Die Werkzeuge der Götter / The tools of gods

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An der Baustelle des Lebens hantiert man mit den Werkzeugen der Götter.
Am Rand des Sichtbaren stehend bricht das “Ich” weg wie Gerüst und Balken. Das ewig Neue öffnet seine Tore …

Mit Denken und Wollen geht hier gar nichts mehr. Nur offen sein und werken mit dem, was ist. Sich innerlich erhebend, die ersten Schritte übend, wie ein Schloss auf zwei Beinen …

Die eigene, vertraute Form wie ein Segel einholend, ihre Anwesenheit zelebrierend. In der Kühle des Morgens die Werkzeuge der Götter bereitend dem vertrauend und zu mögen, was man tut …

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At the construction site of life one deals with the tools of the gods.
Standing on the edge of the visible, the “I” breaks away like scaffolding and beams. The eternally new opens its doors …

Thinking and wanting doesn’t work here. Just being open and working with what is. Rising inwardly, practicing the first steps, like a castle on two legs …

Retrieving one’s own familiar form like a sail, celebrating its presence. In the cool of the morning preparing the tools of the gods to trust in and to like what one does …

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Märchen / Fairy tales

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Fotos: Renée Kellner

Es ist wie im Märchen: In jedem von uns wohnt, verwunschen im Königsschloss des Körpers, das Eigentliche, das Kostbarste. Zwar gut geschützt – überwachsen von dichtem Rosengeflecht – sehnt es sich dennoch nach dem erlösenden Kuss …

Immer wieder dringt ihr Ruf in unser Alltagsleben. Die beiden älteren Söhne des Königs hatten sich schon auf den Weg gemacht zu ihr gemacht allerdings ohne Erfolg, denn sie wollten das Kostbarste nur als ein Mittel zum Zweck, was gar nicht geht. Der jüngste Sohn allerdings, macht sich auf, um das Eigentliche an sich kennenzulernen. Er muss zuerst die Aufgaben lösen, er erkennt, dass nur er selbst Zugang findet, weil er das System des Königsschlosses kennt …

Nur er weiß, wie die eigene Persönlichkeit tickt, er kennt alle Schlupfwege und Mechanismen, die das Kostbarste verborgen halten. Er weiß, dass das ganze Schloss verwunschen ist, in einem Bann gehalten wird. Wie durch Zauberspruch wird man in dem Schloss ständig abgelenkt, sobald man sich auf die Fährte macht das Wesentliche zu finden, wirft jemand einen Stein in das Gebüsch und schon ist man wieder abgelenkt. Die alte Hexe zaubert ständig neue Geschichten in die Gedankentrance, nur um das Kostbarste zu verschleiern und so vergehen die Jahrhunderte …

Der jüngere Sohn kennt nicht nur, was den Bann aufrechterhält, er weiß auch genau, was hilft. Er lässt sich nicht so leicht von den Geschichten ablenken, bleibt beim direkten Erleben. Wenn er mit dem Auto fährt, gibt er sich ganz dem Ballett der schwingenden Wagen hin und nicht den Gedanken. Wenn er sich die Haare kämmt, spürt er die Spur der Freude, die sein Kamm wie ein feiner Pflug in die Kopfhaut zieht und nicht das geile Drama seines Kopfkinos. Wenn er sich doch mal ablenken lässt, kehrt er bald mit seiner Aufmerksamkeit zum Wesentlichen zurück, verliert es nicht aus dem Sinn …

Nur der jüngere Sohn kann den inneren Garten betreten, weiß um die Kernigkeit seiner Knospen, um das heilende Kraut. Weil er sich nicht ablenken lässt, sieht er den goldenen Schlüssel und öffnet den Raum für das Kostbarste …

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It’s like in a fairy tale: In each of us dwells the real, the most precious in the royal castle of the body. Although well protected – overgrown with dense rose netting – it still longs for the redeeming kiss …

Again and again her call gets out into our everyday life. The king’s two older sons had already set out on their journey, but to no avail, for they wanted to incorporate the most precious only as a means to an end, which does not work at all. The youngest son, however, sets off to get to know the real thing for itself. He first has to solve the tasks, he realizes that only he himself has access because he knows the system of the royal castle …

Only he knows how his own personality is ticking, he knows all the slipways and mechanisms that hide the most precious. He knows that the whole castle is bewitched, kept in a hex. As if by spell, one is constantly distracted in the castle, as soon as one gets Close to the essential, someone throws a stone in the bushes and one is distracted again. The old witch constantly conjures up new stories in the trance of thought, only to disguise the most precious and so pass the centuries …

The younger son not only knows what keeps the spell, he also knows exactly what helps. He is not easily distracted through the stories, remains in direct experience. When he drives, he gives himself completely to the ballet of the swinging cars and not to thought. When he combs his hair, he feels the trace of joy that pulls his comb like a fine plow in the scalp and not the lustful drama of his head cinema. If he lets himself be distracted, he soon returns to the essential, does not lose sight of it …

Only the younger son can enter the inner garden, knowing the essence of its buds, the healing herb. Because he does not let himself be distracted, he sees the golden key and opens the chamber of the most precious …

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