DAS FLÜSTERN DER STILLE / THE WHISPER OF SILENCE

So hat dieses Blogschreiben doch angefangen, ich bin während herausfordernder Zeiten eine Woche allein auf Urlaub gefahren, nach Israel. Ich wollte diese biblischen Orte besuchen, einfach so und weil ich am Abend meistens nicht wusste, was ich machen sollte, habe ich mich einfach irgendwo in die Landschaft gesetzt und bin wie von selbst sehr still geworden …

Und aus der Stille kamen für mich interessante Aspekte, die sich vorstellten, manchmal nur wie eine Ahnung und inspirierten einfach. Ich musste das aufschreiben und im Schreiben vertiefte sich das, bis es rund und stimmig war. Bis es pfeift, sitzt und Luft hat, wie man sagt …

Ich dachte ja, das hört dann auch bald mal auf dieses Flüstern der Stille, doch das hier ist jetzt der ungefähr fünfhundertste Blog, die alle in WordPress öffentlich zugänglich sind, https://cultureofsilenceblog.wordpress.com/. Sie waren nie nur für mich …

Jedenfalls, die Stille flüstert diesmal, dass sie demjenigen, der zuhört, etwas zeigt und so flüchtig wie das manchmal auch geschieht, ist es doch so profund, dass es den Kurs des*der Lauschenden vollständig und nachhaltig ändert …

That’s how this blog writing started after all, I went on vacation alone for a week during challenging times, to Israel. I wanted to visit these biblical places, just like that, and because most of the time I didn’t know what to do in the evening, I just sat down somewhere in the countryside and became very silent, as if by itself …

And from the silence came interesting aspects that presented themselves, sometimes just like a hunch and always inspiring. I had to write that down and in the writing it deepened until it was round and coherent. Until it whistles, sits and has air, as they say …

I thought it would soon stop this whisper of silence, but this is now the approximately five hundredth blog, all of which are publicly accessible in WordPress, https://cultureofsilenceblog.wordpress.com/. They were never just for me …

Anyway, the silence whispers this time that it shows something to the one who listens and as fleeting as it sometimes happens, it is so profound that it completely and permanently changes the course of the one who listens …

THE JOURNEY OF THE KING*QUEEN

Die Reise des*der König*in geht durch das ganze Spektrum des Menschseins. Es ist kein abgehobener, überwertiger Zustand, sondern ist tief verwurzelt in der Natur der Dinge. Die Reise beginnt, wenn die eigene Natur – das eigene Wesen – erkennt, wie oft es unter der Knechtschaft des Ego schleicht …

Wenn es die Notwendigkeit erkennt,
den Machtinstrumenten des Egos zu misstrauen. Es verweigert sich konsequent der Sehnsucht nach Kontrolle und Sicherheit, lehnt es ab, nach bereits bekannten Richtlinien zu leben und folgt stattdessen dem Gesetz der Sterne …

Das eigene Wesen spürt zögernd zuerst doch immer klarer, die Unaufhaltsamkeit der Freiheit. Die eigene Natur hatte in der Knechtschaft ihren Wert vergessen und bekommt nun, wie blind segelnd, eine Krönung von den Windhänden des Lebens mit dem Auftrag, die eigene Majestät nicht mehr zu verleugnen …

The journey of the king*queen is through the whole spectrum of being human. It is not an aloof, superior state, but is deeply rooted in the nature of things. The journey begins when one’s nature recognizes one’s being, how often it creeps under the bondage of the ego …

When it recognizes the need
to distrust the ego’s instruments of power. When it consistently refuses the longing for control and security, refuses to live according to already known guidelines and instead follows the law of the stars …

The own nature feels hesitantly at first, but more and more clearly, the inexorability of freedom. One’s own nature had forgotten its value in slavery and now, sailing as if blind, receives a coronation from the wind hands of life with the order not to deny one’s own majesty anymore …

YOU CANNOT BRING YOUR WEAPONS INTO THE HOUSE OF SILENCE

Entweder verbringt man seine*ihre Zeit mit  Vorstellungen über das Leben oder man lebt es direkt. Entweder geht man mit dem Leben um, als wäre es verpackt und dürfe nicht geöffnet werden oder man taucht ein in die nackte Tatsache, dass man existiert …

