CORONA Diaries 44 / … und wir gehen weiter / … and we’ll go on

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Verlässt man den Planeten der Gedankeninhalte und kommt im Sein an, ist es, als würde man Welten tauschen.
Fällt man aus dem klebrigen Netz des Denkens und landet mitten im Sein, holpert schon mal scheppernd die Wahrheit einher, wie eine LKW-Ladung Betonrohre …

Dinge werden klarer: Etwas hatte uns aus der Einheit gespalten, der lange Kampf von Gut und Böse, das ausheilen der Gegensätze, die köstlichen Momente des Wiedererkennens. Wenn ein ‚Danke‘ wie ein Tropfen in den See fällt …

Rückblickend wird deutlich, wie gut wir es gemacht haben! Angesichts der Umstände, der Ausgangslage, des Fehlens jeder Gebrauchsanweisung, sind wir unseren Weg gegangen bis hierher. Welche Kunstfertigkeiten haben wir aus den Wunden und Unvollkommenheiten entwickelt! Wir hatten Hilfe und wir haben geholfen und wir gehen weiter …

When one leaves the planet of mind and arrives in being, it is like exchanging worlds. If you fall out of the sticky web of thought and land in the middle of being, the truth will bounce along like a truckload of concrete pipes …

Things become clearer: Something had split us from unity, the long struggle between good and evil, the healing of opposites, the delicious moments of recognition. When a ‚thank you‘ falls like a drop in the lake…

Looking back it becomes clear how well we did it! Given the circumstances, the starting point, the lack of any instructions for use, we have come this far. What skills we have developed from the wounds and imperfections! We had help and we have helped and we’ll go on…

 

CORONA Diaries 43 / Personal Myth

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Wir glauben, zu wissen, wer wir sind, es wurde während unserer persönlichen Biografie 1000-mal bestätigt. Eine Art Mythos hat sich aufgebaut, eine Geschichte wie wir uns die Welt und unsere Beziehung dazu erklären.

Diese Bewegung hin zum persönlichen Mythos geschieht unbewusst, sie wir durch irgendein Ereignis ausgelöst und bestätigt automatisch die alten Glaubenssätze, entsprechende Gefühle stellen sich ein und der Mythos scheint sehr real. Wir sind überzeugt, der*die Aussenseiter*in, der*die Normale, das Alien, Opfer, Täter*in, Prinz*essin, Genie, Loser, etc zu sein …

Die Identifikation mit dem persönlichen Mythos ist oft sehr einschränkend und vor allem ist sie nicht wahr. Sie ist nichts weiter als eine eingelernte Selbsttäuschung, an die wir so gewohnt sind, dass wir es uns anders gar nicht vorstellen können.

Die Bereitschaft, ganz zum Anfang der Geschichte zu gehen, zum ‚Ich bin‘, hilft den Bann zu brechen und in die Lebendigkeit des Augenblicks einzutreten. Damit ist gleichzeitig der Mythos durchschaut und wir blinzeln bereits in die Freiheit …

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We believe to know who we are, it has been confirmed 1000 times during our personal biography. A kind of myth has been created, a story of how we explain the world and our relationship to it.

This movement towards the personal myth happens unconsciously, it is triggered by some event and automatically confirms the old beliefs, corresponding feelings arise and the myth seems very real. We are convinced to be the outsider, the normal, the alien, victim, perpetrator, prince, genius, loser, etc. …

The identification with the personal myth is often very limiting and above all it is not true. It is nothing more than a learned self-deception to which we are so used to that we cannot imagine it any other way.

The willingness to go to the very beginning of the story, to the ‚I am‘, helps to break the spell and to enter into the liveliness of the moment. At the same time the myth is seen through and we already blink into freedom …

 

CORONA Diaries 42 / Permanent Creation

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PERMANENT CREATION ist ja mein Ding, also Kreativität und Kunst in Theorie und Praxis ausloten. Jetzt wird es wohl so manche*n Künstler*in aufstoßen: Wie kommt der dazu, Kreativität und Kunst in einem Atemzug zu nennen, Kreativität ist für Kinder und Kunst für Genies …

Für mich ist das anders: Kunst ist für die Kraniche unter den Menschen, für die Füchse, Falken, Tauben und Tiger in Menschengestalt. Kreativität ist schlicht die natürliche Medizin für den Wahnsinn in der Welt, den Ego und Nutzdenken angerichtet haben …

PERMANENT CREATION sieht Leben als andauernde Gestaltung, ständig kommt durch uns Neues in die Welt – Wörter, Handlungen, Impulse, Ideen, Farben, Begegnungen, als solches sind wir Künstler*innen …

