Wie Ego funktioniert … / How ego works …

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Fotos: Renée Kellner

Wie Ego funktioniert, bemerkt man am besten in Zeiten, wo einem das Leben den Boden unter den Füßen wegzieht. Was wir unbedingt retten wollen, wenn Verluste drohen oder unsere Unzulänglichkeiten aufgedeckt werden, ist das, woran unser Ego am meisten hängt, woran es sich klammert …

In den Gedanken läuft das alte Spiel ab, um das Ego zu schützen, zu verteidigen oder wieder herzustellen und doch ist gerade dann die Chance, wirklich zu sich zu stehen und von der Trennung in die Verbundenheit zu wechseln …

In den Scherben findet sich eine altbekannte Aufrichtung, etwas, das noch viel ältere Wurzeln hat, als das Ego. Die Fähigkeit, aufrecht im Zerbrochenen zu stehen, ohne Hoffnung, das Feuer auszuhalten – in dem die Egofantasien geröstet werden – verbindet uns mit der ursächlichen Menschlichkeit, einer Kraft sondergleichen …

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How ego works is best noticed in times when life pulls the ground from under our feet. What we desperately want to save, when losses threaten or our shortcomings are uncovered, is what our ego depends most on, what it clings to …

In our minds the old game to protect, to defend or to restore the ego sets in dramatically and yet just then is the chance to really stand by oneself and to switch from separation into relatedness …

In the shards we find a well-known sincerity, something that has much older roots than the ego. The ability to stand upright in the broken, with no hope, enduring the fire – in which the ego fantasies are roasted – connects us with our original humanity, a force beyond compare …

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Sound of Silence

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Du stehst wieder ganz am Anfang, weißt nicht weiter und die Stille lädt dich in ihr Zelt. Du hast trockenes Brot und die Stille streicht dir Honig drauf. Wenn dein Gesicht hart ist, löst dir Stille deine Züge. Sind deine Augen müde, ist Stille ihr Balsam …

Du durchwanderst eine ausgedorrte Landschaft, während erste Tropfen aus der Stille fallen. Schenkst du dich der Stille ganz, schenkt sie sich dir …

Stille ist intelligent, ist Schoss von Wundern. Stille ist das Wertvollste und doch kann sie nicht verkauft werden – nicht mal Nestle schafft das – denn es gibt sie gratis zuhauf, überall! Aller Raum ist Stille, auch wenn er von Klängen erfüllt ist …

Du gehst die ersten Schritte an der Hand der Stille, sie hält den Tanz deiner Zellen und empfängt deinen letzten Hauch …

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You are back at the beginning, not knowing what to do and silence invites you into her tent.
You have only dry bread and silence sweeps honey on it.
When your face is hard, silence loosens your facial features.
When your eyes are tired, silence is their balm.

You wander through a parched landscape as first drops fall from silence.
When you give yourself to silence completely, she gives herself to you …

Silence is intelligent, is the womb of wonders. Silence is the most valuable and yet it can not be sold – not even Nestle can do this – because it is available for free, everywhere! All space is silence, even if it is filled with sounds.

You take the first steps at the hand of silence, she holds the dance of your cells and receives your last breath …

Interface

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Wenn sich die Klammer des zwanghaften Denkens löst, wie wenn man einen Stecker aus dem Hinterhaupt zieht, geschieht Öffnung. Ab hier führt der Moment, der noch nie da gewesen ist. In dem zeitlos das ganze Leben fließt. Der einzige Moment, in dem man da sein kann, anwesend. Was kann wertvoller sein?

Stille lädt zur Anwesenheit ein. Im Moment, in dem man weiß, dass man da ist, ist man auch schon anwesend, weil Anwesenheit sich selbst erkennt und man selbst erkennt sich auch darin, wie in einem lebendigen Spiegel. In dem man hier nichts Vergangenes wiederholt und auch nicht weiß, was kommt, bleibt die Öffnung voller Möglichkeiten …

Der Anwesenheit wohnt die Glut der Freude inne. Hier geht es nicht um erreichen, sondern um surfen, nicht um funktionieren, sondern um grooven, nicht um Werden, sondern um Sein, nicht um gewinnen oder verlieren, sondern um das verloren Geglaubte wiederzufinden, um geboren zu werden, im Schoss des Momentes, um anzukommen im neuen zu Hause …

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When the clamp of compulsive thinking loosens, as if pulling a plug from the occiput, opening happens. From here leads the moment that has never been before. In which timeless the whole life flows. The only moment where you can be, present. What can be more valuable?

