Zingg …

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Fotos: Renée Kellner

Zingg, der Faden, der die Stille mit dem Gedankengeschwätz verbunden hat, ist gerissen. Ein trunkener Schmetterling treibt durch den inneren Garten, in dem – immer noch – die Gerüche der Kindheit aus Blütenkelchen strömen …

Die Gedankenblase treibt davon und lässt einen Himmel voller Glück zurück. Und eine wundersame Landschaft, durch die Urahnen auf Kultwägen ziehen und neue Menschen an die Küsten wandern …

Die Gedanken flattern wie ein Vogelschwarm davon und zurück bleibt ein unsichtbarer Dschungel voller Abenteuer und Kunst …

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Zingg, the thread that has connected silence with thought chatter, is broken. A drunken butterfly drifts through the inner garden, where – still – the smells of childhood are flowing from chalices …

The bubble of thoughts is drifting away, leaving behind a sky full of happiness. Including a wondrous landscape through which ancestors move on cult cars and new humans are  wandering to the shores …

The thoughts flutter away like a flock of birds and an invisible jungle full of adventure and art remains …

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Broken hearts

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Fotos: Reinhard Werner

Einst wurde die eigene Anwesenheit überwältigt und weggesperrt im verborgenen Winkel des Herzens.
Wenn sie sich jetzt zeigt, ins Gesicht wirkt, in die Sprache, in die Handlung, geschieht das oft vorsichtig, wie die ersten Schritte eines Kindes, denn die Verletzung ist noch spürbar …

Bleibt die Anwesenheit jedoch aus, in den unterschiedlichen Situationen und Szenarien, wird der Raum mit Gedankengeschichten überwuchert, fehlt die Anwesenheit, fehlt die stille, offene Präsenz, bildet sich ein Marktplatz der alten Stimmen, tummeln sich Ängste und Sorgen, Wünsche und Hoffnungen im verlorenen Raum …

Wagt sich die Anwesenheit ans Licht und nimmt den Raum des gegenwärtigen Moments ein, machen sich die unruhigen Geister im Kopf aus dem Staub.
Tausendfache Welten erwarten unsere Präsenz schon sehnsüchtig. Wir gewinnen uns selbst zurück und kommen in jede Situation wie frisches Grün …

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Once upon a time, one’s own presence was overpowered and locked away in hidden corners of the heart.
When we show our true self now, in the face, in language, through action, it is often done cautiously, like the first steps of a child, because the injury is still noticeable …

However, if there is no awareness in different situations and scenarios, the empty space is overgrown with thought stories, if silent open presence is missing, a marketplace of the old voices takes place, fears and worries, desires and hopes are scrimmaging in the lost space …

If attendance ventures into the light and occupies the space of the present moment, the restless thoughts disappear.
Thousandfolded worlds are awaiting our attendance eagerly. We win our sweet selves back and arrive present in each situation like fresh green …

Spieglein, Spieglein an der Wand / Mirror Mirror on the wall

 

 

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Fotos: Renée Kellner

Durch die Mauer der Trennung sieht man die Magie der Dinge nicht mehr. Der psychologische Verstand – der alte Schmuggler und Schwarzmarkthändler – kreiert durch das Gefühl der Trennung, den Verlust von etwas Wesentlichen und beginnt dann auch gleich damit ein Problem zu entwickeln und Lösungsmöglichkeiten zu finden. Er leitet die Suche an und vertieft damit den Glauben, das, wonach wir uns sehnen, sei nicht da …

Wenn die Wand zum Spiegel wird, enthüllt dieser das ausgefuchste Spiel, indem er all die unbewussten Geschäfte des Denkens NICHT zeigt. Er zeigt nicht Wünsche und Wollen, er zeigt nicht, was fehlt, nicht, was falsch läuft, nichts, was im Weg ist, keine religiösen oder politischen Parolen, nichts auf das man warten müsste und nichts, was man glaubt, noch suchen zu müssen …

Wenn die Wand zum Spiegel wird, zeigt dieser nur, was wirklich hier ist. Er zeigt das vergessene Gesicht, bringt alles hierher zurück, was ausgelagert wurde. Was auch immer man performt, reflektiert er, ohne zu werten. Auch wenn man alle Manipulationstricks mit ihm versucht, hilft er bloß, durch sein Spiegeln, zu erkennen. Der Weltenspiegel hat keine Agenda, er spiegelt alles gleich gern …

