Märchen / Fairy tales

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Fotos: Renée Kellner

Es ist wie im Märchen: In jedem von uns wohnt, verwunschen im Königsschloss des Körpers, das Eigentliche, das Kostbarste. Zwar gut geschützt – überwachsen von dichtem Rosengeflecht – sehnt es sich dennoch nach dem erlösenden Kuss …

Immer wieder dringt ihr Ruf in unser Alltagsleben. Die beiden älteren Söhne des Königs hatten sich schon auf den Weg gemacht zu ihr gemacht allerdings ohne Erfolg, denn sie wollten das Kostbarste nur als ein Mittel zum Zweck, was gar nicht geht. Der jüngste Sohn allerdings, macht sich auf, um das Eigentliche an sich kennenzulernen. Er muss zuerst die Aufgaben lösen, er erkennt, dass nur er selbst Zugang findet, weil er das System des Königsschlosses kennt …

Nur er weiß, wie die eigene Persönlichkeit tickt, er kennt alle Schlupfwege und Mechanismen, die das Kostbarste verborgen halten. Er weiß, dass das ganze Schloss verwunschen ist, in einem Bann gehalten wird. Wie durch Zauberspruch wird man in dem Schloss ständig abgelenkt, sobald man sich auf die Fährte macht das Wesentliche zu finden, wirft jemand einen Stein in das Gebüsch und schon ist man wieder abgelenkt. Die alte Hexe zaubert ständig neue Geschichten in die Gedankentrance, nur um das Kostbarste zu verschleiern und so vergehen die Jahrhunderte …

Der jüngere Sohn kennt nicht nur, was den Bann aufrechterhält, er weiß auch genau, was hilft. Er lässt sich nicht so leicht von den Geschichten ablenken, bleibt beim direkten Erleben. Wenn er mit dem Auto fährt, gibt er sich ganz dem Ballett der schwingenden Wagen hin und nicht den Gedanken. Wenn er sich die Haare kämmt, spürt er die Spur der Freude, die sein Kamm wie ein feiner Pflug in die Kopfhaut zieht und nicht das geile Drama seines Kopfkinos. Wenn er sich doch mal ablenken lässt, kehrt er bald mit seiner Aufmerksamkeit zum Wesentlichen zurück, verliert es nicht aus dem Sinn …

Nur der jüngere Sohn kann den inneren Garten betreten, weiß um die Kernigkeit seiner Knospen, um das heilende Kraut. Weil er sich nicht ablenken lässt, sieht er den goldenen Schlüssel und öffnet den Raum für das Kostbarste …

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It’s like in a fairy tale: In each of us dwells the real, the most precious in the royal castle of the body. Although well protected – overgrown with dense rose netting – it still longs for the redeeming kiss …

Again and again her call gets out into our everyday life. The king’s two older sons had already set out on their journey, but to no avail, for they wanted to incorporate the most precious only as a means to an end, which does not work at all. The youngest son, however, sets off to get to know the real thing for itself. He first has to solve the tasks, he realizes that only he himself has access because he knows the system of the royal castle …

Only he knows how his own personality is ticking, he knows all the slipways and mechanisms that hide the most precious. He knows that the whole castle is bewitched, kept in a hex. As if by spell, one is constantly distracted in the castle, as soon as one gets Close to the essential, someone throws a stone in the bushes and one is distracted again. The old witch constantly conjures up new stories in the trance of thought, only to disguise the most precious and so pass the centuries …

The younger son not only knows what keeps the spell, he also knows exactly what helps. He is not easily distracted through the stories, remains in direct experience. When he drives, he gives himself completely to the ballet of the swinging cars and not to thought. When he combs his hair, he feels the trace of joy that pulls his comb like a fine plow in the scalp and not the lustful drama of his head cinema. If he lets himself be distracted, he soon returns to the essential, does not lose sight of it …

Only the younger son can enter the inner garden, knowing the essence of its buds, the healing herb. Because he does not let himself be distracted, he sees the golden key and opens the chamber of the most precious …

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Blues in Paradise

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Fotos: Renée Kellner

Immer wieder mal kommen DIESE Gefühle zu Besuch, hüllen einem in kratzige Filzdecken und trübe Wolken. Jaja, entzünden sich die alten Stimmen, irgendetwas läuft hier ganz falsch und man verdächtigt auch bereits jemanden sehr wohl schuld an dem ganzen Dilemma zu sein. Manchmal ist es jemand bestimmter, meistens ein enger Angehöriger oder das ganze Universum, manchmal man selber. Der Blues ist zu Gast und spielt seine Mundharmonika …