Silence invites into presence. The moment when you know that you are here, you are already present, because presence recognizes itself and you recognize yourself in it, as in a living mirror. By not repeating anything past and not knowing what is coming, the opening remains full of possibilities …

The glow of joy dwells in the presence. This is not about achievement, but about surfing, not about functioning, but about grooving, not about becoming, but about being, not about winning or losing, but about finding what you have lost to be born again, in the womb of the moment, to arrive in the new home …

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Spiegelgespräche / Mirror talks

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Fotos: Renée Kellner

Das Endliche und das Unendliche wandern aufeinander zu und treffen sich an der Spiegelfläche. Sagt das Endliche: Hilf mir! Sagt das Unendliche gleichermaßen: Hilf mir! Ruft das Endliche: Ich will erwachen! So hört es im selben Moment das Echo …

Wartet das Endliche, so wartet das Unendliche. Ist das Endliche voll Dankbarkeit, erfährt sich das Unendliche voller Dankbarkeit. Beklagt sich das Endliche: Ich habe zu wenig, ich brauche noch dies und das, um glücklich zu sein, antwortet das Unendliche mit denselben Worten …

Sagt das Endliche: Ich habe schon solche Sehnsucht nach dir! Sagt das Unendliche: Ich habe schon solche Sehnsucht nach dir! Dehnt sich das Endliche ganz in seine Menschlichkeit, fließt schon das Unendliche mit hinein …

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The finite and the infinite move towards each other and meet at the mirror surface.
Says the finite: Help me! Says the infinite as well: Help me!
Calls the finite: I want to wake up! It hears the echo at the same moment …

If the finite waits, the infinite waits.
When the finite is full of gratitude, the infinite experiences itself full of gratitude.
If the finite complains: I have too little, I still need this and that in order to be happy, the infinite answers with the same words …

Says the finite: I already have such a yearning for you!
Says the infinite: I already have such a yearning for you!
If the finite extends completely into his humanity, the infinite already pours into it as well …

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Kündige deinen Boss! / Discharge your boss!

 

 

 

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Fotos: Renée Kellner

Anwesend, im wachen Land, greifst du sanft nach Dingen. Dein Blick gleitet über die Welt wie ein grasendes Reh. Jedenfalls so lange, bis dein Boss erwacht, denn der braucht einen gut funktionierenden Gehilfen …

Anwesend im wachen Land, ziehst du dich an inneren Stricken ans Licht. Deine Lust taucht in das gelbe Fleisch der Sonne. Doch bald schon ist dein Boss zur Stelle, er möchte deine Lebendigkeit auf Automatismus umstellen, du brauchst nur mehr auszuführen …

Anwesend im wachen Land, landest du, selbst wenn des Lebens Neuigkeiten wie ein Schwert in dir versinken, mit dem Gesicht im blühenden Acker. Und wenn dir dein Boss den Tagesplan vorlegt, dann sag ihm, er soll nach Hause gehen …

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Present in the waking land, you reach for things gently.
Your gaze glides across the world like a browsing deer.
As long as your boss awakes,
because he needs a well-functioning assistant …

Present in the waking land, you pull yourself along inner ropes to the light.
Your lust dives into the yellow flesh of the sun.
But soon your boss is on the spot, he wants to change your liveliness to automatism, you just need to do more …

Present in the waking land, even if the news of life sink like a sword into yourself, you touch down with your face in the blooming fields.
And if your boss presents the daily schedule,
then tell him to go home …

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Spieglein, Spieglein an der Wand / Mirror Mirror on the wall

 

 

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Fotos: Renée Kellner

Durch die Mauer der Trennung sieht man die Magie der Dinge nicht mehr. Der psychologische Verstand – der alte Schmuggler und Schwarzmarkthändler – kreiert durch das Gefühl der Trennung, den Verlust von etwas Wesentlichen und beginnt dann auch gleich damit ein Problem zu entwickeln und Lösungsmöglichkeiten zu finden. Er leitet die Suche an und vertieft damit den Glauben, das, wonach wir uns sehnen, sei nicht da …

Wenn die Wand zum Spiegel wird, enthüllt dieser das ausgefuchste Spiel, indem er all die unbewussten Geschäfte des Denkens NICHT zeigt. Er zeigt nicht Wünsche und Wollen, er zeigt nicht, was fehlt, nicht, was falsch läuft, nichts, was im Weg ist, keine religiösen oder politischen Parolen, nichts auf das man warten müsste und nichts, was man glaubt, noch suchen zu müssen …

