ZERSCHMETTERT IN STÜCKE / SMASHED INTO PIECES

‚Zerschmettert in Stücke, im Frieden der Nacht.‘ Lawrence Weiner

Es ist doch höchst erstaunlich, wie hartnäckig man an der Idee festhält, es würde bald alles harmonisch und ruhig sein. Wobei es doch derart offensichtlich ist, dass man sich auf einem Planeten befindet, dessen Evolution über Herausforderungen geschieht …

Dennoch, wenn etwas zerbricht, ein Verlust geschieht oder ein Plan schiefläuft, nimmt man zuerst an, etwas stimmt nicht oder man fasst es sogar als persönlichen Mangel auf. Wo uns doch sämtliche Traditionen der Weltweisheit eindeutig Hinweise geben: Im Herzen der kabbalistischen Tradition finden wir die Ursprungsgeschichte von den zerschmetterten Gefäßen, durch die Gott erst im zweiten Anlauf zur Welterschaffung fand.

Kali schlägt Köpfe ab und zeigt gleichzeitig das Zeichen ‚Fürchte nicht“. Akilandeswari, eine Hindugöttin, hat ihre Füße im Fluss des Lebens, während sie auf einem Krokodil reitet. Oder wie Jesus dem guten Thomas sagte: „Wenn du nicht glaubst, dass ich es bin, dann lege deine Finger in meine Wunde.“ Zerbrochenes ist nicht im Weg, es ist der Weg. Die Akzeptanz des Verlustes als Teil der heiligen Ordnung verbindet uns mit dieser. Zerbrochenes führt uns zum Kostbarsten, zu dem, was nicht zerstört werden kann …

„There is nothing as whole as a broken heart.“
Rabbi Menachem Mendel

It is astonishing how stubbornly one clings to the idea that everything will soon be harmonious and calm. And yet it is so obvious that you are on a planet whose evolution happens through challenges …

However, when something breaks down, a loss happens or a plan fails, one first assumes that something is wrong or even that it is a personal flaw. Even when all traditions of world wisdom give us clear indications: In the heart of the Kabbalistic tradition we find the story of the origin of the shattered vessels, through which God only found the world creation in the second attempt …

Kali chops off heads and at the same time shows the sign ‚Fear not‘. Akilandeswari, a Hindu goddess, has her feet in the river of life while riding a crocodile. Or as Jesus told good Thomas: „If you do not believe that I am, put your fingers in my wound.“ Brokeness is not in the way, it is the way. The acceptance of loss as part of the holy order connects us to it. Broken things lead us to the most precious, to that which cannot be destroyed …

MANIFESTATIONEN / MANIFESTATIONS

Ganz am Anfang war es still. Jene lebendige, intelligente Stille, die immer noch inmitten aller Dinge west, wie nicht von dieser Welt und doch Grundlage aller Existenz. Wenn wir unsere eigenen Pläne vergessen, haben wir die erstaunliche Möglichkeit, die Wirkweise der Stille kennenzulernen. Wie bei allen Dingen tut man sich als verliebt forschender, offener Geist am leichtesten …

Ein erstaunliches Phänomen, das sich beobachten lässt, sind Manifestationen: Aus der Stille entstehen Dinge. Man beginnt z.B ein Bild zu malen, hat keine Ahnung  was es wird, und während dem Geräusch der Pinselstriche wird man zum Geschichtenerzähler, begleitet von dem sagenhaft machtvollen Gefühl, alle Möglichkeiten der Gestaltung offen zu haben …

Man mischt eine Farbe, weiß nicht so recht welche, und plötzlich ist es ganz eindeutig,  welche passt, das manifestiert sich so richtig. Hier sind wir jenseits von richtig und falsch mit der Frage konfrontiert, was für eine Geschichte mag ich erzählen? Und auch hier kommt die Antwort aus den Manifestationen der Stille, die sofort durch Stimmigkeit überzeugt …

Natürlich wird es Menschen geben, die mit dem Ergebnis nichts anfangen können und auch das Feld der Experten mag die gebildeten Häupter schütteln. Doch was wiegt das alles gegen die Magie der Manifestationen? Welch größere Poesie könntest es geben, als wenn du dein Lied findest? Unser Publikum ist die Stille. Die Seele applaudiert. Sie weiß, dass sich der Himmel mit Schönheit betören lässt, und legt sich voll ins Zeug …

At the very beginning it was quiet. That lively, intelligent silence, still present in the midst of all things, as if not of this world and yet the basis of all existence. If we forget our own plans, we have the amazing opportunity to get to know the effectiveness of silence. As with all things, the easiest way to do this is to be an inquiring, open mind in love …