Für das Drama braucht man die passende mentale Geschichte, je fester man daran glaubt, je stärker die Überzeugung ist, recht zu haben, desto wirklicher wird das Ganze. Und das treibt dann in all seiner Ernsthaftigkeit umher, wie Rauch der sich bereitwillig in den Wind reibt …

Das Gesicht der Liebe versteckt sich hinter all dem Gedöns und grinst wie die Sonne hinter Wolken. Sie hat leicht lachen, aus einer gewissen Distanz betrachtet entbehrt es ja auch wirklich nicht eines gewissen Humors. Wie wir da in unseren Dramablasen hocken, ganz sicher recht haben, gegen Gott und die Welt wettern, weil wir einfach nicht bekommen, was wir wollen …

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Again and again, THESE feelings come to visit, wrap you in scratchy felt blankets and murky clouds. Yah yah, the old voices ignite, something is going quite wrong here and someone is already suspected guilty causing the whole dilemma. Sometimes it is someone particular, usually a close relative, or the whole universe, sometimes oneself. The Blues is a guest and plays his harmonica …

You need the right mental story for the drama, the harder you believe in it, the stronger the conviction is to be right, the more real the whole thing becomes. And that goes on in all its seriousness, like smoke rubbing willingly into the wind …

The face of love hides behind all the fuss and grins like the sun behind clouds. Its all very well for her to laugh, but from a certain distance it really does not lack a certain humor. How we are sitting there in our drama bubbles, certainly right, raging against God and the world, because we just do not get what we want …

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Weckruf / Wake up call

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Foto: Renée Kellner

Die stille Riesin, die in deiner Form geschlafen hat, erwacht. Sie hat keine Grenzen, erstreckt sich ewig inmitten der Phänomene. Ihr Atem strömt durch die Geheimgänge der Herzen. Sie durchdringt dich, ihr seid jederzeit zusammen und doch kannst du sie niemals besitzen. Euer zu Hause ist die Weite des „Hier“ und es ist immer offen. Dankbar, sich selbst kennenzulernen, feiert sie mit dir hier den Augenblick …

Doch etwas in dir möchte dich in die Geisterstadt der Gedanken entführen, dort erntest du Geistergras, versklavt von niemanden, gespalten und verstrickt. Dort irrst du verschwunden in den Gassen, glaubst den Straßenhändlern, die an dir zerren und dir ihren hohlen Tand verkaufen wollen. Sie erzählen, dass dir etwas fehlen würde, dass du noch nicht komplett wärst und sie könnten dir zeigen, wo du zu suchen hättest, etwas Bedeutsames, etwas Wichtiges …

Langsam, langsam, über die Jahrtausende findest du deinen Weg zurück ins „Hier“. Wenn du den alten Stimmen nicht mehr glaubst, wenn du gar nichts mehr glaubst, spürst du bereits die stille Präsenz der Riesin und das Hier breitet sich aus. Dieser wilde, lebendige Raum, in dem rein gar nichts fehlt, in dem du immer so willkommen bist, wie du gerade bist …

 

 

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The silent giantess, who has slept in your form, awakens. She has no limits, extends forever in the midst of phenomena. Her breath streams through the secret passages of hearts. She pervades you, you are always together and yet you can never own her. Her home is the vastness of  „here“ and it is always open. Thankful to meet herself, she celebrates the moment with you …

But something in you wants to kidnap you into the ghost town of thoughts, where you harvest ghost grass, enslaved by no one, split and entangled. There you are lost in the alleys, believing the street vendors, who tug at you and try to sell their hollow trumpery. They tell you that you are missing something, that you are not yet complete and they could show you where to find, something significant, something important …

Slowly, slowly, over the millennia you will find your way back to „here“. If you no longer believe the old voices, if you no longer believe in anything, you already feel the silent presence of the giantess and the here spreads out. This wild lively space, where nothing is missing, where you are always welcome just as you are …

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Das alte und das neue Spiel / The old and the new game

