Stille ist das Subversivste / Silence is the most subversive

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Stille ist ganz am Anfang, sie ist der Beginn von allem. Aus ihr fließen Bäche der Intuition in die Wesen und bringen das Neue zur Welt. Alles hat einmal mit ihrer feinen Stimme begonnen, alles ist aus ihrem leisem Ruf entstanden. Danach wurden daraus Weltreligionen und politische Systeme geschaffen, die zwar in ihrem Kern noch die frische Wahrheit tragen, jedoch längst verkrustet sind starr, mächtig und tot …

Warum nicht am Anfang bleiben, die Zelte an der Quelle aufschlagen und ihren immer neuen Gesängen zu lauschen? Sie wollen durch uns zur Welt kommen, aus dem ewig Ungeformten in die Formen, immer neu, immer frisch. Wir sind gestaltende Wesen, die KünstlerInnen, HeilerInnen, Revolutionäre jedes Lebensbereiches, die sich am neu Geborenen erfreuen. Stille ist das Subversivste. Gegen ihren drängenden Wunsch in die Welt hinein – sich hier zu erfahren – können selbst die mächtigsten Gebilde und Despoten nicht standhalten …

Es beginnt in dir, du erkennst ihre Stimme, auch wenn sie noch so leise ist, auch wenn sie sich gar nicht von der Stille unterscheidet. Du selbst bist dieses Lied …

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Silence is at the beginning, it is the origin of everything. Streams of intuition are flowing from it into the beings and bring the new to the world. Everything started once with her fine voice, everything arose from her quiet call. Thereafter, world religions and political systems were created from it, which still carry the fresh truth in their core, but have long been encrusted, rigid, powerful and dead …

Why not stay at the beginning, pitch the tents at the spring and listen to her ever-new songs? They want to come into the world through us, from the eternally unformed into the forms, always new, always fresh. We are creative beings, the artists, healers, revolutionaries of every sphere of life who enjoy the newly born. Silence is the most subversive. Against her pressing desire into the world – to experience herself here amongst and within us – even the most powerful entities and despots can not stand …

It starts in you, you know her voice, even if it is so quiet, even if it does not differ from the silence. You yourself are this song …

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Der General und die Künstlerin / The general and the artist

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Es ist eigentlich ganz simpel: Sobald man bemerkt was gerade geschieht, ist man schon auf der bewussten Seite der Macht. Das ist so einfach, wie einen Lichtschalter anklicken.

O.k. zugegeben, wenn wir zu sehr in unserer persönlichen Geschichte verstrickt sind, ist es schwieriger, den Schalter zu finden. Da bedarf es immer wieder mal – wie eine Übung – auch mitten im Drama, das Licht anzudrehen. Das liegt in unserer Entscheidung. Und dann ist Raum um die Dinge, manchmal ist eine Handlung nötig, manchmal nicht, aber die psychologischen Probleme und die Anstrengung erheben sich kreischend wie Drachen in die Lüfte, segeln davon und es ist still …

Der psychologische Verstand steht wie ein General voll staunend an der Quelle der Dinge, kommt aber nicht klar, versucht seinen Tanz der Kontrolle: Sollte es nicht noch stiller/weiter/besonderer sein? Wie kann man das für immer anhalten? Mache ich vielleicht etwas falsch? Was kommt als Nächstes? Der General patrouilliert an den Ufern der Stille und ruft seine Kommandos in die Weite. Doch seine Drachen sind schon abgezogen und die Kommandos werden leiser. Du versinkst ganz und gar im Meer der Stille und des Nicht-Wissens, dem Geburts- und Todesort der Dinge …

Hier ist eine andere Kommunikation im Gange, das Rationale funktioniert nicht mehr, ab hier zeigt dir die Freude den Weg, die Inspiration und die leisen Stimmen der Intuition. Die Stille ist beides, ruhig und dynamisch, sie schluckt dich ganz und spuckt dich voll lebendig wieder aus. Dann stehst du an ihren Ufern nicht mehr als General, sondern als KünstlerIn, nicht um jemand zu besiegen, sondern um über die eigene Furcht zu wachsen …

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It’s actually quite simple: as soon as you notice what’s happening right here, you’re already on the conscious side of the force. It’s as easy as clicking a light switch.