An amazing phenomenon that can be observed are manifestations: Things arise from silence. For example, you start to paint a picture, you have no idea what it will become, and during the sound of the brush strokes you become a storyteller, accompanied by the fabulously powerful feeling of having all possibilities of creation open …

You mix a color, don’t really know which one, and suddenly it’s quite clear which one fits, that’s how manifestation work. Here we are confronted beyond right and wrong with the question, what kind of story do I want to tell? And here, too, the answer comes from the manifestations of silence, which immediately convinces through coherence …

Of course, there will be people who can’t do anything with the result, and even the field of experts may shake the educated heads. But what does all this weigh against the magic of the manifestations? What greater poetry could there be than when you find your song? Our audience is silence. The soul applauds. It knows that the heavens can be beguiled with beauty, and puts its heart and soul into it …

BRENNENDE TRÄUME / BURNING DREAMS

Es ist eine Kunst, sich nicht von der eigenen Konditionierung verarschen zu lassen. Gefühle und Gedanken ballen sich manchmal zu unsäglichen Stürmen zusammen, deren Auswirkungen Kampf und manchmal Schlachten ins eigene Haus tragen …

Wir befinden uns in einem brennenden Traum, der sich oft verdammt echt anfühlt. Wenn das Ganze unbewusst abläuft, haben wir keine Chance, als selbst unbewusst gemäß unserer alten Muster zu reagieren. Dabei richten sich die Gefühls- und Gedankenstürme gegen die Welt und gegen das eigene Selbst …

Der Schlüssel sind die Gefühle, sobald wir bemerken, was abgeht, können wir – durchaus höflich – das vorherrschende Gefühl zu Tanz bitten. Im Tanz brechen wir die alten Muster und finden nicht nur eine neue Beziehung mit der Situation, sondern rücken auch gleichzeitig ganz nah an das, was wir wirklich sind …

It is an art not to be fooled by one’s own conditioning. Feelings and thoughts sometimes clump together to unspeakable storms, the effects of which carry struggle and sometimes battles into your own house …

We find ourselves in a burning dream, which often feels damned real. If the whole thing happens unconsciously, we have no chance to react unconsciously according to our old patterns. The storms of feelings and thoughts are directed against the world and against our own self …

The key is the feelings, as soon as we notice what is going on, we can – quite politely – ask the prevailing feeling for a dance. In dance, we break the old patterns and not only find a new relationship with the situation, but also move very close to who we really are …

FRAGEN UND ANTWORTEN / QUESTIONS AND ANSWERS

Wir schwirren blind um das Leben herum, versuchen unser Bestes. Wir versuchen, etwas zu erreichen mit abenteuerlichen Mut trotz des Unvermögens, lassen uns immer wieder aufs Neue ein, doch zu erlangen, zu erkennen, anzukommen …

Wie gut es tut, in der Matrix des Seins einzurasten, wie ein Stern am Firmament, wie ein Vogel im Flug. Im Einklang macht es keinen Unterschied, woran man rührt, man wirkt fraglos verbunden im vibrierenden Muster der Dinge, die einfache Selbstverständlichkeit der Wesen kostend …

Kreative Tätigkeiten sind wie Fragen, die man stellt. Im Blindflug Achtsamkeit entwickelnd, wach eintauchend in sich öffnende Türen bis in das Fleisch des Geistes, bis das eigene Sein Antwort ist …

We buzz blindly around life, trying our best. We try to reach something with adventurous courage despite our inability again and again, but to achieve, to recognize, to arrive …

How good it feels to snap into the matrix of being, like a star in the firmament, like a bird in flight. In unison, it makes no difference what one touches, one seems unquestionably connected in the vibrating pattern of things, costing the simple matter of course of beings …

Creative activities are like questions that you ask. Developing mindfulness in blind flight, diving awake into doors opening into the flesh of the spirit, until one’s own being is the answer …

FROM PERSON TO PRESENCE

“It is important that awake people be awake, for the darkness around us is deep.”
William Staffort

Entweder man ist anwesend oder abwesend.
Entweder das Licht ist ein- oder ausgeschaltet. Abwesenheit bedeutet die Zeit, im Kopfkino zu verbringen, hauptsächlich mit persönlichen Wünschen, Ängsten und Ablenkungen an einem imaginären Tisch zu sitzen. Die Welt ist ein viel zu gefährlicher Ort für lange Abwesenheiten …

