Der Jubel der Hähne / The jubilance of roosters

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Wenn dich die Stille an der Hand nimmt, gibst du gern deine kleine Gedankenwelt auf, in der du noch – wie immer – dringend etwas Wichtiges machen solltest. Du weißt, es gibt gar nichts Wichtigeres und Dringenderes, als nach Hause zu kommen. Die Stille führt dich auf Schleichwegen und Schmugglerpfaden zurück ins Paradies …

Der kleinste Funke von Freude ist Bereitschaft. Bei jedem kleinen „Ja“ rauschen bereits Engel heran, wie fallende Sterne. Bei jeder Einwilligung beginnt dein Strömen und Schaffen. Sobald sich dein Mögen zeigt, angesichts dessen, was ist, lässt die Welt ihren Charme spielen …

Wesen und Dinge entfalten ihre Magie durch Würdigung. Freundliche Zuwendung ist wie ein Zauberstab …

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If silence takes you by the hand, you easily drop your little world of thoughts in which you should still – as always – urgently do something important. You know, there is nothing more important and urgent than to come home. Silence leads you on secret alleys and smuggler paths back to paradise …

The smallest spark of joy is willingness. With every little „yes“ angels rushing in, like falling stars. With every consent your streaming and creating begins. As soon as your liking shows, in the face of what is, the world play its charm …

Beings and things unfold their magic through appreciation. Friendly attention is like a wand …

Es ist, was es ist / It is, what it is

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Menschen scheinen immer etwas zu suchen, das gerade nicht da ist. Schon komisch: Das, was da ist, sucht das, was da ist und findet es nicht. Wie paradox! Man kann es nicht finden, weil es bereits ist, weil das was sucht, bereits das ist, was es zu finden wünscht …

Das, was da ist, ist schon hier, komplett, es fehlt nichts und die Wahrnehmung und das Erkennen dessen, setzt frei. Alles, was aus diesem Grund kommt, entsteht aus Freiheit. Es kann schon sein, dass jemand etwas braucht, dann kann mn es sich holen, aber von einem Ort der Freiheit, nicht aus Mangel …

Das, was ist, könnte man auch nicht machen, es ist einfach schon, Gestirne, Bewusstsein, man selbst, alles ist schon da. ES entwickelt sich, bewegt sich und man ist wie ein Beifahrer im Chevrolet des Lebens, der weiß, dass er sich keine Sorgen machen muss, auch wenn der Motor manchmal ruckelt …

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People always seem to be looking for something that is not here right now. It’s funny: what’s here looks for what’s here and does not find it. How paradox! You can not find it, because it’s already here, because what’s looking for is already what it wants to find …

Everything is already here, complete, nothing is missing, and the perception and recognition of it releases. Everything that comes from this ground is born of freedom. May be somebody still needs something than he or she can just go for it, but from a place of freedom, not from a place of  lack …

One could not do what already is: stars, consciousness, oneself, everything is already here. IT’s evolving, moving and oneself is like a co-driver in the Chevrolet of Life, who knows he does not have to worry, even if the engine sometimes jolts …

Das Gewicht der Stille / The Weight of silence

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Die Oberfläche der Dinge ist bis zum Erbrechen angefüllt mit Vorurteilen und Meinungen. Egal welche Bereiche: Kunst, Beziehung, Politik, Spiritualität, man kann es nicht mehr hören …

Wir glauben die Bedeutung der Dinge zu wissen, weil wir Begriffe dafür haben und Erfahrungen dazu, aber wir kennen es nicht wirklich. Da ist eine abstrakte Ebene unter der Welt, die wir zu kennen vermeinen, wie eine Tiefsee, in der Realitäten wohnen, die sich Bewertungen entziehen, die frei davon sind …

Wir können die Elemente, aus denen die Welt gestrickt ist, an der Oberfläche festnageln, aber nicht in der Tiefe. Sind wir wie ein Taucher im Sein unterwegs, in dem wogenden Gemisch aus Atmosphäre, Geräuschen und Szenen, begreifen wir, dass wir nichts wissen …

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The surface of things is filled to the point of vomiting with prejudice and opinions. No matter what areas: art, relationship, politics, spirituality, one can not stand it anymore …

We believe we know the meaning of things because we have terms and experiences, but we do not really know it. There is an abstract level below the world that we think we know, like a deep sea, where realities live, that evade judgements and are free of them …

We can nail down the elements from which the world is knitted at the surface, but not at depth. If we are like a diver in being, in the billowing mixture of atmosphere, sounds and scenes, we realize that we do not know anything …

Das ganz normale Wunder / The ordinary miracle

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Ein träger, heißer Sonntagnachmittag, durch den das Blut nur sehr schwer pumpt, wie in einem Gebet. Woraus besteht Normalität? Weshalb die Anstrengung des Egos das Sein wegzuschieben und durch eine ängstliche, feindliche Interpretation zu ersetzen?

