COMMUNICATION ISSUES

Das Problem ist, dass der Verstand keine Ahnung von Liebe, Verbundenheit oder Schönheit hat. Er ist ein materialistisches Werkzeug, was er nicht sehen kann, ist eher suspekt. Will man mit dem Leben kommunizieren, geht das nicht über den Verstand, weil das einfach nicht die Ebene ist, auf der sich das abspielt …

Der Verstand kennt nur bestimmte Wege wie: Ich will etwas haben oder ‚ich war gut, dann bekomme ich eine Belohnung‘, ‚ich war schlecht, dann verdiene ich nichts‘ etc. Will man mit dem Leben kommunizieren, bleibt nur das Herz …

Selbst im dunkelsten Tal ist zumindest im Warteraum des Herzens Platz. Dort kann man schon mal in Vorfreude auf die nächste Bewegung des Lebens warten. Wenn das Leben zu kommunizieren beginnt, dann spürt sich das an, als würde eine Frucht im Inneren reifen, ein Tautropfen fallen oder eine
Sonne aufgehen …

The problem is that the mind has no idea about love, connection or beauty. It is a materialistic tool, what it cannot see is rather suspect. If you want to communicate with life, you can’t do it through the mind, because that’s simply not the level on which it takes place …

The mind knows only certain ways like: I want to have something or ‚I was good, then I get a reward‘, ‚I was bad, then I don’t deserve anything‘ etc. If one wants to communicate with life, only the heart remains …

Even in the darkest valley there is at least space in the waiting room of the heart. There you can wait in anticipation for the next movement of life. When life begins to communicate, it feels as if a fruit is ripening inside, a dewdrop is falling or a
sun rises …

HAPPY NEW YEAR!

4.35 31.12.2020 Vollmond in der letzten Nacht eines voll besonderen Jahres

Wenn man aus dem Denken aussteigt und in die direkte Erfahrung dessen wechselt, was ist, wenn man nichts mehr weiß und nichts will, dann ist man zeitlos und erlebt die Welt wie ein Indianer wie ein Eingeborener.
Das, was ist, rieselt durch einem – ohne Anstrengung – wie Regen …

Wenn das, was ist, ungestört seine Zelte aufschlagen kann und seine Feuer entzündet. Wenn man wie ein Wächter darauf achtet, dass sich dieses Wesentliche in Freiheit entwickeln darf. Wenn die Verstandespolizei nicht gegen das Zigeunerlager der Seele vorgeht, sondern es schützt …

Wenn sich die Nacht, die inneren Farben, der Atem, das Denken und alles mischen mit der Perfektion einer Glühbirne, die ihr Licht verteilt. Wenn man die Stille einfängt, als würde man Laub zusammenkehren. Wenn man geht, als würde man auf den im Beton verborgenen Diamanten laufen …

4.35 31.12.2020 Full moon on the last night of a fully special year

When one gets out of thinking and changes into the direct experience of what is, when one knows nothing more and wants nothing, then one is timeless and experiences the world like a native.
That which is trickles through one – without effort – like rain …

When that which is can pitch its tents undisturbed and light its fires. When one watches, like a guardian, that this essential is allowed to develop in freedom. When the mind police does not act against the gypsy camp of the soul, but protects it …

When the night, the inner colors, the breath, the thinking and everything mix with the perfection of a light bulb that spreads its light. When you catch the silence as if you were sweeping leaves. When you hike as if you were walking on the diamonds hidden in the concrete …

THE LAW OF THE STARS

‚Ah, not to be cut off, not through the slightest partition shut out from the law of the stars. The inner — what is it? if not the intensified sky, hurled through with birds and deep with the winds of homecoming.‘
Rainer Maria Rilke

Die eigene intime Anwesenheit scheint ein zartes Pflänzchen zu sein. Sobald etwas Störendes (Geräusche, laute Nachbarn etc.) auftaucht, zieht es sich auch schon zurück. Als würde es nur im störungsfreien Raum – in der Stille – herauswagen

Im integrieren der Störungen merken wir allerdings, dass dieses süßeste, kostbarste nicht fliehen muss, sondern mit der Irritation seinen Boden steht. Ist da nur Anwesenheit, scheint es, als wären die Dinge von einem Segen begleitet. Als würde alles sowieso zu seiner Zeit passieren …

