URLAUB IM SEIN/ HOLIDAY IN BEING

Die Welt der Konditionierung, der mentalen, psychologischen Konzepte ist fragil. Man wandelt auf einem schmalen Grat und sucht Halt. Das weite Land des Seins, das Land, welches vor Sprache und Verstehen bereits existiert, bietet weit mehr Wirklichkeit …

Um es zu betreten, genügt eine gewisse Portion Absicht und eine Verbeugung. Es bedeutet einen Riesenvorteil, wenn man es mag. Das Mögen bringt etwas Unbesiegbares mit sich …

Im Sein gibt es keine Zeit, daher eignet es sich hervorragend als Urlaubsziel. Es braucht etwas Eingewöhnung, denn die eingelernten Verhaltensweisen bringen hier nichts. Es ist ein spannender Ort, nicht nur, dass er einem zeigt, wer man ist, er erlaubt auch intuitives Forschen. Es ist ein frischer Spielraum, in dem Co-Creation angesagt ist …

Im Sein gibt es keine Vergleiche, es geht nicht darum, der hellste Stern an Firmament zu sein und auch nicht darum, wie vielen er gefällt. Was zählt, ist, dass der eigene Stern zu leuchten beginnt, in seinem natürlichen Mass …

The world of conditioning, of mental, psychological concepts is fragile. One walks on a narrow ridge and searches for a foothold. The wide land of being, the land which already exists before language and understanding, offers far more reality …

To enter it, a certain amount of intention and a bow is enough. It means a huge advantage to like it. The liking brings something invincible with it …

There is no time in being, so it makes an excellent vacation destination. It takes some getting used to, because the behaviors you’ve learned won’t do you any good here. It is an exciting place, not only does it show you who you are, it also allows intuitive exploration. It is a fresh space where co-creation is the order of the day….

In being there are no comparisons, it is not about being the brightest star in the firmament and also not about how many people like it. What counts is that one’s own star begins to shine, in its natural measure …

DIE HELLE SPUR INS NEUE / THE BRIGHT TRAIL INTO THE NEW

In der langen Nacht im Labyrinth des konditionierten Verstandes entspinnt sich das namenlose Theater. Die Psyche spielt all die Variationen von mangelnden Selbstwert, Angst und Begehren und verstrickt ihre Opfer wie eine ewig hungrige Spinne …

Doch selbst in der größten Dunkelheit befindet etwas Helles, Leichtes. Das Licht in dieser Spur – zuerst so klein, dass man es kaum bemerkt – spürt, wenn man danach Ausschau hält und nähert sich wie ein stilles Tier …

Es breitet – wie nichts anderes – einen Mantel um deine Schultern. Folgst du der hellen Spur und lässt dich nicht in das Drama der Psyche verführen, werden die Schritte bald freier und man weiß nicht mehr, sind es deine Schritte oder die der Stille? Es ist die Stille, die dich wachküsst …

In the long night in the labyrinth of the conditioned mind, the nameless theater unwinds. The psyche plays all the variations of lack of self-worth, fear and desire and entangles its victims like an eternally hungry spider …

Yet even in the greatest darkness, there is something bright and light. The light in this trace – at first so small that one hardly notices it – feels it when one looks for it and approaches like a silent animal …

It spreads – like nothing else – a cloak around your shoulders. If you follow the bright trail and do not let yourself be seduced into the drama of the psyche, your steps soon become freer and you no longer know, are they your steps or those of the silence? It is the silence that kisses you awake …

DEM HIMMEL SO NAH 7 / SO CLOSE TO HEAVEN 7

In ihrer Ambivalenz von Form und Auflösung, von Bilden und Transformieren führen die Wolken den Künstler*innen ununterbrochen ihre eigene Tätigkeit vor.‘
Ines Richter-Musso

Pläne, Wünsche und Konzepte schweben wie dichte, spannungsgeladene Wolken durch die Welt, als hätten sie sich verselbstständigt. Wünsche nach Anerkennung, Sicherheit, Erfolg treiben ihr wildes Spiel, als könnte man sich das gar nicht aussuchen …

Falls man dieses Spiel Leid ist und es loswerden will, braucht man gar nichts mit den Plänen, Wünschen und Vorstellungen zu machen, nur zusehen, wie sie sich auflösen und zurück bleibt das wirkliche, saftige Leben. Das, wonach man sich eigentlich gesehnt hat …

Farben sind Boten der Wirklichkeit. Als Maler*in kann man sich da nichts vormachen, entweder man tut so, als ob, oder man bietet sich der Wirklichkeit an, wird von ihr erfasst und es wird plötzlich in allen Bereichen des Bildes lebendig, voll von dieser geheimnisvollen Bewegung …

