper zurück, etwas zügelt das Geschlecht, etwas drosselt den Atem, etwas bremst den Ausdruck, etwas blockiert Leben. Irgendwie scheint sich alle Energie im Oberstübchen im Biocomputer zu sammeln, und der Rest hängt nur mehr so dran …

Lassen wir das gute Leben in die Spitzen wandern. Lassen wir zu, wer wir sind. In uns pulsiert immer noch der uralte Saft, vibrieren die Zellen im ewigen Takt drängt Natur in unser Frau- und Mannsein, öffnet Schönheit unseren Blick …

Die Wolken ziehen wie an Schnüren gezogen am vollen Oktobermond vorbei. Die Bewegungen und Geräusche der Welt laufen ab wie eine Spieluhr, die man schon aus Kindertagen kennt. Als kümmere sich das Leben in jedem auch noch so kleinem Detail, um sich selbst …

Something holds back the body, something restrains the sex, something throttles the breath, something slows down expression, something blocks life. Somehow all the energy seems to collect in the bio-computer in the mind, and the rest is just hanging on …

Let the good life wander to the peaks. Let us allow who we are. The ancient juice still pulsates within us, the cells vibrate in eternal rhythm, nature pushes into our being woman and man, beauty opens our eyes …

The clouds pass the full October moon as if pulled on strings. The movements and sounds of the world run like a musical clock that we have known since childhood. As if life takes care of itself in every detail, no matter how small …

VOLLKOMMENE UNVOLLKOMMENHEIT / PERFECT IMPERFECTION

Es ist schon erstaunlich, dass man trotz fortgeschrittenen Alters immer noch so unbeholfen mit vielen Dingen ist. Man hat so seine kompletten Baustellen, manches, dass man so halbwegs im Griff hat und relativ wenig hat man wirklich gut drauf …

Im Kollektiven macht uns das zu einer Gesellschaft, die herzlich ungeschickt mit Herausforderungen umgeht. Umweltthematik, Politik, Umgang mit dem anderen Geschlecht, mit anderen Kulturen, mit Andersdenkenden etc. Ganz zu schweigen von der Entwicklung der Menschlichkeit …

Die offensichtliche Unvollkommenheit in individuellen und kollektiven Bereichen kann man streng und ernst nehmen, die eigene Unzulänglichkeit ausblenden und einander Schuld oder Versagen vorwerfen …

Man kann das Ganze allerdings auch mit einer gewissen Portion Humor sehen, denn Dinge Ala Laurel und Hardy in den Sand zu setzen war ja schon immer eine Lachnummer. Gepaart mit etwas Freundlichkeit käme man der Entwicklung der Menschlichkeit einen entscheidenden Schritt näher …

It’s amazing that despite one’s advanced age one is still so clumsy with many things. You have your disaster sites, some things that you have halfway under control and relatively little you are really good at …

Collectively, this makes us a society that deals with challenges in a heartily clumsy manner. Environmental issues, politics, dealing with the opposite sex, with other cultures, with those who think differently, etc. Not to mention the development of humanity …

The obvious imperfection in individual and collective areas can be taken strictly and seriously, one can ignore one’s own inadequacy and blame another for failure …

But you can also look at the whole thing with a certain amount of humor, because to mess things up like Laurel and Hardy has always been a good laugh. Coupled with a little friendliness one would come a decisive step closer to the development of humanity …

AUS HEITEREM HIMMEL / OUT OF THE BLUE

Aus heiterem Himmel weht deine persönliche Geschichte mit allen Problemen in einer unglaublich sanften Bewegung einfach davon. Aus heiterem Himmel fallen die Filter von den Sinnen. Aus heiterem Himmel zeigt sich die Welt, wie sie ist, jenseits deiner Interpretationen …

Egal, was die persönliche Geschichte beinhalten mag, sie zeigt noch kurz ihre flüchtige Gestalt und winkt zum Abschied, wenn die Maske der Dinge fällt. Aus heiterem Himmel enthüllt sich der unsichtbare Berg, auf dem die Welt projiziert ist. Aus heiterem Himmel wurden Ignoranz und Zweifel zu Staub und Asche …

Aus heiterem Himmel zieht dich Frieden in seinen Bann. Aus heiterem Himmel wird ich zum du und du zum ich. Aus heiterem Himmel geschieht all das, weil du deine süße Aufmerksamkeit – für einen Moment – dem Ewigen in dir geschenkt hast …

Out of the blue, your personal story with all its problems just blows away in an incredibly gentle movement. Out of the blue the filters fall from the senses. Out of the blue the world shows itself as it is, beyond your interpretations

No matter what the personal story may contain, it still briefly shows its fleeting form and waves goodbye when the mask of things falls. Out of the blue, the invisible mountain on which the world is projected is revealed. Out of the blue, ignorance and doubt became dust and ashes …

Out of the blue, peace casts its spell over you. Out of the blue I become you and you become me. Out of the blue all this happens because you have given your sweet attention – for a moment – to the Eternal within you …