Stürmen die Gedanken herein wie ein Rudel wilder Hunde, ist scheinbar wieder alles beim Teufel. Doch steht man weiterhin auf Ground Zero und blickt der Existenz in den weit aufgerissenen Rachen, bleibt alles in Stille gebettet, als würde man in einem ganz neuen Traum erwachen, den man noch nie gesehen hat …

The own intimate presence seems to be a delicate plant. As soon as something disturbing (noises, loudly neighbors, etc.) appears, it already withdraws. As if it would only venture out in the undisturbed space – in the silence …

By integrating the disturbances we notice, however, that this sweetest, most precious does not have to flee, but stands its ground with the irritation. If there is only presence, it seems as if things are accompanied by a blessing. As if everything would happen in its time anyway …

If thoughts storm in like a pack of wild dogs, everything seems to have gone to the devil again. But if you continue to stand on ground zero and look into the wide open throat of existence, everything remains embedded in silence, as if you are waking up in a completely new dream, which you have never seen before …

DIE GANZE TORTE / THE WHOLE FANCY CAKE

‚There was a demon in the corner, from the day I was born.‘
Nitin Sawhney

Kreative Prozesse sind wie Prüfsteine. Immer wieder fängt man an straucheln, zu schwächeln, zu zweifeln, besonders am Anfang: ‚Heute bin ich zu müde‘. ‚Da hab ich mich übernommen, das geht sich nicht aus, etc.‘ Die Wahrscheinlichkeit der Wirklichkeit zu begegnen, schüchtert ein. Wenn man nicht in seiner*ihrer Kraft ist, hat man wohl kaum Chancen damit klar zu kommen …

Viel Energie ist gebunden, weil wir die dunkle Seite nicht integrieren. Wollen wir das wirkliche Leben wagen, empfiehlt es sich den Kanal offen zu halten und sämtliche Kraftquellen anzuzapfen, um alles Halbherzige zu verwerfen und radikal die Vorsichtigkeit des Bekannten zu löschen …

Es braucht die Verbündeten aus dem Schattenreich. Es braucht den ganzen Menschen, den Racheengel, die Gier, den Schmerz, die Wut und all die Schattendämonen, es braucht die ganze Torte, um den Himmel zu erobern.
Das Haus der Liebe kann dem*der zu allem bereiten Einbrecher*in nicht widerstehen …

Creative processes are like touchstones. Again and again one starts to stumble, to weaken, to doubt, especially at the beginning: ‚Today I am too tired‘, ‚I’ve bitten off more than I can chew, it won’t go away‘, etc. The probability of encountering reality is intimidating. If one is not in his or her strength, one has hardly any chance to cope with it …

A lot of energy is tied up because we do not integrate the dark side. If we want to risk real life, it is recommended to keep the channel open and to tap all sources of power in order to discard everything half-hearted and radically erase the cautiousness of the known. It needs the allies from the shadowy realm …

It needs the whole human being, the avenging angel, greed, pain, anger and all the shadow demons, it needs the whole fancy cake to conquer heaven.
The house of love cannot resist the burglar who is ready for anything …

SECRETS OF MIND

Der Verstand interpretiert die Welt so wie er konditioniert wurde. Identifiziert man sich unbewusst damit, bleibt einem nichts anderes übrig, als immer wieder dieselben Mustern und Loops zu durchleben. Das ist ein mechanischer Prozess, der sich auf Sicherheit bezieht, alles andere wäre viel zu gefährlich …

Interessanterweise hat der Verstand – fast wie ein Wesen – eine geheime Neigung zur Befreiung. Er möchte die vermeintliche Sicherheit um jeden Preis aufrecht erhalten, ist insgeheim jedoch auch müde, dieser ungeheuren Anstrengung sich gegen die Offenheit des Lebens zu panzern …

Der Verstand entspannt sich, wenn er mehr und mehr versteht, wie unwahr die Geschichten sind, die er erzählt. Er kann erst loslassen, wenn er sieht, dass etwas anderes – etwas noch Fähigeres als er selbst – die Geschicke der Welt trägt …

The mind interprets the world as it has been conditioned. If you unconsciously identify with it, you have no choice but to live through the same patterns and loops over and over again. This is a mechanical process, which refers to security, everything else would be much too dangerous …

Interestingly, the mind – almost like a being – has a secret tendency to liberation. It wants to maintain the supposed security at all costs, but is secretly tired of this enormous effort to armor itself against the openness of life …

