Das Normale und das Wunder / The normal and the miracle

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Etwas in uns flieht in das Unbewusste. Bewusst anwesend zu sein, ist, wie wenn ein Kind beschliesst, diesmal standzuhalten. Obwohl sich bereits während der ersten bewussten Momente sofort eine gewisse heitere Vertrautheit einstellt, möchte etwas in uns wieder unter den Mantel der unbewussten Gedankentrance schlüpfen, als wäre es dort in Sicherheit …

Bewusstsein breitet sich aus, bleibt nicht an den Körpergrenzen stehen, badet in lebendiger Stille und blickt entspannt aus sich heraus, mit den Augen alter Elefanten.
Bewusstsein ist wach und aufmerksam. Es verbindet sich mit den Dingen, während im Unbewussten der Geist im Nirgendwo festklebt …

Stilles, bewusstes Sein hat ganz schön Abenteuerlust, wenn es mal aus dem Gedankenkäfig kann, ist es zu allen möglichen Schandtaten aufgelegt und verführt seinen Wirt in verwegene Gebiete. Ein(e) Heiliger zu sein bedeutet wohl, in jene Bereiche des Menschseins einzutreten, in dem sich das Normale mit dem Wunder vermischt und dort zu bleiben …

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Sometimes we flee into the unconscious. To be consciously present is like a child deciding to stand up this time. Although a certain cheerful intimacy sets in immediately during the first conscious moments, something in us would like to slip under the cloak of unconscious mental trance again as if it were safe there …

Consciousness spreads, does not stop at the body borders, bathes in living silence and looks relaxed out of itself, with the eyes of old elephants.
Consciousness is awake and attentive. It connects to things, while in the unconscious mind clings to nowhere …

Silent, conscious being has a thirst for adventure, if it can get out of the thought cage, it is ready for all kinds of atrocities and seduces into daring areas. To be a saint is probably to enter into those realms of being human where the normal mingles with the miracle and stay there …

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Der Geschmack der Sterne / The taste of stars

Leda 1

Fotos: Renee Kellner

Leben ist Ringen um Präsenz. Aufzutauchen aus dem Traum der Dinge. Erwachen. Ständig möchte uns etwas in die Unbewusstheit zwingen, mit immer neuen Tricks …

1000 Selfies, um zu bezeugen, dass wir hier sind. Die Unmöglichkeit so zu leben, wie wir es uns wünschen, anstatt dessen Möglichkeit. Die Unruhe des Wollens, anstatt des subtilen Friedens des Habens …

Das, was die Sterne erschaffen hat, möchte sich in dir kennenlernen. Es bahnt sich seinen Weg durch die Person, die du zu sein glaubst.
Das, was den Stern zuinnerst bewegt, bewegt sich in auch in dir, einem sich selbst erkennenden Stern …

Leda 2

Life is a struggle for presence. Emerging from the dream of things. Awakening. Something constantly wants to force us into the unconscious, with lots of tricks …

1000 selfies to testify that we are here. The impossibility to live as we wish, rather than its possibility. The unrest of wanting, instead of the subtle peace of having …

What the stars created wants to get to know you. It makes its way through the person you think you are.
That which moves the star in the heart also moves in you, a self-recognizing star …

Human being vs human doing

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Die Verbindung mit den subtileren Seiten des Selbst geht nicht über das Tun, sondern nur über das Sein.
Man kann Bewusstsein nicht suchen, wenn man es jedoch ist, entzündet es sich wie ein Streichholz und die inneren Räume werden hell …

Es gibt keine wertvollere Zeit als bewusst anwesend zu sein, auch wenn die Verlockungen des Gedanken-Las-Vegas noch so großartig wirken.
Es stellt sich nur so dar, als wären wir getrennt vom Du und die Gewohnheit dieser Annahme erzeugt das Gefühl etwas brauchen zu müssen, dass nicht hier ist …

Ich und Du waren nie getrennt und sind es auch jetzt nicht. Man schaut in das Vergessen, in den Abstand, in die Abwesenheit, anstatt in das Finden, in die Nähe und in die Anwesenheit. Man sehnt sich nach dem Einen und meint, da wäre etwas im Weg, aber da ist nichts im Weg …

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Connection with the subtle parts of oneself is not about doing, but only about being.
One can not seek consciousness, but when one is consciousness, it kindles like a match and the inner spaces becomes bright …

There is no more valuable time than being present, even though the tantalizing Las Vegas – thoughts are so great.
It just seems like we are separate from the you, and the habit of assuming this creates the feeling of needing something that is not here …

Me and you were never separated and they are still not. One looks into oblivion, distance, absence, instead of finding, being near and being present. One yearns for the one and thinks there is something in the way, but there really is nothing in the way …

Stilles Reisen /Silent travel

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Ateliertag ist Reisetag. Zu den feinsten Orten in sich, wie zu den tiefsten oder zu den heftigsten. Kunst kann man nicht als Nebensache betreiben, da muss man schon fit sein, ordentlich dastehen, wie der Mond am Himmel …

