Alte Magie / Old magic

 

RAVEN

Die Krähen wachen bereits in aller Frühe und pumpen ab und zu ihr Krächzen in alle Richtungen, noch bevor die Welt mit ihrem Gewusel beginnt. Es sieht so aus, als hätten sie das schon immer getan. Da ist so ein alter Zauber mit dabei …

Dieselbe alte Magie lebt in deinen Augen, die Möglichkeit, die Welt direkt zu sehen, diesen fein gesponnenen Strom eines Februarmorgens in Wien. Die lichtgetränkten Grautöne, in denen die zartesten Flocken treiben wie in hellem Glas, das bei jedem Krähen der alten Wächter flüsternd bricht …

Die ersten Menschen erwachen. Wie die Krähen scheinen auch sie auf etwas Wesentliches zu warten. Sie laufen hierhin und dorthin, besorgen Dinge, aber das Wesentliche ist nicht dabei. Das, was fehlt, ist bereits hier, versteckt in offener Sicht. Es wirbelt in der Luft um die Dinge, wie ein verborgener Gebirgsbach. Du brauchst ES nicht zu machen, es war schon immer hier. Es durchschneidet die Netze der Trance, du musst nicht mehr warten. Es tanzt für dich, und noch während deine Mauern transparent werden, spaziert es bereits keck durch die Öffnung legt sich lasziv auf dein Bett und vertreibt den Schlaf. Es möchte eins sein, unbedingt und am liebsten mit dir …

Raven Katalog

The crows already wake up early in the morning and at times pump their croaks in all directions, before the world begins its bustle. It looks like they’ve always done that. There is such an old magic in it …

The same old enchantment lives in your eyes, the opportunity to see the world directly, this finely spun stream of a February morning in Vienna. The light-soaked shades of gray in which the most delicate flakes drift, as in bright glass, which breaks whisperingly with each crow of the old watchmen …

The first humans awaken. Like the crows, they too seem to be waiting for something essential. They walk here and there, getting things, but the essential one is not among them. What is missing is already here, hidden in open view. It whirls in the air around things, like a secret mountain stream. You do not need to do it, it has always been here. It cuts through the network of trance, you do not have to wait anymore. It dances for you and while your walls become transparent, it already strolls brash through the opening, subsides lasciviously on your bed and drives off sleep. It wants to be one, absolutly and most of all, with you …

Rabe 13

 

Die subtilen Bereiche / The subtle realms

Parallel Landscape 4

Wandern wir über die Felder der Stille, brauchen wir andere Wegweiser. Die subtilen Bereiche sind nicht mit den Sinnen erfahrbar und sind doch realer als das Sichtbare. Hier braucht es dich offen und verfügbar, sobald du etwas erreichen willst oder für dich als Person etwas haben willst, bleibst du stecken. Gibst du dich hin, kannst du wieder weitergehen. Die ersten Schritte musst du oftmals blind gehen, mit dem Vertrauen abgeholt zu werden …

Wenn du nicht auf die Zweifel hörst, fangen die Felder bald an, magisch zu sein, als würdest du in der Landschaft deines Herzens wandern. Auch du selbst beginnst dich anders zu verhalten, achtsamer, intimer. Du gehst scheinbar durch dieselbe Landschaft, die du mit den Sinnen erfährst und doch ist die stille Landschaft wie parallel dazu. Sie überschneiden sich und sind doch verschieden. Es ist dieselbe Landschaft einmal mit dem Verstand gesehen und einmal mit dem Herzen …

Du kannst in dieser parallelen Landschaft bleiben, wenn du dort deinen Schatz vergräbst, wenn dir der Tanz wichtiger ist, als das Verstehen. Wenn es dir von Herzen egal ist, wie auch immer du gerade bist, ja, wenn alles was gerade in dir da ist, begleitet wird von der Trompete Paolo Fresus und der Stimme Kurt Ellings, wenn du bitter bist wie Kaffee und süß wie Milch. Wenn all deine Haltestricke reißen. Wenn du weißt, du musst nirgendwohin – weder zurück noch nach vor – nur in die Freude des Gegenwärtigen. Wenn das Unendliche in deine Stimme sickert und deine Hände führt, wenn du aufrecht, wie ein Kind in die Bedrohung gehst. Wenn du in die Öffnung strömst, wie wenn du nach Hause kommst …

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If we walk over the fields of silence, we need other signposts. The subtle realms can not be experienced with the senses and yet are more real than the visible ones. Here you need to be open and available, as soon as you want to achieve something or want something for you as a person, you get stuck. If you surrender, you can go on again. The first steps you often have to go blind, with the confidence to be taken …

If you do not listen to the doubts, the fields soon start to be magical, as if you were wandering in the landscape of your heart. You too are beginning to behave differently, more attentively, more intimately. You seemingly go through the same landscape that you experience with the senses and yet the quiet landscape is like parallel to it. They overlap and are different. It is the same landscape once seen with the mind and once with the heart …

You can stay in this parallel landscape if you bury your treasure there, if the dance is more important to you than understanding. If you do not care from your heart, however you are in this given moment, if all that is in you right now is accompanied by the trumpet Paolo Fresus and the voice of Kurt Elling, if you are as bitter as coffee and sweet as milk. When all your knits break. When you know, you do not have to go anywhere – neither back nor forth – only deep into the joy of the present. When the Infinite seeps into your voice and guides your hands, when you stand upright, like a child in the threat. When you pour into the opening like coming home ….