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Fotos: Renée Kellner

Das alte Spiel eine bestimmte Person zu sein, hat einen starken Magnetismus. Wir sind so gewohnt, danach zu streben diese Person zu verbessern oder zu beschützen. Wir kehren ganz automatisch gedanklich immer wieder zu unseren Wünschen, Hoffnungen und Befürchtungen …

Wir selbst halten das alte Spiel aufrecht, weil wir es auch mögen, wenn wir bloß dies oder jenes noch erreichten, wäre alles gut. Das Kleingedruckte in dieser unausgesprochenen Verpflichtung übersehen wir: Mangel, Angst, Anstrengung und Leid schleichen an der Seite unseres Kampfwagens …

Dabei brauchen wir kein langes Gesicht zu machen, wir sitzen mitten an der Diamantentafel, halten den Kopf wie eine Knospe ans Licht. Weigern wir uns wirklich an das alte Spiel zu glauben, entfaltet sich das neue Spiel von Selbst. Das, was wir immer übersehen haben, tritt aus dem Verborgenen, mit einer Präsenz, so klar und einfach, dass unser Kampfwagen fällt und Freude an unserer Seite schleicht …

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The old game of being a particular person has a strong magnetism. We are so used striving to improve or protect this person. In our thoughts we automatically return continuously to our wishes, hopes and fears …

We ourselves keep the old game alive, because we like it, if only we could achieve this or that, everything would be fine. We overlook the small print in this unspoken commitment: lack, fear, effort and suffering sneak by the side of our chariot …

We do not have to make a long face, we sit in the middle of the diamond table, keep our heads like buds to the light. If we really refuse to believe in the old game, the new game unfolds by itself. What we have always overlooked emerges from the hidden, with a presence so clear and simple that our chariot falls and joy pokes along our side.

Am Grund der Dinge / At the bottom of things

 

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Du rinnst wie Sand im Stundenglas, all das Aufgewühlte sinkt zu Boden. Am Grund der Dinge ist es still …

Am Grund der Dinge breitet sich der Morgen aus, als wär er ewig. Die Geschichten in deinem Kopf brechen wie Eierschalen an der Weltenwand. Übrig bleibt das neue Land, die Vergangenheit hat ihre Anker gelichtet und zieht fort zu den blauen Bergen am Horizont …

Platzen die Gedanken wie Seifenblasen, bleibt allein deine Beziehung zum Grund der Dinge. Ist er Freund oder Feind? Ist er etwas, dass du manipulieren oder kennenlernen willst?

Selbst wenn Gewalten durch die frischen Lande ziehen und es bläst uns volle Kanne um, stehen wir doch wieder auf, nackt, verliebt und bereit zu neuen Schandtaten …

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You run like sand in the hourglass, all the turbulence sinks to the ground. At the bottom of things, it is quiet …

At the bottom of things, the morning spreads as if it were eternal. The stories in your head break like egg shells on the world wall. Only the new country remains, the past has eased its anchor and continues to the blue mountains on the horizon …

When thoughts burst like soap bubbles, only your relationship with the bottom of things is left over. Is it a friend or an enemy? Is it something that you want to manipulate or get to know?
Even when forces run through the fresh lands and blow us down, we stand up again, naked, in love and ready for new outrages …

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Spieglein, Spieglein an der Wand / Mirror Mirror on the wall

 

 

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Fotos: Renée Kellner

Durch die Mauer der Trennung sieht man die Magie der Dinge nicht mehr. Der psychologische Verstand – der alte Schmuggler und Schwarzmarkthändler – kreiert durch das Gefühl der Trennung, den Verlust von etwas Wesentlichen und beginnt dann auch gleich damit ein Problem zu entwickeln und Lösungsmöglichkeiten zu finden. Er leitet die Suche an und vertieft damit den Glauben, das, wonach wir uns sehnen, sei nicht da …

Wenn die Wand zum Spiegel wird, enthüllt dieser das ausgefuchste Spiel, indem er all die unbewussten Geschäfte des Denkens NICHT zeigt. Er zeigt nicht Wünsche und Wollen, er zeigt nicht, was fehlt, nicht, was falsch läuft, nichts, was im Weg ist, keine religiösen oder politischen Parolen, nichts auf das man warten müsste und nichts, was man glaubt, noch suchen zu müssen …