Das Neue überzeugt durch Inspiration. Plötzlich steht eine Ahnung im Raum, fast greifbar und überstrahlt das bisher Gewesene um Längen. Man hat keine Wahl, als sich die Hemdsärmel aufzukrempeln und sich ans Werk zu machen …

PERMANENT CREATION is my thing, that is, exploring creativity and art in theory and practice. Now that will probably irritate many artists: How come he calls creativity and art in one breath, creativity is for children and art is for geniuses …

For me it is different: art is for the cranes among humans, for the foxes, hawks, doves and tigers in human form. Creativity is simply the natural medicine for the madness in the world, which ego and materialistic thinking have caused …

PERMANENT CREATION sees life as a continuous creation, something new is constantly coming into the world through us – words, actions, impulses, ideas, colours, encounters, as such we are artists …

The new convinces through inspiration. Suddenly, a notion stands in the room, almost tangible and outshines everything that has been there up to now by far. You have no choice but to roll up your sleeves and get to work …

 

CORONA Diaries 41 / A Toast to the Villains and Scoundrels!

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Mann, brav sein ist so lahm!
Vermissen wir Luzifer, den wir aus den Himmeln stürzten? Um die leblose Trance zu
brechen und zu unseren Innersten vorzustoßen, brauchen wir den Windhund, den Schurken und Halunken …

Immer alles richtig machen zu wollen, lullt einem in den Schlaf. Manchmal müssen wir alles auf eine Karte setzen, durch die Nacht schleichen, in das Haus der Liebe einbrechen und uns frech mitten in ihr Bett legen …

Leben ist ein gefährliches Terrain, es gibt keine Sicherheit weit und breit. Wir müssen unter der Totenkopfflagge segeln, und die Leuchtschilder ignorieren, die davor warnen geheime Türen aufzusperren. Denn gerade dort offenbaren sich uns – noch vor Sprache und Verstehen – die verborgenen Welten des Sommerwinds, der in den Blättern des Herzens rauscht …

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Man, being good is so lame! Do we miss Lucifer, who we dispossess from the heavens? To break through the lifeless trance and reach our innermost selves, we need the desperado, the villain and the scoundrel…

Always wanting to do everything right lulls you to sleep. Sometimes we have to put all our eggs in one basket, sneak through the night, break into the house of love and cheekily lie in the middle of her bed …

Life is a dangerous terrain, there is no security far and wide. We must sail under the skull and crossbones, ignoring the illuminated signs that warn against unlocking secret doors. For it is there that the hidden worlds of the summer wind, which rushes in the leaves of the heart, reveal themselves to us – even before language and understanding …

 

CORONA Diaries 40 / Herzzeit

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Herzzeit bedeutet so viel wie ‚zeitlos‘. Wenn das Wollen Pause macht und das Sein sich ausbreitet, entsteht Herzzeit. Sie braucht das Licht der eigenen Anwesenheit und dass man sich die Zeit nimmt, ohne Zeit zu sein …

Im inneren Königreich landen, wenn das Wollen in schweren Stiefeln abgezogen ist. In die Libellenflügel des Bewusstseins sinken, mit jener spielerischen Lässigkeit, in der sich Raubvögel in der sonnendurchfluteten Luft kurz berühren …

Diese Erleichterung, wenn Leben nicht mehr durch die Anstrengung etwas richtig oder falsch zu machen, belastet wird. Wenn wir erkennen, dass die Dinge sowieso entstehen, in Einklang und Verbundenheit. Wie unnötig, sich das als Verdienst oder Versagen anzuheften, und wie freudvoll es ist, sich den Strömen des Seins verfügbar zu machen …

Heart-time means something like timelessness. When the will pauses and the being spreads out, heart-time is created. It needs the light of your own presence and that you take the time to be without time …

Landing in the inner kingdom when the will moves off in heavy boots. Sinking into the dragonfly wings of consciousness, with that playful nonchalance in which birds of prey briefly touch each other in the sun-drenched air.

