SLAVE TO THE RYTHM

20200902_083450

‚Find what you love and let it kill you.‘
Charles Bukowski

Beim Malen ist man ständig am Verwerfen. So lernt man. Etwas entsteht im kreativen Prozess und man möchte es erhalten, man hat Angst, weiter zu machen, um das Entstandene nicht zu zerstören. Nur die Sehnsucht treibt einem weiter, ignoriert die scheinbaren Gewinne zugunsten der magischen Momente, in denen sich der Pinsel befreit ...

Es braucht die Bereitschaft, alles falsch zu machen, die Ausdauer beim offenen Schauen zu bleiben und das Mögen im Tun, um im neuen Bild anzukommen. Die Angst vor Fehlern würde uns lähmen, die fehlende Ausdauer ließe uns im nebligen Sumpf zurück und im mangelnden Genuss erstickten die Farben …

Diese Freiheit, wenn man weiß, dass man nichts falsch machen kann! Diese Ruhe, wenn klar ist, dass man ewig geht für das, was wirklich zählt. Diese Freude, wenn einem der Sommerabendwind erfasst, wenn man sich ein Marmeladebrot im Mondlicht streicht …

20200831_162525

‚Find what you love and let it kill you.‘
Charles Bukowski

When you paint, you are constantly discarding. That is how one learns. Something appears in the creative process and one want to preserve it, one is afraid to continue, so as not to destroy what has been created. Only longing drives you on, ignoring the apparent gains in favor of the magic moments when the brush frees itself …

It needs the willingness to do everything wrong, the perseverance to keep looking openly and the liking in doing, in order to arrive at the new painting. The fear of making mistakes would paralyze us, the lack of endurance would leave us in a foggy swamp and the missing of pleasure would suffocate the colors …

This freedom, when you know that you cannot do anything wrong! This calmness, when it is clear that you are going forever for what really counts. This joy, when the summer evening breeze takes hold of you, when you spread a jam sandwich in the moonlight …

DIE REVOLUTION DES ALLTAGS / REVOLUTION OF EVERYDAY LIFE

20200826_170335

Alltag. Routine. Zähneputzen. Einkaufen. Abarbeiten der Aufgaben. Familie. Sexualität. Ablenkung. Begegnungen auf der Straße. Etwas fehlt. Als würden wir – bei all dem, womit wir täglich zu tun haben – nur den Schein aufrecht erhalten, nur die Verpackung unseres Lebens auf Instagram posten und der Inhalt fehlt …

Die Revolution des Alltags würde bedeuten, sich mitten in den Routineabläufen auf die Suche zu begeben. Kleine Funken Freude, zu entdecken. Geht man durch die Straßen als Mittel zum Zweck, um irgendwohin zu gelangen, oder genießt man den Wind im Haar und das Gefühl der Bewegung in den Beinen?

Die Revolution braucht keine Riesenschritte, keine Demonstrationen und Propaganda. Sie geschieht in den kleinen Dingen des Alltags, in denen Menschen sich nach und nach so verhalten, wie sie es für wahrer halten …

20200826_170539

Everyday life. Routine. Brushing your teeth. Shopping. Working off the tasks. Family. Sexuality. Distraction. Encounters on the street. Something is missing. As if – with all the things we have to deal with every day – we only keep up appearances, only post the packaging of our life on Instagram and the content is missing …

The revolution of everyday life would mean to search in the middle of the routine processes. To discover little sparks of joy. Do you walk through the streets as a means to an end to get somewhere, or do you enjoy the wind in your hair and the feeling of movement in your legs?

The revolution does not need huge steps, demonstrations and propaganda. It happens in the small things of everyday life, in which people gradually behave as they think it is more true …

 

DER SPIEGEL / THE MIRROR

20200819_174022

Wie ein Traum, an dem man sich kaum erinnern kann, wie eine Ahnung, die sich unmöglich in Worte fassen lässt. Als würde man in die Tiefen des Vergessens tasten und den Quellcode entziffern. Als könnte man etwas Wesentliches in den Gesichtern lesen, die in den Anfängen der Kunst gebildet wurden …

Als würde sich endlich das Geheimnis enthüllen, das zwei Körper miteinander teilen.
Als wäre etwas verborgen in der Kühle der Haut, die am Nachtlager blüht. Als würden gleich – aus der anschwellenden Stille – die entscheidenden Worte hervorbrechen …