Wenn die Wand zum Spiegel wird, zeigt dieser nur, was wirklich hier ist. Er zeigt das vergessene Gesicht, bringt alles hierher zurück, was ausgelagert wurde. Was auch immer man performt, reflektiert er, ohne zu werten. Auch wenn man alle Manipulationstricks mit ihm versucht, hilft er bloß, durch sein Spiegeln, zu erkennen. Der Weltenspiegel hat keine Agenda, er spiegelt alles gleich gern …

Wenn die Wand zum Spiegel wird, entsteht im Spiegeln Stille – das freundliche Nichts. Obwohl der Spiegel, außer zu reflektieren, nichts tut, verändert sich dadurch alles. Durch das Erkennen lösen sich die inneren Haltegriffe und erste, freie Schritte sind wohlwollend möglich …

Der Spiegel ist riesig, die Einladung der Stille enorm. Hier geht es nicht um nachgeordnete Ziele wie im Denken, sondern um das direkte Atmen von Sternenstaub, um den freien Moment, um die Gnade der Auslöschung der Verwunschenheit allen Ernstes eine bestimmte Person sein zu müssen …

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Through the wall of separation one can no longer see the magic of things anymore. The psychological mind – the old smuggler and black market trader – creates through the illusion of separation, the feeling of loss of something essential and then immediately starts to develop a problem and try to find solutions. He initiates a search and deepens through that the belief that what we long for is not here …

When the wall becomes a mirror, it reveals the leery game by NOT showing all the unconscious business of thinking. The mirror does not show wishes and wills, he does not show what is missing, not what goes wrong, nothing that gets in the way, no religious or political slogans, nothing to wait for and nothing to look for …

When the wall becomes a mirror, it only shows what is really here. He shows the forgotten face, brings everything back here, what was outsourced. Whatever one performs, he reflects without judging. Even if you try all the manipulation tricks with him, he only helps to recognize by his mirroring. The World Mirror has no agenda, he likes to reflect everything …

When the wall becomes a mirror, silence arises in the mirroring – the friendly nothingness. Although the mirror does nothing but reflect, everything changes. By recognizing the inner grips are loosening and first, free steps are benevolent possible …

The mirror is huge, the invitation of silence enormous. This is not about subordinate goals as in thinking, but about the direct breathing of stardust, about the free moment, about the grace of extinguishing the spell to be a certain person in all seriousness …

Das Labyrinth / The maze

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Fotos: Renée Kellner

„Das Leben wäre tragisch, wenn es nicht komisch wäre.“

Stephen Hawking

Gestalten taumeln durch das Labyrinth der Formen. Sie halten Smartphones wie Kompasse vor sich, blätternd in Gebrauchsanleitungen für kurzweilige Vergnügungen. Verurteilt von längst vergessenem Glaubensätzen und geheimen Schwüren verpflichtet, wandern sie mit verlorener Krone durch die Gänge mit einem Gesichtsausdruck als würde sie jeden Moment mit ungeheuren Anschuldigungen konfrontiert. Hände, die in den Scherben der Zeit wühlen, von Wesen, die vergessen haben, wonach sie suchen wollten. Feindseligkeit lauert an den Ecken, Verletzungen geschehen beiläufig, ohne sie noch groß zu beachten, Opfer und Täter begegnen sich wahllos, während man sich fest an seine Wünsche klammert, wie an Mutterbrüste. Emotionen zerren wie verirrte Kinder an den Kleidern der Passanten. An den Wänden des Labyrinths flackern heilsversprechende Projektionen, allerorts wird dem Zweck gehuldigt. Obwohl die Akteure schon völlig erschöpft sind, treiben die alten Lautsprecherstimmen sie immer weiter. Eine verlorene Gesellschaft. Wer beendet das?

