Nichts als der Durst ist mir Licht / Nothing but thirst is light to me

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Fotos: Renée Kellner

Wenn man anhält und nach innen schaut, sieht man, da geschieht gerade etwas, das bereits so ist, wie es ist. Meistens Gedanken, die versuchen mit irgendetwas klarzukommen, ein bestimmtes Gefühl dazu und da ist noch etwas: eine unbewusste Annahme, dass es anders sein sollte. Etwas sucht nach einem idealeren Zustand …

Dieser Grundzustand treibt wilde Blüten, zumindest, wenn man nicht genau hinschaut. Zu einem eine Art Unruhe und Unzufriedenheit, denn unbewusst ist es ja nicht o.k., wie es ist. Zum anderen ist es Ausgangspunkt für wahl- und zahllose Dramen, denn jemand, muss ja schuld daran sein, denn das Leben sollte sich besser anfühlen. Hat der Postbote mir den Tag verdorben, weil er das Paket falsch geliefert hat, oder war es mein Partner, von dem ich zu wenig Aufmerksamkeit bekomme, oder die Regierung?

Was wäre, wenn in uns alles o.k. wäre, wie es ist? Menschsein eben, gewinnen, verlieren, lachen, weinen. Wenn gar nichts anders sein sollte? Was gerade in uns geschieht, ist Teil der großen Strömungen des Seins. Wenn sich unser Blick öffnet, dann geschieht das in einem weit größeren Zusammenhang, so wie die Knospen oder die Hoden anschwellen, im Frühling. Wenn sich unser Herz öffnet, dann nicht, weil wir das so machen könnten, sondern weil dem Universum gerade nach erwachen ist …

Wenn man genau hinschaut, erkennt man in der Sehnsucht, dass es anders sein sollte, als es ist, den Wunsch nach Hause zu kommen. Nicht mehr der/die EinzelkämpferIn zu sein, sondern aufzugehen in den Strömungen des Seins …

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When you stop and look inward, you see that something is happening that is already, as it is. Mostly thoughts that try to come to grips with something, a certain feeling about it and there is something else: an unconscious assumption that it should be different. Something is looking for a more ideal condition …

This ground state drives wild flowers, at least if you do not look closely. First of all a kind of restlessness and dissatisfaction, because unconsciously it is not ok as it is. On the other hand, it is the starting point for random and countless dramas, because somebody has to be to blame since life should feel better. Did the postman ruin my day for delivering the package incorrectly, or was it my partner from whom I do not get enough attention, or the government?

What if everything would be o.k. the way it is? Being human, winning, losing, laughing, crying. How about nothing should be different? What is happening in us is part of the great currents of being. When our gaze opens, it happens in a much wider context, as buds or testicles swell in spring. If our heart opens, it is not because we could do it that way, but because the universe is about to awaken …

If you look closely, you realize in the longing that it should be different than it is, the desire to come home. No longer being the lone fighter, but to be absorbed in the currents of being …

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Kündige deinen Boss! / Discharge your boss!

 

 

 

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Fotos: Renée Kellner

Anwesend, im wachen Land, greifst du sanft nach Dingen. Dein Blick gleitet über die Welt wie ein grasendes Reh. Jedenfalls so lange, bis dein Boss erwacht, denn der braucht einen gut funktionierenden Gehilfen …

Anwesend im wachen Land, ziehst du dich an inneren Stricken ans Licht. Deine Lust taucht in das gelbe Fleisch der Sonne. Doch bald schon ist dein Boss zur Stelle, er möchte deine Lebendigkeit auf Automatismus umstellen, du brauchst nur mehr auszuführen …

Anwesend im wachen Land, landest du, selbst wenn des Lebens Neuigkeiten wie ein Schwert in dir versinken, mit dem Gesicht im blühenden Acker. Und wenn dir dein Boss den Tagesplan vorlegt, dann sag ihm, er soll nach Hause gehen …

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Present in the waking land, you reach for things gently.
Your gaze glides across the world like a browsing deer.
As long as your boss awakes,
because he needs a well-functioning assistant …

Present in the waking land, you pull yourself along inner ropes to the light.
Your lust dives into the yellow flesh of the sun.
But soon your boss is on the spot, he wants to change your liveliness to automatism, you just need to do more …

