10 Tipps für ein Rendezvous mit Stille / 10 tips for a rendezvous with silence

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1. Zeigen sie sich von ihrer sanften Seite seien sie freundlich.

2. Bringen sie besser nicht zu viel Absichten und Erwartungen mit, sondern lassen sie sich überraschen.

3. Es schadet nicht, sich fesch zu machen. Halten sie ihre kostbaren Augen für Schönheit offen.

4. Suchen sie nicht nach etwas, das falsch läuft, haben sie keine Angst etwas Verkehrtes zu tun.

5. Lassen sie ihre persönliche Geschichte zu Hause, die interessiert wirklich niemand.

6. Und wenn wir schon dabei sind, vergessen sie auch gleich, was sie alles erreichen wollen, das ist auch nicht so spannend.

7. Hören sie zu, nicht nur mit dem Verstand, sondern mit dem ganzen Körper.

8. Ihr Humor hilft ihnen. Machen sie sich verfügbar.

9. Machen sie sich verwundbar.

10. Zeigen sie sich.

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1. Show your gentle side, be friendly.

2. Better not bring too much intention and expectation, but let yourself be surprised.

3. It does not hurt to get dressed up. Keep your precious eyes open for beauty.

4. Do not look for something that goes wrong, do not be afraid to do something wrong.

5. Leave your personal story at home, nobody really cares.

6. And while we’re at it, forget also what you want to achieve, that’s not so exciting anyway.

7. Listen, not just with the mind, but with the whole body.

8. Your humor helps. Make yourself available.

9. Make yourself vulnerable.

10. Show yourself.

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Das Gewicht der Stille / The Weight of silence

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Die Oberfläche der Dinge ist bis zum Erbrechen angefüllt mit Vorurteilen und Meinungen. Egal welche Bereiche: Kunst, Beziehung, Politik, Spiritualität, man kann es nicht mehr hören …

Wir glauben die Bedeutung der Dinge zu wissen, weil wir Begriffe dafür haben und Erfahrungen dazu, aber wir kennen es nicht wirklich. Da ist eine abstrakte Ebene unter der Welt, die wir zu kennen vermeinen, wie eine Tiefsee, in der Realitäten wohnen, die sich Bewertungen entziehen, die frei davon sind …

Wir können die Elemente, aus denen die Welt gestrickt ist, an der Oberfläche festnageln, aber nicht in der Tiefe. Sind wir wie ein Taucher im Sein unterwegs, in dem wogenden Gemisch aus Atmosphäre, Geräuschen und Szenen, begreifen wir, dass wir nichts wissen …

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The surface of things is filled to the point of vomiting with prejudice and opinions. No matter what areas: art, relationship, politics, spirituality, one can not stand it anymore …

We believe we know the meaning of things because we have terms and experiences, but we do not really know it. There is an abstract level below the world that we think we know, like a deep sea, where realities live, that evade judgements and are free of them …

We can nail down the elements from which the world is knitted at the surface, but not at depth. If we are like a diver in being, in the billowing mixture of atmosphere, sounds and scenes, we realize that we do not know anything …

Der Schlaf der Erwachsenen / The sleep of adults

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Fotos: Renée Kellner

Für Teenager ist es eine äußerst beunruhigende Tatsache, bald Teil einer Welt sein zu müssen, die von schlafenden Erwachsenen dominiert wird. Wenn die Teenager selbst schon eingeschlafen sind, macht es ihnen weniger aus. Die Wachen hingegen haben ein Problem …

Zugegeben, erst mal ist es gar nicht leicht zu erkennen, dass die Erwachsenen schlafen, denn sie haben ja meistens die Augen offen, jedoch ihr Blick verrät sie. Eine dichte Decke von Schlaf liegt über ihrer Welt, eingepackt sind sie, wie in dumpfen Schnee. Der oder die Jugendliche muss schon einen ordentlichen Rundumschlag hinlegen, um nicht in diesen müden Sog zu geraten, denn vonseiten der Schläfer ist keine Hilfe zu erwarten …

Vielleicht hat sogar einer der/die Erwachsenen, noch die Erinnerung, wie es sich angefühlt hat, sich freizustrampeln. Die Schleier zu durchtrennen, sich mit der Kunst anzulegen, weil nur irgendwas wirklich Geiles zählt. Sich die Fetzen der Trance runterzureißen, gedrängt von der Unaushaltbarkeit der Evolution, bis zu blankem Übermut und Durst …

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For teenagers, it is an extremely disturbing fact to soon be part of a world dominated by sleeping adults. If the teenagers themselves have fallen asleep, they are less offended. The awake ones, however, have a problem …

Admittedly, first of all it is not easy to see that the adults are sleeping, because they usually have their eyes open, but their gaze reveals it. A dense blanket of sleep lies over their world, wrapped up like in dull snow. The teenager must really blast a sweeping blow, so as not to get into this exhausting pull, because from the sleepers is no help to expect …

Maybe some of the adults have still a memory, what it felt like to be freed up. To cut through the veil, to make up with art, because only something really cool counts. To tear down the shreds of trance, pushed by the unfathomability of evolution, towards sheer cheekiness and thirst …

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Zingg …

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Fotos: Renée Kellner

Zingg, der Faden, der die Stille mit dem Gedankengeschwätz verbunden hat, ist gerissen. Ein trunkener Schmetterling treibt durch den inneren Garten, in dem – immer noch – die Gerüche der Kindheit aus Blütenkelchen strömen …

Die Gedankenblase treibt davon und lässt einen Himmel voller Glück zurück. Und eine wundersame Landschaft, durch die Urahnen auf Kultwägen ziehen und neue Menschen an die Küsten wandern …

Die Gedanken flattern wie ein Vogelschwarm davon und zurück bleibt ein unsichtbarer Dschungel voller Abenteuer und Kunst …