Die neuen HeldInnen sind die Herausgefallenen. Jene, die einfach nicht mehr mitmachen können, die Burnout und Depressionsgeplagten, die Verlorenen, Gescheiterten, Hilflosen, die Tagträumer und PoetInnen. Für jene, die WIRKLICH genug haben von der alten Geisterbahn, öffnet sich etwas und die EXIT-Zeichen im Labyrinth beginnen zu leuchten …

Immer wieder stört das Rauschen der Stille die Trance des Labyrinths, in der sich die Akteure immer noch fester in das Netz verweben, wie in einem sehr ernsten Film. Die Matrix des Labyrinths besteht aus Vergangenheit. Alles bisher da gewesene deutet jedoch nur auf das noch nicht da gewesene, auf das Füllhorn der Stille, aus der sich das Leben frisch ergießt. Stille dreht die Perspektiven um: Wir müssen nicht gerettet werden, wir sind die RetterInnen. Stille löst das ernste Band und reicht die Hand zum Spiel. Sie führt aus dem Labyrinth heraus auf den Gipfel, von dem erst Ausblick möglich ist …

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„Life would be tragic if it were not funny.“
Stephen Hawking

Figures stagger through the maze of forms. They hold smartphones like compasses in front of them, scrolling through user guides for entertaining amusements. Sentenced by long-forgotten beliefs and secret oaths, they walk through the corridors with a lost crown and a look on their face as if confronted with tremendous accusations at every moment. Hands rummaging in the shards of time from beings who have long forgotten what they wanted to look for. Hostility lurks at the corners, injuries happen casually, without paying much attention to them, victims and perpetrators meet indiscriminately, while clinging firmly to ones wishes, as to mother breasts. Emotions drag like stray children on the clothes of passers-by. Projections of promises of salvation flicker on the walls of the labyrinth, everywhere to purpose is paid homage. Although the actors are already completely exhausted, the old loudspeaker voices drive them on and on. A society lost in space. Who is ending this?

The new heroes are the drop-outs. Those who just can not join anymore, the burnout and depression plagued, the lost, the failed, the helpless, the daydreamers and poets. For those who REALLY have enough of the old ghost train, something opens and the EXIT signs in the maze begin to shine …

Again and again, the sound of silence disturbs the trance of the labyrinth, in which the actors get even more intertwined in the net, as in a very serious movie. The matrix of the labyrinth consists of the past. Everything that has been here before, however, only points to what has not yet been here, to the cornucopia of silence, from which life pours fresh. Silence turns perspectives: we do not have to be saved, we are the saviors. Silence frees the serious bond and shakes hand with the game. It leads out of the labyrinth to the peak, from which clear view is possible …

Eingeborene / Natives

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Fotos: Renée Kellner

Und weiter geht’s mit dem Erforschen der Stille. Culture of Silence heißt ja dieser Blog und es geht darum, zu untersuchen, was für eine Kultur aus der Stille kommt. Das Erforschen dieser Gesetzmäßigkeiten ist so was von interessant, wie wenn man einen neuen Kontinent entdecken würde. Ein Land, das erst unter gewissen Bedingungen sichtbar wird, man probiert etwas und es zeigt sich ein bisschen, dann verbirgt es sich wieder in Undurchdringlichem, manchmal öffnet es sich plötzlich total, so weit, dass es keine Trennung mehr gibt zwischen Erforscher und zu Erforschendes. Es ist so voll frisches, unerschöpfliches Potenzial und kein Horizont weit und breit …

Wir sind die Ureinwohner, die Eingeborenen, dieses Kontinents der Stille, wurden jedoch durch Konditionierung zunehmend entfremdet. Durch Konditionierung haben wir gelernt in einem scheinbar feindlichen Universum zurechtzukommen. Unsere daraus resultierenden psychologischen Verhaltensmuster basieren darauf, Sicherheit durch Kontrolle herzustellen. Die Informationen wurden vererbt, seit Anbeginn der Zeit und bestimmen mit unbewusst, automatisch ablaufenden Programmen, unser Verhalten. An der Wurzel des Ganzen sitzt Angst. Würden wir das Universum, ja das Leben selbst kontrollieren, bräuchten wir keine Angst mehr zu haben. Die Kontrolle wird darüber ausgelebt, etwas richtig oder falsch tun zu können …

Fällt das Konzept von richtig und falsch, fällt auch das Konzept der Kontrolle. Die Klammer des Unbewussten, die vor der Unberechenbarkeit der eigenen Natur schützen soll, öffnet sich. Das Unbewusste ist nicht real, alles darin basiert auf Illusion. Die Tatsache, dass diese Illusion existiert, ist kein Problem, erst wenn man ihr Macht gibt, indem man sich damit identifiziert, schließt sich die Klammer …

Durch das genaue Hinsehen in das eigene Menschsein, ohne zu werten und ohne etwas verändern zu wollen, durch das erlauben dessen, was ist, wachsen wir durch die Konditionierung in die Stille. Das bedeutet, egal, ob wir in den unbewussten Mustern sind oder nicht, mit dem zu surfen, was gerade da ist, egal was, im Innen oder im Außen, wenn wir es erlauben, jenseits von richtig oder falsch, übernimmt schon der Eingeborene in uns die Führung. Und dann beginnt das sanfte Spiel, der Eingeborene MAG Dinge gern auf seine Art tun, sein MÖGEN fließt in jede noch so banale Kleinigkeit, dabei bewegt er sich offen und freundlich und unterläuft damit die Wachen der Kontrolle.