Present in the waking land, even if the news of life sink like a sword into yourself, you touch down with your face in the blooming fields.
And if your boss presents the daily schedule,
then tell him to go home …

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Weckruf / Wake up call

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Foto: Renée Kellner

Die stille Riesin, die in deiner Form geschlafen hat, erwacht. Sie hat keine Grenzen, erstreckt sich ewig inmitten der Phänomene. Ihr Atem strömt durch die Geheimgänge der Herzen. Sie durchdringt dich, ihr seid jederzeit zusammen und doch kannst du sie niemals besitzen. Euer zu Hause ist die Weite des „Hier“ und es ist immer offen. Dankbar, sich selbst kennenzulernen, feiert sie mit dir hier den Augenblick …

Doch etwas in dir möchte dich in die Geisterstadt der Gedanken entführen, dort erntest du Geistergras, versklavt von niemanden, gespalten und verstrickt. Dort irrst du verschwunden in den Gassen, glaubst den Straßenhändlern, die an dir zerren und dir ihren hohlen Tand verkaufen wollen. Sie erzählen, dass dir etwas fehlen würde, dass du noch nicht komplett wärst und sie könnten dir zeigen, wo du zu suchen hättest, etwas Bedeutsames, etwas Wichtiges …

Langsam, langsam, über die Jahrtausende findest du deinen Weg zurück ins „Hier“. Wenn du den alten Stimmen nicht mehr glaubst, wenn du gar nichts mehr glaubst, spürst du bereits die stille Präsenz der Riesin und das Hier breitet sich aus. Dieser wilde, lebendige Raum, in dem rein gar nichts fehlt, in dem du immer so willkommen bist, wie du gerade bist …

 

 

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The silent giantess, who has slept in your form, awakens. She has no limits, extends forever in the midst of phenomena. Her breath streams through the secret passages of hearts. She pervades you, you are always together and yet you can never own her. Her home is the vastness of  „here“ and it is always open. Thankful to meet herself, she celebrates the moment with you …

But something in you wants to kidnap you into the ghost town of thoughts, where you harvest ghost grass, enslaved by no one, split and entangled. There you are lost in the alleys, believing the street vendors, who tug at you and try to sell their hollow trumpery. They tell you that you are missing something, that you are not yet complete and they could show you where to find, something significant, something important …

Slowly, slowly, over the millennia you will find your way back to „here“. If you no longer believe the old voices, if you no longer believe in anything, you already feel the silent presence of the giantess and the here spreads out. This wild lively space, where nothing is missing, where you are always welcome just as you are …

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Das alte und das neue Spiel / The old and the new game

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Fotos: Renée Kellner

Das alte Spiel eine bestimmte Person zu sein, hat einen starken Magnetismus. Wir sind so gewohnt, danach zu streben diese Person zu verbessern oder zu beschützen. Wir kehren ganz automatisch gedanklich immer wieder zu unseren Wünschen, Hoffnungen und Befürchtungen …

Wir selbst halten das alte Spiel aufrecht, weil wir es auch mögen, wenn wir bloß dies oder jenes noch erreichten, wäre alles gut. Das Kleingedruckte in dieser unausgesprochenen Verpflichtung übersehen wir: Mangel, Angst, Anstrengung und Leid schleichen an der Seite unseres Kampfwagens …

Dabei brauchen wir kein langes Gesicht zu machen, wir sitzen mitten an der Diamantentafel, halten den Kopf wie eine Knospe ans Licht. Weigern wir uns wirklich an das alte Spiel zu glauben, entfaltet sich das neue Spiel von Selbst. Das, was wir immer übersehen haben, tritt aus dem Verborgenen, mit einer Präsenz, so klar und einfach, dass unser Kampfwagen fällt und Freude an unserer Seite schleicht …

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The old game of being a particular person has a strong magnetism. We are so used striving to improve or protect this person. In our thoughts we automatically return continuously to our wishes, hopes and fears …

We ourselves keep the old game alive, because we like it, if only we could achieve this or that, everything would be fine. We overlook the small print in this unspoken commitment: lack, fear, effort and suffering sneak by the side of our chariot …

We do not have to make a long face, we sit in the middle of the diamond table, keep our heads like buds to the light. If we really refuse to believe in the old game, the new game unfolds by itself. What we have always overlooked emerges from the hidden, with a presence so clear and simple that our chariot falls and joy pokes along our side.