HEY SCHÖN, DASS DU DA BIST! / HEY, NICE THAT YOU ARE HERE NOW!

Als Kunsttherapeut zeigen mir Menschen gerne eine Seite von sich, die ihr kreatives Ausgedörrtsein beklagt, und verkünden ihren Wunsch danach, mehr in ihrem Herzen zu sein. Meistens wird das so dargestellt, als wäre alles bereit, man kommt jedoch einfach nicht in das Tun in die aktive Hinwendung. Die Anzahl dieser ähnlichen Aussagen macht es für mich zu einem bemerkenswerten gesellschaftspolitischen Phänomen …

Der Beginn der Hinwendung, das erste Tun, ist eine Art Öffnung, ein Zuhören, das in der Sekunde die strenge – scheinbar schützende – doch eigentlich verhindernde Schale bricht. Der Körper öffnet sich und die Sinne nehmen ihre Kommunikation auf. Je mehr sich die köstliche Achtsamkeit dem Hintergrund der Dinge dem Raumbewusstsein zuwendet, desto mehr fließen die kreativen Ströme des Seins …

Egal wie lange wir Bedürfnisse und Sehnsüchte des*der inneren Künstler*in, zugunstun des Überlebenskampfes ignoriert hatten, egal wie lange die Zeit der Ablenkungen dauerte, jede aufrichtige Zuwendung wird sofort begrüßt mit einem: Hey, schön, dass du jetzt da bist!

As an art therapist, people like to show me a side of themselves that laments their creative parchedness and announce their desire to be more in their hearts. Most of the time this is presented as if everything is ready, but you just can’t get into the doing in the active turning. The number of these similar statements makes it a remarkable socio-political phenomenon for me …

The beginning of the orientation towards, the first doing, is a kind of opening, a listening, which breaks the strict – apparently protective – but actually preventing shell in a second. The body opens up and the senses begin to communicate. The more the delicious mindfulness turns to the background of things turns to the spatial consciousness, the more the creative streams of being flow …

No matter how long we had ignored the needs and desires of the inner artist, in favor of the struggle for survival, no matter how long the time of distractions lasted, every sincere turning towards it is immediately greeted with a: Hey, nice that you are here now!

CORONA Diaries 47 / Das Eigene / One’s Own

 

IMG_20200801_084717Das Eigene ist ja gar nicht so schwer zu finden. Es läuft immer parallel innen drin ab. Man wird in dieser Leistungsgesellschaft allerdings schon früh darauf getrimmt, die Aufmerksamkeit auf das zu richten, was ‚man‘ tun muss. Mit genügend Angst vermittelt, modelliert man damit systemkonforme Staatsdiener*innen …

Das Eigene ist immer noch da, verblasst allerdings zunehmend, wenn es keine Aufmerksamkeit bekommt oder keine lebensrelevanten Antworten erfährt. Steckt Angst an der Wurzel des Handelns, kann man bestenfalls funktionieren, aber nicht leben …

Bekommt das Eigene allerdings genug Zuwendung, Freundlichkeit und Vertrauen nimmt es an Fahrt auf. Kommt dann auch noch die Bereitschaft dazu, die eigenen Handlungen darauf auszurichten, holt man es in das Leben rein, dann beginnt es zu leuchten und hebt ab, während die Ängste allmählich verblassen …

It’s not that hard to find one’s own. It always runs parallel inside. But in this achievement-oriented society one is trained early on to focus attention on what ‚one‘ has to do. With enough fear conveyed, you model system-compliant civil servants …

One’s own is still there, but it fades more and more if it doesn’t get attention or doesn’t get any life-relevant answers. If fear is at the root of action, one can at best function, but not live …

But if one’s own gets enough attention, friendliness and trust, it will pick up speed. If the willingness to direct one’s own actions towards this, one brings it into life, then it begins to shine and takes off, while the fears gradually fade away …