Was, wenn des Alltags Pinselstriche von einer großen Meisterin geführt sind? Was, wenn das „Ich“ gar nicht existiert und dessen Raum und Erleben in Wahrheit von Gewalten jenseits der Zeit bespielt wird?

Diese tiefe Befriedigung, wenn das Leben ganz offensichtlich sich selbst lebt und das „Ich“ bloß den Hut zieht. Die Leichtigkeit, die entsteht, wenn man Gast des Unbenennbaren ist, nicht dessen Besitzer.
Die Freude, wenn das Sein aus der Blindheit erwacht. Wie eine Rückkehr nach Hause.

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A sluggish, hot Sunday afternoon, through which the blood pumps very heavily, as in a prayer. What is normality? Why the effort of the ego to push away being and to replace it with a fearful, hostile interpretation?

What if everyday brushstrokes are led by a great master? What if the „I“ does not exist at all, and whose space and experience are in reality performed by forces beyond time?

This deep satisfaction, when life obviously lives itself and the „I“ just takes off its hat. The ease that arises when you are a guest of the Unnameable, not its owner.
The joy when being awakes from blindness. Like a return home.

Die vollkommene Unvollkommenheit / The perfect imperfection

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Hunger nach Stille. Immer noch durch echte Szenen zu laufen, mit dem einfachen Gesicht, noch bevor es von Gedanken gerissen und gelöscht wird. Existenz will erspürt sein …

Die Wolken treiben im Dunkel, in einer Stimmung, aus der altmeisterliche Bilder entstanden. Blüten schließen sich zu weichen Fäusten. Noch viel schlimmer, als in deinen Feuern zu brennen, ist dich nicht zu spüren …

Flüchtig, jedes Es-anders-haben-wollen vertreibt dich. Verborgen von den Augen der Welt ist dein Blick der reichste, selbst mit geschlossenen Augen. Sich in die Öffnung trauen, besser in dir zu ertrinken, als ewig an deinen Ufern zu warten …

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Hungry for silence. Still walking through real scenes, with a simple face, before it is torn by thoughts and deleted. Existence wants to be felt …

Clouds drift in the dark, in a mood from which old master paintings were created. Flowers close to soft fists. Even worse than burning in your fires is to not feel you at all …

Elusive, every wanting-it-to-be-different casts you out. Hidden from the eyes of the world, your gaze is the richest, even with your eyes closed. Daring to be in the opening, better to drown in you than to wait eternally on your shores …

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Der Schlaf der Erwachsenen / The sleep of adults

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Fotos: Renée Kellner

Für Teenager ist es eine äußerst beunruhigende Tatsache, bald Teil einer Welt sein zu müssen, die von schlafenden Erwachsenen dominiert wird. Wenn die Teenager selbst schon eingeschlafen sind, macht es ihnen weniger aus. Die Wachen hingegen haben ein Problem …

Zugegeben, erst mal ist es gar nicht leicht zu erkennen, dass die Erwachsenen schlafen, denn sie haben ja meistens die Augen offen, jedoch ihr Blick verrät sie. Eine dichte Decke von Schlaf liegt über ihrer Welt, eingepackt sind sie, wie in dumpfen Schnee. Der oder die Jugendliche muss schon einen ordentlichen Rundumschlag hinlegen, um nicht in diesen müden Sog zu geraten, denn vonseiten der Schläfer ist keine Hilfe zu erwarten …

Vielleicht hat sogar einer der/die Erwachsenen, noch die Erinnerung, wie es sich angefühlt hat, sich freizustrampeln. Die Schleier zu durchtrennen, sich mit der Kunst anzulegen, weil nur irgendwas wirklich Geiles zählt. Sich die Fetzen der Trance runterzureißen, gedrängt von der Unaushaltbarkeit der Evolution, bis zu blankem Übermut und Durst …