Ist die Klammer der Konditionierung gelöst, führen Leichtigkeit und Freude unsere Schritte. Dennoch spürt sich diese Freiheit seltsam an, als wäre man nur kurz auf Freigang und müsste dann wieder ins Gefängnis der Konditionierung. Es ist so stark in uns verankert, dass dort unser zu Hause ist. Und doch, wie müssen uns langsam dran gewöhnen: unser zu Hause ist Freiheit …

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And on it goes with the exploration of silence. Culture of Silence is the name of this blog and it’s about investigating what kind of culture comes from silence. Exploring these laws is as interesting as discovering a new continent. A country that only becomes visible under certain conditions, you try something and it appears a bit, then it hides in the impenetrable again, sometimes it suddenly opens completely, so wide that there is no separation between explorer and the explored. It’s so full of fresh, inexhaustible potential and no horizon far and wide …

We are the original inhabitants, the natives, of this continent of silence, but were increasingly alienated by conditioning. By conditioning, we have learned to cope in a seemingly hostile universe. Our resulting psychological behaviors are based on security through control. The informations had been handed down, since the beginning of time and with unconscious, automatically running programs, determine our behavior. At the root of the whole thing is fear. If we were to control the universe, even life itself, we would not need to be afraid anymore. The control is lived out by the believe we could do something right or wrong …

If the concept of right and wrong falls, the concept of control also falls. The bracket of the unconscious, which is supposed to protect us against the unpredictability of one’s own nature, opens up. The unconscious is not real, everything in it is based on illusion. The fact that this illusion exists is not a problem, only when you give it power by identifying with it does the bracket close …

By looking closely into one’s own humaness, without judging and without wanting to change anything, simply by allowing what is, we grow through conditioning into the silence. This means, whether we are in the unconscious patterns or not, to surf with what is here, no matter what, inside or outside, if we allow it, beyond right or wrong, already the native in ourselves takes the lead. And then the gentle play begins, the native LIKE to do things in their own way, his LIKING flows into every trivial little thing, while moving openly and kindly, he slips under the guards of control.

Once the clamp of conditioning is loosened, ease and joy guide our steps. Nevertheless, this freedom feels strange, as if you were only briefly on temporary release and would then again have to go back to the prison of conditioning. It is so firmly anchored in us that our home is there. And yet, we have to slowly get used to it: our home is freedom …

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Your best friend

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Fotos: Renée Kellner

Es ist, als wäre man zu zweit: zwei Personen, die ineinander verwoben sind. Die eine Person ist eigentlich keine Person, eher eine Wesenheit, sie hat nur wage Umrisse und ist dennoch das einzig Wirkliche weit und breit, der Grund, aus dem die Dinge sind. Sie lebt verborgen in offener Sicht. Wird gesucht, obwohl sie das Allgegenwärtigste ist, wird mystifiziert, obwohl sie das Normalste ist. Sie ist der beste Freund, nimmt unbedingt Teil und verbirgt doch ihre Wunder vor aller Augen …

Die andere Person, mit und zu der man heranwächst, hat einen Namen und eine kontinuierliche Geschichte, mit der man sich üblicherweise identifiziert und sagt: Das bin ich. Das sieht über weite Strecken so real aus, man käme nicht auf die Idee, das anzuzweifeln. Dennoch fehlt dieser Person etwas. Obwohl sie scheinbar so wirklich ist, hält sie keiner genauen Untersuchung stand, ist gestrickt aus Gedankenfäden und braucht ein enormes Maß an Anstrengung, um über die Runden zu kommen. Weil sie eigentlich so wenig real ist, braucht sie ständig Bestätigung, möchte sie Anerkennung und Bedeutung, um zumindest das Gefühl zu haben, jemand zu sein …