OK. admittedly, if we are too involved in our personal story, finding the switch is more difficult. Again and again it takes – like an exercise – in the middle of the drama to turn on the light. That’s within our decision. And then there is space around things, sometimes an action is needed, sometimes not, but the psychological problems and the effort rise screeching like dragons in the air, sail away and it is quiet …

The psychological mind, like a general, stands amazed at the source of things, but cannot do something with it. He tries his dance of control: should it not be stiller / farther / more special? How can i keep that forever? Am I maybe doing something wrong? What’s next? The general patrols the banks of silence and calls his commands into the distance.
But his dragons have already left and the commands get quieter. You sink completely into the sea of ​​silence and not-knowing, the place of birth and death of things …

Here is another communication in progress, the rational one no longer works, from here  joy shows the way, inspiration and the quiet voices of intuition.
The silence is both calm and dynamic, she swallows you completely and spits you out alive again. Then you do not stand on her shores anymore as a general but as an artist, not to defeat someone, but to grow over your own fear …

Heilig Abend / Christmas Eve

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Trotz geschwollenem Knöchel, beleidigtem Magen und viel zu schweren Koffer lande ich am 24.12. abends gut in Wien. Noch immer trunken und selig von dem Kunstabenteuer in Marokko taumle ich am Heiligen Abend in die Arme meiner lieben Familie …

Weihnachten hat bei uns immer so einen leichten Irrenhausbeigeschmack. Die Hälfte der Teilnehmenden möchte nicht mehr leben, die einen wollen singen, die anderen nicht. Jemand wird plötzlich total müde und muss schnell nach Hause, vorher sollten aber noch die Geschenke verteilt werden, es sind aber noch gar nicht alle Gäste gekommen. Einer telefoniert die ganze Zeit am Balkon vor lauter Liebeskummer und die Königin des Familiensystems ist überfordert, weil sie einfach Weihnachten feiern möchte, zumindest halbwegs so, wie es sein sollte. Noch dazu haben wir über die Feiertage immer eine neue noch nicht eingeschulte 24- Stundenbetreuung für unsere Tochter …

Der Tochter geht es natürlich nicht gut in dem Chaos und sie beschwert sich lautstark. Sie hat kräftige Lungen und eine große Seele. Die Fähigkeiten, die Menschen scheinbar selbstverständlich im Heranwachsen entwickeln, konnte sie noch nicht lernen, auf ihrer nun schon 14-jährigen Erdenreise …

Die Königin des Familiensystems flieht in das Atelier, sie musste während meines einmonatigen Kunstabenteuers in Marokko alleine standhalten, und jetzt ist es genug.

Ich gehe mit der Tochter in ihr Zimmer, damit sie sich beruhigen kann. Die neue 24-Stundenbetreuung, eine fast nur ungarisch sprechende Dame, folgt uns. Sie versucht mir zu erklären, wie schwierig es sein muss, ein behindertes Kind zu haben und bricht dabei immer wieder in Tränen aus, während die Tochter immer noch am Schreien ist …

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Ich schlage der ungarischen, sehr herzlichen Dame vor, ein bisschen was für sich zu tun, ein kleiner Weihnachtsspaziergang vielleicht? Sie nimmt unter Zögern an und ich bin mit der Tochter allein. Es ist wunderbar still und sie beruhigt sich, rollt sich zusammen mit ihren superbiegsamen Gliedern, meine Hand ruht auf ihren Rücken. Und da ist wieder diese Verbindung: Es ist, als würden wir in eine parallele Landschaft sinken, die viel weiter, stiller und einfacher als die gewohnte Welt ist.

Hier ist sie völlig unversehrt, hier gibt es nichts, das nicht komplett wäre. Sie sieht mich nicht direkt an und dennoch fließen wir im selben Strom. Die Tochter hat mir diese stille Landschaft gezeigt, diesen Ort, an dem nichts fehlt und alles mehr als ganz ist. Da ist so viel Dankbarkeit. Heilig Abend.

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Despite a swollen ankle, an offended stomach and too heavy suitcases, I land well in the evening of 24.12. in Vienna. Still drunk and blessed by the art adventure in Morocco I stagger on Christmas Eve in the arms of my dear family …

Christmas always has a slight whimsical taste with us. Half of the participants do not want to live anymore, some want to sing, others do not. Someone suddenly gets really tired and has to go home quickly, but before that the gifts should be distributed, but not all the guests have arrived yet. On the balcony someone talks the whole time via cell phone to his beloved about his sheer heartache and the queen of the family system is overwhelmed because she just want to celebrate Christmas, at least halfway as it should be. In addition, we have over the holidays always a new, not yet trained, 24-hour care for our daughter …

The daughter of course does not feel well in the mess and she complains loudly. She has strong lungs and a big soul. On her 14-year earthly journey she has not yet been able to learn the skills that people seem to develop as a matter of course …

The queen of the family system flees to the studio, she had to stand alone during my month-long art adventure in Morocco, and now it’s enough.
I’m going with the daughter to her room so she can calm down. The new 24-hour care, a Hungarian-speaking lady, follows us and tries to explain how difficult it must be to have a disabled child, and starts crying every now and then while the daughter is still screaming …

