DER MARSCH DER HELLSICHTIGEN / MARCH OF THE CLAIRVOYANTS

March of the Clairvoyants

Im Riesenreich, in dem einzig die Bewegung des Atems zu spüren ist, lernen einem die Dinge, wie man sie zu behandeln hat. Man braucht ihnen nicht den eigenen Willen, ja nicht einmal das eigene Können aufzuzwingen …

Bevor das Wollen eine Mauer gegen die Unendlichkeit errichtet hat, war uns nichts fremd. Die Angst lag noch nicht wie ein Schatten über dem Land, als sich die Idee des Ich aus dem dunklen Traum der Elemente löste …

Beleuchtet von den Scheinwerfern ihrer Wunden, erheben sich die Hellsichtigen nun aus den Trümmern und beginnen zu marschieren ohne jeden Grund, wie rollende Steine am vollen Mond …

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In the giant realm, where only the movement of the breath can be felt, Things teach you how to handle them. You don’t need to impose your own will or even your own ability on them …

Before will erected a wall against infinity, nothing was foreign to us. Fear did not yet lie like a shadow over the land when the idea of the self was released from the dark dream of the elements …

Illuminated by the headlights of their wounds, the clairvoyants now rise from the ruins and begin to march without any reason, like rolling stones on a full moon …

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IN DEN SCHUHEN DER SEELE / IN THE SHOES OF THE SOUL

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Das Haus der Konditionierung steht schon hier, seit man denken kann, bietet scheinbare Sicherheit und ist doch fremd. Die Seele erwacht in diesem Haus, als wäre sie Eindringling, als würde sie nicht hierhergehören …

Doch der Eindringling entwickelt ein Eigenleben im Kartenhaus der Konzepte.
Obwohl es für die konditionierte Persönlichkeit unmöglich erscheint, dem Eindringling zu vertrauen, unvorstellbar der vermeintlichen Sicherheit zu entsagen, nimmt die Dauer der Begegnungen zu …

Es ist, als würde man ein Bild malen, zuerst malt man ab, orientiert sich an Vorbildern, bis man nach und nach den eigenen Farben vertraut. Dieses Gefühl, als würde man die Halteseile loslassen, gleicht sehr den ersten Schritten in den Schuhen der Seele …

The House of Conditioning has been standing here for as long as one can remember, offering apparent security and yet being strange. The soul awakens in this house as if it were an intruder, as if it didn’t belong …

But the intruder develops a life of its own in the house of cards of concepts.  Although it seems impossible for the conditioned personality to trust the intruder, unimaginable to renounce the supposed security, the duration of the encounters increases …

It is as if one were painting a picture, first one copies or orientates oneself on role models, until one gradually trusts one’s own colours. This feeling, as if one would let go of the ropes, is very similar to the first steps in the shoes of the soul …

 

ES / IT

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„(…) in einem Moment ist dein Leben ein Stein in dir und im nächsten ein Stern.“
R. M. Rilke

Hineingeboren in einen Körper und erwacht in einem eigenartig, dualem Spiel.
Manche fasziniert das Spiel: Will ES etwas? Wurde ES von jemand erschaffen? Wieso fühlt man sich von ES getrennt? Ist ES gut, böse oder gleichgültig?

Das faszinierende: ES ist so, wie DU und ICH bin. ES lebt jenseits der Sinne, form- und zeitlos und nimmt an, was DU und ICH gestalten. DU und ICH können Held*innen sein oder Schurk*innen, der Enttäuschung folgen oder der Inspiration …

Gleichzeitig wachsen WIR am ES, wissen, wenn ES nicht passt, nehmen ES in die Hand, machen ES gemeinsam, lassen ES sein, versuchen ES noch einmal und manchmal verschwindet ICH im ES, gibt sich hin und ES erwacht …

„one moment your life is a stone in you, and the next, a star.
R. M. Rilke

Born into a body and awakened in a strange dual play.
Some people are fascinated by the play: Does IT want something? Was IT created by someone? Why does one feel separated from IT? Is IT good, bad or indifferent?

The fascinating thing: IT’s just the way YOU and I are. IT lives beyond the senses, formless and timeless and adopt what YOU and I create. YOU and I can be heroines or villains, follow disappointment or inspiration …

At the same time WE grow by IT, know when IT doesn’t fit, take IT in our hands, do IT together, let IT be, try IT again and sometimes I disappear in IT, surrenders and IT awakes …

HOME IS WHERE THE HEART IS Part u

Wendys Window 7

Schon von Kindsbeinen an haben immer wieder Ahnungen von unserer Wesenhaftigkeit. Momente, in denen man sich selbst ganz nahekommt. Das verliert sich im Lauf der Konditionierung, bricht aber manchmal von selbst wieder durch, meist ohne unser zutun …

Musik – die einem früh schon so richtig berührt hat – hatte schon Ähnlichkeit mit dem Klang des eigenen Wesens. Natur, Bücher, Bilder, Begegnungen wiesen darauf hin, erinnerten. Insgeheim haben wir uns danach gesehnt. Nach Hause zu kommen. Anzukommen …

Immer wieder tauchen unvernünftige Impulse auf, wie Brotkrumen im Wald des Nutzdenkens. Diesen kleinen, intuitiven Pfaden vertrauend folgend treffen wir unweigerlich auf das eigene Wesen, das so zeitlos auf uns wartet, wie ein*e Ureinwohnerin im Dschungel des Herzens …