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For teenagers, it is an extremely disturbing fact to soon be part of a world dominated by sleeping adults. If the teenagers themselves have fallen asleep, they are less offended. The awake ones, however, have a problem …

Admittedly, first of all it is not easy to see that the adults are sleeping, because they usually have their eyes open, but their gaze reveals it. A dense blanket of sleep lies over their world, wrapped up like in dull snow. The teenager must really blast a sweeping blow, so as not to get into this exhausting pull, because from the sleepers is no help to expect …

Maybe some of the adults have still a memory, what it felt like to be freed up. To cut through the veil, to make up with art, because only something really cool counts. To tear down the shreds of trance, pushed by the unfathomability of evolution, towards sheer cheekiness and thirst …

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Die Kunst und der Tod / Art and death

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Fotos: Renée Kellner

Bewusstsein, dieser feine, lebendige, stille, aufmerksame, intelligente Strom, erfreut sich nicht nur an menschlichen Erfahrungen, er leuchtet auch in die dunklen Ecken. Er sieht auch den Tod in all seinen Verkleidungen. So sanft Bewusstsein zu sein scheint, verbrennt doch alles Unechte in seiner Gegenwart. Die Region der Monster sind die Schattenlande des Unbewussten …

Wir sind keine bewusste Gesellschaft, wir gehorchen dem Ego, der Gier, dem Mangel, der Angst vor dem Tod. Wir tun das nicht aus Bosheit, sondern einfach, weil das Bewusstsein wie gefangen ist, in den Geschichten im Kopf, die wir uns über uns selbst und dem Leben erzählen …

Immer wenn in den Geschichten der Tod übermächtig und bedrohend wird und als Verlust vor unserer Tür steht, haben wir die Möglichkeit, das bewusste Sein kennenzulernen. Richten wir unsere Aufmerksamkeit in die Stille, zieht Bewusstsein aus den Geschichten, wie der Geist aus der Flasche und erkennt sich selbst …

Vielleicht ist die konstante Nähe des Todes für Künstlerlnnen Nährboden? Wir brauchen den Tod, um aus dem Schatten zu treten. Malen ist wie sterben …

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Consciousness, this fine, alive, silent, attentive, intelligent stream, not only enjoys human experience, it shines into the dark corners as well. It also sees death in all its disguises. As gentle as consciousness seems to be, everything burns in its presence. The region of monsters are the shadowlands of unconsciousness …

We are not a conscious society, we obey ego, greed, shortage, fear of death. We do not do this out of malice, but simply because consciousness is trapped in the stories that we tell us about ourselves and about life, in our minds …

Whenever death becomes overpowering and threatening in the stories and stands as a loss at our door, we have the opportunity to get to know conscious being. Turning our attention to silence, draws consciousness from the stories, as the genie from the bottle and then it recognizes itself.

Perhaps the constant closeness of death is fertile ground to artists ? We need death to step out of the shadows. Painting is like dying …

Das Ende der Nacht / End of night

20180613_153322Fotos: Georg Bernhard Rusch

Das, wonach man wirklich sucht, lässt sich nicht halten. Es ist jenseits der Sinne, absolut frei. Am äußersten Rand der erschöpften Person, da wo ihre ausgestreckten Finger in das Ende der Nacht hinein reichen, regiert das Überpersönliche, in all seiner frischen Pracht …

Im Feld der Wunder stirbt die Person. In dem Moment, im dem das Leben der psychologischen Person beginnt, verbirgt sich das Mysterium. Deshalb auch das Gefühl der Abgetrenntheit, des verlorenen Paradieses …

Doch den Fingern, die ins Ende der Nacht reichen, kommen bereits Hände aus dem Morgen entgegen. Die unmittelbare, quellende Stille tastet schon im Inneren herum und holt den Anker ein …

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What one is really looking for can not be sustained. It is beyond the senses, absolutely free. At the extreme edge of the exhausted person, where their outstretched fingers reach into the end of the night, the super-personal reigns, in all its fresh splendor …

In the field of miracles, the person dies. The moment the life of the psychological person begins, the mystery hides. That’s why we experience the feeling of separateness, the lost paradise …

But the fingers, which reach into the end of night, are already meeting hands  coming from the morning. The immediate, swelling silence already gropes around inside and fetches the anchor …

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Wieso? / Why?