TALKING TO THE MOON

Mit dem Mond zu sprechen bedingt den ganzen Menschen, nicht bloß die kleinen gedanklichen Wellen an der Oberfläche. Es braucht die Stimme aus der Tiefe des Herzens. Die Antwort des Mondes hört man nicht mit den Ohren, der ganze Körper lauscht seiner ungeheuerlichen Existenz …

Was man dem Mond erzählt, geschieht bereits. Mit 1000 feinen Silberklingen löst er den Kokon, befreit aus der Maske der Welt. In seinem Licht spiegelt sich der eigene nackte Glanz …

Kein Wunder, dass man früher tanzte mit Federn in den Haaren. Kein Wunder, dass  Frauen bluten, Wölfe heulen und das Meer sich hebt …

Talking to the moon requires the whole human being, not just the small mental waves on the surface. It needs the voice from the depth of the heart. The answer of the moon is not heard with the ears, the whole body listens to its outrageous existence …

What you tell the moon is already happening. With 1000 fine silver blades it releases the cocoon, frees from the mask of the world. In its light the own naked brilliance is reflected …

No wonder that people used to dance with feathers in their hair. No wonder that women bleed, wolves howl and the sea rises …

DAS FENSTER / THE WINDOW

Die Verstrickungen der Welt machen müde. Die Stimme der unversöhnten Wunde treibt an: Bleib nicht stehen. Bleib geschäftig. Sei nur ja nicht still weiter, weiter. Als würdest du weglaufen, als würde dein Leben davon abhängen …

Die nagende Rastlosigkeit ist eine gute Erinnerung. Ein Zeichen, die Dinge der Welt liegen zu lassen, sich nicht mehr um das Zeitgebundene zu kümmern. Das Zeitlose ruft dich. Du öffnest das Fenster und lässt dich von Peter Pan entführen …

Am Herz entfaltet sich das stille Meer. Eintauchend – als ob man ur-alten Stimmen folgte, als würde man im Vorsprachlichen walten, als hätte man die süße Braut am Grund der Kunst geküsst – sinkt man unter die Haut der Landschaft und in den Körper – fraglos – wie ein*e Eingeborene*r …

The entanglements of the world make you tired. The voice of the unreconciled wound drives: Do not stop. Stay busy. Just don’t keep quiet, keep going. As if you were running away, as if your life depended on it …

The nagging restlessness is a good memory. A sign to leave the things of the world alone, to no longer care about the time-bound. The timeless calls you. You open the window and let Peter Pan take you away…

The silent sea unfolds at your heart. Immersing yourself – as if you were following ancient voices, as if you were travelling beyond language, as if you had kissed the sweet bride at the bottom of art – you sink under the skin of the landscape and into your body – unquestionably – like an native …

DO YOUR WORK!

Es gibt kaum etwas, das einem so lebendig macht, wie seine*ihre Arbeit zu tun. Wobei hier nicht die Arbeit gemeint ist, die man allgemein mit diesen 9 to 5 Jobs verbindet,  bei denen man Geld dafür bekommt, wenn man etwas tut, das jemand anderer nicht tun möchte …

Die gute Arbeit ist, was sich schon immer durch einen ausdrücken wollte, was schon seit jeher in uns angelegt ist. Es ist, als ob sich das was man ist, im Tun erlebt. Manchmal muss man sich die Hemdsärmel hochkrempeln, um das Trägheitsmoment zu überwinden und anzufangen. Ab einem gewissen Zeitpunkt trägt es einem wie von selbst und man möchte gar nicht mehr aufhören …

Die gute Arbeit zu tun, bedeutet, sich zur Verfügung zu stellen, sich der Quelle zu öffnen, und das ‚ich kann nicht‘ in ein ‚ich kann‘ zu wandeln. Auf der anderen Seite der Resignation beginnt das Abenteuer. Die Arbeit ist wie eine quest, in der man immer wieder – wie zum ersten Mal – neue Türen öffnet und den Dingen frisch begegnet …

There is hardly anything that makes you feel as alive as doing your job. Whereby here is not meant the work, which one connects generally with these 9 to 5 jobs, with which one gets money for doing something, which someone else does not want to do …

The good work is what has always wanted to express itself through you, what has always been inherent in us. It is as if what you are is experienced in doing. Sometimes you have to roll up your shirt sleeves to overcome the moment of inertia and start. At a certain point it carries you as if by itself and you don’t want to stop anymore …

To do the good work means to make oneself available, to open oneself to the source, and to transform the ‚I can’t‘ into an ‚I can‘. On the other side of resignation the adventure begins. The work is like a quest, in which one opens new doors again and again – like for the first time – and encounters things in a fresh way …

SLAVE TO THE RYTHM

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‚Find what you love and let it kill you.‘
Charles Bukowski

Beim Malen ist man ständig am Verwerfen. So lernt man. Etwas entsteht im kreativen Prozess und man möchte es erhalten, man hat Angst, weiter zu machen, um das Entstandene nicht zu zerstören. Nur die Sehnsucht treibt einem weiter, ignoriert die scheinbaren Gewinne zugunsten der magischen Momente, in denen sich der Pinsel befreit ...