Der Verlockung der offenen Tür folgend, die Entschuldigungen, warum es jetzt nicht möglich ist vergessend, losgelöst im immer Neuen landend. Freiheit ist Anwesenheit …

Wenn der Lärm der Welt im eigenen Kopf schwindet, gleicht man einem empfindsamen Gefäß, in welches von überall her Leben fließt, bis es keinen Unterschied mehr gibt zwischen innen und außen …

Egal, wie oft man sich in der Welt verstrickt und egal wie oft sich die eigenen Schiffe im Nebel verlieren, in der Tiefe der Stille wartet geduldig der Zauber das Seins wie Lichter an einem ewigen Hafen  …

Either you spend your time with ideas about life or you live it directly. Either one deals with life as if it were packed and must not be opened or one immerses oneself in the naked fact that one exists….

Following the temptation of the open door, forgetting the excuses, why it is not possible now, detached in the always new. Freedom is presence …

When the noise of the world in one’s own head fades away, one resembles a sensitive vessel into which life flows from everywhere, until there is no more difference between inside and outside …

No matter how often one gets entangled in the world and no matter how often one’s own ships get lost in the fog, in the depth of silence the magic of being waits patiently like lights at an eternal harbor …

STANDartS 2

Es gibt mehr als eine Art sein*ihr Leben zu leben.

Vorwiegend in der westlichen Welt haben sich Standards entwickelt, die einem, wenn man als Begünstigte*r darin lebt, kaum auffallen. Sie beschreiben die Normalität, die man sich von einem*r ordentlichen Bürger*in wünscht. Wie fleißig ein Individuum sein sollte, welche Voraussetzungen er*sie haben sollte, um von Gesundheitswesen und sozialen Errungenschaften zu profitieren, bis hin zu angepassten Geschlechterrollenverhalten und alles dazwischen …

Die Standards bieten gewisse Sicherheiten und Vergünstigungen für diejenigen, die ihr entsprechen. Doch die Normalität ist zu eng und ausschließlich geworden. Man bekommt das zu spüren, wenn die eigene Natur anders tickt, wenn man das eigene Leben anders leben möchte, wenn man ein*e Eingeborene*r ist, dem fahrenden Volk oder einer anderen Minderheit zugehörig ist …

Man passt sich an oder fällt sehr schnell aus der Normalität und wird nicht mehr unterstützt, sondern angefeindet. Einfach, weil die Hautfarbe, der gesellschaftliche Status oder sonst irgendetwas anders ist. Die Standards fallen erst auf, wenn man nicht oder nicht mehr dazugehört. Für manche Menschen ist es klar, dass  der Preis dafür zu hoch ist, um die eigene Natur und Lebensweise zu opfern …

Die Entwicklung der Menschlichkeit gebietet es, in Betracht zu ziehen, dass Individuen das Recht haben, ihr Leben nach ihrer eigenen Natur zu leben. Es gibt mehr als nur eine ‚richtige‘ Art sein*ihr Leben zu leben. Wenn wir aus den Herausforderungen wie Covid, Klimawandel etc. lernen wollen, brauchen wir die Randgruppen. Die neue Welt integriert an den Rand gedrängte Kulturen, denn sie hüten die Schätze, die wir vermissen …

There is more than one way to live your life.

Mainly in the Western world, standards have developed that are hardly noticeable when you live in them as a beneficiary. They describe the normality that one wants from a proper citizen. How industrious an individual should be, what conditions he*she should have to benefit from health care and social achievements, to adjusted gender role behavior and everything in between …

The standards provide certain securities and benefits for those who conform to it. But normalcy has become too narrow and exclusive. You feel this when your nature is different, when you want to live your life differently, when you are a native, a travelling people or a minority …

One adapts or falls very quickly out of normality and is no longer supported, but is opposed. Simply because the skin color, social status or anything else is different. The standards are only noticed when one does not belong or no longer belongs. For some people it is clear that the price is too high to sacrifice their own nature and way of life …

The development of humanity demands to consider that individuals have the right to live their lives according to their own nature. There is more than one ‚right‘ way to live his*her life. If we are to learn from challenges such as covid, climate change, etc., we need the marginalized. The new world integrates marginalized cultures, because they guard the treasures we miss …