The mind relaxes as it understands more and more how untrue the stories it tells are. It can only let go when it sees that something else – something even more capable than itself – carries the destinies of the world …

VOLLKOMMENE UNVOLLKOMMENHEIT / PERFECT IMPERFECTION

Es ist schon erstaunlich, dass man trotz fortgeschrittenen Alters immer noch so unbeholfen mit vielen Dingen ist. Man hat so seine kompletten Baustellen, manches, dass man so halbwegs im Griff hat und relativ wenig hat man wirklich gut drauf …

Im Kollektiven macht uns das zu einer Gesellschaft, die herzlich ungeschickt mit Herausforderungen umgeht. Umweltthematik, Politik, Umgang mit dem anderen Geschlecht, mit anderen Kulturen, mit Andersdenkenden etc. Ganz zu schweigen von der Entwicklung der Menschlichkeit …

Die offensichtliche Unvollkommenheit in individuellen und kollektiven Bereichen kann man streng und ernst nehmen, die eigene Unzulänglichkeit ausblenden und einander Schuld oder Versagen vorwerfen …

Man kann das Ganze allerdings auch mit einer gewissen Portion Humor sehen, denn Dinge Ala Laurel und Hardy in den Sand zu setzen war ja schon immer eine Lachnummer. Gepaart mit etwas Freundlichkeit käme man der Entwicklung der Menschlichkeit einen entscheidenden Schritt näher …

It’s amazing that despite one’s advanced age one is still so clumsy with many things. You have your disaster sites, some things that you have halfway under control and relatively little you are really good at …

Collectively, this makes us a society that deals with challenges in a heartily clumsy manner. Environmental issues, politics, dealing with the opposite sex, with other cultures, with those who think differently, etc. Not to mention the development of humanity …

The obvious imperfection in individual and collective areas can be taken strictly and seriously, one can ignore one’s own inadequacy and blame another for failure …

But you can also look at the whole thing with a certain amount of humor, because to mess things up like Laurel and Hardy has always been a good laugh. Coupled with a little friendliness one would come a decisive step closer to the development of humanity …

TALKING TO THE MOON

Mit dem Mond zu sprechen bedingt den ganzen Menschen, nicht bloß die kleinen gedanklichen Wellen an der Oberfläche. Es braucht die Stimme aus der Tiefe des Herzens. Die Antwort des Mondes hört man nicht mit den Ohren, der ganze Körper lauscht seiner ungeheuerlichen Existenz …

Was man dem Mond erzählt, geschieht bereits. Mit 1000 feinen Silberklingen löst er den Kokon, befreit aus der Maske der Welt. In seinem Licht spiegelt sich der eigene nackte Glanz …

Kein Wunder, dass man früher tanzte mit Federn in den Haaren. Kein Wunder, dass  Frauen bluten, Wölfe heulen und das Meer sich hebt …

Talking to the moon requires the whole human being, not just the small mental waves on the surface. It needs the voice from the depth of the heart. The answer of the moon is not heard with the ears, the whole body listens to its outrageous existence …

What you tell the moon is already happening. With 1000 fine silver blades it releases the cocoon, frees from the mask of the world. In its light the own naked brilliance is reflected …

No wonder that people used to dance with feathers in their hair. No wonder that women bleed, wolves howl and the sea rises …

DAS FENSTER / THE WINDOW

Die Verstrickungen der Welt machen müde. Die Stimme der unversöhnten Wunde treibt an: Bleib nicht stehen. Bleib geschäftig. Sei nur ja nicht still weiter, weiter. Als würdest du weglaufen, als würde dein Leben davon abhängen …

Die nagende Rastlosigkeit ist eine gute Erinnerung. Ein Zeichen, die Dinge der Welt liegen zu lassen, sich nicht mehr um das Zeitgebundene zu kümmern. Das Zeitlose ruft dich. Du öffnest das Fenster und lässt dich von Peter Pan entführen …

Am Herz entfaltet sich das stille Meer. Eintauchend – als ob man ur-alten Stimmen folgte, als würde man im Vorsprachlichen walten, als hätte man die süße Braut am Grund der Kunst geküsst – sinkt man unter die Haut der Landschaft und in den Körper – fraglos – wie ein*e Eingeborene*r …