Anwesenheit ist auf den ersten Blick wenig spektakulär. Sie zeigt ihren Schatz erst nach und nach. Zuerst braucht es Neugier, Interesse und Zuwendung, um den Raum zu öffnen. Wie alles Gute öffnet sie sich, wenn man beginnt, sie zu mögen. Wenn man gerne Zeit mit ihr verbringt …

Dem*der aufrichtig Zuhörenden gewährt sie manchmal Einblicke in das vibrierende Gewebe der Dinge, so exquisit, dass es auf der Stelle entwaffnet, so überzeugend wie der Herbstwind, der das entfernte Glockenläuten über die stillen, abendlichen Felder rollt …

Either one is present or absent.
Either the light is on or off. Absence means the time spent in the head cinema, sitting at an imaginary table, mainly with personal wishes, fears and distractions. The world is far too dangerous a place for long absences …

Presence is not spectacular at first sight. It shows its treasure only gradually. First, curiosity, interest and attention are needed to open the room. Like all good things, it opens up when you start to like it. If you enjoy spending time with it …

For the sincere listener, it sometimes allows insights into the vibrating fabric of things, so exquisite that it disarms on the spot, as convincing as the autumn wind that rolls the distant ringing of bells over the silent evening fields …

SECRETS OF MIND

Der Verstand interpretiert die Welt so wie er konditioniert wurde. Identifiziert man sich unbewusst damit, bleibt einem nichts anderes übrig, als immer wieder dieselben Mustern und Loops zu durchleben. Das ist ein mechanischer Prozess, der sich auf Sicherheit bezieht, alles andere wäre viel zu gefährlich …

Interessanterweise hat der Verstand – fast wie ein Wesen – eine geheime Neigung zur Befreiung. Er möchte die vermeintliche Sicherheit um jeden Preis aufrecht erhalten, ist insgeheim jedoch auch müde, dieser ungeheuren Anstrengung sich gegen die Offenheit des Lebens zu panzern …

Der Verstand entspannt sich, wenn er mehr und mehr versteht, wie unwahr die Geschichten sind, die er erzählt. Er kann erst loslassen, wenn er sieht, dass etwas anderes – etwas noch Fähigeres als er selbst – die Geschicke der Welt trägt …

The mind interprets the world as it has been conditioned. If you unconsciously identify with it, you have no choice but to live through the same patterns and loops over and over again. This is a mechanical process, which refers to security, everything else would be much too dangerous …

Interestingly, the mind – almost like a being – has a secret tendency to liberation. It wants to maintain the supposed security at all costs, but is secretly tired of this enormous effort to armor itself against the openness of life …

The mind relaxes as it understands more and more how untrue the stories it tells are. It can only let go when it sees that something else – something even more capable than itself – carries the destinies of the world …

AUS HEITEREM HIMMEL / OUT OF THE BLUE

Aus heiterem Himmel weht deine persönliche Geschichte mit allen Problemen in einer unglaublich sanften Bewegung einfach davon. Aus heiterem Himmel fallen die Filter von den Sinnen. Aus heiterem Himmel zeigt sich die Welt, wie sie ist, jenseits deiner Interpretationen …

Egal, was die persönliche Geschichte beinhalten mag, sie zeigt noch kurz ihre flüchtige Gestalt und winkt zum Abschied, wenn die Maske der Dinge fällt. Aus heiterem Himmel enthüllt sich der unsichtbare Berg, auf dem die Welt projiziert ist. Aus heiterem Himmel wurden Ignoranz und Zweifel zu Staub und Asche …

Aus heiterem Himmel zieht dich Frieden in seinen Bann. Aus heiterem Himmel wird ich zum du und du zum ich. Aus heiterem Himmel geschieht all das, weil du deine süße Aufmerksamkeit – für einen Moment – dem Ewigen in dir geschenkt hast …

Out of the blue, your personal story with all its problems just blows away in an incredibly gentle movement. Out of the blue the filters fall from the senses. Out of the blue the world shows itself as it is, beyond your interpretations

No matter what the personal story may contain, it still briefly shows its fleeting form and waves goodbye when the mask of things falls. Out of the blue, the invisible mountain on which the world is projected is revealed. Out of the blue, ignorance and doubt became dust and ashes …

Out of the blue, peace casts its spell over you. Out of the blue I become you and you become me. Out of the blue all this happens because you have given your sweet attention – for a moment – to the Eternal within you …