Als wären Spiegel Portale. Als zeigten sich all die Ahnen und Wesen des Ungesehenen im Wind, der durch Blätter streift. Als würde einem das Versprechen einfallen, dass man einst in die Bahn der Sonne schrieb. Als würden die Teile endlich ineinandergreifen …

20200819_174716

Like a dream that is hard to remember, like a premonition that is impossible to put into words. It is like groping into the depths of oblivion and deciphering the source code. As if one could read something essential in the faces formed in the early days of art…

As if the secret shared by two bodies was finally revealed.
As if something was hidden in the coolness of the skin that blooms at night’s lodging. As if the decisive words were about to burst forth from the swelling silence…

As if mirrors are portals. As if all the ancestors and beings of the unseen were revealed in the wind that roams through leaves. As if the promise that one once wrote into the path of the sun would be remembered. As if the separated pieces finally engage …

 

WOLLEN UND SEIN

20200801_073007

‚Möge das, was ich tue, wie ein Fluss aus mir herausfließen, ohne Zwang und ohne Zurückhaltung, so wie es bei Kindern ist.‘
Rainer Maria Rilke

Ego ist Wollen. Es will immer etwas, dass nicht hier ist, will aus jedem Moment einen anderen Moment machen. ‚Sein‘ ist eine ganz andere Kiste: Es will nichts, muss nirgendwo hin, braucht keinen Grund und keine Bestätigung, es IST und was könnte besser sein?

Der Mensch hat die Wahl, er*sie kann mit dem Wollen gehen und alles Mögliche vollbringen und er*sie kann sich auflösen im Sein, gar nichts und alles sein: das Zirpen der Grillen, der Raum um den vollen Sommermond …

Manchmal ist das Wollen anziehender und manchmal möchte alles in das Sein fließen. Wir sind so ein altes Wesen, das sich – seit Anbeginn der Zeit die Körper wechselnd – immer neu erlebt …

‚May what I do flow from me like a river, no forcing and no holding back, the way it is with children.‘

Rilke – Book of Hours

Ego is wanting. It always wants something that is not here, wants to make every moment a different moment. Being‘ is a completely different box: It doesn’t want anything, doesn’t have to go anywhere, needs no reason and no confirmation, it IS and what could be better?

Man has the choice, one can go with the will and accomplish all kinds of things and one can dissolve in being, be nothing and everything: the chirping of crickets, the space around the full summer moon …

Sometimes wanting is more attractive and sometimes everything wants to flow into being. We are such an old being, which – since the beginning of time, changing bodies – always experiences itself anew …

 

20200810_192545

„Gerade im Schwierigen müssen wir unsere Freuden, unser Glück, unsere Träume haben: Dort in der Tiefe dieses Hintergrunds fallen sie auf, dort sehen wir zum ersten Mal, wie schön sie sind.“
Rainer Maria Rilke

Menschsein durchläuft Höhen und Tiefen. Wir klammern uns gern an das High, doch ab und an wird das Wasser in den Zellen schwarz, alles zieht sich zusammen und trübe Gedanken spielen auf …

Hier gilt es ins Atelier zu gehen oder auf die Tanzfläche. Nicht um den Blues loszuwerden oder irgendetwas anders zu machen, sondern einfach nur um aufzustampfen, sich nicht geschlagen zu geben und die Einladung zum Tanz anzunehmen …

Mit Farben die Räume des Schmerzes auszumalen. Nicht um ihn zu besiegen, sondern einfach so, ohne Grund. Mit der Kraft der Verzweiflung gestalten, gemeinsam mit der Hilflosigkeit in den Abendhimmel schauen, der Angst einen Schluck Wasser geben …

Langsam aber sicher setzt die Alchemie ein: die Ausgestoßenen, die Würdelosen und all die ungeliebten Gesellen versammeln sich um die Feuer der Menschlichkeit und feiern einander mit klarem Blick …

“Right in the difficult we must have our joys, our happiness, our dreams: there against the depth of this background, they stand out, there for the first time we see how beautiful they are.”
― Rainer Maria Rilke

Being human goes through ups and downs. We like to cling to the high, but every now and then the water in the cells turns black, everything contracts and cloudy thoughts play on …