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I suggest to the Hungarian, very cordial lady to do something for herself, a little Christmas walk perhaps? She accepts hesitantly and I’m alone with the daughter. It is wonderfully quiet and she calms down, rolls herself with her supple limbs, my hand resting on her back. And there’s that connection again: it’s like sinking into a parallel landscape that’s much farther, quieter, and simpler than the familiar world.
Here she is unbroken, there is nothing that would not be complete. She does not look at me directly and yet we are flowing in the same stream. The daughter has shown me this quiet landscape, this place where nothing is missing and everything is more than whole. There is so much gratitude. Christmas Eve …

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Winter in Wien / Winter in Vienna

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Die Stille in Wien ist dieselbe wie in Marokko. Du schließt die Augen und schon ergießt sich das glitzernde Dunkel und hüllt dich ein …

Stille lässt sich nur durch lebendige Begegnung mit ihr erfahren, als mentales Konzept funktioniert sie nicht. Und um ihren Zauber zu spüren, braucht es vertrauen. Solange wir Sicherheit und das wirklich Wichtige woanders suchen, bleibt sie im Hintergrund. Sie möchte die Nummer eins sein, dann erst schenkt sie aus dem Vollen ein …

Im Wiener Winter begegnet einem als Erstes diese würzige frische Luft, wenn man das Haus verlässt. Wien ist vielleicht nicht so bunt wie Marrakesch, hat aber auch einiges zu bieten: Am Bahnsteig der U-Bahn-Linie U2 Volkstheater richten sich alle Augen auf eine Dame mittleren Alters, die nur mit einem transparenten Unterkleid und Flip-Flops bekleidet auf die U-Bahn wartet. Die anderen Fahrgäste – durchwegs in dicke Winterkleidung gehüllt – entwickeln bei ihrem Anblick entgleiste Gesichtszüge oder schauen verkrampft woanders hin. Ihr unbewusster Hang zur Konformität ist schwer erschüttert. Das Unterkleid dieser besonderen Dame ist kurz, der Ansatz ihrer Pobacken gut sichtbar und nur ihre Brustwarzen verraten, dass auch sie die Kälte wahrnimmt. Obwohl ihr Haar verfilzt ist, ist ihr Blick klar und ihre Haltung bereit …

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The silence in Vienna is the same as in Morocco. You close your eyes and the sparkling darkness pours out and envelops you …

Silence can only be experienced through a living encounter, to meet her directly, it does not work as a mental concept. You need trust to feel her magic. As long as we are looking for security and what’s really important elsewhere, it stays in the background. She wants to be the number one, then she will give you everything in abundance …

In Viennese winter, you first encounter this spicy fresh air when you leave the house. Vienna may not be as colorful as Marrakech, but it also has a lot to offer: At the platform of the underground line U2 Volkstheater all eyes are on a lady of middle age, wearing only a transparent undergarment and flip-flops waiting for the U Train. The other passengers – all wrapped in thick winter clothes – develop at their sight derailed facial features or look cramped somewhere else. Their unconscious tendency to be conform is severely shaken. The undergarment is quiet short, parts of her buttocks clearly visible and only her nipples reveal that she also perceives the cold. Although her hair is matted, her gaze is clear and her attitude ready …

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Das Land hinter dem Spiegel deiner Gedanken / The land behind the mirror of your thoughts

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Die Stille ist Abenteuer, das Medium für deine Reise. Ihre knisternde Präsenz ist schon der Eintritt. Hier kennt der Raum keine Zeit und ist noch nicht geformt. Hier wohnt der ungeschaffene Moment in Freiheit, lässt sich nicht manipulieren, nicht festhalten …

Er zeigt sich erst, wenn du dich zeigst. Du blickst in den Spiegel, bist halb du selbst und halb ein(e) Fremde(r). Du gehörst dir nicht mehr, dein Körper ist ein fremdes Tier. Du findest vielleicht nie wieder gewohnten Grund. Du bist im Land ohne Anfang und ohne Ende. In dieser Weite findest du nichts, das nicht dazugehört. Sie öffnet sich wie eine Blume und ihre Gesamtheit und Unversehrtheit enthüllt sich …

Die Krüge hier sind gefüllt mit Wein, der deine Glieder sprechen lässt und dich füllt mit lautem Sein. Die Welt ist wie mit Fingern gemalt und die Bewegungen des Tieres sind fraglos …

Silence is adventure, the medium for your journey. Her crackling presence is already the entry. Space knows no time here and is not yet shaped. Here the uncreated moment lives in freedom, can not be manipulated, nor held tight …

It does not show itself until you show yourself. You look in the mirror, you are half yourself and half a stranger. You do not belong to yourself anymore, your body is a strange animal. You may never find your usual ground again. You are in the country without beginning and without end. In this vastness you will not find anything that does not belong. It opens like a flower and its completeness and integrity is revealed …

The pitchers here are filled with wine that lets your limbs speak and fills you with loud being. The world is painted as if with fingers and the animal’s movements are unquestionably …