 

Sanfte Riesen / Gentle Giants

 

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Fotos: Renée Kellner

Von Indien kommend fällt es besonders auf: der Februar in Wien ist bezaubernd, so eine stille Welt! Die Vögel wagen grad mal einen winzigen Piep hinein in diese enorme Ruhe. Die nackten Zweige weisen bewegungslos in einen steifen Himmel, alles ist so tief in sich eingebettet …

Der Ausdruck der Menschen ist zwar eher verdrießlich, aber das kommt wohl daher, dass wir zu viel Zeit in unserer psychologischen Persönlichkeit verbringen, da wird das so klein, komprimiert, dicht, problematisch und manchmal richtig fies. Das Ego will zwar gerne wachsen, wichtig sein, größer und bedeutender als die Anderen sein, aber das geht sich nicht aus, denn eigentlich sind wir alle groß, ich meine WIRKLICH riesig, wir wandern mit dem Kopf zwischen den Sternen …

Sobald wir in unsere eigentliche Größe kommen, wird das gleich luftiger, spielerischer. Entgegen aller Behauptungen sind Riesen durchaus sanft, freundlich und humorvoll, sie essen gern, lieben sich gern, was auch immer Riesen tun, egal wie profan und unbedeutend es ist, sie tun es gerne. Sie machen es nicht aus praktischer Notwendigkeit, oder damit es dann eben erledigt ist, sie genießen es, egal ob sie sich den umfangreichen Hintern abwischen oder von ihren großräumigen Autos das Eis abkratzen, ob sie sich gemütlich in ihre riesigen Sesseln zurücklehnen, oder versuchen mit dem Kopf an den Sternen zu streifen, sie MÖGEN es so richtig …

               Idiot

Coming from India, it is particularly noticeable that February in Vienna is enchanting, such a quiet world! The birds dare to take only a tiny beep into this enormous silence. The bare branches point motionless into a stiff sky, everything is so deeply embedded in itself …

The expression of people is rather annoyed, but that is probably because we spend too much time in our psychological personality, then everything gets so small, compressed, dense, problematic and sometimes really nasty. The ego wants to grow, to be important, to be bigger and more important than the others, but that does not work, because we are all really tall, I mean REALLY huge, we are wandering with our heads between the stars …

As soon as we get into our actual size, everything will be more airy, playfully. Contrary to all assertions, giants are gentle, kind and humorous, they like to eat well, to make love, whatever giants do, no matter how profane and insignificant it is, they LIKE to do it. They do not do it out of practical necessity, or just to get it done, they enjoy it, whether they wipe their bulky bottoms or scrape off the ice from their spacious cars, whether they sit back in their huge armchairs, or try to streak their head at the stars, they really LIKE it …

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The center of belonging

Teresa

„Wenn Sie einem Kind beibringen, dass ein Vogel Vogel genannt wird, wird das Kind nie wieder einen Vogel sehen.“ Krishnamurti

Wenn du dich fühlst, wie die abgebrochene Klinge eines Messers, ist es Zeit, dich in der Schmiede zu erneuern. Du öffnest dich der Glut der Stille, deine letzten Worte werden vom Sein verschluckt. Du wirfst dich gegen die Weltenwand, bis du merkst, du bist nicht die Person, die sich dagegen schmeißt, sondern die Wand …

Die Perspektive wechselt, nicht du öffnest dich der Stille, sondern die Stille öffnet sich dir. Du erlebst dich selbst aus den Augen der Stille. Das macht einen enormen Unterschied, denn die Stille wertet nicht, geht gar nicht, kein bisschen. Sie erlebt immer nur hier und jetzt, keine Vergangenheit und keine Zukunft. Sie kennt keine Zeit und es ist ihr unmöglich, dich anders als wohlwollend zu betrachten …

Als Stille erlebst du dich selbst neu, es ist ihr eine große Freude, durch dich die Welt zu erleben, es ist ihr dringender Wunsch, durch dich, sich selbst zu erleben. Und sie ist eine herrliche Gastgeberin, kein Herumgemäkel, kein Vergleichen, es stört sie nicht, dass du Fehler machst, oder dass du alterst, es macht ihr auch fast gar nichts aus, dass du ein kleines Bäuchlein hast. Im Gegenteil, in ihr lernst du Raum kennen und Fülle und Menschlichkeit …

 

Parallel Landscape 11

„When you teach a child that a bird is named bird, the child will never see a bird again.“ Krishnamurti

When you feel like the broken blade of a knife, it’s time to renew yourself in the smithy. You open to the glow of silence, your last words are swallowed up by being. You throw yourself against the world wall until you realize you are not the person who throws himself against it, but the wall …

The perspective changes, it is not you who opens to silence, but the silence opens to you. You experience yourself out of the sight of silence. That makes a huge difference, because the silence does not judge, it cant, not a bit. It always experiences only here and now, no past and no future. She knows no time and it is impossible for her to treat you other then benevolent …

As silence, you are experiencing yourself anew, it is her great pleasure to experience the world through you, it is her urgent desire to experience herself through you. And she is a wonderful hostess, no fault-finding, no comparison, it does not bother her, that you make mistakes, or that you age, it almost does not matter to her that you have a Little prosperity belly. On the contrary, through her you get to know space and abundance and humanity …