THE OTHER SIDE OF TRAUMA

‚Das abgetrennte Solo-Ich ist die Lüge, die uns traumatisiert.‘
Dan Siegel

Öffnet sich der Blick für Trauma, sieht man es überall in den Gesichtern, in den Körpersprachen, an der Supermarktkassa, im Restaurant, in der Kirche, im Krankenhaus, im Parlament, es bestimmt den Lauf der Gesellschaft aus dem Verborgenen …

Ein interessantes Phänomen, welches dabei entsteht, ist Mitgefühl; man wird nicht mehr so leicht in das Spiel von Bewertung gezogen, steigt nicht mehr so leicht in reaktives Verhalten ein und kann sich selbst und die anderen beim besten Willen nicht mehr so einfach verurteilen …

Hört man zum ersten Mal von Trauma, denkt man gleich an etwas Unangenehmes. Eigentlich will man da nicht so gerne hinsehen. Man hat schließlich ein Leben lang daran gearbeitet, die Wunde auszublenden. Sieht man dennoch hin, wartet eins der größten Abenteuer unserer Zeit: die Transzendenz der Wunde …

Seine*ihre Welt, um die Wunde zu bauen ist anstrengend, der Quell der Lebendigkeit versiegt, es ist nurmehr bloßes Überleben möglich. Während der Abenteuerreise zur anderen Seite des Traumas wird es vielleicht etwas ruppig, aber langsam langsam kommt die Magie zurück. Ein Einziehen in sich selbst, wie die Rückkehr aus dem Exil …

Diese Erleichterung, wenn der Schatten des Traumas dem Licht der eigenen, entspannten, aufmerksamen Anwesenheit weicht. Die Dankbarkeit auf der anderen Seite voll lebendig wieder ausgespuckt zu werden. Die natürliche Freude, welche gleich mal um die Ecke gebogen kommt und der ganze Saft, der endlich wieder aufsteigt, wie in einem trockenen Gehölz …

‚The seperate solo self is the lie that is traumatizing us.‘
Dan Siegel

If you open your eyes to trauma, you can see it everywhere in the faces, in the body language, at the supermarket checkout, in the restaurant, in the church, in the hospital, in the parliament, it determines the course of society from the shadows …

An interesting phenomenon that arises is compassion; one is no longer so easily drawn into the game of judging, enters no longer so easily into reactive behavior and can no longer, with the best will in the world, so easily condemn oneself and others …

When you hear about trauma for the first time, you immediately think of something unpleasant. Actually, you don’t want to look at it so much. After all, you have worked all your life to hide the wound. But if you do look, one of the greatest adventures of our time awaits you: the transcendence of the wound …

To build ones world around the wound is exhausting, the source of liveliness dries up, only mere survival is possible. During the adventure journey to the other side of the trauma, it may get a little rough, but slowly slowly the magic comes back. A move-in into oneself, like the return from exile ….

This relief when the shadow of the trauma gives way to the light of one’s own relaxed, attentive presence. The gratitude to be spat out fully alive again on the other side. The natural joy, which comes right around the corner and all the sap that finally rises again, like in a dry grove …

TRAUMA UND RELIGION / TRAUMA AND RELIGION

Wenn wir über Trauma sprechen, ist es fast unmöglich, nicht auch über Religionsgründer zu sprechen, deren zentrale Aufgabe es war, Menschen aus dem Leid zu führen.
Über den buddhistischen Weg habe ich schon in dem Blog ‚Trauma und Mitgefühl‘ geschrieben, doch auch die christliche Botschaft hat hier einiges zu bieten …

Der ‚Schmerzensmann‘ spiegelt uns so allgegenwärtig in Klassenzimmer und Wegkreuzungen das eigene Leid mit dem Hinweis auf Erlösung, dass wir das einfach übersehen, weil wir so daran gewohnt sind wie an unser Trauma selbst, das auch von den meisten nicht mehr wahrgenommen wird …

Und wir können die christliche Botschaft wohl auch nicht gut nehmen, weil diese im Lauf der Zeit bis ins Abscheulichste verfälscht wurde, was wohl bei den meisten Religionen der Fall ist. Wenn in einem Menschen das Bewusstsein für die eigene Wunde wächst und Selbstfürsorge beginnt, ist es, wie wenn man in einer dunklen Kirche das Licht aufdreht: Die düsteren Kreaturen, welche aus der Wunde entstanden sind, flüchten sich in die Schatten …

Und wenn wir neu hinsehen, hat Christus – meinem Verständnis nach – den neuen Menschen ausgerufen, der die Dornenkrone gegen eine wirkliche tauscht und der in Verbundenheit lebt. Er fragt: Wer bist du, wenn dein Leben nicht länger von Trauma diktiert wird?