Wenn die Wand zum Spiegel wird, entsteht im Spiegeln Stille – das freundliche Nichts. Obwohl der Spiegel, außer zu reflektieren, nichts tut, verändert sich dadurch alles. Durch das Erkennen lösen sich die inneren Haltegriffe und erste, freie Schritte sind wohlwollend möglich …

Der Spiegel ist riesig, die Einladung der Stille enorm. Hier geht es nicht um nachgeordnete Ziele wie im Denken, sondern um das direkte Atmen von Sternenstaub, um den freien Moment, um die Gnade der Auslöschung der Verwunschenheit allen Ernstes eine bestimmte Person sein zu müssen …

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Through the wall of separation one can no longer see the magic of things anymore. The psychological mind – the old smuggler and black market trader – creates through the illusion of separation, the feeling of loss of something essential and then immediately starts to develop a problem and try to find solutions. He initiates a search and deepens through that the belief that what we long for is not here …

When the wall becomes a mirror, it reveals the leery game by NOT showing all the unconscious business of thinking. The mirror does not show wishes and wills, he does not show what is missing, not what goes wrong, nothing that gets in the way, no religious or political slogans, nothing to wait for and nothing to look for …

When the wall becomes a mirror, it only shows what is really here. He shows the forgotten face, brings everything back here, what was outsourced. Whatever one performs, he reflects without judging. Even if you try all the manipulation tricks with him, he only helps to recognize by his mirroring. The World Mirror has no agenda, he likes to reflect everything …

When the wall becomes a mirror, silence arises in the mirroring – the friendly nothingness. Although the mirror does nothing but reflect, everything changes. By recognizing the inner grips are loosening and first, free steps are benevolent possible …

The mirror is huge, the invitation of silence enormous. This is not about subordinate goals as in thinking, but about the direct breathing of stardust, about the free moment, about the grace of extinguishing the spell to be a certain person in all seriousness …

Kultivierung der Freude / Cultivation of joy

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Fotos: Renée Kellner

Wer vom Brunnen der Stille genascht hat, wer vom Wein der Freude gekostet hat, will mehr, will das immer, will nach Hause. Man kann die Stille jedoch nicht dazu bringen, ihre Geheimnisse zu lüften. Weder durch Wollen, durch Disziplin, durch Verführung oder durch Bitten und Betteln, noch wenn wir wieder und wieder mit dem Kopf gegen die Wand der Trennung laufen. Die Existenz zeigt sich erst dann, wenn sie sich zeigt, wie ein Geschenk, nicht wenn man etwas richtig oder falsch gemacht hat. Sie entfaltet sich in einer Freiheit, die sich allen Manipulationsversuchen – die man im Laufe des Lebens gelernt hat – entzieht …

Es ist gut zu wissen, was man tun kann und was nicht. Das, was wir im Grunde sind, unterhalb oder innerhalb unserer unterschiedlichen konditionierten, psychologischen Persönlichkeiten, hat bestimmte Eigenschaften: ES ist eins, lebt in Fülle, ist offen, es kann nicht werten, es ist bereit wie ein Kind, und es bewegt sich in Freude, wie ein Fisch im Wasser …

Taucht man diese Eigenschaften ein, bis man sie nicht nur kennt oder betrachtet, sondern wirklich IST, wird jede dieser Qualitäten zu einem Portal. Und das ist etwas, das man tun kann:

Dinge, die Trennung schaffen, die Mangel kreieren oder die bewerten und verurteilen zu vermeiden, oder zu mindestens ihren Wahrheitsgehalt infrage zu stellen. Das betrifft an die 95 % unserer Gedankentätigkeit …

Offenheit zelebrieren. Offen zu sein, ist ein magischer Platz, an dem wir an keinen Meinungen kleben. Ein Raum, in dem wir lauschen und verfügbar sind für die Strömungen des Wesentlichen …

Freude kultivieren, selbst den kleinsten Funken an Freude oder Bereitschaft folgen, es zu lernen, Freude in unbedeutendsten Bewegungen des Alltags zu finden, sich darin körperlich der Glut der Freude zu überantworten. Überall wo wir unsere Existenz von Herzen genießen, sind wir zu Hause …