Wenn die Wand zum Spiegel wird, zeigt dieser nur, was wirklich hier ist. Er zeigt das vergessene Gesicht, bringt alles hierher zurück, was ausgelagert wurde. Was auch immer man performt, reflektiert er, ohne zu werten. Auch wenn man alle Manipulationstricks mit ihm versucht, hilft er bloß, durch sein Spiegeln, zu erkennen. Der Weltenspiegel hat keine Agenda, er spiegelt alles gleich gern …

Wenn die Wand zum Spiegel wird, entsteht im Spiegeln Stille – das freundliche Nichts. Obwohl der Spiegel, außer zu reflektieren, nichts tut, verändert sich dadurch alles. Durch das Erkennen lösen sich die inneren Haltegriffe und erste, freie Schritte sind wohlwollend möglich …

Der Spiegel ist riesig, die Einladung der Stille enorm. Hier geht es nicht um nachgeordnete Ziele wie im Denken, sondern um das direkte Atmen von Sternenstaub, um den freien Moment, um die Gnade der Auslöschung der Verwunschenheit allen Ernstes eine bestimmte Person sein zu müssen …

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Through the wall of separation one can no longer see the magic of things anymore. The psychological mind – the old smuggler and black market trader – creates through the illusion of separation, the feeling of loss of something essential and then immediately starts to develop a problem and try to find solutions. He initiates a search and deepens through that the belief that what we long for is not here …

When the wall becomes a mirror, it reveals the leery game by NOT showing all the unconscious business of thinking. The mirror does not show wishes and wills, he does not show what is missing, not what goes wrong, nothing that gets in the way, no religious or political slogans, nothing to wait for and nothing to look for …

When the wall becomes a mirror, it only shows what is really here. He shows the forgotten face, brings everything back here, what was outsourced. Whatever one performs, he reflects without judging. Even if you try all the manipulation tricks with him, he only helps to recognize by his mirroring. The World Mirror has no agenda, he likes to reflect everything …

When the wall becomes a mirror, silence arises in the mirroring – the friendly nothingness. Although the mirror does nothing but reflect, everything changes. By recognizing the inner grips are loosening and first, free steps are benevolent possible …

The mirror is huge, the invitation of silence enormous. This is not about subordinate goals as in thinking, but about the direct breathing of stardust, about the free moment, about the grace of extinguishing the spell to be a certain person in all seriousness …

Helena

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Seit du sanft auf dem Weltenast gelandet bist, warst du anders. Die Menschen sagen zu Kindern wie dir, sie wären besonders und das stimmt auch. Die Nazis sagen, du hättest ein unwertes Leben und haben Kinder wie dich systematisch getötet. Früher bei uns am Land und auch heute noch in manchen Gegenden der Erde versteckt man euch. Man versteht euch nicht, klebt nur an den gut Funktionierenden …

Dabei vermitteln Kinder wie du so viel Wesentliches. Du konntest kaum etwas lernen, wie gehen oder sprechen, bist einfach pur geblieben. Gerade bei dir erkennt man jedoch, dass Gelerntes nur zweitrangig ist, Verstehen höchstens den Trostpreis einbringt …

In deiner bloßen Anwesenheit sieht man der Perfektion der Schöpfung direkt in die Augen, man sieht sie im Tanz deiner Hände, in den Schweißtropfen auf deiner Nase. Du bist wie eine Brücke ins Feinstoffliche, wie ein Bindeglied zu dem Raum, in dem nichts verletzt werden kann …

Ihr Eltern solcher Kinder lasst euch nicht täuschen, es ist nichts anderes als ein Privileg, ein Geschenk, solch mutige Seelen anvertraut zu bekommen …

Helena, wenn das Leben ein Traum ist,  dann möchte ich auch in allen künftigen Leben von dir träumen …

 

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Since you have landed gently on the world-branch, you have been different. People say to children like you, they are special and that’s true.
The Nazis say you have an unworthy life and systematically killed children like you. In former times in our country and even today in some parts of the world kids like you are hidden. People do not understand you, they just stick to the well-functioning ones …

And yet, children like you convey so much essentials. You could hardly learn anything, like walking or talking, you just stayed pure. Especially with her one recognizes that what has been learned is only secondary, understanding brings at most the consolation prize …

In your very presence, one can look right into the perfection of creation, one sees it in the dance of your hands, in the sweat drops on your nose. You are like a bridge to the subtle, like a link to the space, in which nothing can be hurt …

You parents of such children do not be deceived, it is nothing more than a privilege, a gift,  that such courageous souls are entrusted to you …

Helena, if life is a dream, then I would like to dream of you in all future lives …

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