When we talk about trauma, it is almost impossible not to talk about founders of religions whose central task was to lead people out of suffering.
I have already written about the Buddhist path in the blog ‚Trauma and Compassion‘, but the Christian message also has a lot to offer here …

The ‚Man of Sorrows‘ reflects to us so ubiquitously in classrooms and crossroads our own suffering with the hint of redemption that we simply overlook it, because we are so used to it as to our trauma itself, which is also no longer perceived by most …

And we probably can’t take the Christian message well either, because it has been distorted in the course of time to the most abominable, which is probably the case with most religions. When the awareness of one’s own wound grows in a person and self-care begins, it is like turning on the light in a dark church: the dark creatures which have arisen from the wound take refuge in the shadows …

And if we look anew, Christ – according to my understanding – has proclaimed the new man, who exchanges the crown of thorns for a real one and who lives in connectedness. He asks: Who are you when your life is no longer dictated by trauma?

TRAUMA UND MITGEFÜHL / TRAUMA AND COMPASSION BODHISATTVA AVALOKITESVARA

Im Tempel des tibetischen Buddhismus sind viele dunkelbunte Zimmer, in denen jeweils ein menschlicher Aspekt – sei es Wut oder Güte, Dämonisches oder Bezauberndes und alles dazwischen – als gottgleiche Wirklichkeit dargestellt ist. Alle diese Zimmer sind eigentlich im menschlichen Körper …

Im Osten hatte man schon früh den Zusammenhang zwischen Trauma und Befreiung erkannt. Der Buddha sah, dass Menschen litten und fragte sich, warum? Er kam auf die Antwort, dass Leid gar nicht durch die Erfahrungen – die das Leben mit sich bringt – entstanden, sondern durch die Interpretationen dieser Erfahrungen …

Solange wir unbewusst durch die dunkelbunten Zimmer gehen, ist Leid unvermeidlich. Erst durch Bewusstsein beginnt die Transformation. Wir brauchen nichts zu verändern, wenn wir bewusst durch die Zimmer gehen, ist Mitgefühl unvermeidlich …

In the temple of Tibetan Buddhism, there are many dark-colored rooms, each with a human aspect – be it anger or goodness, demonic or enchanting, and everything in between – depicted as a godlike reality. All of these rooms are actually in the human body …

In the East, the connection between trauma and liberation had been recognized early on. The Buddha saw that people were suffering and wondered why? He came to the answer that suffering did not arise at all from the experiences – which life brings – but from the interpretations of those experiences …

As long as we unconsciously wander through the dark-colored rooms, suffering is inevitable. Only through consciousness does transformation begin. We don’t need to change anything, if we consciously wander through the rooms, compassion is inevitable …

SEHEN UND GESEHEN WERDEN / SEEING AND BEING SEEN

Sich der eigenen Wunde zu verschließen, bedeutet auch, sich vor sich selbst zu verschließen.
Durch das sich Öffnen zur Wunde wird man sichtbar als das, was man wirklich ist. Die Wunde ist die Krönung, mit der man ganz wird …

Sieht man die Wunde, sieht man auch sich selbst. Sich selbst zu sehen, bedeutet, bewusst zu sein. Die eigene Anwesenheit ist das Licht auf dunkler Erde, das durch den Kerker der Wunde dringt.
Die Wunde ruft das, was sieht herbei und heilt durch das gesehen werden.

