Jungs und Mädels, wer gibt euch euren Wert? / Boys and girls, who gives you your value?

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Fotos: Reinhard Werner

Wie ein sehr altes Ehepaar stapfen Männer und Frauen gegen den Wind der Zeit. Sie sind durch so viel miteinander gegangen, haben einander schreckliche Dinge angetan, vor dem Hintergrund der Liebe. Immer noch wird – wie beiläufig – geschlitzt und verachtet, aus blinder Gewohnheit oder akutem Zorn …

Der älteste Krieg währt schon so lange in unserem Schatten, wir wissen nicht mehr, wer ihn begonnen hat. Der wahre Gegner ist der Schatten – die Abwesenheit der bewussten Menschlichkeit – in ihm gedeihen Härte und Ungenügen im Verborgenen. Aus dem Schatten kommen Angriff und Strafe zu schnell, als wir es bemerken könnten. Das schlimmste Gewächs allerdings, das dorthin seine Wurzeln schlägt, ist das Unvermögen, die eigene Schönheit zu erkennen …

Der Schatten lebt im unbewussten Denken, hüllt das Licht der Menschlichkeit in finstere Decken. Und doch, glauben wir des Schattens Lügen nicht, bricht – schneller als ein Wimpernschlag – das Licht hervor. In der Anwesenheit der bewussten Menschlichkeit bildet sich Schönheit heran, die eigene und die im Gegenüber. Hier blüht der Wert so unerschütterlich, dass Schatten sich zu Füßen legen …

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Like a very old couple, men and women trudge against the wind of time. They’ve been through so much together, doing terrible things to each other, against the background of love. Still – as casually – there is slitting and despising, out of blind habit or acute anger …

The oldest war has been in our shadow for so long, we no longer know who started it. The real opponent is the shadow – the absence of conscious humanity – in it hardness and inadequacy thrive in secret. Out of the shadow, attack and punishment come too fast, as we might notice. However, the worst plant that takes root there is the inability to recognize one’s own beauty …

The shadow lives in unconscious thinking, shrouding the light of humanity in dark blankets. And yet, if we do not believe the shadow´s lies, light breaks out – faster than the blink of an eye. In the presence of conscious humanity, beauty forms itself, one’s own and the one of the counterpart. Here, the value blooms so steadfastly that shadows lie down at its feet …

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Sound of Silence

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Du stehst wieder ganz am Anfang, weißt nicht weiter und die Stille lädt dich in ihr Zelt. Du hast trockenes Brot und die Stille streicht dir Honig drauf. Wenn dein Gesicht hart ist, löst dir Stille deine Züge. Sind deine Augen müde, ist Stille ihr Balsam …

Du durchwanderst eine ausgedorrte Landschaft, während erste Tropfen aus der Stille fallen. Schenkst du dich der Stille ganz, schenkt sie sich dir …

Stille ist intelligent, ist Schoss von Wundern. Stille ist das Wertvollste und doch kann sie nicht verkauft werden – nicht mal Nestle schafft das – denn es gibt sie gratis zuhauf, überall! Aller Raum ist Stille, auch wenn er von Klängen erfüllt ist …

Du gehst die ersten Schritte an der Hand der Stille, sie hält den Tanz deiner Zellen und empfängt deinen letzten Hauch …

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You are back at the beginning, not knowing what to do and silence invites you into her tent.
You have only dry bread and silence sweeps honey on it.
When your face is hard, silence loosens your facial features.
When your eyes are tired, silence is their balm.

You wander through a parched landscape as first drops fall from silence.
When you give yourself to silence completely, she gives herself to you …

Silence is intelligent, is the womb of wonders. Silence is the most valuable and yet it can not be sold – not even Nestle can do this – because it is available for free, everywhere! All space is silence, even if it is filled with sounds.

You take the first steps at the hand of silence, she holds the dance of your cells and receives your last breath …

Die richtige Temperatur / The right temperature

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Endlich wieder im Atelier! Halbzeit bei der Leiterskulptur, das erste Mal, das ich ein vorgefundenes Objekt mir Scherben beklebe. Hat natürlich jede Menge philosophischer Bezüge, wie sich das gehört für einen Old School Künstler. Frei nach Ramakrishna: wenn du einem Kind sagst, dass eine Leiter, Leiter genannt wird, sieht es nie mehr eine Leiter. Wir haben die Welt verkonzeptionalisiert, eingewickelt in Sprachfetzen und Sinnzusammenhängen. Das geht nicht, da braucht es einen heroischen Bildhauer, der die Dinge sprichwörtlich zerschlägt und neu zusammensetzt, damit man sie wieder in ihrer ursprünglichen Magie sieht, he he …

Und was kann man alles mit einem unschuldigen Porzellankrug anstellen? Nun seht es euch an, ein paar einfache Eingriffe und er ist ein rituelles Gefäß! Man stelle ihn während einer Performance auf zum richtigen Zeitpunkt an dem rechten Ort und braucht nur zu warten. Die Götter können einem rituellen Gefäß, das ordentlich gestaltet ist, nicht widerstehen, sie steigen rein und schon ist der Krug Bindeglied. Einem lebendigen Wesen gleich beginnt er zu erzählen, antwortet sogar, wenn man nachfragt! Und wieder habe ich ein armes Objekt vor dem wahnsinnigen Nutzdenken unserer Zeit gerettet …

