HAPPY NEW YEAR!

4.35 31.12.2020 Vollmond in der letzten Nacht eines voll besonderen Jahres

Wenn man aus dem Denken aussteigt und in die direkte Erfahrung dessen wechselt, was ist, wenn man nichts mehr weiß und nichts will, dann ist man zeitlos und erlebt die Welt wie ein Indianer wie ein Eingeborener.
Das, was ist, rieselt durch einem – ohne Anstrengung – wie Regen …

Wenn das, was ist, ungestört seine Zelte aufschlagen kann und seine Feuer entzündet. Wenn man wie ein Wächter darauf achtet, dass sich dieses Wesentliche in Freiheit entwickeln darf. Wenn die Verstandespolizei nicht gegen das Zigeunerlager der Seele vorgeht, sondern es schützt …

Wenn sich die Nacht, die inneren Farben, der Atem, das Denken und alles mischen mit der Perfektion einer Glühbirne, die ihr Licht verteilt. Wenn man die Stille einfängt, als würde man Laub zusammenkehren. Wenn man geht, als würde man auf den im Beton verborgenen Diamanten laufen …

4.35 31.12.2020 Full moon on the last night of a fully special year

When one gets out of thinking and changes into the direct experience of what is, when one knows nothing more and wants nothing, then one is timeless and experiences the world like a native.
That which is trickles through one – without effort – like rain …

When that which is can pitch its tents undisturbed and light its fires. When one watches, like a guardian, that this essential is allowed to develop in freedom. When the mind police does not act against the gypsy camp of the soul, but protects it …

When the night, the inner colors, the breath, the thinking and everything mix with the perfection of a light bulb that spreads its light. When you catch the silence as if you were sweeping leaves. When you hike as if you were walking on the diamonds hidden in the concrete …

DIE OHNMACHT DER PERSÖNLICHKEIT / THE POWERLESSNESS OF PERSONALITY

Im Wesentlichen hat die Persönlichkeit – das Ego – keine Macht. Dinge geschehen einfach wie das Wetter, daran kann man nicht wirklich etwas verändern. Wenn man dieser Ohnmacht als schlechte Nachricht begreift, ist das ganz schön frustrierend …

Sobald man die gute Nachricht darin hört,  beginnt etwas in einem sich zu entspannen, rollt sich zusammen wie eine Katze vor dem Ofen: Der ewige Kampf mit der Welt hört auf,  wenn man zutiefst erkennt, dass die Ströme des Seins in einer spielerischen Perfektion wirken, außerhalb der Reichweite des Egos …

Natürlich kann man sein*ihr ganzes Potenzial nutzen, Träume verfolgen und sein*ihr Bestes tun. Doch der Kampf muss nicht sein. Erst im Loslassen dessen, was man unbedingt so haben will, öffnet sich kreative Lebensgestaltung, eine Kommunikation beginnt, lauschen und handeln. Wenn wir mit dem übereinstimmen, was ist, breitet sich Frieden aus und später Freude, als wären die Wege im Inneren freigeräumt …

In essence, the personality – the ego – has no power. Things just happen like the weather, you can’t really change that. When you understand this powerlessness as bad news, it’s quite frustrating …

As soon as you hear the good news in it, something in you starts to relax, curl up like a cat in front of the stove: the eternal struggle with the world stops, when you deeply realize that the streams of being work in a playful perfection, beyond the reach of the ego …

Of course, one can use his*her full potential, pursue dreams and do his*her best. But the struggle does not have to be. Only in letting go of what one absolutely wants to have so, creativity happens, communication begins, listening and acting. When we agree with what is, peace spreads and later joy, as if the paths inside were cleared …

THE CALLING 2

Als Ego – als eine vom Ganzen abgetrennte Persönlichkeit- kann man nicht in die Einheit, egal wie man es anstellt. Wenn man jedoch zu dem wird, was allen Wesen gemeinsam ist, dieses ‚Ich bin‘ entsteht sofort Verbundenheit …

Ohne die ungeheure Anstrengung des Egos – welches mit allen Mitteln versucht, die Trennung aufrecht zu erhalten – würde die eigene Existenz ganz von selber der Anziehung in die Einheit folgen, es wäre einfach das natürlichste …

In jedem Moment ist also die Wahl, wohin die Reise geht: in das Spiel der Persönlichkeit mit all dem Wollen und Wünschen etwas zu sein oder in das Reich des ‚Ich bin‘, welches alles und nichts ist, zeitlos anwesend, jenseits der Sinne knisternd vor Potenzial an keine Form gebunden und doch allem zugrunde liegend …

As an ego – as a personality separated from the whole – one cannot enter into unity, no matter how one tries it. However, when one becomes that which is common to all beings, this ‚I am‘, connectedness immediately arises….