Here it’s time to go to the studio or onto the dance floor. Not to get rid of the blues or to change anything, but simply to stamp one’s foot, to not abandon the field and accept the invitation to dance …

To paint with colours the spaces of pain. Not to defeat it, but just to do it, for no reason. To create with the power of desperation, to look into the evening sky together with helplessness, to give a sip of water to fear …

Slowly but surely alchemy sets in: the outcasts, the unworthy and all the unloved companions gather around the fires of humanity and celebrate each other with a clear view …

 

DAS ALTE HERZ / THE OLD HEART

20200801_165650

Das alte Herz hält den Takt noch wacker aufrecht, trotz der Narben und dem Zahn der Zeit. All die Begegnungen, Bilder und Spuren, sind wie in einem Museum an die pumpenden Wände projiziert und tätowiert …

Das alte Herz hat gelernt, auch Sachen gehen zu lassen, um ganz frisch im Moment zu sein. Zweifel, Aberglaube und all die nicht mehr benötigten Dinge – die es wie Kriegsschiffe bis zur Mutlosigkeit belagerten – ziehen ab, wie von Geisterhand befohlen …

Das alte Herz macht noch mal einen Sprung von den Müh(l)en des Alltags hin zu einem neuen Erleben, als wäre es von einem alten Bann erlöst, als würde es zum ersten Mal sehen, als wäre es in der Unmöglichkeit angekommen …

The old heart still keeps the beat bravely, despite the scars and the ravages of time. All the encounters, images and traces are projected and tattooed on the pumping walls like in a museum …

The old heart has learned to let things go to be fresh in the moment. Doubts, superstition and all the things that are no longer needed – which besieged it like warships to the point of despondency – are leaving, as if by magic …

The old heart takes another leap from the hardships of everyday life to a new experience, as if it had been released from an old spell, as if it were seeing for the first time, as if it had arrived in the impossible …

CORONA Diaries 48 / Auf die Tube drücken! / Step on it!

20200803_182150

‚I know you are tired, but this is the way.‘ Rumi

Kunst bietet die wunderbare Möglichkeit sich auszudrücken, sich zu zeigen und damit seinen*ihren Stern zum Leuchten zu bringen. Egal, in welchen Zustand man ist, egal, in welchem Alter, egal, in welcher Bildungschicht man sich befindet, die Möglichkeit bis an den Rand seiner*ihres Erlebens zu gehen, besteht …

Im Ausdruck – sei es singen, malen, tanzen, schreiben, etc. – flattert man wie eine Motte in das Licht des Wesentlichen, um zumindest einmal den Kern des Seins zu berühren …

Immer wieder – so bezeugen es die Schätze unserer Kultur – wird jemand am Rand seines Erlebens abgeholt und darüber hinaus getragen. Dieses, ein Stück weit in die Unmöglichkeit zu reichen, genügt um die Evolution der Menschlichkeit voranzutreiben …

Art offers the wonderful opportunity to express oneself, to show oneself and thus to make one’s star shine. No matter in which condition you are, no matter at which age, no matter in which educational level you are, the possibility to go to the edge of your experience exists …

In expression – be it singing, painting, dancing, writing, etc. – one flutters like a moth into the light of the essential in order to touch the core of being at least once …

Again and again – as the treasures of our culture testify – someone is picked up at the edge of their experience and carried beyond. This, reaching some way into the impossibility, is enough to advance the evolution of humanity …

CORONA Diaries 46 / Self Inquiry

20200729_175847

‚Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns.‘
Rumi

Richtig und falsch, gut und böse, weiß und schwarz sind die Pole des Verstandes. Wie Magnete ziehen sie Handlungen und Erlebnisse in die eine oder die andere Richtung …

Manche Dinge und Handlungen bewerten wir als falsch, obwohl sie uns lebenslänglich anziehen: diverse Stimulanzien, Sexpraktiken, etc. Wir betäuben, verkriechen, schämen oder schelten uns,
weil wir der Versuchung nachgeben …

Doch weder richtig noch falsch befreien uns aus dem Dilemma, ja, die Bewertung hält uns in einer unlebendigen Spirale. Leben verflacht in der Angst, etwas richtig oder falsch zu tun. Erst das untersuchen, das genaue Hinschauen, was wir eigentlich in den Handlungen und Erlebnissen suchen, bringt Licht in die Sache. Speist uns das oberflächliche, unreflektierte Handeln mit billigen Replikaten von Leben ab, wartet Erlösung im wachen, direkten, körperlichen Grund …