Recht viel Arbeit, das große Bild braucht noch was, das war schon so herrlich unkontrolliert, wurde dann wieder sehr konkret und jetzt braucht es den alten Alles-auf-eine-Karte-hopp-oder-tropp-Trick, entweder es ist dann voll hinüber oder fahrt ab ins Zeitlose. Dann noch die neue Maske, bis zur KunstMeeting Tour möchte ich sie noch fertig bekommen, Halleluja, wird diesmal noch durchgeknallter als üblich, wie ein geiler, dunkelblau/goldener Scherbenhaufen im Gesicht, wie ein Batman Maske auf Drogen, dem ein Vogel quer drüber geklatscht ist …

Ich leg mich kurz hin, so zusammengerollt und zack, ich bin eine Art Urform, wie ein Fossil, Briant der Ammonit, muss ich skizzieren, keine Ahnung, was aus dem noch wird, aus dem großen Bild könnte sich eine Serie entwickeln, oder eine Skulptur vielleicht? Wie immer bin ich Teil einer Kommunikation, die ich immer erst dann verstehe, wenn es offensichtlich wird. Bis dahin gilt blindes Vertrauen. Ich weiß, alles passt zueinander, wie eine Sprache unter Liebenden …

Pause! Danke Maronitascherl vom Bäcker, danke Schlückchen Rotwein aus einem Kristallglas, danke Esbjörn Svensson Trio, ich hab deine supergroovigen Jazznummern kaum dreimal gehört, schon kommen sie daher wie alte Freunde. Draußen glüht die Nacht, drinnen ist alles schön verrückt. Was soll man machen? ES will das alles durch mich erleben, ES benützt meine Form für seine wilden Spiele; ich mach ihm nur die Tür auf, bin bloß Marionette. Und wenn ich nicht alles herzlich erlaube, was hier abgeht, dann kriegt die Ateliernacht nicht dieses frische Feuer, das ganze Atelier ist bereits wie ein Ritualgefäß und es kriegt schon langsam die richtige Temperatur …

 

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Finally back in the studio! Halftime with work at the ladder sculpture, the first time that I glue my shards on a ready made object. Of course it has a lot of philosophical references, as it is custom for an old school artist. According to Ramakrishna, when you tell a child that a ladder is called a ladder, it never sees a ladder again. We have conceptualized the world, wrapped it up in language fragments and contexts of meaning. Enough! We need a heroic sculptor who literally smashes things up and reassembles them to see them back in their original magic, he he …

And what can you do with an innocent porcelain jug? Now look at it, a few simple interventions and it is a ritual vessel! Set it up during a performance at the right time in the right place and just wait. The gods can not resist a ritual vessel that is neatly designed, they go in and the jug becomes a link. Like a living being, it begins to tell, it even answers when asked! And again I have saved a poor object from the mad materialistic thinking of our time …

Quite a lot of work here, the big painting still needs something, it was done so wonderfully uncontrolled, then became very concrete again and now it takes the old to-go-for-broke-all-or-nothing-trick, either it has had it then or it takes off into timelessness. And then the new mask: until the KunstMeeting tour I would like to get it done, Hallelujah, this time it gets even crazier than usual, like a wicked, dark blue / gold pile of broken shards right in the face, like a Batman mask on drugs, with a bird smacked across it …

I lie down for a moment, rolled up and Peng!, I’m a kind of an archetype, like a fossil, Briant the ammonite, I have to sketch that, no idea what’s going to happen with it: maybe out of the big painting a series could develope, or a sculpture maybe? As always, I am part of a communication that I understand only when it becomes obvious. Until then, just blind trust works. I know, everything fits together, like a language among lovers …

Break! Thank you Chestnut Muffin from the bakery, thank you sip of red wine from a crystal glass, thank you Esbjörn Svensson Trio, I’ve barely heard your supergroovious jazz  compositions three times, yet they come along like old friends. Outside, the night is glowing, inside everything is pretty crazy. What can you do? IT wants to experience all this through me, IT uses my form for its wild games; I’m just opening the door for it, I’m just a marionette. And if I do not allow everything that goes on here from my heart, the studio night does not get this fresh fire, the whole studio is already like a ritual vessel and it is getting slowly the right temperature …

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Die Perfektion des Nicht-Wissens / The perfection of not-knowing

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„An sich ist nichts weder gut noch böse; das Denken macht es erst dazu.“

William Shakespeare

Es geht nicht darum, ob man irgendetwas richtig gemacht hat und es geht nicht darum, ob man irgendetwas falsch gemacht hat. Es geht um das genaue Hinschauen, wie ein Außerirdischer in die menschliche Existenz hinein, was geht da vor sich? Wirklich hinzuschauen, hinein in den Moment, wo man auftaucht, aus dem Gedankenwasser, kurz orientierungslos ist und aufrecht wie ein Kind, mit klarem Blick in den Weltenspiegel schaut. Jedes Mal, wenn du auftauchst, wächst das Gedankenwasser heil und du beißt dich ein Stück weit hinein in die Realität …