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Zingg, the thread that has connected silence with thought chatter, is broken. A drunken butterfly drifts through the inner garden, where – still – the smells of childhood are flowing from chalices …

The bubble of thoughts is drifting away, leaving behind a sky full of happiness. Including a wondrous landscape through which ancestors move on cult cars and new humans are  wandering to the shores …

The thoughts flutter away like a flock of birds and an invisible jungle full of adventure and art remains …

Gezeiten / Tide

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Fotos: Renèe Kellner

Wir sind die jüngsten Blätter am Weltenbaum. Mal schreien und mal singen wir. Mal zieht es uns zusammen, immer dichter, bis zum Welken und mal dehnen wir uns in jede Zelle bis zum Bersten. Mal erscheint alles völlig sinnlos, nichts als Verlust weit und breit, das Leben verschwört sich selbst in Kleinigkeiten gegen uns. Mal glänzen wir in der Sonne wie bei einem Kindergartenausflug im Mai …

Wenn es gerade gar nicht läuft, denken wir, dass etwas falsch ist, die Lebensumstände verkehrt sind oder die Welt uns zeigt, dass wir nicht o.k. sind. Unsere aufgescheuchten Gedanken und Gefühle wickeln uns ein. Wir reagieren willkürlich auf das Unwohlsein. Wenn es gerade voll gut läuft, denken wir, dass wir etwas richtig gemacht haben, wir haben es voll drauf …

Was, wenn das unbewusste Gefangensein in der Dualität uns ans Kreuz nagelt? Was, wenn es in Wahrheit gar nichts Persönliches bedeutet, wenn wir einfach bloß mit den Gezeiten atmen? Was, wenn unsere Leben wie Ziehharmonikas funktionieren, zusammenziehen, ausdehnen. Was, wenn wir uns im ausgeatmet werden verlieren und im eingeatmet werden finden? Was, wenn daran nichts verkehrt ist?

Jedes Mal sich tanzend zu verlieren, erobern wir uns selbst zurück, ein Stück weit reifer, kühner. Jedes Mal sich zu finden, schwächt die Matrix, bricht den Bann der psychologischen Persönlichkeit. Jedes Mal, im bewussten Erlauben des ein- und ausgeatmet Werdens, gleiten wir tiefer in die familiären Bezüge des Soseins der Welt …

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We are the youngest leaves on the world tree. Sometimes we scream and sometimes we sing. Sometimes we contract, more and more dense, until we fade and sometimes we stretch into each cell until we nearly burst. Sometimes everything seems completely pointless, nothing but loss far and wide, life conspires against us even in trifles. Sometimes we shine in the sun like a kindergarten trip in May …

If things are not going well right now, we think something is wrong, the circumstances are wrong or the world shows us that we are not o.k. Our shooed thoughts and feelings wrap us up. We react arbitrarily to the malaise.
When things are going well, we think we did something right, we are the greatest …

What if unconscious imprisonment in duality nails us on the cross? What if it means nothing personal, just breathing with the tides? What if our lives work like accordions of the great musician, contracting expanding? What if we loose ourselves in the exhale and find ourselves in the inhale? What if there is nothing wrong with that?

Each time we lose ourselves dancing, we conquer ourselves and grow a bit more mature, bolder. Each time we find oneself weakens the matrix, breaks the spell of the psychological personality. Each time, we consciously allow breathing in and out, we slide deeper into the familiarity and the suchness of the world …

Jungs und Mädels, wer gibt euch euren Wert? / Boys and girls, who gives you your value?

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Fotos: Reinhard Werner

Wie ein sehr altes Ehepaar stapfen Männer und Frauen gegen den Wind der Zeit. Sie sind durch so viel miteinander gegangen, haben einander schreckliche Dinge angetan, vor dem Hintergrund der Liebe. Immer noch wird – wie beiläufig – geschlitzt und verachtet, aus blinder Gewohnheit oder akutem Zorn …

Der älteste Krieg währt schon so lange in unserem Schatten, wir wissen nicht mehr, wer ihn begonnen hat. Der wahre Gegner ist der Schatten – die Abwesenheit der bewussten Menschlichkeit – in ihm gedeihen Härte und Ungenügen im Verborgenen. Aus dem Schatten kommen Angriff und Strafe zu schnell, als wir es bemerken könnten. Das schlimmste Gewächs allerdings, das dorthin seine Wurzeln schlägt, ist das Unvermögen, die eigene Schönheit zu erkennen …

Der Schatten lebt im unbewussten Denken, hüllt das Licht der Menschlichkeit in finstere Decken. Und doch, glauben wir des Schattens Lügen nicht, bricht – schneller als ein Wimpernschlag – das Licht hervor. In der Anwesenheit der bewussten Menschlichkeit bildet sich Schönheit heran, die eigene und die im Gegenüber. Hier blüht der Wert so unerschütterlich, dass Schatten sich zu Füßen legen …

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Like a very old couple, men and women trudge against the wind of time. They’ve been through so much together, doing terrible things to each other, against the background of love. Still – as casually – there is slitting and despising, out of blind habit or acute anger …

The oldest war has been in our shadow for so long, we no longer know who started it. The real opponent is the shadow – the absence of conscious humanity – in it hardness and inadequacy thrive in secret. Out of the shadow, attack and punishment come too fast, as we might notice. However, the worst plant that takes root there is the inability to recognize one’s own beauty …

The shadow lives in unconscious thinking, shrouding the light of humanity in dark blankets. And yet, if we do not believe the shadow´s lies, light breaks out – faster than the blink of an eye. In the presence of conscious humanity, beauty forms itself, one’s own and the one of the counterpart. Here, the value blooms so steadfastly that shadows lie down at its feet …