‚Beyond right and wrong is a place. That’s where we meet.‘  Rumi

Right and wrong, good and bad, white and black are the poles of the mind. Like magnets they pull actions and experiences in one direction or the other …

We judge some things and actions as wrong, although they attract us: various stimulants, sex practices, etc. We numb, crawl away, feel ashamed or scold ourselves, because we give in to temptation…

But neither right nor wrong will free us from the dilemma, judgement keeps us in an inanimate spiral. Life fades away in the fear of doing something right or wrong. It is only by examining, by inquiring closely what we are actually looking for in our actions and experiences that light is shed on the matter. The superficial, unreflective acting feeds us with cheap replicas of life, salvation waits in the awake, direct, physical ground …

 

CORONA Diaries 45 / Verborgen on offener Sicht

20200724_145407

Die Persönlichkeit manövriert in ihrem Körperpanzer durch die Gegend. Angestrengt, ängstlich und meint sich durch Macht und Kontrolle schützen zu können und dadurch, etwas richtig zu tun. Es ist überhaupt nicht wichtig, ob etwas gelingt oder nicht, das Entscheidende ist die Anwesenheit, die Präsenz, das eigene So-Sein ist das geheime Ziel jeder Handlung …

Paradoxerweise brechen die Panzer erst weg, wenn wir bereit sind, so zu sein, wie wir sind, mit unserer Schuld und Scham und all den anderen Kellerkindern. Wir haben das Wesentlichste in uns verborgen, verklärt und in scheinbar unerreichbare Dimensionen verbannt, um es zu schützen …

Ab und zu erinnern wir uns, doch die Anstrengung scheint zu hoch, die Ablenkung ist zu nah. Als ob das Wesentliche hinter sieben Bergen unauffindbar wäre. Doch genügt eine einzige Antwort auf den kaum vernehmbaren Ruf, um den Bann zu brechen und die verborgene Tür zu öffnen …

The personality maneuvers through the area in its body armor. Strained, afraid and thinks it can protect itself by power and control and by doing something right. It is not important at all whether something succeeds or fails, the decisive thing is the attendence, the presence of the own beingness is the secret goal of every action …

Paradoxically, the armor only break away when we are ready to be as we are, with our guilt and shame and all the other basement children. We have hidden, transfigured and banished the most essential things into seemingly unreachable dimensions in order to protect them …

Now and then we remember, but the effort seems too much, the distraction too close. As if the essentials were untraceable behind seven mountains. But a single answer to the barely audible call is enough to break the spell and open the hidden door …

CORONA Diaries 44 / … und wir gehen weiter / … and we’ll go on

20200724_093932

Verlässt man den Planeten der Gedankeninhalte und kommt im Sein an, ist es, als würde man Welten tauschen.
Fällt man aus dem klebrigen Netz des Denkens und landet mitten im Sein, holpert schon mal scheppernd die Wahrheit einher, wie eine LKW-Ladung Betonrohre …

Dinge werden klarer: Etwas hatte uns aus der Einheit gespalten, der lange Kampf von Gut und Böse, das ausheilen der Gegensätze, die köstlichen Momente des Wiedererkennens. Wenn ein ‚Danke‘ wie ein Tropfen in den See fällt …

Rückblickend wird deutlich, wie gut wir es gemacht haben! Angesichts der Umstände, der Ausgangslage, des Fehlens jeder Gebrauchsanweisung, sind wir unseren Weg gegangen bis hierher. Welche Kunstfertigkeiten haben wir aus den Wunden und Unvollkommenheiten entwickelt! Wir hatten Hilfe und wir haben geholfen und wir gehen weiter …

When one leaves the planet of mind and arrives in being, it is like exchanging worlds. If you fall out of the sticky web of thought and land in the middle of being, the truth will bounce along like a truckload of concrete pipes …

Things become clearer: Something had split us from unity, the long struggle between good and evil, the healing of opposites, the delicious moments of recognition. When a ‚thank you‘ falls like a drop in the lake…

Looking back it becomes clear how well we did it! Given the circumstances, the starting point, the lack of any instructions for use, we have come this far. What skills we have developed from the wounds and imperfections! We had help and we have helped and we’ll go on…