 

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Who has nibbled from the well of silence, who has tasted the wine of joy, wants more, wants that all the time, wants to come home. But you can not force silence to unlock its secrets. Not by wanting, by discipline, by seduction or by begging, nor by running our heads against the wall of separation again and again. The existence shows itself only on ist own accord, like a gift, not when you did something right or wrong. It unfolds in a freedom that defies all manipulation attempts – which one has learned in the course of life – …

It’s good to know what you can and can not do. What we basically are, underneath, or within our different conditioned, psychological personalities, has certain qualities: It is one, lives in abundance, is open, it can not judge, it is willing as a child, and it moves in Joy, like a fish in the water …

If one dives into these qualities, until one not only knows or looks at them, but actually BECOMES them , each of these qualities are a portal. And that’s something you can do:

Avoid things that accomplish separation, create lack, or judgement, or at least question their veracity. This concerns about 95% of our thought activity.

Celebrate openness. Being open is a magical place where we stick to no opinions. A space in which we listen and are available for the currents of essence.

To cultivate joy, to follow even the smallest spark of joy or willingness, to learn to find joy in the most insignificant movements of everyday life, to physically surrender oneself into the glow of joy. Wherever we relish our very existence, we are at home …

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Stille Wasser sind tief / Still waters run deep

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Fotos: Renée Kellner

Hinter den sieben Bergen in der Seestadt Aspern wohnte einmal ein Bildhauer. Im wahrsten Sinne des Wortes erhaute er sich seine Bilder mit dem Hammer, zerbrach Nützliches und beklebte praktische Dinge mit Scherben, um sie unbrauchbar zu machen. Ja, aus den Scherben entstanden zwar recht scharfe Skulpturen, aber wundert sich hier niemand, warum dort lauter Unsinn gemacht wird? Warum macht dieser Mann alles zunichte? Ist er verwunschen?

Zum besseren Verständnis: der Bildhauer wusste es selbst nicht, allein die Stille kennt den Grund. Der Bildhauer fischte in den Gewässern der Stille nicht nach Nützlichen, damit hatte man seine Welt sowieso schon überfrachtet. Er hoffte noch nicht mal darauf, seine Wünsche zu fangen. Nichts, dass er sich vorzustellen vermochte, machte ihn satt …

Bald hatte er alles zerschlagen, seine alte Welt zum Schweigen gebracht, um das zu sehen, was immer übersehen wurde. Wenn der intime Blick nicht mehr durch immer neue Dinge verstellt wird, erhebt sich das klare Leben, pure Lebendigkeit, aus den Scherbenhaufen und die Gestalten der Stille geben ihre Geheimnisse preis …

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Behind the seven mountains in the Seestadt Aspern lived once a sculptor. He smashed around with a hammer, broke up useful objects, and pasted shards all over practical things to make them useless. Yes, out of the broken pieces, some quite sharp sculptures arose, but is there no one wondering why he created such a lot of nonsense? Why does this man ruin everything? Is he haunted?

For a better understanding: the sculptor does not know it himself, only the silence knows the reason. The sculptor did not not fish for useful things in the waters of silence, his world was already overburdened by them anyway. He did not even hope to catch his wishes. Nothing that he could imagine made him full …

Soon he had smashed everything, silenced his old world to see what was always overlooked. When the intimate gaze is no longer obscured by ever new things, clear life, pure liveliness rises out of the heap of shards and the figures of silence reveal their secrets …

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Reise ins Spiegelland / Journey to the mirror land

Anagnorisis

Ah, es geht also ums Erkennen! Das mysteriöse ES, dem man schon so viele Namen gegeben hat, inclusive das „Unbenennbare“ möchte sich erkennen. Deshalb also der ganze verrückte Trip?! „Mensch erkenne dich selbst“, stand schon auf dem Tempel in Delphi …

Biegt man von Delphi gleich links ab und wandert etwas über die stillen Felder entzündet sich die Magie, das Spiegelland poppt hervor. Was du ihm zeigst, das zeigt es dir, öffnest du dich dem Leben, öffnet es sich bereits dir. Holst du dein Messer hervor, tut es das auch. Willst du ES ur-gerne kennenlernen, möchte ES ur-gerne dich kennenlernen …