Without the enormous effort of the ego – which tries with all means to maintain the separation – one’s own existence would follow the attraction into oneness all by itself, it would simply be the most natural thing …

So in every moment there is the choice where the journey goes: into the play of personality with all the wanting and wishing to be something or into the realm of ‚I am‘, which is everything and nothing, timelessly present, beyond the senses crackling with potential not bound to any form and yet underlying everything …

ZERSCHMETTERT IN STÜCKE / SMASHED INTO PIECES

‚Zerschmettert in Stücke, im Frieden der Nacht.‘ Lawrence Weiner

Es ist doch höchst erstaunlich, wie hartnäckig man an der Idee festhält, es würde bald alles harmonisch und ruhig sein. Wobei es doch derart offensichtlich ist, dass man sich auf einem Planeten befindet, dessen Evolution über Herausforderungen geschieht …

Dennoch, wenn etwas zerbricht, ein Verlust geschieht oder ein Plan schiefläuft, nimmt man zuerst an, etwas stimmt nicht oder man fasst es sogar als persönlichen Mangel auf. Wo uns doch sämtliche Traditionen der Weltweisheit eindeutig Hinweise geben: Im Herzen der kabbalistischen Tradition finden wir die Ursprungsgeschichte von den zerschmetterten Gefäßen, durch die Gott erst im zweiten Anlauf zur Welterschaffung fand.

Kali schlägt Köpfe ab und zeigt gleichzeitig das Zeichen ‚Fürchte nicht“. Akilandeswari, eine Hindugöttin, hat ihre Füße im Fluss des Lebens, während sie auf einem Krokodil reitet. Oder wie Jesus dem guten Thomas sagte: „Wenn du nicht glaubst, dass ich es bin, dann lege deine Finger in meine Wunde.“ Zerbrochenes ist nicht im Weg, es ist der Weg. Die Akzeptanz des Verlustes als Teil der heiligen Ordnung verbindet uns mit dieser. Zerbrochenes führt uns zum Kostbarsten, zu dem, was nicht zerstört werden kann …

„There is nothing as whole as a broken heart.“
Rabbi Menachem Mendel

It is astonishing how stubbornly one clings to the idea that everything will soon be harmonious and calm. And yet it is so obvious that you are on a planet whose evolution happens through challenges …

However, when something breaks down, a loss happens or a plan fails, one first assumes that something is wrong or even that it is a personal flaw. Even when all traditions of world wisdom give us clear indications: In the heart of the Kabbalistic tradition we find the story of the origin of the shattered vessels, through which God only found the world creation in the second attempt …

Kali chops off heads and at the same time shows the sign ‚Fear not‘. Akilandeswari, a Hindu goddess, has her feet in the river of life while riding a crocodile. Or as Jesus told good Thomas: „If you do not believe that I am, put your fingers in my wound.“ Brokeness is not in the way, it is the way. The acceptance of loss as part of the holy order connects us to it. Broken things lead us to the most precious, to that which cannot be destroyed …

MANIFESTATIONEN / MANIFESTATIONS

Ganz am Anfang war es still. Jene lebendige, intelligente Stille, die immer noch inmitten aller Dinge west, wie nicht von dieser Welt und doch Grundlage aller Existenz. Wenn wir unsere eigenen Pläne vergessen, haben wir die erstaunliche Möglichkeit, die Wirkweise der Stille kennenzulernen. Wie bei allen Dingen tut man sich als verliebt forschender, offener Geist am leichtesten …

Ein erstaunliches Phänomen, das sich beobachten lässt, sind Manifestationen: Aus der Stille entstehen Dinge. Man beginnt z.B ein Bild zu malen, hat keine Ahnung  was es wird, und während dem Geräusch der Pinselstriche wird man zum Geschichtenerzähler, begleitet von dem sagenhaft machtvollen Gefühl, alle Möglichkeiten der Gestaltung offen zu haben …

Man mischt eine Farbe, weiß nicht so recht welche, und plötzlich ist es ganz eindeutig,  welche passt, das manifestiert sich so richtig. Hier sind wir jenseits von richtig und falsch mit der Frage konfrontiert, was für eine Geschichte mag ich erzählen? Und auch hier kommt die Antwort aus den Manifestationen der Stille, die sofort durch Stimmigkeit überzeugt …

Natürlich wird es Menschen geben, die mit dem Ergebnis nichts anfangen können und auch das Feld der Experten mag die gebildeten Häupter schütteln. Doch was wiegt das alles gegen die Magie der Manifestationen? Welch größere Poesie könntest es geben, als wenn du dein Lied findest? Unser Publikum ist die Stille. Die Seele applaudiert. Sie weiß, dass sich der Himmel mit Schönheit betören lässt, und legt sich voll ins Zeug …