Kunst ist die Spielwiese der Wirklichkeit. Die weiße Leinwand spricht die Einladung aus, wirklich sichtbar zu werden. Um diesem Ruf gerecht zu werden, gilt es eine Sprache zu finden für das Unaussprechliche und wie schon einmal in der Kindheit alles noch mal frisch zu lernen, denn in dem neuen Land funktionieren die alten Pläne nicht …

In their ambivalence of form and dissolution, of forming and transforming, the clouds incessantly demonstrate and mirror the artists activity.‘
Ines Richter-Musso

Plans, desires and concepts float through the world like dense, tension-laden clouds, as if they had taken on a life of their own. Desires for recognition, security, success play their wild game, as if one could not choose that at all …

If you are tired of this game and want to get rid of it, you don’t have to do anything with your plans, desires and ideas, just watch them dissolve and what remains is real, juicy life. That which one has actually longed for …

Colors are messengers of reality. As a painter, you can’t fool yourself, either you pretend, or you offer yourself to reality, are captured by it, and it suddenly comes alive in all areas of the painting, full of this mysterious movement …

Art is the playground of reality. The white canvas issues the invitation to become truly visible. To live up to this call, it is necessary to find a language for the inexpressible and, as once before in childhood, to learn everything fresh again, because in the new country the old plans do not work …

DIE RÜCKKEHR DES LICHTS / THE RETURN OF THE LIGHT

Wir sind grundsätzlich ganz. Etwas in uns – das Wirklichste – ist bedingungslos ok, da gibt es weit und breit nichts, das fehlt. Wenn wir diesen Ort verlassen, weil wir meinen, irgendwo anders wäre es besser, betreten wir die Welt der Vorstellungen und Konzepte. Darin glauben wir, nur unter bestimmten Bedingungen ok zu sein, wenn wir geliebt werden, genug leisten, gut aussehen, Anerkennung haben etc …

Es gilt hinter diese mentale Ebene zu blicken, auf das, was grundsätzlich nicht nur ok, sondern märchenhaft schön ist. Man betritt den Raum und das Versprechen von ursprünglicher Sicherheit und Freude und kann darin heilen …

Wenn die Welt der Vorstellungen, Wünsche und Konzepte wie ein dichter Raum erscheint, braucht man Wege in das Bedingungslose. Es geht darum, den Spalt zu finden, durch den das Helle hereinkommt. Die Tür zu finden, die sich zwischen zwei Atemzügen öffnet zu dem lichten Kind in uns …

We are basically whole something inside us – the most real – is unconditionally ok, there is nothing far and wide that is missing. When we leave this place because we think somewhere else would be better, we enter the world of ideas and concepts. In this world we believe to be ok only under certain conditions, if we are loved, if we achieve enough, if we look good, if we have recognition etc …

It is necessary to look behind this mental level, at what is basically not only ok, but even fabulously beautiful. One enters the space and the promise of original security and joy and can heal in it …

When the world of ideas, desires and concepts seems like a dense space, one needs ways into the unconditional. It’s about finding the crack through which the light comes in. To find the door that opens between two breaths to the bright child within us …

GOLDDIGGA

Der Verstand hat die direkte Erfahrung der Existenz flächendeckend mit einer konzeptuellen Illusion überzogen. Die wirkliche phänomenologische Welt sehen wir nur im frühen Kindesalter – bevor Sprache und Verstehen einsetzen – danach nur mehr in seltenen Momenten …

Der konditionierte Verstand blendet Leben in seiner ursprünglichen Kraft und Schönheit aus, weil es gefährlich ist, weil Wunden entstehen können. Dadurch blendet er aber auch die Wunder des Lebens aus, wie Selbstheilung, die Tatsache, das man eigentlich nichts tun muss, um eine Wunde zu heilen …

Er blendet aus, dass auch die heftigen Zeiten Heilräume sind und verbirgt die Wege zu diesem Verständnis. Und er blendet auch den eigentlichen Wert aus, die natürliche Krone des Menschseins und ersetzt es durch den schwankenden Tanz des Egos, welches sich manchmal völlig wertlos fühlt, sich zu überwertigen Fantasien emporschwingt, um dann wieder abzustürzen …

Es gilt, sich den Weg aus der Illusion des Verstandes zu graben, wie wenn man nach Gold sucht. Verletzt werden zu können, ohne in die unbewusste Trance zu fliehen, sich den Selbstheilungskräften anzuvertrauen und stehen zu bleiben in den eigenen brillanten Farben …

The mind has covered the direct experience of existence area-wide with a conceptual illusion. We see the real phenomenological world only in early childhood – before language and understanding set in – after that only in rare moments …