ES zu erkennen, bedeutet gleichzeitig ES zu sein, also sich selbst zu erkennen. (Wir sind ja im Spiegelland.) Der Wanderer, der ES erkennt, lässt sofort seine Waffen fallen. Die Ignoranz löst sich auf und natürliche Bewunderung tritt in Kraft. Die Augen sehen wieder wie die eines neugierigen Kindes. ES nutzt sich nie ab, ergießt sich in die Welt wie ein intelligenter, prickelnder, knisternder Strom, schwappt wild hinein und heraus und dir bleibt nur der Applaus …

Elysien

Ah, so it’s about realization! The mysterious IT, which has been given so many names, including the „Unnameable“ wants to recognize itself. So that’s the whole crazy trip ?! „Man know thyself“, was already written on the temple in Delphi …

If you turn left from Delphi and walk over the silent fields, the magic ignites, the Mirror Land pops up. What you show it, it will show you, if you open yourself to life, life already opens to you. If you get your knife out, it does so too. If you really want to get to know IT, IT really would like to meet you …

To know IT means to be IT at the same time, that is to know oneself. (Remember, we’re in the Mirror Land.) The Wanderer recognizing IT immediately drops his weapons. Ignorance dissolves and natural worship takes effect. The eyes see again like those of a curious child. IT never wears off, pours into the world like a smart, tingling, crackling stream, spills in and out wildly, leaving you with just applause …

Nichts als der Durst ist mir Licht

 

 

 

Sanfte Riesen / Gentle Giants

 

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Fotos: Renée Kellner

Von Indien kommend fällt es besonders auf: der Februar in Wien ist bezaubernd, so eine stille Welt! Die Vögel wagen grad mal einen winzigen Piep hinein in diese enorme Ruhe. Die nackten Zweige weisen bewegungslos in einen steifen Himmel, alles ist so tief in sich eingebettet …

Der Ausdruck der Menschen ist zwar eher verdrießlich, aber das kommt wohl daher, dass wir zu viel Zeit in unserer psychologischen Persönlichkeit verbringen, da wird das so klein, komprimiert, dicht, problematisch und manchmal richtig fies. Das Ego will zwar gerne wachsen, wichtig sein, größer und bedeutender als die Anderen sein, aber das geht sich nicht aus, denn eigentlich sind wir alle groß, ich meine WIRKLICH riesig, wir wandern mit dem Kopf zwischen den Sternen …

Sobald wir in unsere eigentliche Größe kommen, wird das gleich luftiger, spielerischer. Entgegen aller Behauptungen sind Riesen durchaus sanft, freundlich und humorvoll, sie essen gern, lieben sich gern, was auch immer Riesen tun, egal wie profan und unbedeutend es ist, sie tun es gerne. Sie machen es nicht aus praktischer Notwendigkeit, oder damit es dann eben erledigt ist, sie genießen es, egal ob sie sich den umfangreichen Hintern abwischen oder von ihren großräumigen Autos das Eis abkratzen, ob sie sich gemütlich in ihre riesigen Sesseln zurücklehnen, oder versuchen mit dem Kopf an den Sternen zu streifen, sie MÖGEN es so richtig …

               Idiot

Coming from India, it is particularly noticeable that February in Vienna is enchanting, such a quiet world! The birds dare to take only a tiny beep into this enormous silence. The bare branches point motionless into a stiff sky, everything is so deeply embedded in itself …

The expression of people is rather annoyed, but that is probably because we spend too much time in our psychological personality, then everything gets so small, compressed, dense, problematic and sometimes really nasty. The ego wants to grow, to be important, to be bigger and more important than the others, but that does not work, because we are all really tall, I mean REALLY huge, we are wandering with our heads between the stars …

As soon as we get into our actual size, everything will be more airy, playfully. Contrary to all assertions, giants are gentle, kind and humorous, they like to eat well, to make love, whatever giants do, no matter how profane and insignificant it is, they LIKE to do it. They do not do it out of practical necessity, or just to get it done, they enjoy it, whether they wipe their bulky bottoms or scrape off the ice from their spacious cars, whether they sit back in their huge armchairs, or try to streak their head at the stars, they really LIKE it …

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