TALKING TO THE MOON

Mit dem Mond zu sprechen bedingt den ganzen Menschen, nicht bloß die kleinen gedanklichen Wellen an der Oberfläche. Es braucht die Stimme aus der Tiefe des Herzens. Die Antwort des Mondes hört man nicht mit den Ohren, der ganze Körper lauscht seiner ungeheuerlichen Existenz …

Was man dem Mond erzählt, geschieht bereits. Mit 1000 feinen Silberklingen löst er den Kokon, befreit aus der Maske der Welt. In seinem Licht spiegelt sich der eigene nackte Glanz …

Kein Wunder, dass man früher tanzte mit Federn in den Haaren. Kein Wunder, dass  Frauen bluten, Wölfe heulen und das Meer sich hebt …

Talking to the moon requires the whole human being, not just the small mental waves on the surface. It needs the voice from the depth of the heart. The answer of the moon is not heard with the ears, the whole body listens to its outrageous existence …

What you tell the moon is already happening. With 1000 fine silver blades it releases the cocoon, frees from the mask of the world. In its light the own naked brilliance is reflected …

No wonder that people used to dance with feathers in their hair. No wonder that women bleed, wolves howl and the sea rises …

DAS FENSTER / THE WINDOW

Die Verstrickungen der Welt machen müde. Die Stimme der unversöhnten Wunde treibt an: Bleib nicht stehen. Bleib geschäftig. Sei nur ja nicht still weiter, weiter. Als würdest du weglaufen, als würde dein Leben davon abhängen …

Die nagende Rastlosigkeit ist eine gute Erinnerung. Ein Zeichen, die Dinge der Welt liegen zu lassen, sich nicht mehr um das Zeitgebundene zu kümmern. Das Zeitlose ruft dich. Du öffnest das Fenster und lässt dich von Peter Pan entführen …

Am Herz entfaltet sich das stille Meer. Eintauchend – als ob man ur-alten Stimmen folgte, als würde man im Vorsprachlichen walten, als hätte man die süße Braut am Grund der Kunst geküsst – sinkt man unter die Haut der Landschaft und in den Körper – fraglos – wie ein*e Eingeborene*r …

The entanglements of the world make you tired. The voice of the unreconciled wound drives: Do not stop. Stay busy. Just don’t keep quiet, keep going. As if you were running away, as if your life depended on it …

The nagging restlessness is a good memory. A sign to leave the things of the world alone, to no longer care about the time-bound. The timeless calls you. You open the window and let Peter Pan take you away…

The silent sea unfolds at your heart. Immersing yourself – as if you were following ancient voices, as if you were travelling beyond language, as if you had kissed the sweet bride at the bottom of art – you sink under the skin of the landscape and into your body – unquestionably – like an native …

SLAVE TO THE RYTHM

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‚Find what you love and let it kill you.‘
Charles Bukowski

Beim Malen ist man ständig am Verwerfen. So lernt man. Etwas entsteht im kreativen Prozess und man möchte es erhalten, man hat Angst, weiter zu machen, um das Entstandene nicht zu zerstören. Nur die Sehnsucht treibt einem weiter, ignoriert die scheinbaren Gewinne zugunsten der magischen Momente, in denen sich der Pinsel befreit ...

Es braucht die Bereitschaft, alles falsch zu machen, die Ausdauer beim offenen Schauen zu bleiben und das Mögen im Tun, um im neuen Bild anzukommen. Die Angst vor Fehlern würde uns lähmen, die fehlende Ausdauer ließe uns im nebligen Sumpf zurück und im mangelnden Genuss erstickten die Farben …

Diese Freiheit, wenn man weiß, dass man nichts falsch machen kann! Diese Ruhe, wenn klar ist, dass man ewig geht für das, was wirklich zählt. Diese Freude, wenn einem der Sommerabendwind erfasst, wenn man sich ein Marmeladebrot im Mondlicht streicht …

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‚Find what you love and let it kill you.‘
Charles Bukowski

When you paint, you are constantly discarding. That is how one learns. Something appears in the creative process and one want to preserve it, one is afraid to continue, so as not to destroy what has been created. Only longing drives you on, ignoring the apparent gains in favor of the magic moments when the brush frees itself …

It needs the willingness to do everything wrong, the perseverance to keep looking openly and the liking in doing, in order to arrive at the new painting. The fear of making mistakes would paralyze us, the lack of endurance would leave us in a foggy swamp and the missing of pleasure would suffocate the colors …

This freedom, when you know that you cannot do anything wrong! This calmness, when it is clear that you are going forever for what really counts. This joy, when the summer evening breeze takes hold of you, when you spread a jam sandwich in the moonlight …