The conditioned mind blanks out life in its original power and beauty because it is dangerous, because wounds can arise. Thereby it also fades out the wonders of life, like self-healing, the fact that you don’t have to do anything to heal a wound …

It hides the fact that even the most violent times are healing spaces and hides the ways to this understanding. And it also blanks out the actual value, the natural crown of being human, and replaces it with the wavering dance of the ego, which sometimes feels completely worthless, soaring to super-valued fantasies, only to crash again …

It is a matter of digging one’s way out of the illusion of the mind, like searching for gold. To be able to be hurt without fleeing into the unconscious trance, to entrust oneself to the self-healing forces and to remain standing in one’s own brilliant colors …

ÜBER DIE KRAFT DER KUNST IM SCHWIERIGEN ZEITEN / ABOUT THE POWER OF ART IN DIFFICULT TIMES

Sich mit Kunst zu beschäftigen, kann eine wohltuende Ablenkung sein, besser als sich mit den Problemen im Kopf zu beschäftigen. Man steckt einen Zeh in das magische Feld und merkt, dass es einem gut tut …

Wenn man weiter hineingeht, beginnt eine Kommunikation, die immer intensiver wird, je mehr man sich darauf einlässt. Wenn man alles ablegt und ganz eintaucht, wird die Kunst wie ein Spiegel, der einen immer tiefer in sich selbst blicken lässt …

Gerade in schwierigen Zeiten wird dieser Spiegel zu einem unverzichtbaren Ort der Kraft und Heilung. Er zeigt uns, was wir brauchen, um an den Krisen zu wachsen, um über unsere eigenen persönlichen Grenzen hinauszuwachsen. Und er erinnert uns an das, was nicht verletzt werden kann …

Engaging in art can be just soothingly distracting, better than dealing with the problems in your head. You stick a toe in the magic field and realize that it does you good …

If you go further in, a communication begins, which becomes more and more intensive, the more truthfully you get involved. If you get totally naked and dive into it, art becomes like a mirror that allows you to look deeper and deeper into yourself …

Especially in difficult times this mirror becomes an indispensable place of strength and healing. It shows us what we need to grow from the crises, to grow beyond our own personal limitations. And it reminds us of what cannot be hurt …

ADVENT, ADVENT

Der Adventkalender ist diesmal wie für mich gemacht, zuerst Ende des Lobautunnels und Beginn einer Mobilitätswende, die mehr das Große und Ganze miteinbezieht. Kurz tritt zurück, Blümel tritt zurück, jeden Tag geht ein neues Fenster auf …

Vielleicht geht es ja so weiter: Omikron ist die Variante von Covid, die es wirklich zu einer harmlosen Grippe werden lässt. Menschen lernen aus der Pandemie und finden heraus, was sie wirklich glücklich macht. Der Turbokapitalismus sagt plötzlich, er mag nicht mehr und verschwindet …

Tiere werden als fühlende Wesen behandelt. Randgruppen sind integriert, die Umwelt bekommt Dankbarkeit und Respekt. Superreiche entdecken ihre Menschlichkeit. Politiker dienen dem Volk. Ein Verlag interessiert sich für mein Kartenspiel …

Schul-Rechts- und Gesundheitssystem werden auf den neuesten Erkenntnisstand gebracht. Die Werte von Freude, Schönheit und Lebensqualität sind zentral. Menschen erinnern sich, dass sie hier sind, um zu heilen und lachen und begleiten einander nach Hause …

The Advent calendar is made for me this time, first the end of the Lobautunnel and the beginning of a mobility turnaround that includes more of the big picture. Kurz resigns, Blümel resigns, every day a new window opens …

Maybe it will continue like this: Omikron is the variant of Covid that really makes it a harmless flu. People learn from the pandemic and find out what really makes them happy. Turbo capitalism suddenly says it doesn’t like it anymore and disappears …

Animals are treated as sentient beings. Marginalized groups are integrated, the environment gets gratitude and respect. Super-rich discover their humanity. Politicians serve the people. A publisher is interested in my card game …

School-legal and health systems are brought up to date. The values of joy, beauty and quality of life become central. People remember they are here to heal and laugh and escort each other home …

KÜNSTLERPECH / ARTIST PITCH

Der perfekte Traum hält sich hartnäckig in den Köpfen. Der Wunsch, es endlich zu schaffen, bewirkt etwas Verbissenes, Festhaltendes, dem bald jeder Humor abhanden kommt …