Es braucht die Bereitschaft, alles falsch zu machen, die Ausdauer beim offenen Schauen zu bleiben und das Mögen im Tun, um im neuen Bild anzukommen. Die Angst vor Fehlern würde uns lähmen, die fehlende Ausdauer ließe uns im nebligen Sumpf zurück und im mangelnden Genuss erstickten die Farben …

Diese Freiheit, wenn man weiß, dass man nichts falsch machen kann! Diese Ruhe, wenn klar ist, dass man ewig geht für das, was wirklich zählt. Diese Freude, wenn einem der Sommerabendwind erfasst, wenn man sich ein Marmeladebrot im Mondlicht streicht …

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‚Find what you love and let it kill you.‘
Charles Bukowski

When you paint, you are constantly discarding. That is how one learns. Something appears in the creative process and one want to preserve it, one is afraid to continue, so as not to destroy what has been created. Only longing drives you on, ignoring the apparent gains in favor of the magic moments when the brush frees itself …

It needs the willingness to do everything wrong, the perseverance to keep looking openly and the liking in doing, in order to arrive at the new painting. The fear of making mistakes would paralyze us, the lack of endurance would leave us in a foggy swamp and the missing of pleasure would suffocate the colors …

This freedom, when you know that you cannot do anything wrong! This calmness, when it is clear that you are going forever for what really counts. This joy, when the summer evening breeze takes hold of you, when you spread a jam sandwich in the moonlight …

DIE KLEIDER DER SEELE / THE CLOTHES OF THE SOUL

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Wenn die Kleider des Denkens fallen, blicken sich nackte Augen um. Die Seele bewegt sich wie ein Spiegelbild, getragen von des Atems Flügel. Wenn man das eigene Leben – von Anbeginn an – schnell vorspult, würde man zwischen den Erinnerungsbildern das Echte, das Eigenste, die Seele erkennen …

Wenn das Denken wieder in die Kleider der Seele schlüpft, übernimmt es die Kontrolle, wie der Lärm des Tages die Geräusche der Nacht übertönt. Es ist ein einsames Leben, wenn man sich selbst nicht mehr erreicht. Was bleibt, ist zu funktionieren, es recht zu machen, es zu etwas bringen, die Aufträge der Konditionierung zu erfüllen und sich als Belohnung abzulenken …

Es ist etwas ganz anderes, wenn Lebendigkeit aufflammt! Der Vorteil von Kreativität? Die Seele, die deine Kleider so oft im Schatten trägt, tritt in das Licht. Dort steht sie frei von allen Bezügen – frei von Raum und Zeit – und lodert in das Geschehen …

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When the clothes of thought fall, naked eyes look around. The soul moves like a mirror image, carried by the wings of breath. If you fast forward your own life – from the very beginning – you would recognize the real, the most unique, the soul between the memory images …

When thinking slips back into the clothes of the soul, it takes control, as the noise of the day drowns out the sounds of the night. It is a lonely life when one can no longer reach oneself. What remains is to function, to make it right, to make it work, to fulfill the orders of conditioning and to distract oneself as a reward …

It is something completely different when liveliness flares up! The advantage of creativity? The soul that so often wears your clothes in the shadows steps into the light. There it stands free from all references – free from space and time – and blazes into the event …

 

DIE REVOLUTION DES ALLTAGS / REVOLUTION OF EVERYDAY LIFE

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Alltag. Routine. Zähneputzen. Einkaufen. Abarbeiten der Aufgaben. Familie. Sexualität. Ablenkung. Begegnungen auf der Straße. Etwas fehlt. Als würden wir – bei all dem, womit wir täglich zu tun haben – nur den Schein aufrecht erhalten, nur die Verpackung unseres Lebens auf Instagram posten und der Inhalt fehlt …

Die Revolution des Alltags würde bedeuten, sich mitten in den Routineabläufen auf die Suche zu begeben. Kleine Funken Freude, zu entdecken. Geht man durch die Straßen als Mittel zum Zweck, um irgendwohin zu gelangen, oder genießt man den Wind im Haar und das Gefühl der Bewegung in den Beinen?

Die Revolution braucht keine Riesenschritte, keine Demonstrationen und Propaganda. Sie geschieht in den kleinen Dingen des Alltags, in denen Menschen sich nach und nach so verhalten, wie sie es für wahrer halten …

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Everyday life. Routine. Brushing your teeth. Shopping. Working off the tasks. Family. Sexuality. Distraction. Encounters on the street. Something is missing. As if – with all the things we have to deal with every day – we only keep up appearances, only post the packaging of our life on Instagram and the content is missing …

The revolution of everyday life would mean to search in the middle of the routine processes. To discover little sparks of joy. Do you walk through the streets as a means to an end to get somewhere, or do you enjoy the wind in your hair and the feeling of movement in your legs?

The revolution does not need huge steps, demonstrations and propaganda. It happens in the small things of everyday life, in which people gradually behave as they think it is more true …