Stilles, bewusstes Sein / Silent, conscious being

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Fotos: Renee Kellner

Stilles Bewusstsein zu suchen ist, als ob man in einem Raum voll weißem Licht, weißes Licht sucht, oder eine Gurke in einer Gurke sucht. Es geht einfach nicht, weil es überall ist und auch man selbst daraus besteht …

Was funktioniert ist, selbst die Qualitäten zu verkörpern, die stilles bewusstes Sein ausmachen, wie Offenheit und Verfügbarkeit. Wenn einem dann Freundlichkeit und so eine Glut von Freude aus dem Sein entgegenwehen, ist das eine Art Bestätigung auf dem richtigen Dampfer zu sein …

Der Unterschied von Lebensqualität ist enorm: Entweder man hetzt durch die engen nervigen Gassen des unbewussten Denkens oder man schlendert durch breite malerische Boulevards. Entweder die Dinge knallen einem um die Ohren, oder sie schweben in genau dem richtigen, knusprigen Tempo heran …

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To seek silent consciousness is like looking for a white light in a room full of white light or looking for a cucumber in a cucumber. It’s just not possible, because it’s everywhere and you’re made of it …

What works is to embody the qualities that constitute silent conscious being, such as openness and availability. And then, when kindness and such a glow of joy accommodates you out of the blue, you can take it as a sign of confirmation …

The difference in quality of life is enormous: Either you walk through narrow, annoying alleys of unconscious thinking or you stroll through wide picturesque boulevards. Either things are banging around your ears, or they’re hovering at exactly the right crispy pace …

Der sanfte Besucher / The gentle visitor

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In der zweiten Vollmondnachthälfte verhüllt der Berg Arunachala seinen Gipfel in einer Wolke, während hinter ihm ein Stern aufgeht und ein großer Nachtvogel auf die Jagd geht. Von unten treiben Chants, Flöten, Glocken und indisches Popgemisch an den Berg heran. Doch sie spülen ihn nur an, berühren ihn nicht wirklich. Arunachala ist hier in seiner Größe durch alle die Jahrtausende. Wohl auch deswegen war dieser Berg wohl seit jeher ein wichtiger Lehrer für viele. Er bleibt ganz sich selbst in seinem mondhellen Kleid.
Ab und zu halten die Zikaden mit ihrem Trrrrrrrrr … inne und es entsteht so ein absolut inniger, hoher Ton …

Das, was man gerade erlebt, ist wie eine Spiegelfläche. Von einer Seite wird es von der Persönlichkeit betrachtet, es wird bewertet und „zerlegt“ und polarisiert. Von der anderen Seite sieht der sanfte Besucher zu. Sein Sehen ist ganz anders, es beinhaltet keine Vergangenheit und keine Persönlichkeit und es ist auffallend, das er überhaupt nicht wertet, kein bisschen …

Der sanfte Besucher erlebt dasselbe Ereignis vollkommen anders als die Person, er durchmisst die Tore deiner Sinne mit freudigem Interesse, wie ein Fan. Genießt erstaunt dein Erleben in der Welt, egal was das gerade ist, denn allein die Tatsache, DASS er es erleben kann, ist so erfüllend. ES möchte applaudieren. Der sanfte Besucher erlebt die Welt so, wie du es dir wünscht, doch als Person kannst du das nicht so erleben, weil du Ereignisse und Begegnungen wertest und zerlegst …

Wenn du den sanften Besucher zu Gast haben möchtest, dann lade ihn ein. Schon allein die Einladung verändert alles, egal ob er nun kommt oder nicht. Sei bereit dem Besucher deine Welt zu zeigen, jeder Aspekt deines Menschseins ist ihm willkommen, egal welches Programm gerade läuft, egal was gerade zur Hand ist, zeige es ihm, es beinhaltet auch eine gewisse Süße: Die Delikatesse der Menschlichkeit. Du kannst dem sanften Besucher kein besseres Geschenk anbieten …

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During the second half of the full moon night Mount Arunachala covers himself with a cloud, while behind him a star rises and a large night bird starts hunting. Chants, flutes, bells and Indian pop mix drift up to the mountain from below. But they only rinse it, do not really touch it. Arunachala is in his full size through all the millennia. That is probably why this mountain has always been an important teacher for many. He stays completely himself in his moonlight dress.
From time to time the cicadas stop with their trrrrrrrrrrr … and this creates an absolutely intimate, high tone …

What you are experiencing is like a mirror surface. From one side it is considered by the personality, it is rated, „decomposed“ and polarized. From the other side, the gentle visitor watches. His vision is very different, it does not include a past or personality and it is striking that he does not value at all, not a bit. The gentle visitor experiences the same event completely different than the person, he strides across the gates of your senses with joyful interest, like a fan. He enjoys your experience in the world, no matter what that is, because just the fact that he can experience it, is so fulfilling. IT wants to applaud. The gentle visitor experiences the world as you would love to, but as a person, you can not experience it like this because of the way you value and disintegrate events and encounters …

