Stilles Reisen / Silent travelling

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Foto: Marianne Hink

„Having never left the house, looking for the way home.“
Nisargadatta Maharaj

Fühlt man sich niedergeschlagen, müde und angestrengt dann wälzen sich ziemlich sicher gerade eine Menge Gedanken im Oberstübchen mit dem „Ich“ als Zentrum. „Ich“ will gesehen werden, darf nicht übersehen werden, braucht Anerkennung ohne Ende …

Anstrengend, aber auch irgendwie witzig, dieser Zirkus des „Ich“. Witzig, aber auch irgendwie tödlich, wenn man den Zustand der Gesellschaft sieht. Der Mechanismus, der „Ich“ antreibt, bleibt gern im Verborgenen, kreiert Ablenkungen, wirft dauernd Stöcke ins Gebüsch, damit man nur ja nicht genau hinschaut …

Das „Ich“ kann nicht zu Hause sein, es muss immer weiter, es ist noch nicht komplett, es muss noch etwas suchen. Und das alles spielt sich in dem ab, dass eigentlich gesucht und vermisst wird. Zum Glück ist in dem ganzen System ein Selbstläufer eingebaut: Das Leben in den Menschen erwacht, es wird sich seiner bewusst und schickt sich selbst – im Menschen – auf eine Reise durch die Stille …

 

„Having never left the house, looking for the way home.“
Nisargadatta Maharaj

Feeling depressed, tired and exhausted, it is quite likely that a lot of thoughts are wallowing in the upper story with the „I“ as the center. „I“ wants to be seen, must not be overlooked, needs recognition without end …

Exhausting, but somehow funny, this circus of the „I“. Funny, but somehow deadly, when you see the state of society. The mechanism that drives „I“ likes to remain hidden, creating distractions, constantly throwing sticks into the bushes, so that one does not look closely …

The „I“ can not be at home, it has to go on and on, it is not complete, it has to look for something else. And all of this happens in that which is actually being sought and missed. Fortunately, a self-sustaining mechanism is built in the whole system: life awakens in people, it becomes aware and sends itself – in humans – on a journey through silence …

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Stilles Bad / Silent bath

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Sogar wenn man nur mit einer Zehe in Stille taucht, beginnt gleich Kontakt zu dem knisternden Meer im Inneren und der ihm innewohnenden Intelligenz und Inspiration. Manchmal steigt das Meer von selbst an die Oberfläche, vor allem, wenn es Schönheit zu erleben gibt oder Güte …

Meist jedoch sitzt man am Ufer, schwätzend, eingehüllt in Mauern von Worten, sehr darauf bedacht nicht nass zu werden. Das innere Meer löscht den Lärm im Kopf. Ins Meer sinkend beginnen Anwesenheit und Wahrnehmung …

Miteinander entsteht. Das Erleben des Menschen und das Kratzen der trockenen Blätter über den herbstlichen Asphalt, miteinander. Die Bewegungen der Schritte, das Bemühen um Synchronizität, miteinander. Das Überwältigtwerden vom Schlaf, Mensch und Schlaf, miteinander. Das Universum probiert sich in all seinen Teilen, miteinander …

Even if you dive into silence with just one toe, the contact with the sizzling ocean inside and its inherent intelligence and inspiration begins immediately. Sometimes the sea naturally rises to the surface, especially when there is beauty or goodness …

Mostly, however, one sits on the shore, gossiping, wrapped in walls of words, careful not to get wet.
The inner sea clears the noise in the head. Sinking into the sea, presence and perception arises …

Togetherness arises. Human experience and the scratching of dry leaves over autumnal asphalt, together. The movements of the steps, the search for synchronicity, together. Being overwhelmed by sleep – man and sleep – together. The universe practicies itself in all its parts, together …

10 Tipps für ein Rendezvous mit Stille / 10 tips for a rendezvous with silence

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1. Zeigen sie sich von ihrer sanften Seite seien sie freundlich.

2. Bringen sie besser nicht zu viel Absichten und Erwartungen mit, sondern lassen sie sich überraschen.

3. Es schadet nicht, sich fesch zu machen. Halten sie ihre kostbaren Augen für Schönheit offen.

4. Suchen sie nicht nach etwas, das falsch läuft, haben sie keine Angst etwas Verkehrtes zu tun.

5. Lassen sie ihre persönliche Geschichte zu Hause, die interessiert wirklich niemand.

6. Und wenn wir schon dabei sind, vergessen sie auch gleich, was sie alles erreichen wollen, das ist auch nicht so spannend.

7. Hören sie zu, nicht nur mit dem Verstand, sondern mit dem ganzen Körper.

8. Ihr Humor hilft ihnen. Machen sie sich verfügbar.

9. Machen sie sich verwundbar.

10. Zeigen sie sich.

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1. Show your gentle side, be friendly.

2. Better not bring too much intention and expectation, but let yourself be surprised.

3. It does not hurt to get dressed up. Keep your precious eyes open for beauty.

4. Do not look for something that goes wrong, do not be afraid to do something wrong.

5. Leave your personal story at home, nobody really cares.

6. And while we’re at it, forget also what you want to achieve, that’s not so exciting anyway.

7. Listen, not just with the mind, but with the whole body.

8. Your humor helps. Make yourself available.

9. Make yourself vulnerable.

10. Show yourself.

Stille Normen / Silent norms

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Die Konstruktion des Egos besteht aus stillen Normen. Viele stille Normen. Über uns selbst oder die Welt. Wenn uns ein Mensch anderen Geschlechts, anderer Rasse oder anderer Gesellschaftsschicht begegnet, dann walten die stillen Normen. Wir haben uns Meinungen gebildet, liberale oder konservative und sie wirken, sie prägen Unwirklichkeit ins Gegenüber und gleichzeitig auch in uns selbst, jedes Mal, immer wieder …

