Sommer / Summer

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Buchseiten. Das Geräusch des Papieres, wenn Finger daran reiben. Zirpen in der Nacht, das neckische Wischen des Windes an bestimmten Hautstellen. Das entfernte Grollen der Flugzeuge im Sommerabendhimmel, in dem noch immer Reste von Musik treiben …

Das Zittern der Lichter am Horizont. Eine Flut magischer Haut trifft aufeinander. Wieder einmal überrascht vom Mond. Darf man entlang der Nacht gleiten? Als wäre das alles schon Tausende Male passiert, dadurch schärft es sich jedoch nur, wie ein Messer …

Wer die Nacht durchwacht, erlebt erst wirklich den Morgen. Holzbretter krachen auf Baustellen, das Echo schallt durch den endlosen, virtuellen Raum, den nur „Niemand“ erlebt …

Book pages. The sound of paper when fingers rub against them. Chirping in the night, the playful wiping of the wind at certain skin areas. The distant rumble of an aircraft in the summer evening sky, in which remnants of music still drift …

The trembling of the lights on the horizon. A flood of magical skin meets each other. Once again surprised by the moon. Is it allowed to glide along the night? As if it had already happened thousands of times, but that only sharpens it, like a knife …

Only whoever watches the night, really experiences the morning. Wooden boards crash on construction sites, it echoes through the endless, virtual space experienced only by „nobody“ …

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Die Unerträglichkeit der Evolution / Unbearable evolution

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Evolution setzt Lebewesen unter Druck, alle, ohne Ausnahme. Egal ob’s der Käfer ist, dessen Blut im Winter gefriert und er irgendwo verkrochen, nur mehr ganz langsame Bewegungen machen kann oder der Grashalm, der ewig auf den Regen warten muss, oder der Mensch, der mit Schmerz und Depression umzugehen hat, mit Entfremdung und Einsamkeit, mit zynischen Politikern und skrupellosen Machtfreaks …

Evolution quetscht Kunst aus uns heraus. Zuerst kocht sie uns in einem Druckkochtopf mit ein paar üblen Zutaten. Dann, wenn wir gut durch sind, stehen da rein zufällig ein paar Farben rum und Leinwände …

Niemand ist Schuld an irgendwas, niemand macht was falsch, nichts ist verkehrt, auch man selbst nicht. Evolution funktioniert eben so. Alle spielen ihre Rolle. Der Druck in unserer Gesellschaft ist deutlich spürbar, da wird mächtig was ausgekocht. Es bleibt nichts übrig, als im mystischen Glühen zu bleiben, sich einen Pinsel zu schnappen und zu malen bis auch er glüht und sich die Welt ins Herz schreiben …

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Evolution puts living beings under pressure, all without exception. It does not matter if it is a beetle, whose blood freezes in winter and it crawls somewhere with only very slow movements, or the blade of grass, which has to wait forever for the rain, or the person who has to deal with pain and depression, with alienation and Loneliness, with cynical politicians and unscrupulous power freaks …

Evolution squeezes art out of us. First, she cooks us in a pressure cooker with a few nasty ingredients. Then, if we are well done, there are just a few colors and canvases accidentaly around …

No one is to blame for anything, no one does something wrong, nothing is wrong, not even oneself. Evolution just works that way. Everyone plays their role. The pressure in our society is clearly noticeable, something is really being cooked here. There is nothing left but to stay in the mystical glow, to grab a paintbrush and paint until it glows too and write the world in ones heart …

 

Der Schlaf der Erwachsenen / The sleep of adults

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Fotos: Renée Kellner

Für Teenager ist es eine äußerst beunruhigende Tatsache, bald Teil einer Welt sein zu müssen, die von schlafenden Erwachsenen dominiert wird. Wenn die Teenager selbst schon eingeschlafen sind, macht es ihnen weniger aus. Die Wachen hingegen haben ein Problem …

Zugegeben, erst mal ist es gar nicht leicht zu erkennen, dass die Erwachsenen schlafen, denn sie haben ja meistens die Augen offen, jedoch ihr Blick verrät sie. Eine dichte Decke von Schlaf liegt über ihrer Welt, eingepackt sind sie, wie in dumpfen Schnee. Der oder die Jugendliche muss schon einen ordentlichen Rundumschlag hinlegen, um nicht in diesen müden Sog zu geraten, denn vonseiten der Schläfer ist keine Hilfe zu erwarten …

