Die Kunst und der Tod / Art and death

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Fotos: Renée Kellner

Bewusstsein, dieser feine, lebendige, stille, aufmerksame, intelligente Strom, erfreut sich nicht nur an menschlichen Erfahrungen, er leuchtet auch in die dunklen Ecken. Er sieht auch den Tod in all seinen Verkleidungen. So sanft Bewusstsein zu sein scheint, verbrennt doch alles Unechte in seiner Gegenwart. Die Region der Monster sind die Schattenlande des Unbewussten …

Wir sind keine bewusste Gesellschaft, wir gehorchen dem Ego, der Gier, dem Mangel, der Angst vor dem Tod. Wir tun das nicht aus Bosheit, sondern einfach, weil das Bewusstsein wie gefangen ist, in den Geschichten im Kopf, die wir uns über uns selbst und dem Leben erzählen …

Immer wenn in den Geschichten der Tod übermächtig und bedrohend wird und als Verlust vor unserer Tür steht, haben wir die Möglichkeit, das bewusste Sein kennenzulernen. Richten wir unsere Aufmerksamkeit in die Stille, zieht Bewusstsein aus den Geschichten, wie der Geist aus der Flasche und erkennt sich selbst …

Vielleicht ist die konstante Nähe des Todes für Künstlerlnnen Nährboden? Wir brauchen den Tod, um aus dem Schatten zu treten. Malen ist wie sterben …

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Consciousness, this fine, alive, silent, attentive, intelligent stream, not only enjoys human experience, it shines into the dark corners as well. It also sees death in all its disguises. As gentle as consciousness seems to be, everything burns in its presence. The region of monsters are the shadowlands of unconsciousness …

We are not a conscious society, we obey ego, greed, shortage, fear of death. We do not do this out of malice, but simply because consciousness is trapped in the stories that we tell us about ourselves and about life, in our minds …

Whenever death becomes overpowering and threatening in the stories and stands as a loss at our door, we have the opportunity to get to know conscious being. Turning our attention to silence, draws consciousness from the stories, as the genie from the bottle and then it recognizes itself.

Perhaps the constant closeness of death is fertile ground to artists ? We need death to step out of the shadows. Painting is like dying …

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Celebrating the moment

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Wenn plötzlich alle räumlichen und zeitlichen Begrenzungen wegfallen und berührende Ahnungen wie Geister vorbeitreiben. Eine Erinnerung von weißen Sommerwolken. Düfte. Das Schwingen von Sonntagsglocken im Abendwind. Der Abenteuerraum, nachdem zu Ende gezählt wurde, beim Versteckspiel und es schon fast dunkel ist. Als würden die Dinge einem von jenseits der Zeit ans Herz greifen, als würde man sie kurz vorm Tod noch mal grüßen …

Man kann sein Leben wie aus der Ferne leben oder ganz nah. Ego hält uns davon ab, es ganz nah zu erleben. Ego lebt nur in der Interpretation von Leben und welchen Nutzen es hat, mit Leben direkt und nah kann es nichts anfangen. Ego muss sich schützen, sich immer wieder um jeden Preis wiederherstellen …

Obwohl Ego hauptsächlich aus Gedanken besteht und von seiner Natur her sehr flüchtig ist, sitzt es doch fest im Körper, wie ein Zahn im Kiefer. Wenn es mit dem Tod in irgendeiner Form konfrontiert wird, sei es Verlust an Besitz, Gesundheit oder Ansehen, dann fühlt sich das real wie sterben an. Freiheit beginnt, wen man bereit ist, nicht nach der Pfeife des Egos zu tanzen. Wenn man bereit ist zu sterben. Erst dann entdeckt man, was immer frei ist. Was ist ganz nah und bleibt, unabhängig von den Umständen? Was ist immer frei, trotz Schmerz und Verlust? Was kann nicht verletzt werden?