The entanglements of the world make you tired. The voice of the unreconciled wound drives: Do not stop. Stay busy. Just don’t keep quiet, keep going. As if you were running away, as if your life depended on it …

The nagging restlessness is a good memory. A sign to leave the things of the world alone, to no longer care about the time-bound. The timeless calls you. You open the window and let Peter Pan take you away…

The silent sea unfolds at your heart. Immersing yourself – as if you were following ancient voices, as if you were travelling beyond language, as if you had kissed the sweet bride at the bottom of art – you sink under the skin of the landscape and into your body – unquestionably – like an native …

SLAVE TO THE RYTHM

20200902_083450

‚Find what you love and let it kill you.‘
Charles Bukowski

Beim Malen ist man ständig am Verwerfen. So lernt man. Etwas entsteht im kreativen Prozess und man möchte es erhalten, man hat Angst, weiter zu machen, um das Entstandene nicht zu zerstören. Nur die Sehnsucht treibt einem weiter, ignoriert die scheinbaren Gewinne zugunsten der magischen Momente, in denen sich der Pinsel befreit ...

Es braucht die Bereitschaft, alles falsch zu machen, die Ausdauer beim offenen Schauen zu bleiben und das Mögen im Tun, um im neuen Bild anzukommen. Die Angst vor Fehlern würde uns lähmen, die fehlende Ausdauer ließe uns im nebligen Sumpf zurück und im mangelnden Genuss erstickten die Farben …

Diese Freiheit, wenn man weiß, dass man nichts falsch machen kann! Diese Ruhe, wenn klar ist, dass man ewig geht für das, was wirklich zählt. Diese Freude, wenn einem der Sommerabendwind erfasst, wenn man sich ein Marmeladebrot im Mondlicht streicht …

20200831_162525

‚Find what you love and let it kill you.‘
Charles Bukowski

When you paint, you are constantly discarding. That is how one learns. Something appears in the creative process and one want to preserve it, one is afraid to continue, so as not to destroy what has been created. Only longing drives you on, ignoring the apparent gains in favor of the magic moments when the brush frees itself …

It needs the willingness to do everything wrong, the perseverance to keep looking openly and the liking in doing, in order to arrive at the new painting. The fear of making mistakes would paralyze us, the lack of endurance would leave us in a foggy swamp and the missing of pleasure would suffocate the colors …

This freedom, when you know that you cannot do anything wrong! This calmness, when it is clear that you are going forever for what really counts. This joy, when the summer evening breeze takes hold of you, when you spread a jam sandwich in the moonlight …

DIE KLEIDER DER SEELE / THE CLOTHES OF THE SOUL

20200827_095254

Wenn die Kleider des Denkens fallen, blicken sich nackte Augen um. Die Seele bewegt sich wie ein Spiegelbild, getragen von des Atems Flügel. Wenn man das eigene Leben – von Anbeginn an – schnell vorspult, würde man zwischen den Erinnerungsbildern das Echte, das Eigenste, die Seele erkennen …

Wenn das Denken wieder in die Kleider der Seele schlüpft, übernimmt es die Kontrolle, wie der Lärm des Tages die Geräusche der Nacht übertönt. Es ist ein einsames Leben, wenn man sich selbst nicht mehr erreicht. Was bleibt, ist zu funktionieren, es recht zu machen, es zu etwas bringen, die Aufträge der Konditionierung zu erfüllen und sich als Belohnung abzulenken …

Es ist etwas ganz anderes, wenn Lebendigkeit aufflammt! Der Vorteil von Kreativität? Die Seele, die deine Kleider so oft im Schatten trägt, tritt in das Licht. Dort steht sie frei von allen Bezügen – frei von Raum und Zeit – und lodert in das Geschehen …

20200827_095000

When the clothes of thought fall, naked eyes look around. The soul moves like a mirror image, carried by the wings of breath. If you fast forward your own life – from the very beginning – you would recognize the real, the most unique, the soul between the memory images …

When thinking slips back into the clothes of the soul, it takes control, as the noise of the day drowns out the sounds of the night. It is a lonely life when one can no longer reach oneself. What remains is to function, to make it right, to make it work, to fulfill the orders of conditioning and to distract oneself as a reward …

It is something completely different when liveliness flares up! The advantage of creativity? The soul that so often wears your clothes in the shadows steps into the light. There it stands free from all references – free from space and time – and blazes into the event …