Vielleicht hat sogar einer der/die Erwachsenen, noch die Erinnerung, wie es sich angefühlt hat, sich freizustrampeln. Die Schleier zu durchtrennen, sich mit der Kunst anzulegen, weil nur irgendwas wirklich Geiles zählt. Sich die Fetzen der Trance runterzureißen, gedrängt von der Unaushaltbarkeit der Evolution, bis zu blankem Übermut und Durst …

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For teenagers, it is an extremely disturbing fact to soon be part of a world dominated by sleeping adults. If the teenagers themselves have fallen asleep, they are less offended. The awake ones, however, have a problem …

Admittedly, first of all it is not easy to see that the adults are sleeping, because they usually have their eyes open, but their gaze reveals it. A dense blanket of sleep lies over their world, wrapped up like in dull snow. The teenager must really blast a sweeping blow, so as not to get into this exhausting pull, because from the sleepers is no help to expect …

Maybe some of the adults have still a memory, what it felt like to be freed up. To cut through the veil, to make up with art, because only something really cool counts. To tear down the shreds of trance, pushed by the unfathomability of evolution, towards sheer cheekiness and thirst …

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Die Kunst und der Tod / Art and death

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Fotos: Renée Kellner

Bewusstsein, dieser feine, lebendige, stille, aufmerksame, intelligente Strom, erfreut sich nicht nur an menschlichen Erfahrungen, er leuchtet auch in die dunklen Ecken. Er sieht auch den Tod in all seinen Verkleidungen. So sanft Bewusstsein zu sein scheint, verbrennt doch alles Unechte in seiner Gegenwart. Die Region der Monster sind die Schattenlande des Unbewussten …

Wir sind keine bewusste Gesellschaft, wir gehorchen dem Ego, der Gier, dem Mangel, der Angst vor dem Tod. Wir tun das nicht aus Bosheit, sondern einfach, weil das Bewusstsein wie gefangen ist, in den Geschichten im Kopf, die wir uns über uns selbst und dem Leben erzählen …

Immer wenn in den Geschichten der Tod übermächtig und bedrohend wird und als Verlust vor unserer Tür steht, haben wir die Möglichkeit, das bewusste Sein kennenzulernen. Richten wir unsere Aufmerksamkeit in die Stille, zieht Bewusstsein aus den Geschichten, wie der Geist aus der Flasche und erkennt sich selbst …

Vielleicht ist die konstante Nähe des Todes für Künstlerlnnen Nährboden? Wir brauchen den Tod, um aus dem Schatten zu treten. Malen ist wie sterben …

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Consciousness, this fine, alive, silent, attentive, intelligent stream, not only enjoys human experience, it shines into the dark corners as well. It also sees death in all its disguises. As gentle as consciousness seems to be, everything burns in its presence. The region of monsters are the shadowlands of unconsciousness …

We are not a conscious society, we obey ego, greed, shortage, fear of death. We do not do this out of malice, but simply because consciousness is trapped in the stories that we tell us about ourselves and about life, in our minds …

Whenever death becomes overpowering and threatening in the stories and stands as a loss at our door, we have the opportunity to get to know conscious being. Turning our attention to silence, draws consciousness from the stories, as the genie from the bottle and then it recognizes itself.

Perhaps the constant closeness of death is fertile ground to artists ? We need death to step out of the shadows. Painting is like dying …

Celebrating the moment

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Wenn plötzlich alle räumlichen und zeitlichen Begrenzungen wegfallen und berührende Ahnungen wie Geister vorbeitreiben. Eine Erinnerung von weißen Sommerwolken. Düfte. Das Schwingen von Sonntagsglocken im Abendwind. Der Abenteuerraum, nachdem zu Ende gezählt wurde, beim Versteckspiel und es schon fast dunkel ist. Als würden die Dinge einem von jenseits der Zeit ans Herz greifen, als würde man sie kurz vorm Tod noch mal grüßen …

Man kann sein Leben wie aus der Ferne leben oder ganz nah. Ego hält uns davon ab, es ganz nah zu erleben. Ego lebt nur in der Interpretation von Leben und welchen Nutzen es hat, mit Leben direkt und nah kann es nichts anfangen. Ego muss sich schützen, sich immer wieder um jeden Preis wiederherstellen …

Obwohl Ego hauptsächlich aus Gedanken besteht und von seiner Natur her sehr flüchtig ist, sitzt es doch fest im Körper, wie ein Zahn im Kiefer. Wenn es mit dem Tod in irgendeiner Form konfrontiert wird, sei es Verlust an Besitz, Gesundheit oder Ansehen, dann fühlt sich das real wie sterben an. Freiheit beginnt, wen man bereit ist, nicht nach der Pfeife des Egos zu tanzen. Wenn man bereit ist zu sterben. Erst dann entdeckt man, was immer frei ist. Was ist ganz nah und bleibt, unabhängig von den Umständen? Was ist immer frei, trotz Schmerz und Verlust? Was kann nicht verletzt werden?