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When all spatial and temporal limitations suddenly disappear and touching notions like ghosts drift by. A reminder of white summer clouds. Fragrances. The swinging of Sunday bells in the evening breeze. The adventurous space at the hide and seek game after the counting ended and it is almost dark. As if things would touch ones heart from beyond time, as if they were greeted before death …

You can live your life as from afar or very close. Ego keeps us from experiencing it very close. Ego lives only in the interpretation of life and what benefits it has, with life direct and close it can not do anything. Ego has to protect itself, always recover at any cost …

Although ego consists mostly of thought and is very volatile in nature, it sits firmly in the body, like a tooth in the jaw. When confronted with death in some form, be it loss of possessions, health or reputation, it feels real like death. Freedom begins when one is prepared not to dance to the ego’s pipe. When one is ready to die. Only then will one discover what is always free.
What is very close and remains, regardless of the circumstances? What is always free, despite pain and loss? What can not be hurt?

Windows

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Der Alltag ist oft voll von großteils unbewusstem Reagieren auf Ereignisse und Herausforderungen. Ähnlich wie wir kaum bewusst Auto fahren, erledigen wir die vielen kleinen und großen Aufgaben eher automatisch, gewinnen manchmal dabei etwas oder verlieren. Wir wären ganz vom geschäftigen Tun absorbiert, wären da nicht diese Fenster …

Die Fenster öffnen sich von selbst und geben Einblick in die Weite der Stille. Durch sie blicken wir aus der Begrenztheit einer bestimmten Person, hinein in das Sein. Wir erahnen die Intelligenz, die alles miteinander verbindet. Was, wenn jedes Detail des Erlebens Teil einer Intelligenz ist, die genau das überall hinliefert, was gebraucht wird. Auch wenn der Kopf voll Tränen ist und die Schritte schwer, was, wenn gar nichts falsch läuft?

Wenn nichts verkehrt ist, ist man jederzeit, egal in welchen Zustand, Teil des großen Spiels und seinem verborgenen Wirken. Man kann sich weit rauslehnen aus dem Fenster, reinlehnen in jede Art des Erlebens, mit der Sehnsucht, die sich ganz hineinrollt, wie eine Schmetterlingszunge …

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Everyday life is often full of mostly unconscious reactions to events and challenges. Similar to how we hardly drive consciously, we do many small and large tasks automatically, sometimes gain something, sometimes lose. We would be absorbed by the busy action, if not for these windows …

The windows open by themselves and give an insight into the vastness of silence. Through them we look out of the limitedness of a certain person into pure being. We sense the intelligence that unites everything. What if every detail of our experience is part of an intelligence that delivers exactly what is needed everywhere. Even if the head is full of tears and the steps are heavy, what if nothing is wrong with that?

If nothing is wrong, you are always, no matter in which condition, part of the big game and its hidden aktivities. You can lean far out of the window, lean deep into any kind of experience, with the yearning that rolls in there like a butterfly tongue …

Zingg …

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Fotos: Renée Kellner

Zingg, der Faden, der die Stille mit dem Gedankengeschwätz verbunden hat, ist gerissen. Ein trunkener Schmetterling treibt durch den inneren Garten, in dem – immer noch – die Gerüche der Kindheit aus Blütenkelchen strömen …

Die Gedankenblase treibt davon und lässt einen Himmel voller Glück zurück. Und eine wundersame Landschaft, durch die Urahnen auf Kultwägen ziehen und neue Menschen an die Küsten wandern …

Die Gedanken flattern wie ein Vogelschwarm davon und zurück bleibt ein unsichtbarer Dschungel voller Abenteuer und Kunst …

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Zingg, the thread that has connected silence with thought chatter, is broken. A drunken butterfly drifts through the inner garden, where – still – the smells of childhood are flowing from chalices …

The bubble of thoughts is drifting away, leaving behind a sky full of happiness. Including a wondrous landscape through which ancestors move on cult cars and new humans are  wandering to the shores …

The thoughts flutter away like a flock of birds and an invisible jungle full of adventure and art remains …

Wie Ego funktioniert … / How ego works …

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Fotos: Renée Kellner

Wie Ego funktioniert, bemerkt man am besten in Zeiten, wo einem das Leben den Boden unter den Füßen wegzieht. Was wir unbedingt retten wollen, wenn Verluste drohen oder unsere Unzulänglichkeiten aufgedeckt werden, ist das, woran unser Ego am meisten hängt, woran es sich klammert …

In den Gedanken läuft das alte Spiel ab, um das Ego zu schützen, zu verteidigen oder wieder herzustellen und doch ist gerade dann die Chance, wirklich zu sich zu stehen und von der Trennung in die Verbundenheit zu wechseln …