Doch wir bekommen Hilfe. Das Leben demontiert ständig unsere Egos, bei jeder Party, auf der wir nicht eingeladen sind, wenn uns ein anderes Auto abdrängt, bei jeder Zurückweisung oder Ignoranz bröckelt unsere Wichtigkeit weg. Üblicherweise möchte sich das Ego schnell wieder restaurieren und schimpft und tobt und leidet, bis es sich wieder festigt und verbeißt …

In dieser Kontraktion sind wir wieder blind. Doch unpackbar, was passiert, wenn wir den stillen Normen einfach nicht gehorchen. Wenn das wegfällt. Wir beginnen, zu sehen. So eine Leichtigkeit, als würde der Raum Flügel bekommen. So cool, als kämen alle Jahreszeiten auf einmal. Die Anderen sind nicht mehr die Bösen, sondern im Gegenteil so hilfreich, um zu sehen, welche Freiheit jenseits der stillen Normen wartet …

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The construction of the ego consists of silent norms. Many silent standards. About ourselves and the world. When a person encounters someone of a different gender, race or social class, the silent norms work. We have formed opinions, liberal or conservative and they work, they shape unreality in the opposite and at the same time in ourselves, every time, again and again …

But we get help. Life is constantly dismantling our egos at every party we’re not invited to or when another car urges us away, with every rejection or ignorance our importance crumbles away. Usually, the ego wants to restore itself quickly and scolds and rages and suffers, until it consolidates and grims …

In this contraction we are blind again. But unbelievable, what happens if we just do not obey the silent norms. If that does not happen. We start to see. Such a lightness, as if the room got wings. So cool as if all seasons would come at once. The others are no longer the bad guys, but on the contrary so helpful to see what freedom awaits beyond the silent norms …

Stilles Blühen / Silent flowering

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Leben fühlt sich oft hart an, wie angeschlagene Keramik, als hätten wir schon zu lange dieselben Dinge erlebt. Bedrückend, dicht und abgestanden, Nährboden für billige Gewohnheit und giftige Gewächse …

Selbst die Anstrengung es ändern zu wollen, ist noch im selben alten Raum. Doch unbemerkt, wie von selbst, setzt mitten im Brüchigen ein Blühen ein, wie ein neues Instrument im Orchester oder wie ein Aufhorchen im Wald …

Ein sanftes Nichts macht sich Raum in den Trümmern. Evolution bereitet ein Feld für neue Könige und Königinnen. Man kann es nicht machen, aber jedes Mal, wenn man hinhört, ist es da …

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Life often feels hard, like broken ceramics, as if we’ve had experienced the same things for too long. Oppressive, dense and stagnant, breeding ground for cheap habits and poisonous plants …

Even the effort to change this is still in the same old room. But unnoticed, as if by itself, a flowering begins in the middle of the decayed, like a new instrument in an orchestra or like a listening in the forest …

A gentle nothingness makes itself space in the debris. Evolution is preparing a field for new kings and queens. One can not do that, but every time one listens, it’s there …

Stille Boten / Silent messengers

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„Wo auch immer die Menge hingeht, lauf in die andere Richtung. Sie liegen immer falsch.“
Charles Bukowski

Das Wesentliche ist im Sitzen auf einem Stuhl, oder darin sich warm zu fühlen. Es blüht gleich unter der Haut.
Es träumt sich in tausend Wesen bis in ihre tiefsten Winkel. Es leckt wie Flammen an den Dingen …

Ein geheimer Vogel verbirgt sich im inneren Dschungel aus Bildern, Gespinsten und Getöse. Wenn die Versprechungen der Welt schal geworden sind oder wenn du zu fallen beginnst, hör auf seine stillen Ruf …

Er führt dich an Orte, von denen du schon immer wusstest. Wenn alle Auswege versiegt sind, bleibt letztlich nur Schönheit …

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„Wherever the crowd goes, run in the other direction, they’re always wrong.“
Charles Bukowski

The essential is to sit on a chair, or feeling warm. It blooms right under the skin. It dreams into thousand beings until their deepest corners. It licks like flames at things …

A secret bird hides in the inner jungle of images, marixes and bluster. When the promises of the world have become flat or when you begin to fall, Listen to his his silent call …

He leads you to places you have always known in your heart. When all loopholes have dried up, what remains is beauty …

Die Wurzel der Menschlichkeit / The root of humaness

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Stille bietet Raum für Begegnung mit sich selbst. Die persönlichen Aktivitäten verschwinden wie die Händler aus dem Tempel. Es ist die Zeit, jemand ganz Besonderen zu treffen …

Aus dem Inneren erhebt sich das Sein wie eine ganz vertraute Person. Man hat schon immer durch ihre Augen geschaut und schon immer ihre Stimme benutzt. Man ist sie so gewohnt, hat sie vergessen und für Tand und Anerkennung verkauft …

Jetzt ist die Zeit ihr neu zu begegnen und ihr die Regie zu überlassen. Es ist eine Begegnung mit sich selbst und doch kennt man sich nicht mehr. Man kennt sich als Person, aber nicht als Sein. Sein erkennt sich selbst und möchte spielen …

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Silence offers space for encounter with oneself. The personal activities disappear like the merchants from the temple. It’s time to meet someone special …

From the inside, being rises like a very familiar person. One has always looked through its eyes and always used its voice. One is so used to being, has forgotten it and sold it for trumpery and recognition …

Now is the time to meet it again and let it talke the reins. It is an encounter with oneself and yet one does not know one another anymore. One knows oneself as a person, but not as being. Being recognizes itself in the person and wants to play …

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