Vision und Realität / Vision and reality

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Immer diese Diskrepanz. Unsere Vision von einem glücklichen Leben ist völlig klar: wir wären frei, mutig, würden inspirierte Aktionen in die Welt setzen, aneinander wachsen, füreinander da sein. Und dann sehen wir die Realität: in Befindlichkeiten, im Gegeneinander verstrickt, Ablenkungen, Ausreden …

Vision und Realität. Der Anspruch ist schon unser Zeug auf die Reihe zu kriegen, nicht länger die Besiegten zu spielen, sondern hierher zu kommen, in das Feuer der Offenheit, wachsam und verfügbar …

Es geht nicht darum, mit Bausparverträgen unsere Ängste zu füttern. Es geht auch nicht darum irgendjemand oder irgendetwas zu beschuldigen. Die Welt braucht uns in unserer Kraft und in unserer Schönheit …

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Always this discrepancy. Our vision of a happy life is very clear: we would be free, courageous, would put inspired actions into the world, grow together, be there for each other. And then we see the reality: entangled in states of mind, against each other, distractions, excuses …

Vision and reality. The requirement is to get our stuff straight, to no longer play the defeated, but to come here, in the fire of openness, watchful and available …

It’s not about feeding our fears with home savings contracts. It’s not about blaming somebody or something. The world needs us in our power and in our beauty …

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Das ganz normale Wunder / The ordinary miracle

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Ein träger, heißer Sonntagnachmittag, durch den das Blut nur sehr schwer pumpt, wie in einem Gebet. Woraus besteht Normalität? Weshalb die Anstrengung des Egos das Sein wegzuschieben und durch eine ängstliche, feindliche Interpretation zu ersetzen?

Was, wenn des Alltags Pinselstriche von einer großen Meisterin geführt sind? Was, wenn das „Ich“ gar nicht existiert und dessen Raum und Erleben in Wahrheit von Gewalten jenseits der Zeit bespielt wird?

Diese tiefe Befriedigung, wenn das Leben ganz offensichtlich sich selbst lebt und das „Ich“ bloß den Hut zieht. Die Leichtigkeit, die entsteht, wenn man Gast des Unbenennbaren ist, nicht dessen Besitzer.
Die Freude, wenn das Sein aus der Blindheit erwacht. Wie eine Rückkehr nach Hause.

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A sluggish, hot Sunday afternoon, through which the blood pumps very heavily, as in a prayer. What is normality? Why the effort of the ego to push away being and to replace it with a fearful, hostile interpretation?

What if everyday brushstrokes are led by a great master? What if the „I“ does not exist at all, and whose space and experience are in reality performed by forces beyond time?

This deep satisfaction, when life obviously lives itself and the „I“ just takes off its hat. The ease that arises when you are a guest of the Unnameable, not its owner.
The joy when being awakes from blindness. Like a return home.

Virtual reality

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Fotos: Renée Kellner

Der konditionierte Verstand baut ständig neue Szenarien in die geistige Landschaft, als wäre man mit einer Virtual Reality Brille unterwegs. Die eigene Persönlichkeit als HauptdarstellerIn ist manchmal der Star, vor dem sich die Welt andächtig verneigen sollte (warum tut sie das bloß nicht???) und manchmal der größte Loser der Geschichte. Das Spiel besteht darin, den Star ständig zu etablieren, endlich die nötige Anerkennung zu bekommen und den Loser zu vermeiden. Menschen, von denen man nichts bekommen kann, muss man als potenzielle Feinde betrachten, denn sie könnten ja das Wenige nehmen, was man noch hat …

Verblassen die Themen und Gegenstände aus dem Denken, erlischt das schrille Spiel, bleibt der magische Raum zurück, aus dem alles entstanden ist. Die leere Bühne öffnet den Blick für ein gelöstes Spiel, bevölkert von dem, was ist …

Hier wird das Original gespielt, keine Interpretation davon. Auch der/die HauptdarstellerIn ist, was er/sie ist. Wesen, älter als die Zeit, tief verbunden mit dem Kreisen der Gestirne und dem frischen Strom des Seins, mit dem Sprießen und Flüstern, Welken und Melken, begegnen einander als Freunde, die sich zeigen, was zu sehen ist, damit das große Schiff in die neue Zeit ausläuft …

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The conditioned mind is constantly building new scenarios in the mental landscape, as if one would be traveling with Virtual Reality glasses. Your own personality as a leading actor is sometimes the star, to whom the world should worship devoutly (why does not she already???) and sometimes the biggest loser in history. The game demands to constantly establish the star, finally get the necessary recognition and avoid the loser. People from whom you can get nothing, you have to consider as potential enemies, because they could take even the little, what you still have …

If the themes and objects disappear from the mind , the shrill play fades away, leaving behind the magical space from which everything originated. The empty stage opens the view to a relaxed game, populated by what is …

Here the original is played, no interpretation of it. The main actor is also what he / she is, nothing else. Beings older than time, deeply connected with the circling of stars and the fresh stream of being, with sprouting and whispering, withering and milking, encounter each other as friends, showing themselves what can be seen to support the great ship sailing into the new time …

Interface

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Wenn sich die Klammer des zwanghaften Denkens löst, wie wenn man einen Stecker aus dem Hinterhaupt zieht, geschieht Öffnung. Ab hier führt der Moment, der noch nie da gewesen ist. In dem zeitlos das ganze Leben fließt. Der einzige Moment, in dem man da sein kann, anwesend. Was kann wertvoller sein?