In den Scherben findet sich eine altbekannte Aufrichtung, etwas, das noch viel ältere Wurzeln hat, als das Ego. Die Fähigkeit, aufrecht im Zerbrochenen zu stehen, ohne Hoffnung, das Feuer auszuhalten – in dem die Egofantasien geröstet werden – verbindet uns mit der ursächlichen Menschlichkeit, einer Kraft sondergleichen …

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How ego works is best noticed in times when life pulls the ground from under our feet. What we desperately want to save, when losses threaten or our shortcomings are uncovered, is what our ego depends most on, what it clings to …

In our minds the old game to protect, to defend or to restore the ego sets in dramatically and yet just then is the chance to really stand by oneself and to switch from separation into relatedness …

In the shards we find a well-known sincerity, something that has much older roots than the ego. The ability to stand upright in the broken, with no hope, enduring the fire – in which the ego fantasies are roasted – connects us with our original humanity, a force beyond compare …

Da ist kein Feind / There is no enemy

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Warum lenken wir uns so viel ab? Warum wischt unser Daumen immer über das Smartphone? Warum hetzen wir herum, zwischen Wichtigem und Vergnügungen und wieder Wichtigem?

Es sieht aus wie ein Überlebenskampf, jeder für sich, ist losgelassen im großen Rennen. Geld, Ansehen, Anerkennung, Fortpflanzung, Selbstverwirklichung. Was passiert, wenn wir stehen bleiben, einfach still sind? Wir sind möglicherweise konfrontiert mit Existenzängsten, Angst zu versagen, vielleicht Traurigkeit oder Wut, angesichts dieser eigenartigen Situation …
Es ist, als wäre ein Feind in uns, der zuschlägt, sobald wir aufhören, im Hamsterrad zu laufen. Beim Zulassen dessen, womit wir konfrontiert sind, beim dennoch still sein, und bei genauerem Hinsehen, entdecken wir, da ist kein Feind, wirklich nicht, das ist einfach nicht wahr …

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Why do we distract ourselves so much? Why is our thumb always wiping over the smartphone? Why are we rushing around, between the important and the pleasurable and the important again?

It looks like a struggle for survival, each one on our own is unleashed in the big race. Money, reputation, recognition, reproduction, self-realization. What happens if we stop, just be still? We may be faced with existential fears, fear of failure, perhaps sadness or anger, given this peculiar situation …

It is as if an enemy within us strikes as soon as we stop running in the rat race. Allein, what we are confronted with yet being quiet, and on closer inspection, we discover, there is no enemy, really not, that is just not true …

Virtuell reality

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Fotos: Renée Kellner

Die Leinwand des Bewusstseins bleibt nicht lange leer. Alles Mögliche drängt auf die Spielfläche. Hauptsache irgendetwas spielt sich ab, es soll bloß nicht still sein. Am besten ist etwas Wichtiges, ein problematisches Drama, mit sich selbst in der Hauptrolle. Der Titel des Stücks ist „mein Leben“ …

Am allerbesten ist es, links und rechts an den Geschichten vorbei oder auch gleich mittendurch – denn so besonders echt sind sie nicht – direkt zum lebendigen Knistern der Leinwand zu kommen, als würde man den leeren, virtuellen Raum sehen, bevor das Spiel anfängt …

Der stille, bewusste Raum ist allgegenwärtig und doch jenseits des Inhalts des Schauspiels, er kann nicht erreicht, berührt oder verstanden werden, kann nicht nass oder verletzt werden, er ist weder den Gesetzen von Zeit und Raum unterworfen, noch denen der Dualität und ist dennoch Voraussetzung für all das, was sich in ihm abspielt …

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The screen of consciousness does not stay empty for long. Everything possible is urging towards the stage. The main thing is that anything should happen, best of all something important, a problematic drama, with oneself in the lead role. The title of the piece is „my life“ …

Very best of all is to pass left and right or directly through the stories – they are not so real anyway – to come directly to the vibrant sizzling of the screen, as if you would see the empty virtual space before the game begins …

The quiet, conscious space is omnipresent and yet beyond the content of the drama, it can not be reached, touched or understood, can not get wet or hurt, it is neither subject to the laws of time and space, nor of duality, and yet Prerequisite for everything that happens in it …