Die eine Person, der beste Freund ist der anderen Person näher als der Atem, er führt ihre Hand und flüstert in ihr Ohr. Obwohl er von der anderen Person übersehen, vergessen und ignoriert wird, kennt er doch ihre Sehnsucht und ist immer offen und bereit …

Die andere Person glaubt immer irgendwohin zu müssen, glaubt immer, etwas müsse anders sein. Die eine Person ist schon da und alles darf sein, wie es ist …

Die andere Person sucht immer etwas, will immer etwas, das nicht hier ist. Sie sucht in Wahrheit die eine Person, den besten Freund …

Die beiden treffen sich an der Spiegelfläche, hier lädt der beste Freund die andere Person zum Rendezvous ein. Und er ist ein guter Verführer: er kennt seine Tricks, er macht alles genauso wie die andere Person – jede ihrer Handlungen, jedes noch so winzige Detail – vollführt sie jedoch in Liebe, Freude und Freiheit. Wer kann da schon widerstehen? Der anderen Person bleibt nur mehr Hingabe …

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It’s like two persons living in one: together intertwined.
The one person is actually not a person, more a being, it has only vague outlines and yet is the real deal, the cause of things. It lives hidden in open view. It is sought, though being the most omnipresent, is mystified even though it is the most normal. It is the best friend, it takes totally part and yet hides its miracles in front of all eyes …

The other person is the one with whom you grow up with, which has a name and a certain history and  you usually identify with it and say: That’s me. This looks so real over long distances, you would not have the idea to doubt it. Nevertheless, this person is missing something. Although it seems so real, it does not stand up to any inquiry, it is knit with thought threads, and needs a tremendous amount of effort to make ends meet. Because it is so unreal, it always needs confirmation, wants recognition and meaning, to feel that it at least is somebody …

The one person, the best friend is closer to the other person than the breath, it takes its hand and whispers in its ear. Although it is overlooked, forgotten and ignored by the other person, it knows its longing and is always open and ready …

The other person always believes it has to go somewhere, believes something should be different. The best friend is already here and everything may be as it is …

The other person is always looking for something, always wants something that is not here. Essentially it is looking for the one person, the best friend …

The two meet at the mirror surface, here the best friend invites the other person to a rendezvous. And it is a good seducer: it knows its tricks, it does everything the same way as the other person – each of its actions, every minute detail – executes them in love, joy and freedom. Who could resist that? There is nothing else for the other person but to surrender …

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Master of Disaster

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Da ist so eine kleine Mauer, die wir hochziehen vor der Realität, gerade soviel, dass wir uns scheinbar sicher fühlen. Doch gerade innerhalb der Mauern sammelt sich das Leid. Wenn jede Regung erlaubt ist, jedes Detail willkommen, breitet sich die Stille aus wie ein leeres, knisterndes, knuspriges Land …

Wir glauben oft, es würde noch etwas fehlen, damit wir vollständig sind. Wir bräuchten noch eine bestimmte Fähigkeit, um die verborgenen Schätze zu heben. Tatsächlich fehlt wirklich gar nichts. Allein die Bereitschaft zur Menschlichkeit, in der wir uns erlauben, Mensch zu sein, mit allem, was dazugehört, ohne Ausnahme, erlaubt dem Leben durch die Mauern zu fließen …

Wenn sich wirklich nichts verändern muss, fallen wir auf den Grund der Stille, in ihre unglaubliche Kapazität alles zu halten, wie die Stirn eines fiebernden Kindes, wie die Vögel im Nachtfrost, wie den Raum zwischen Menschen, wie die Mikrokleinigkeiten im Disaster.

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There is a small wall that we pull up to separate us from reality, just enough to make us feel safe. But just inside the walls suffering accumulates. When every movement of being is allowed, every detail is welcome, the silence spreads like an empty, crackling, crunchy land …

We often believe there is something missing for us to be complete. We think we still need a certain ability to lift the hidden treasures. In fact, nothing is missing. Only the willingness to humanity, in which we allow ourselves to be human, with everything that belongs to it, without exception, allows life to flow through the walls …

If really nothing needs to change, we fall to the bottom of silence, in her incredible capacity to hold everything, like the forehead of a feverish child, like the birds in the night frost, like the space between people, like the micro-minuteness in the disaster.