Zum Glück gibts auch einen Antagonisten, eine*n freundliche*n Anarchist*in mit der Bereitschaft, unperfekt zu sein, welche*r Fehler mit einem ‚Hoppla Künstlerpech‘ begrüsst. Der zwar sanfte, sich jedoch dem Funktionszwang verweigernde Pirat, der es einem erst ermöglicht, empfänglich zu sein …

Empfänglich für die Schönheit, die einem so voll erwischt, dass man sich in ihr verirrt. Für Freude, die wie der Pfeil der Sonne durch die Wolkendecke trifft. Für Stille, dieser ewig wohlgesonnene Urgrund, dessen unvermeidliches Grinsen dem perfekten Traum zeigt, dass das Glück ganz woanders liegt …

The perfect dream stubbornly persists in the minds. The desire to finally make it causes something grim, clinging, which soon loses all humor …

Fortunately, there is also an antagonist, a friendly anarchist with the willingness to be imperfect, who greets mistakes with an ‚Oops artist pitch‘. A gentle pirate, one who refuses to be forced to function, who makes it possible to be receptive …

Receptive for the beauty that catches you so full that you get lost in it. For joy that strikes like the arrow of the sun through the cloud cover. For silence, that eternally benevolent primordial ground whose inevitable grin shows the perfect dream that happiness lies elsewhere …

ICH UND DU UND ES / ME AND YOU AND IT

Das Ich fühlt sich manchmal in der eigenen Welt nicht vollständig, etwas drängt zu Du. Es lehnt mit der Stirn an der Wand des Ich und will sich öffnen zum Du. Doch die Wand wurde aus gutem Grund errichtet, sie meint das Ich zu schützen …

Das Es ist zwischen Ich und Du, es ist das eine und das andere und das Lebendige zwischen den beiden. Und wie es bei lebendigen Wesen nun mal ist, braucht es ein gewisses Klima, um wachsen zu können. Wenn Ich oder Du sich zu sehr schützen, wird es für das Es brenzlig …

Das Es möchte wachsen und blühen und braucht dazu Ich und Du. Der Trick der Liebe scheint ja darin zu bestehen, nicht das Du verändern zu wollen und nicht das Ich zu sehr zu schützen, sondern es zu weiten bis über den Himmel hinaus …

The I sometimes feels incomplete in its own world, something pushes towards You. It leans with its forehead against the wall of the I and wants to open itself to the You. But the wall was built for a good reason, it means to protect the I …

The It is between I and You, it is the one and the other and the liveness between the two. And as it is with living beings, it needs a certain climate to be able to grow. If I or you protect themselves too much, it becomes dicey for the it …

It wants to grow and blossom and needs I and you for this. The trick of love seems to be not to want to change the you and not to protect the I too much, but to expand beyond the sky …

DEM HIMMEL SO NAH 5 / SO CLOSE TO HEAVEN 5

In einem offenen Malprozess ist man nicht verloren. Wenn man keinen Plan hat, nachdem man vorgeht, heißt das nicht, man würde im Nebel verschwinden. Es gibt eine tiefere Instanz, die genau weiß, was sie will, die genau weiß, wie hell oder weit oder klar etwas aussehen soll …

Als wäre da so eine Art Wesenskern, der von den Gewerken des Schicksals ausgenommen ist, etwas Unberührbares, Intimes, das erst in einer gewissen Offenheit erfahrbar wird. Solange man etwas erreichen will, bleibt es verborgen …

Diese Begegnung kann nicht vorsichtig sein, sie verlangt ein Eintauchen mit Haut und Haar und ohne Hintertür, sonst gilt es nicht. Sich verlierend blind hineintastend mit dem alten Mut des Kindes, es dennoch zu versuchen …

Die Gewissheit findend, die stärker ist als der Zweifel. Mit jedem nächsten Schritt die Ketten und Stricke des falschen Traumes abstreifend. Den Rockzipfel der Kontrolle gehen lassend. Dem Augenblick folgend,  vertrauend, sich im Neuen erkennend …

In an open painting process, you are not lost. If you don’t have a plan after you proceed, it doesn’t mean you disappear into the fog. There is a deeper entity that knows exactly what it wants, that knows exactly how bright or wide or clear something should look….

As if there were a kind of core of being that is exempt from the trades of fate, something untouchable, intimate, that can only be experienced in a certain openness. As long as one wants to reach something, it remains hidden …

This encounter cannot be cautious, it demands an immersion with skin and hair and without back door, otherwise it does not apply. Losing oneself blindly feeling one’s way into it, with the old courage of the child to try nevertheless …

Finding the certainty that is stronger than doubt. With each next step, stripping away the chains and ropes of the false dream. Letting go of the coat-tails of control. Following the moment, trusting, recognizing oneself in the new …