At the very beginning it was quiet. That lively, intelligent silence, still present in the midst of all things, as if not of this world and yet the basis of all existence. If we forget our own plans, we have the amazing opportunity to get to know the effectiveness of silence. As with all things, the easiest way to do this is to be an inquiring, open mind in love …

An amazing phenomenon that can be observed are manifestations: Things arise from silence. For example, you start to paint a picture, you have no idea what it will become, and during the sound of the brush strokes you become a storyteller, accompanied by the fabulously powerful feeling of having all possibilities of creation open …

You mix a color, don’t really know which one, and suddenly it’s quite clear which one fits, that’s how manifestation work. Here we are confronted beyond right and wrong with the question, what kind of story do I want to tell? And here, too, the answer comes from the manifestations of silence, which immediately convinces through coherence …

Of course, there will be people who can’t do anything with the result, and even the field of experts may shake the educated heads. But what does all this weigh against the magic of the manifestations? What greater poetry could there be than when you find your song? Our audience is silence. The soul applauds. It knows that the heavens can be beguiled with beauty, and puts its heart and soul into it …

BRENNENDE TRÄUME / BURNING DREAMS

Es ist eine Kunst, sich nicht von der eigenen Konditionierung verarschen zu lassen. Gefühle und Gedanken ballen sich manchmal zu unsäglichen Stürmen zusammen, deren Auswirkungen Kampf und manchmal Schlachten ins eigene Haus tragen …

Wir befinden uns in einem brennenden Traum, der sich oft verdammt echt anfühlt. Wenn das Ganze unbewusst abläuft, haben wir keine Chance, als selbst unbewusst gemäß unserer alten Muster zu reagieren. Dabei richten sich die Gefühls- und Gedankenstürme gegen die Welt und gegen das eigene Selbst …

Der Schlüssel sind die Gefühle, sobald wir bemerken, was abgeht, können wir – durchaus höflich – das vorherrschende Gefühl zu Tanz bitten. Im Tanz brechen wir die alten Muster und finden nicht nur eine neue Beziehung mit der Situation, sondern rücken auch gleichzeitig ganz nah an das, was wir wirklich sind …

It is an art not to be fooled by one’s own conditioning. Feelings and thoughts sometimes clump together to unspeakable storms, the effects of which carry struggle and sometimes battles into your own house …

We find ourselves in a burning dream, which often feels damned real. If the whole thing happens unconsciously, we have no chance to react unconsciously according to our old patterns. The storms of feelings and thoughts are directed against the world and against our own self …

The key is the feelings, as soon as we notice what is going on, we can – quite politely – ask the prevailing feeling for a dance. In dance, we break the old patterns and not only find a new relationship with the situation, but also move very close to who we really are …

FRAGEN UND ANTWORTEN / QUESTIONS AND ANSWERS

Wir schwirren blind um das Leben herum, versuchen unser Bestes. Wir versuchen, etwas zu erreichen mit abenteuerlichen Mut trotz des Unvermögens, lassen uns immer wieder aufs Neue ein, doch zu erlangen, zu erkennen, anzukommen …

Wie gut es tut, in der Matrix des Seins einzurasten, wie ein Stern am Firmament, wie ein Vogel im Flug. Im Einklang macht es keinen Unterschied, woran man rührt, man wirkt fraglos verbunden im vibrierenden Muster der Dinge, die einfache Selbstverständlichkeit der Wesen kostend …

Kreative Tätigkeiten sind wie Fragen, die man stellt. Im Blindflug Achtsamkeit entwickelnd, wach eintauchend in sich öffnende Türen bis in das Fleisch des Geistes, bis das eigene Sein Antwort ist …

We buzz blindly around life, trying our best. We try to reach something with adventurous courage despite our inability again and again, but to achieve, to recognize, to arrive …

How good it feels to snap into the matrix of being, like a star in the firmament, like a bird in flight. In unison, it makes no difference what one touches, one seems unquestionably connected in the vibrating pattern of things, costing the simple matter of course of beings …

Creative activities are like questions that you ask. Developing mindfulness in blind flight, diving awake into doors opening into the flesh of the spirit, until one’s own being is the answer …

FROM PERSON TO PRESENCE

“It is important that awake people be awake, for the darkness around us is deep.”
William Staffort