If you want to welcome the gentle visitor, invite him. Just the invitation changes everything, no matter if he comes or not. Be ready to show your world to the visitor, every aspect of your humanity is welcome to him, no matter what program is currently running, no matter what is at hand, show it, it also contains a certain sweetness: the delicacy of humanity. You can not offer the visitor a better present …

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Vollmond / Full moon

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Die Amphibien in den mit Wasser gefüllten Steinbecken sehen irgendwie wie Spielzeugfrösche aus. Sie sind so klein und putzig, wenn sie schnell vom Rand ins Wasser springen, wenn jemand vorbeigeht und sie haben auch so ein eigenartiges hölzernes Schnattern. Wenn du barfuß auf die glatten, lang gezogenen Felsen gehst, fühlt sich das an, wie wenn du auf alte Schlangenhaut steigst.
Der lebhafte Wind wühlt die Baumkronen auf, in denen auch so manches schwere Tier mitschaukelt. Die helle Nacht besteht fast nur aus wogenden Geräuschen, jeder Baum rauscht in unterschiedlicher Pracht …

Viele weise Menschen haben die Höhlen vom Arunachala, einem der wichtigsten Orte der indischen Mythologie, zeitweise bewohnt. Wir übernachten in der Höhle in der Poonjaji gelebt hat, ein versteckter Ort, kaum bekannt und äußerst bezaubernd …

Zu den beiden Vollmondnächten ist hier wirklich was los. Wenn der Mond das erste Mal hinter dem Arunachala auftaucht, setzen sich zwischen einer halben Million und 10 Millionen Menschen (so die unterschiedlichen Schätzungen der Einheimischen) in Bewegung und umrunden zu Fuß den Berg. Die Hauptstraße ist jeden Monat für 24 Stunden gesperrt …

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Während das Treiben seinen Gang nimmt, versuchen wir in der Höhle – relativ windgeschützt – die Nacht durchzuwachen. Man muss sich doch alles Anziehen, was nur irgendwie mit dabei ist, winziger Haken: meine spärliche Kopfbehaarung. Da pfeift der Wind ordentlich drüber und mit Hut schläft man bekanntlich nicht sehr gut. Aber ich habe noch eine Reserveunterhose mit und flugs eine Technik entwickelt, wie ich mir die als Haube nützlich machen kann. Durch die Bauchöffnung kann man nicht schlüpfen, zu groß, aber durch eine Beinöffnung geht, drüberziehen, fertig!
Um nicht einzuschlafen wird gezeichnet, schnell mit dem patzenden Kugelschreiber übers Blatt gesaust, so schnell wie die Ströme der Nacht, so ziehend wie die zirpenden Klangteppiche im Dunkel, so hell wie der Regen aus Mondlicht …

Künstlerisches Werken ist eine unpraktische Tätigkeit, daher eignet es sich gut für rituelles Tun, in dem man alles spürt und gleichzeitig etwas macht, wie aktive Meditation. Und bald übernimmt etwas die Regie. Etwas möchte sich hier als Künstler erleben. Ich wetteifere mit dem Berg in Punkto Realität, wer von uns echter ist und muss mich bald kläglich geschlagen geben. Gegen ihn bin ich ein flüchtiges Realitätszwergerl mit einer Unterhose am Kopf. Lässig erstrecken sich die Felsrücken rund um mich und ich kann diesen Berg nur anhimmeln bis in die frühen Morgenstunden.

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The amphibians in the stone basins filled with water somehow look like toy frogs. They are so small and cute when they jump quickly from the edge into the water when someone passes by and they also have such a weird wooden chatter. If you walk barefoot on the smooth, long-drawn rocks, it feels like climbing on old snakeskin.
The lively wind stir up the treetops, in which many a heavy animal swings along. The bright night consists almost only of billowing noises, every tree rushes in different splendor …

Many wise people have temporarily inhabited the caves of Arunachala, one of the most important places in Indian mythology. We stay in the cave where Poonjaji lived, a hidden place, little known and extremely enchanting.

The two full moon nights are a big show around here. When the moon appears for the first time behind the Arunachala, between half a million and 10 million people (according to the different estimates of the locals) set in motion and walk around the mountain on foot. The main road is closed for 24 hours every month …

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While the hustle and bustle takes its course, we try in the cave – relatively sheltered – to stay awake all night. its starting to get chilly so you have to wear everything, which is avaliable, and there is a tiny snatch: my sparse head hair. The wind blows fiercly  over it and with a hat on you cannot lay down very well. But I still have a spare underpants and quickly developed a technique that makes it useful as a hood. Through the abdominal opening you can not slip through, too big, but go through a leg opening, pull over, done!
In order not to fall asleep sketching works perfectly fine, swiftly moving over the sheet of paper with the spilting ballpoint pen, as fast as the streams of the night, as dragging as the chirping sound carpets in the dark, as bright as the rain of moonlight …

Artistic work is an impractical activity, so it is well suited for ritualistic activity where you feel everything and at the same time do something, like active meditation. And soon something takes over. Something would like to experience itself here as an artist. I am competing with the mountain in terms of reality, who is more genuine of us and I am soon be pitifully conquered. Compaired to him I am a fleeting reality dwarf with a pair of underpants on my head. The rocky ridges extend casually around me and I can only adore this mountain until the early morning hours.

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