„Ein Märchen voll Klang und Wut, das nichts bedeutet.“

William Shakespeare

Es geht nicht darum, ob man gewinnt und es geht nicht darum, ob man verliert, sondern darum, frei zu sein vom Klebstoff des Denkens jedweder Art. Wobei die Gedanken ruhig wie Geister durch den Orbit ziehen dürfen, solange man nicht an ihnen kleben bleibt, sondern eins ist mit sich im frischen Raum und das Schauen wie durch eine Jungfernhaut in die Existenz dringt …

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„Nothing is good or bad but thinking makes it so.“

William Shakespeare

It’s not about whether one did anything right and it’s not about doing anything wrong. It’s about looking closely, like an alien into human existence, what’s going on? To really look deeply into the moment when one appears, out of the water of thought, for a moment disoriented and looking upright like a child, with a clear view into the world mirror.
Every time you turn up, the thought-water grows whole and you bite a bit into reality …

„Full of sound and fury signifying nothing.“

William Shakespeare

It’s not about whether you win and it’s not about losing, but about being free from the glue of thinking of any kind. The thoughts are allowed to quietly drag like spirits through orbit, as long as one does not stick to them but is with oneself in a fresh space and the gaze penetrates as through a virgin skin into existence ..

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„Es ist Zeit die Konsensrealität zu missachten.“

Charles Eisenstein

Offenheit brennt dir Löcher in den Teppich deines Egos. In der Öffnung hältst du die Stange der Stille hoch inmitten der Schlachtfelder der Konditionierung, selbst wenn Furien nach dir schnappen. In jedem Moment von Offenheit atmest du mit den Gestirnen, auch wenn die alten Stimmen wie Sirenen schreien im trockenen Wald …

Egal welche Klammer dich hält und welche Stricke dich binden, in der Öffnung lösen sie sich. Egal welche Geschichten dir die ausgefuchsten Fischhändler, Priester und Politiker in die Ohren blasen, in jedem Augenblick von Stille wird dein Spiegel klarer …

Immer wenn du die Türen öffnest und den Wachposten der Stille betrittst, gewinnt das Abenteuer über die Knechtschaft. Egal wie erschöpft du bist und wie sehr du von quälenden Trugbildern verfolgt wirst, jedes Mal, in deiner offenen, stillen Präsenz bekommt das Unaussprechliche deinen ganz besonderen, frechen Blick …

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„It’s time to disregard consensus reality.“
Charles Eisenstein

Openness burns holes in your ego’s carpet. In the opening you hold the pole of silence high in the midst of battlefields of conditioning, even when furies snap at you. In every moment of openness you breathe with the stars, even if the old voices scream like sirens in the dry forest …

No matter which brackets hold you and which ropes bind you, they dissolve in the opening. No matter what stories the sleeky fishmongers, priests and politicians blow in your ears, in every moment of silence your mirror becomes clearer …

Whenever you open the doors and enter the Sentinel of Silence, adventure wins over bondage. No matter how exhausted you are and how much you are persecuted by tormenting illusions, every time, in your open, silent presence, the inexpressible gets your very special, cheeky look …

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Stille kreiert / Silence creates

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Stille kreiert, sie benützt uns einfach, benützt uns, um sich selbst zu erleben! Das ist eigentlich ein Witz! Aber sie macht es so geschickt, sie verführt dich einen Drachen zu malen, lässt tiefe Einblicke zu und sie ist absolut ehrlich. Wie kann man da widerstehen? …

Sie nimmt dich an der Hand, verspricht dir Spaß und fordert dich heraus. Es kommen andere Stimmen, aber ihre ist einfach die Schönste. Sie möchte malen, erleben, wie das ist, wenn die Farbe saftig klatscht, sie möchte deinen Körper bewegen und genießen, sie möchte sich selbst darin erkennen …

Stille benützt dich einfach, flüstert dir coole Sachen ins Ohr, verspricht dir Abenteuer, verspricht dir Gott weiß was, nur um sich zu erleben, gerade durch dich, wie es sich anfühlt, du zu sein. Sie will sich ein geheimes Date mit dir ausmachen und durch dich zur Welt zu kommen. Die Bewegung deiner Hand ist wie ein ganzer Film, das Flackern deiner Augenlider bringt erst die Welt in Schwung …

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Silence creates, she just uses us, uses us to experience itself! This is actually a joke! But she does it so well, she seduces you to paint a dragon, allows deep insights, and she is completely honest. How can you resist? …

She takes you by the hand, promises you fun and challenges you. There are other voices, but hers is simply the most beautiful. She wants to paint, experience what it’s like, when the paint splashes juicy, she wants to use and enjoy your body, she wants to see herself in it …

Silence simply uses you, whispers cool things in your ear, promises you adventures, promises you God knows what, just to experience herself, just through you, what it feels like to be you. She wants to make a secret date with you and be born through you. The movement of your hand is like a whole movie, the flickering of your eyelids gets the world going first …