Stille lädt zur Anwesenheit ein. Im Moment, in dem man weiß, dass man da ist, ist man auch schon anwesend, weil Anwesenheit sich selbst erkennt und man selbst erkennt sich auch darin, wie in einem lebendigen Spiegel. In dem man hier nichts Vergangenes wiederholt und auch nicht weiß, was kommt, bleibt die Öffnung voller Möglichkeiten …

Der Anwesenheit wohnt die Glut der Freude inne. Hier geht es nicht um erreichen, sondern um surfen, nicht um funktionieren, sondern um grooven, nicht um Werden, sondern um Sein, nicht um gewinnen oder verlieren, sondern um das verloren Geglaubte wiederzufinden, um geboren zu werden, im Schoss des Momentes, um anzukommen im neuen zu Hause …

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When the clamp of compulsive thinking loosens, as if pulling a plug from the occiput, opening happens. From here leads the moment that has never been before. In which timeless the whole life flows. The only moment where you can be, present. What can be more valuable?

Silence invites into presence. The moment when you know that you are here, you are already present, because presence recognizes itself and you recognize yourself in it, as in a living mirror. By not repeating anything past and not knowing what is coming, the opening remains full of possibilities …

The glow of joy dwells in the presence. This is not about achievement, but about surfing, not about functioning, but about grooving, not about becoming, but about being, not about winning or losing, but about finding what you have lost to be born again, in the womb of the moment, to arrive in the new home …

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Kieselsteine und Wunder / Pebbles and miracles

 

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Man nehme einen x-beliebigen Kieselstein – es muss wahrlich kein Besonderer sein – er könnte ruhig auch Ecken und Kanten haben, farblos sein, wie ein ganz gewöhnlicher Kieselstein eben und schenke ihm Aufmerksamkeit. Wenn man ihn, sagen wir, 20 Jahre lang, als etwas Besonderes hegt und pflegt, ihn immer wieder mit dabei hätte, ihm die Lieblingsorte zeigte, würde er an Bedeutung gewinnen, mit der Zeit wäre er kostbarer als ein Edelstein …

Jetzt nur mal so als Experiment könnte ja ALLES die Stelle des Kieselsteins einnehmen. Würde man einem Projekt, einem Ding, einem Garten, einem Menschen, sich selbst, freundliche Aufmerksamkeit schenken über 20 Jahre, was für wundersame Dinge und Beziehungen könnten entstehen? Ist Aufmerksamkeit Zauberei? Kann man damit Lebensbereiche oder Personen zum Blühen bringen? Erschafft man damit Wirklichkeiten? In dem Moment der ungeteilten Aufmerksamkeit verlässt man den vermeintlichen Schutz des Rechthabens, man wird offen und reicht ins Unbekannte …

Schenkt man der Stille Aufmerksamkeit, öffnen sich die magischen Felder. Hier bekommt das Spiel noch mal eine ganz andere Dimension. Wenn die Stille erblüht, lässt sie ungeahnte Einblicke zu. Sie stellt deine Welt auf den Kopf und versorgt dich mit dem richtig guten Zeug …

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Take an arbitrary pebble – it must not be a peculiar one – it could also have corners and edges, be colorless, just like a normal pebble and give it attention. If, say, for 20 years, you treat it with special care like something very relevant, showing it your favorite places, tell it your secrets, it would gain in meaning, in time it would be more precious than a gemstone …

Now only as an experiment could EVERYTHING take the place of the pebble? If you would  kindly pay attention to a project, a thing, a garden, a person, yourself, over 20 years, what wonderful things and relationships could arise? Is attention magic? Can you use it to make areas of life or people bloom? In the moment of undivided attention one leaves the alleged protection of righteousness, one becomes open and reaches into the unknown …

If you pay attention to silence, the magical fields open. Here the game gets into another level. When the silence blossoms, it allows unimagined insights. It turns your world upside down and provides you with the really good stuff …

Das Labyrinth / The maze

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Fotos: Renée Kellner

„Das Leben wäre tragisch, wenn es nicht komisch wäre.“

Stephen Hawking

Gestalten taumeln durch das Labyrinth der Formen. Sie halten Smartphones wie Kompasse vor sich, blätternd in Gebrauchsanleitungen für kurzweilige Vergnügungen. Verurteilt von längst vergessenem Glaubensätzen und geheimen Schwüren verpflichtet, wandern sie mit verlorener Krone durch die Gänge mit einem Gesichtsausdruck als würde sie jeden Moment mit ungeheuren Anschuldigungen konfrontiert. Hände, die in den Scherben der Zeit wühlen, von Wesen, die vergessen haben, wonach sie suchen wollten. Feindseligkeit lauert an den Ecken, Verletzungen geschehen beiläufig, ohne sie noch groß zu beachten, Opfer und Täter begegnen sich wahllos, während man sich fest an seine Wünsche klammert, wie an Mutterbrüste. Emotionen zerren wie verirrte Kinder an den Kleidern der Passanten. An den Wänden des Labyrinths flackern heilsversprechende Projektionen, allerorts wird dem Zweck gehuldigt. Obwohl die Akteure schon völlig erschöpft sind, treiben die alten Lautsprecherstimmen sie immer weiter. Eine verlorene Gesellschaft. Wer beendet das?