Entweder man ist anwesend oder abwesend.
Entweder das Licht ist ein- oder ausgeschaltet. Abwesenheit bedeutet die Zeit, im Kopfkino zu verbringen, hauptsächlich mit persönlichen Wünschen, Ängsten und Ablenkungen an einem imaginären Tisch zu sitzen. Die Welt ist ein viel zu gefährlicher Ort für lange Abwesenheiten …

Anwesenheit ist auf den ersten Blick wenig spektakulär. Sie zeigt ihren Schatz erst nach und nach. Zuerst braucht es Neugier, Interesse und Zuwendung, um den Raum zu öffnen. Wie alles Gute öffnet sie sich, wenn man beginnt, sie zu mögen. Wenn man gerne Zeit mit ihr verbringt …

Dem*der aufrichtig Zuhörenden gewährt sie manchmal Einblicke in das vibrierende Gewebe der Dinge, so exquisit, dass es auf der Stelle entwaffnet, so überzeugend wie der Herbstwind, der das entfernte Glockenläuten über die stillen, abendlichen Felder rollt …

Either one is present or absent.
Either the light is on or off. Absence means the time spent in the head cinema, sitting at an imaginary table, mainly with personal wishes, fears and distractions. The world is far too dangerous a place for long absences …

Presence is not spectacular at first sight. It shows its treasure only gradually. First, curiosity, interest and attention are needed to open the room. Like all good things, it opens up when you start to like it. If you enjoy spending time with it …

For the sincere listener, it sometimes allows insights into the vibrating fabric of things, so exquisite that it disarms on the spot, as convincing as the autumn wind that rolls the distant ringing of bells over the silent evening fields …

SECRETS OF MIND

Der Verstand interpretiert die Welt so wie er konditioniert wurde. Identifiziert man sich unbewusst damit, bleibt einem nichts anderes übrig, als immer wieder dieselben Mustern und Loops zu durchleben. Das ist ein mechanischer Prozess, der sich auf Sicherheit bezieht, alles andere wäre viel zu gefährlich …

Interessanterweise hat der Verstand – fast wie ein Wesen – eine geheime Neigung zur Befreiung. Er möchte die vermeintliche Sicherheit um jeden Preis aufrecht erhalten, ist insgeheim jedoch auch müde, dieser ungeheuren Anstrengung sich gegen die Offenheit des Lebens zu panzern …

Der Verstand entspannt sich, wenn er mehr und mehr versteht, wie unwahr die Geschichten sind, die er erzählt. Er kann erst loslassen, wenn er sieht, dass etwas anderes – etwas noch Fähigeres als er selbst – die Geschicke der Welt trägt …

The mind interprets the world as it has been conditioned. If you unconsciously identify with it, you have no choice but to live through the same patterns and loops over and over again. This is a mechanical process, which refers to security, everything else would be much too dangerous …

Interestingly, the mind – almost like a being – has a secret tendency to liberation. It wants to maintain the supposed security at all costs, but is secretly tired of this enormous effort to armor itself against the openness of life …

The mind relaxes as it understands more and more how untrue the stories it tells are. It can only let go when it sees that something else – something even more capable than itself – carries the destinies of the world …

AUS HEITEREM HIMMEL / OUT OF THE BLUE

Aus heiterem Himmel weht deine persönliche Geschichte mit allen Problemen in einer unglaublich sanften Bewegung einfach davon. Aus heiterem Himmel fallen die Filter von den Sinnen. Aus heiterem Himmel zeigt sich die Welt, wie sie ist, jenseits deiner Interpretationen …

Egal, was die persönliche Geschichte beinhalten mag, sie zeigt noch kurz ihre flüchtige Gestalt und winkt zum Abschied, wenn die Maske der Dinge fällt. Aus heiterem Himmel enthüllt sich der unsichtbare Berg, auf dem die Welt projiziert ist. Aus heiterem Himmel wurden Ignoranz und Zweifel zu Staub und Asche …

Aus heiterem Himmel zieht dich Frieden in seinen Bann. Aus heiterem Himmel wird ich zum du und du zum ich. Aus heiterem Himmel geschieht all das, weil du deine süße Aufmerksamkeit – für einen Moment – dem Ewigen in dir geschenkt hast …

Out of the blue, your personal story with all its problems just blows away in an incredibly gentle movement. Out of the blue the filters fall from the senses. Out of the blue the world shows itself as it is, beyond your interpretations

No matter what the personal story may contain, it still briefly shows its fleeting form and waves goodbye when the mask of things falls. Out of the blue, the invisible mountain on which the world is projected is revealed. Out of the blue, ignorance and doubt became dust and ashes …

Out of the blue, peace casts its spell over you. Out of the blue I become you and you become me. Out of the blue all this happens because you have given your sweet attention – for a moment – to the Eternal within you …