This relief when life is no longer burdened by the effort of doing something right or wrong. When we realize that things arise anyway, in harmony and connectedness. How unnecessary it is to pin this on ourselves as merit or failure, and how joyful it is to make ourselves available to the streams of being …

 

CORONA Diaries 39 / The HeArt knows

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„In einem Moment des Zerbrechens sei es global oder persönlich, wird all das entfernt, worauf Sie konditioniert wurden, zu glauben, wer Sie sind. Zumindest für einen Augenblick.“
Gangaji

Wenn wir etwas wirklich fürchten, dann die Verletzlichkeit unseres Selbstbildes. Das Selbstbild – generiert und aufrechterhalten von der Gedankentätigkeit des psychologischen Verstandes – muss um jeden Preis geschützt werden, es ist das Einzige, das wirklich angegriffen werden kann …

Da dieses Selbstbild jedoch ein – bloß mit viel Mühe – aufrechterhaltenes Hologramm ist, kann es die Früchte der Wirklichkeit nicht kosten. Es sehnt sich nach Intimität und Verbundenheit mit seiner Quelle und allem, was diese Quelle hervorbringt …

Das Selbstbild kann sich nicht öffnen. Das Herz hingegen, ist dazu in der Lage. Es verfügt über eine geheime Fähigkeit, die der Verstand nicht kennt: Es wertet nicht, wirklich nicht. Es ist der Raum, in dem alles sein darf, wie es ist und in diesem Raum heilt alles aus und findet zu seiner*ihrer Intimität und Schönheit …

Das Herz geht immer direkt in Offenheit, tanzt mit dem Wirklichen und dem Unwirklichen, selbst mit der vergeblichen Suche des Selbstbildnisses. Das Herz, mit Kunst und Witz, muss nichts fürchten …

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„In a moment of shattering, wether it is global or personal, all that you have been conditioned to believe about who you are is removed. At least for an instant.“
Gangaji

If there is something we really fear, it is the vulnerability of our self-image. The self-image – generated and maintained by the thought activity of the psychological mind – must be protected at all costs, it is the only thing that can really be attacked …

However, since this self-image is a hologram maintained – only with great effort – it cannot taste the fruits of reality. It longs for intimacy and connectedness with its source and everything that this source produces…

The self-image cannot open. The heart, on the other hand, is able to open. It has a secret ability that the mind does not know: it does not judge, it really does not. It is the space in which everything is allowed to be as it is and in this space everything heals and finds its intimacy and beauty …

The heart always goes directly into openness, dances with the real and the unreal, even with the vain search of the self-image. The heart, with art and wit, has nothing to fear …

CORONA Diaries 38 / Being Radical

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Es macht so einen Unterschied, ob man etwas bloß weiß, ob man es auch macht oder ob man es wirklich und total lebt, radikal, ohne es durch Zweifel oder mentales Blabla aufzuweichen …

Man kommt hier nicht durch, bevor man nicht voll eintaucht!
Das Leben mag nicht – aus sicherer Entfernung – nur oberflächlich gestreift werden. Blosses Wunschdenken hilft nicht, auch keine Jammerei, Leben mag dich ganz, mit Haut und Haar …

Nur probieren geht nicht. Leben ist nicht für die Halbherzigen. Wenn es dich zum Tanz bittet, zieh dich warm an! Gib dich ganz hin, noble Zurückhaltung ist nicht angebracht. Lass dich vom Leben überfallen, plündern, erlaube ihm*ihr Sachen mit dir anzustellen, die dich noch nach 10 Jahren rot werden lassen …

 

20200629_142314It makes such a difference if you just know something, if you do it too, or if you live it really and totally, radically, without softening it with doubts or mental blah-blah …

You can’t get through this until you are fully immersed! Life may not be touched only superficially from a safe distance. Mere wishful thinking does not help, nor does it help to complain, life likes you whole, with skin and hair …

You can’t just try it. Life is not for the half-hearted. If it asks you to dance, dress warmly! Give yourself completely, noble restraint is not appropriate. Let life attack you, plunder you, allow it to do things to you that will make you blush even after 10 years…

CORONA Diaries 37 / I can’t get no Satisfaction

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Es kommt eine Zeit, in der all die Strategien, sich etwas Lust zu verschaffen, schal werden. Man hat das alte Programm etwas zu oft abgespult, es erfüllt nicht mehr seinen Zweck. Es kommt eine Zeit, in der all das Streben nach Anerkennung und Bestätigung hohl erscheint, in der selbst Ablenkung nicht mehr betäuben kann …

Es kommt eine Zeit, in der man keine Befriedigung findet, in der das Wollen wie eine aufgezogene Spieluhr verklingt.
Es kommt eine Zeit, in welcher der einzige Weg in die Stille führt, in der man wie ein*e – in den Müh(l)en der Welt – Ertrinkende*r im Anfang von allem auftaucht …

Und dort – wo man nicht nachschauen wollte – findet man all das Verlorene geglaubte wieder, in ursprünglicher Pracht. Das ‚Ich bin‘ wird frei. Es entzieht sich allen Manipulationsversuchen und Besitzansprüchen. Das tiefste und feinste in uns – die Tatsache unserer bloßen Anwesenheit – ist frei …