Die neuen HeldInnen sind die Herausgefallenen. Jene, die einfach nicht mehr mitmachen können, die Burnout und Depressionsgeplagten, die Verlorenen, Gescheiterten, Hilflosen, die Tagträumer und PoetInnen. Für jene, die WIRKLICH genug haben von der alten Geisterbahn, öffnet sich etwas und die EXIT-Zeichen im Labyrinth beginnen zu leuchten …

Immer wieder stört das Rauschen der Stille die Trance des Labyrinths, in der sich die Akteure immer noch fester in das Netz verweben, wie in einem sehr ernsten Film. Die Matrix des Labyrinths besteht aus Vergangenheit. Alles bisher da gewesene deutet jedoch nur auf das noch nicht da gewesene, auf das Füllhorn der Stille, aus der sich das Leben frisch ergießt. Stille dreht die Perspektiven um: Wir müssen nicht gerettet werden, wir sind die RetterInnen. Stille löst das ernste Band und reicht die Hand zum Spiel. Sie führt aus dem Labyrinth heraus auf den Gipfel, von dem erst Ausblick möglich ist …

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„Life would be tragic if it were not funny.“
Stephen Hawking

Figures stagger through the maze of forms. They hold smartphones like compasses in front of them, scrolling through user guides for entertaining amusements. Sentenced by long-forgotten beliefs and secret oaths, they walk through the corridors with a lost crown and a look on their face as if confronted with tremendous accusations at every moment. Hands rummaging in the shards of time from beings who have long forgotten what they wanted to look for. Hostility lurks at the corners, injuries happen casually, without paying much attention to them, victims and perpetrators meet indiscriminately, while clinging firmly to ones wishes, as to mother breasts. Emotions drag like stray children on the clothes of passers-by. Projections of promises of salvation flicker on the walls of the labyrinth, everywhere to purpose is paid homage. Although the actors are already completely exhausted, the old loudspeaker voices drive them on and on. A society lost in space. Who is ending this?

The new heroes are the drop-outs. Those who just can not join anymore, the burnout and depression plagued, the lost, the failed, the helpless, the daydreamers and poets. For those who REALLY have enough of the old ghost train, something opens and the EXIT signs in the maze begin to shine …

Again and again, the sound of silence disturbs the trance of the labyrinth, in which the actors get even more intertwined in the net, as in a very serious movie. The matrix of the labyrinth consists of the past. Everything that has been here before, however, only points to what has not yet been here, to the cornucopia of silence, from which life pours fresh. Silence turns perspectives: we do not have to be saved, we are the saviors. Silence frees the serious bond and shakes hand with the game. It leads out of the labyrinth to the peak, from which clear view is possible …

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„Es ist Zeit die Konsensrealität zu missachten.“

Charles Eisenstein

Offenheit brennt dir Löcher in den Teppich deines Egos. In der Öffnung hältst du die Stange der Stille hoch inmitten der Schlachtfelder der Konditionierung, selbst wenn Furien nach dir schnappen. In jedem Moment von Offenheit atmest du mit den Gestirnen, auch wenn die alten Stimmen wie Sirenen schreien im trockenen Wald …

Egal welche Klammer dich hält und welche Stricke dich binden, in der Öffnung lösen sie sich. Egal welche Geschichten dir die ausgefuchsten Fischhändler, Priester und Politiker in die Ohren blasen, in jedem Augenblick von Stille wird dein Spiegel klarer …

Immer wenn du die Türen öffnest und den Wachposten der Stille betrittst, gewinnt das Abenteuer über die Knechtschaft. Egal wie erschöpft du bist und wie sehr du von quälenden Trugbildern verfolgt wirst, jedes Mal, in deiner offenen, stillen Präsenz bekommt das Unaussprechliche deinen ganz besonderen, frechen Blick …

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„It’s time to disregard consensus reality.“
Charles Eisenstein

Openness burns holes in your ego’s carpet. In the opening you hold the pole of silence high in the midst of battlefields of conditioning, even when furies snap at you. In every moment of openness you breathe with the stars, even if the old voices scream like sirens in the dry forest …

No matter which brackets hold you and which ropes bind you, they dissolve in the opening. No matter what stories the sleeky fishmongers, priests and politicians blow in your ears, in every moment of silence your mirror becomes clearer …

Whenever you open the doors and enter the Sentinel of Silence, adventure wins over bondage. No matter how exhausted you are and how much you are persecuted by tormenting illusions, every time, in your open, silent presence, the inexpressible gets your very special, cheeky look …

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