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When all spatial and temporal limitations suddenly disappear and touching notions like ghosts drift by. A reminder of white summer clouds. Fragrances. The swinging of Sunday bells in the evening breeze. The adventurous space at the hide and seek game after the counting ended and it is almost dark. As if things would touch ones heart from beyond time, as if they were greeted before death …

You can live your life as from afar or very close. Ego keeps us from experiencing it very close. Ego lives only in the interpretation of life and what benefits it has, with life direct and close it can not do anything. Ego has to protect itself, always recover at any cost …

Although ego consists mostly of thought and is very volatile in nature, it sits firmly in the body, like a tooth in the jaw. When confronted with death in some form, be it loss of possessions, health or reputation, it feels real like death. Freedom begins when one is prepared not to dance to the ego’s pipe. When one is ready to die. Only then will one discover what is always free.
What is very close and remains, regardless of the circumstances? What is always free, despite pain and loss? What can not be hurt?

Wie Ego funktioniert … / How ego works …

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Fotos: Renée Kellner

Wie Ego funktioniert, bemerkt man am besten in Zeiten, wo einem das Leben den Boden unter den Füßen wegzieht. Was wir unbedingt retten wollen, wenn Verluste drohen oder unsere Unzulänglichkeiten aufgedeckt werden, ist das, woran unser Ego am meisten hängt, woran es sich klammert …

In den Gedanken läuft das alte Spiel ab, um das Ego zu schützen, zu verteidigen oder wieder herzustellen und doch ist gerade dann die Chance, wirklich zu sich zu stehen und von der Trennung in die Verbundenheit zu wechseln …

In den Scherben findet sich eine altbekannte Aufrichtung, etwas, das noch viel ältere Wurzeln hat, als das Ego. Die Fähigkeit, aufrecht im Zerbrochenen zu stehen, ohne Hoffnung, das Feuer auszuhalten – in dem die Egofantasien geröstet werden – verbindet uns mit der ursächlichen Menschlichkeit, einer Kraft sondergleichen …

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How ego works is best noticed in times when life pulls the ground from under our feet. What we desperately want to save, when losses threaten or our shortcomings are uncovered, is what our ego depends most on, what it clings to …

In our minds the old game to protect, to defend or to restore the ego sets in dramatically and yet just then is the chance to really stand by oneself and to switch from separation into relatedness …

In the shards we find a well-known sincerity, something that has much older roots than the ego. The ability to stand upright in the broken, with no hope, enduring the fire – in which the ego fantasies are roasted – connects us with our original humanity, a force beyond compare …

Blues

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Fotos: Renée Kellner

Die Zeiten, an denen alles dicht wird, schmerzlich zusammengezogen, wohin sich garantiert kein Lichtstrahl verirrt und alle Hoffnung sich längst aus dem Staub gemacht hat …

Vom konditionierten Verstand her gesehen, läuft hier etwas falsch, jemand ist schuld, wir sollten nicht in so einem jämmerlichen Zustand sein, schwach und vom Leben geschlagen. Wir sollten schneller, weiter, besser sein …

Von der Stille her betrachtet, gelten die Aspekte der Konditionierung nicht. Schneller, weiter, besser hat hier keine Bedeutung. Hier zählt Freundlichkeit, anwesend sein, etwas von Herzen zu mögen. Stille integriert, alles, selbst den Blues und all die ungeliebten Kinder …

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The times when everything gets tight, painfully constricted, where no ray of light is wandering by and all hope has disappeared long ago…

Seen from the conditioned mind, something is going wrong here, somebody’s guilty, we should not be in such a pathetic state, weak and beaten down by life. We should be faster, further, better …

Seen from silence, the aspects of conditioning do not apply. Faster, further, better has no meaning here. Here, friendliness counts, to be present, to like something from the heart. Silence integrates, everything, even the blues and all the unloved children …