There comes a time when all the strategies for getting some pleasure become stale. The old program has been reeled off a little too often, it no longer serves its purpose. There comes a time in which all the striving for recognition and confirmation seems hollow, in which even distraction can no longer numb …

There comes a time in which one finds no satisfaction, in which wanting fades away like a wound up musical clock. There comes a time in which the only way leads into silence, in which one appears in the beginning of everything like a drowning person in the toils of the world …

And there – where one did not want to look – one finds all that appeared lost, in its original splendor. The ‚I am‘ becomes free. It evades all attempts at manipulation and claims to possession. The deepest and finest in us – the fact of our mere presence – is free …

CORONA Diaries 36 / The HeArt

Esther 4

‚Die einzige Sprache, um die ganze Wahrheit auszudrücken, ist Stille.‘
Ramana Maharshi

Ähnlich wie das Gehirn ist auch das Herz ein sehr seltsamer Ort. Das Gehirn existiert physisch als Organ und doch wandert man darin in virtuellen Gedankengängen, die nicht wirklich real sind, die eher aus Wünschen und Vorstellungen bestehen, mit dem eigenen Leben als Zentrum, worum sich alles dreht …

Das Herz ist ebenso ein physischer Ort, spürbar, doch wenn man diesen Raum betritt, werden die Dinge realer. Es ist, als würde man sich selbst begegnen, als das tiefe verbundene Wesen, dass man wirklich ist. Die eigene Anwesenheit taucht aus dem mentalen Dickicht auf, wie ein*e Eingeborene*r, wie ein*e lang vermisste Freund*in …

Verweilt man im Raum des Herzens, ohne Grund, einfach weil es Freude macht und ignoriert die ängstliche Rufe des Verstandes – man würde etwas Wichtiges versäumen, man müsste sich ganz dringend um etwas kümmern – breitet sich Stille aus. Das Herz ist ein absolut revolutionärer Ort, an ihm zerschellen Trugbilder wie Ängste und man legt das eigene Sein zurück in die Hände des Lebens …

Esther 4 Detail 2

„The only language to express the whole truth is silence.“

Ramana Maharshi

Like the brain, the heart is a very strange place. The brain exists physically as an organ and yet you wander around in it in virtual thought processes that are not real, that consist more of wishes and ideas, with your own life as the centre, which is what it’s all about …

The heart is also a physical place, tangible, but when you enter this space, things become more real. It is as if you are meeting yourself, as the deeply connected being that you really are. Your own presence emerges from the mental thicket, like a native, like a long lost friend…

If one stays in the space of the heart, without reason, simply because it is joyful and ignores the anxious calls of the mind – one would miss something important, one would have to take care of something urgently – silence spreads. The heart is an absolutely revolutionary place, where illusions and fears are shattered and one puts one’s own being back into the hands of life …

CORONA Diaries 34 Wirklich hinschauen / Paying Attention

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‚Drink to life as if there is no end.‘
Melody Gardot

Leben spürt sich manchmal nach gar nichts an. Wir verrichten das Tagewerk, gerade mal so, etwas resigniert vielleicht, weil wir ja wissen, Leben kann auch ganz anders. Das Bier schmeckt auch gerade Mal so und selbst den Lieblingstätigkeiten scheint etwas zu fehlen …

Was fehlt, ist wirklich hinzuschauen. Dieses Anhaften am Wegschauenwollen ist, als ob uns 1000 Gummibänder in die Abwesenheit zerren und 1000 Nägel uns da fixieren wollen. Welch abenteuerliche Bewegung es bedeutet, sich von diesem unbewussten Sog abzuwenden und sich dem zuzuwenden, das ist. Wir hätten das, was ist, so gerne anders, dass wir bereit sind, uns lieber blind zu machen, als es wirklich anzusehen …

Gelingt es uns, zumindestens halbwegs mit dem Leben übereinzustimmen, zieht es bald im Triumph ein. Das Bier schmeckt plötzlich aber so was von gut, die Musik rockt wieder, unsere Lieblingstätigkeiten beginnen zu glühen und das Blut feiert …

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Life sometimes feels like nothing at all. We do our daily work, just like that, maybe a bit resigned, because we know that life can be quite different. The beer just tastes the same and even our favourite activities seem to be missing something …

What is missing is paying attention. This attachment to looking away is as if 1000 rubber bands drag us into absence and 1000 nails want to fix us there. What an adventurous movement it is to turn away from this unconscious undertow and to turn to that which is. We would like to have that which is so different that we are prepared to make ourselves blind rather than really look at it …

If we manage to agree with life at least halfway, it will soon move in triumph. The beer suddenly tastes so good, the music rocks again, our favourite activities begin to glow and the blood celebrates …