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Even from childhood on, we have always had an inkling of our being. Moments in which one comes very close to oneself. This gets lost in the course of conditioning, but sometimes it breaks through again by itself, mostly without us doing anything …

Music – which really touched you early on – was already similar to the sound of your own being. Nature, books, pictures, encounters pointed it out, reminded us. Secretly we longed for it. To come home. To arrive …

Again and again unreasonable impulses appear, like breadcrumbs in the forest of reason. Following these small, intuitive paths, we inevitably encounter our own being, which is waiting for us as timelessly as a native in the jungle of heart…

 

LIKE GARDENS

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Irgendwie sind wir wie Gärten, in denen alles angelegt ist. Hier sprießen Tyrannen wie Opfer und Lust wie Verzicht. Die Persönlichkeit ist der*die Gärtnerin. Sie findet etwas im Garten, hebt es auf und denkt: Das bin ich …

Als wäre das Herz ein Bergwerk, in dessen Schächten man sich für immer verlieren kann. Bis der Pfeil des sich Wiedererkennens tiefer in die Wunde der Illusion dringt.
Sich zuerst in die Sprache der Krähen finden, früh am Morgen, wenn das große Wesen erwacht und sich an sich selbst erinnert …

Außerhalb der Persönlichkeit – dieser Burg der Geschichten über einem selbst – dem Zirkus des Rechthabens, gleitet man in die stillen Felder. Hier muss man sich nichts verdienen, die stillen Felder verströmen sich bedingungslos, sie nähren und halten dich, ob du reich bist oder arm, gesund oder krank, beliebt oder vergessen …

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Somehow we are like gardens where everything is laid out. Here tyrants sprout like victims and lust like abstinence. The personality is the gardener. She*he finds something in the garden, picks it up and thinks: This is me …

As if the heart was a mine, in whose shafts you can lose yourself forever. Until the arrow of recognition penetrates deeper into the wound of illusion.
To find oneself first in the language of the crows, early in the morning, when the great being awakens and remembers itself …

Outside the personality – this castle of stories about yourself – the circus of righteousness, you glide into the silent fields. Here you don’t have to earn anything, the silent fields are unconditional, they nourish and hold you, whether you are rich or poor, healthy or sick, loved or forgotten …

 

HOME IS WHERE THE HEART IS Part 5

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Das Herz liegt da wie eine Tankstelle an einem sonnigen Tag. Es gibt einen Shop, die Möglichkeit zu tanken und der einfachste aller Rhythmen schlägt seinen Takt in die weite Landschaft, badamm, badamm …

Solange wir uns in der Trance der Gedanken und Geschichten über uns selbst befinden, sind wir wie Geister, die zwar auf dem wirklichen Grund des Seins tanzen und doch in Konzepten gefangen sind …

Im Herz zu sein, bedeutet ganz bei sich zu sein, im Seinsgrund zu landen, an der Wurzel des ich zu wachen, direkt zu empfinden und zu handeln ohne Vorstellungen oder mentale Anordnungen. Als würde die Puppe nicht mehr gespielt, sondern selbst lebendig sein. Der Geistertanz schwindet, das Gesicht verändert sich und man begegnet sich, erkennt sich wieder …

The heart lies there like a gas station on a sunny day. There is a shop, the possibility to refuel and the easiest of all rhythms drums its beat into the wide landscape, badamm, badamm …

As long as we are in a trance of thoughts and stories about ourselves, we are like ghosts dancing on the real ground of being and yet trapped in concepts …

To be in the heart means to be completely with oneself, to land in the ground of being, to wake up at the root of the I, to feel and act directly without ideas or mental orders. It is as if the puppet is no longer played, but is itself alive. The ghost dance disappears, the face changes and one meets and recognizes oneself again …

 

HOME I WHERE THE HEART IS Part 4

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Im Herz zu sein ist ein revolutionärer Akt. Wenn sich die Gesellschaft dem Leistungs, – Sicherheits- und Nutzdenken unterwirft und somit eine funktionierende doch leblose Welt kreiert, ist es nicht Luxus, sondern Notwendigkeit, dieser innigen Revolution zu folgen …

Dein aufrichtiges Hiersein ist die Eintrittskarte, dein Mögen öffnet es und deine Absichtslosigkeit lässt dich im Herzen verweilen. Gleichzeitig wechseln die Welten: Was uns umgibt, ist nicht mehr bloß das gewohnte Nichts – bestehend aus Begriffen und Namen – das man nicht mehr wirklich spürt …

Jedes noch so kleine Ereignis wird so nah wie ein Lebewesen, dessen Atem du spürst. Man versteht wieder die Sprache der Dinge. Die Stimmen deiner Vorfahren spielen im Wind, im Baum und im Schrei des Bussards. Alles was jemals war und sein wird ist eingebettet und durchdrungen in der Mystik des Seins. Es ist unmöglich, eine Welt schlecht zu behandeln, die du von Herzen her siehst …

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To be in the heart is a revolutionary act. When society submits to the effort, security and profit thinking and thus creates a functioning yet lifeless world, it is not luxury but necessity to follow this intimate revolution …

Your sincere being here is the ticket, your liking opens it and your lack of intention lets you linger in the heart. At the same time the worlds change: What surrounds us is no longer just the usual nothingness – consisting of terms and names – which one no longer really feel …

Every event, however small, becomes as close as a living being whose breath you feel. You understand the language of things again. The voices of your ancestors play in the wind, in the tree and in the cry of the buzzard. Everything that ever was and ever will be is embedded and permeated in the mysticism of being. It’s impossible to mistreat a world you see from your heart …