Das, was sieht, ist gleichzeitig das, was gesucht wurde.
Das, was sieht, ist der*die Zeug*in.
Das, was sieht, ist der*die Wächter*in
Das, was sieht, ist der*die Freund*in …

Closing oneself to one’s wound also means closing oneself to oneself.
By opening oneself to the wound, one becomes visible as what one really is. The wound is the crowning with which one becomes whole …

If one sees the wound, one also sees oneself. To see oneself is to be conscious. One’s presence is the light on dark earth that penetrates through the dungeon of the wound.
The wound calls forth that which sees and heals through being seen

That which sees is at the same time that which has been sought.
That which sees is the witness.
That which sees is the guardian.
That which sees is the friend …

BEING REAL

“The time has come to turn your heart into a temple of fire.”
~ Rumi

Mit der Wunde zu sein bedeutet für eine Weile auf unsicheren, entzündeten Boden zu gehen, doch in der Sekunde, in der man die Wunde sieht, in der man mit ihr präsent ist, wird man wirklicher …

Erst Präsenz bringt die Kraft und Klarheit, um automatisiertes destruktives Verhalten zurückzuweisen. Erst Präsenz hebt das eigene Wesen aus den Schatten an die Sonne der Wirklichkeit …

Wirklicher zu werden, verlangt es, die Dinge aufzufangen, die einem das wilde Leben zuwirft, es auch mit den heftigen Dingen aufzunehmen …

Zuerst braucht es Präsenz, das bewusste Wahrnehmen der eigenen Anwesenheit in den diversen Situationen, sie ist die Grundlage, ohne sie sind wir ständig in Vorstellungen und Wünschen gefangen …

Erst Präsenz entwickelt einem aus den Verstrickungen der Welt, restauriert die angeschlagene Struktur und bringt die Farben zurück. Schlückchenweise fließt man zurück ins Leben und schlückchenweise fließt das Leben zurück zu uns …

Being with the wound means walking on uncertain, inflamed ground for a while, but the second you see the wound, when you are present with it, you become more real …

Only presence brings the power and clarity to reject automated destructive behavior. Only presence lifts one’s own being from the shadows to the sun of reality …

To become more real requires to catch the things that the wild life throws at you, to take on the fierce things as well …

First it needs presence, the conscious perception of one’s own attendance in the various situations, it is the basis, without it we are constantly caught in ideas and desires …

Only presence develops one out of the entanglements of the world, restores the battered structure and brings back the colors. Little by little one flows back into life and little by little life flows back to us …

ASCHENKÖNIG*IN / KING *QUEEN OF ASHES

‚Die Krücke kann zum Zepter werden.‘
Flaubert

Immer wieder geht es darum, sich dem Schmerz zu öffnen. Wo auch immer die Ursache dafür gesucht wird, es ist doch immer der eigene Schmerz, der spürbar wird und der einzige Weg raus, ist sich ihm zu öffnen …

Meist ist es nicht damit getan mal kurz reinzuschnuppern, man muss schon eine Weile in den heftigen Gestaden bleiben, in Reichweite des Nachtmahrs, an den flammenden Knochen wachend, ohne Grund und ohne Ziel …

Sich dem Schmerz zu öffnen hat etwas Sanftes, Integratives. Wie ein Lot reicht es in die Tiefe, hält die zugrunde liegende Wunde und dadurch wird Schatz frei, der vom Schmerz bewacht wurde. Etwas wird gekrönt und wächst über sich hinaus, wie ein Phönix aus der Asche …

Wenn die Öffnung zur Wunde bleibt, sodass man darin spazieren kann in die Welt hinaus, öffnet sich auch das Miteinander und es wird klar, dass der nicht gefühlte Schmerz etwas verschlossen hielt. Die bewusste Inklusion der Wunde versöhnt mit einer Welt, die vorher feindlich war …

‚The crutch can become a scepter.‘
Flaubert

Again and again, it is a matter of opening oneself to pain. Wherever the cause is sought, it is always one’s own pain that is felt and the only way out is to open up to it …

Mostly it is not done with a short sniff, you have to stay for a while in the fierce shores, within reach of the nightmare, watching over the flaming bones, without reason and without goal …

To open oneself to the pain has something gentle, integrative. Like a plumb line, it reaches into the depths, holds the underlying wound, and through it, treasure is released that was guarded by the pain. Something is crowned and grows beyond itself, like a phoenix from the ashes …

If the opening to the wound remains, so that one can walk in it out into the world, the togetherness also opens and it becomes clear that the pain that was not felt kept something closed. The conscious inclusion of the wound reconciles with a world that was previously hostile …