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Fotos: Renée Kellner

Wie kann ich dich nicht sehen, wo du doch am Nächsten bist? Wieso vermeide ich dich, wo du doch das Einzige bist? Wieso tue ich nicht, was gut für mich ist, obwohl ich doch weiß, was das wäre? Wieso setze ich mich nicht zu dir an einem Tisch in der Morgenbrise, solange die Tage dauern …

Wieso gehe ich durch die Täler der Schatten und glaube ihren Stimmen, wo ich doch deinen Umhang trage und deinen Kompass? Wieso dieser K(r)ampf im Denken, wo doch loslassen möglich ist? Wieso frage ich, wenn ich die Antwort doch kenne? Wieso schwanken, wenn ich doch kerzengerade weitergehen kann …

Wieso hängen sich Sorgen wie Sandsäcke an meine Handlungen, wo sie doch genauso gut voll Vertrauen in die Welt segeln können, wie in den Herzen der Abenteurer? Wieso dieses dauernde Anklammern, wo ich doch in deinem Strömen wohnen darf? Wieso dieses dumpfe Starren, wo doch der Blick auch wieder frei tanzen und in tiefe Winkel dringen kann, wie damals in der Magie der Kindheit …

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How can I not see you even you are closest?
Why am I avoiding you when you are the only one?
Why do I refuse to do what’s good for me, even though I know what that would be?
Why dont I sit with you at a table in the morning breeze, as long as the days last …

Why do I go through the valleys of the shadows and believe their voices even I still wear your cloak and your ? Why all this fight in thinking when it is possible to just let go? Why am I asking if I already know the answer? Why waver, if I can go bolt upright …

Why are worries like sandbags attached to my actions, when they can just as easily sail into the world with confidence as in the hearts of adventurers? Why this constant clinging, if I am at home in your streaming?
Why this dull staring, when the gaze can dance free again and penetrate into deep corners, as in the magic of childhood …

All my relations …

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Auf alten Felszeichnungen sieht man manchmal rote Linien zwischen Jäger und Gejagten, als wären sie verbunden. Für Naturvölker eine klare Sache: Ohne Sonne kann der Baum nicht überleben, ohne Baum stirbt die Luft. Ein Mensch kann ohne seine Finger überleben, aber nicht ohne die Luft, die ihn umgibt oder ohne Nahrung. Alles hängt voneinander ab …

Im Ego, in der Welt der Gedanken, ist nur dann Verbundenheit, solange sie etwas nützt oder nicht bedroht. Ego kann nicht zwischen Menschen und Dingen unterscheiden, sobald etwas nutzlos geworden ist, wird es ausgetauscht oder weggeworfen, sobald etwas die Stabilität des Egos – das an sich sehr instabil ist – bedroht, wird es zum Feind. In der Welt der Stille regiert ein anderes Prinzip, hier ist alles eins, immer, wie durch dünne, rote Linien verbunden. In einem kreativen Universum löst alles etwas aus, das wiederum in Bezug mit etwas anderem steht …

Erst, wenn man selbst aus dem trennenden Prinzip des Egos den Eingang in das Netz der ursächlichen Verbundenheit findet, beginnt man die Zusammenhänge zu sehen, zwischen Handlungen und Auswirken, zwischen allen Wesenheiten. Die Intelligenz wird klar, die alles durchdringt und jedes hält …

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On old petroglyphs you can sometimes see red lines between hunter and hunted as if they were connected. For native people a clear thing: Without sun a tree can not survive, without tree the air dies. A human can survive without his fingers, but not without the air surrounding him or without nourishment. Everything depends on each other …

In the world of ego, in the thoughts, connectedness exists only as long as it is of use or does not threaten. Ego can not distinguish between humans and things, as soon as something has become useless, it is exchanged or thrown away, as soon as something threatens the ego’s stability – which in itself is very unstable – it becomes an enemy.
In the world of silence, another principle rules, here everything is one, always, as if connected by thin, red lines. In a creative universe, everything triggers something that is in turn related with something else …

Only when one gets out of the dividing principle of ego and finds the entrance into the net of causal connectedness, one begins to see the relations, between actions and effects, between all beings. The intelligence becomes clear that permeates everything and holds each …