Es ist die Zeit seine Konturen zu schärfen und sich kopfüber in das Meer im Inneren zu stürzen. Oder im Pyjama an die Türen der Götter zu klopfen. Sich immer wieder einen Strich durch die Rechnung machen lassen …

Entweder im süßen Taumel der Gegenwart sein, oder wie ein blinder Elefant durch den Porzellanladen laufen. Wachen hinter den Kulissen. Am Ort, wo die Fäden der Dinge zusammenlaufen …

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Studio day is travel day. To the finest places in oneself, as to the deepest or the most fierce. You can not do art as an afterthought, you have to be fit, stand well, like the moon in the sky …

It’s time to sharpen ones contours and head down into the ocean inside. Or to knock in pyjamas on the doors of the gods. Time and again to allow a spanner being thrown in ones plans…

Either being in the sweet tumult of the present, or run like a blind elephant through the china shop. Watching behind the scenes. In the place where the threads of things come together …

Wir Wachwandler / We wake walkers

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Stille ist unsere erste Haut. Sie ist nicht sichtbar und doch realer als der Atem. Sie ist das Ursprungsland, der Palast jenseits der Sinne …

Wir Schatzgräber im Grund der Dinge verscheuchen Gespenster wie Fliegen.
Passen wir nicht auf, hüllen uns ihre verführerischen Gesänge in unruhigen Schlaf …

Wir Wachwandler ziehen die Schleier der Trennung vom Paradies. Wir finden unter der Gedankenasche die Glut des Augenblicks …

Silence is our first skin. It is not visible and yet more real than breath. It is the country of origin, the palace beyond the senses …

We treasure hunters digging in the ground of things shoo away ghosts like flies.
If we do not pay attention, their seductive songs wrap us in restless sleep …

We wake walkers pull the veils of separation from paradise. Under thought-ashes we find the glow of the moment …

Das Spiel der Kunst / The game of art

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Ja, man kann auch gemalte Tassen zerschlagen! Willst du das Spiel der Kunst spielen, zieh dich besser warm an. Wenn du hier nicht alles riskierst, hast du schon verloren. Du legst dich mit Mächten an, die dir ein paar Nummern zu groß sind …

Man hat immer einen Preis zu zahlen, der Preis für Sicherheit ist der Tod im Leben. Witzig, denn man wählt ja Sicherheit, um dem Tod zu entgehen und dann kommt er doch durchs Hintertürchen und saugt dir Freude, Begeisterung, Kreativität, alles Lebendige aus dem Hirn …

Der Preis für die Lebendigkeit ist Sicherheit. Erst sich den Gewalten anzuvertrauen, füllt die Wesen mit Saft. Das Ertragen des Bodenlosen öffnet uns die Augen für die unvergleichliche Schönheit, in der wir stecken …

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Yes, you can smash even painted cups! If you want to play the game of art, dress better warm. If you do not risk everything here, you’ve already lost. You mess with powers that are a little too big for you …

There is always a price to pay, the price for security is death in life. Funny, because one chooses security to avoid death and then it comes through the back door and sucks joy, enthusiasm, creativity and everything alive out of the brain …

The price for liveliness is security. Only to confide in the acts of nature beyond control fills beings with juice. Enduring the bottomless opens our eyes to the incromprehensible beauty we are in …

Nur das Meer im Inneren / Only the sea inside

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Automatisch ablaufendes, konditioniertes Denken ist anstrengend, als würde man Möbel herumschieben. Noch dazu glaubt man, dabei dringend etwas zu brauchen. Es ist wie Suchtverhalten. Unbewusst nehmen wir an, wenn wir alles erledigt hätten und unsere Einrichtung komplett ist, wären wir fertige Personen und hätten das unbestimmte Ziel erreicht …

Wir begegnen und behandeln uns ständig im Funktionsmodus, so als würden wir das Meer im Inneren nicht mehr fühlen. Doch ohne dessen überwältigende Dimension, reduzieren wir uns zu bloßem Spielzeug …

Und doch ist da nur das Meer im Inneren, dessen gewaltiges, ehrfurchtsgebietendes Treiben. Die unauslotbaren Tiefen, die unvorhersehbaren Bewegungen. Wie die Berührung von Blinden am Grund der Dinge. Wie ein Kuss auf den Nacken der Nacht …

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Automated, conditioned thinking is exhausting, as if you were moving around furniture. In addition, one believes, to urgently need something. It’s like addictive behavior. Unconsciously, we suppose that if we would do everything right and our accommodation is complete, we would be perfect people and had reached the indefinite goal …

We constantly encounter and treat ourselves in functional mode, as if we no longer feel the ocean inside. But without its overwhelming dimension, we reduce ourselves to mere toys …

And yet there is only the sea within, its vast, reverential ado. The indefinable depths, the unpredictable movements. Like a touch of blind persons at the bottom of things. Like a kiss on the neck of night …