Alte Stimmen und neue Ordnungen / Old voices and new orders

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Zuerst sind es nur ein paar Schritte, die man gehen kann, ohne Kommentator im Kopf. Dann wird allmählich klar, dass der/die KommentatorIn bloß eine alte Stimme ist, die einem das Leben versauert und man ihr nicht folgen muss …

Weitergehend, die alten Stimmen ignorierend, wächst die Gewissheit, dass die Herausforderungen, die den Planeten und alle Individuen zu plagen scheinen, den Transformationswehen der Puppe gleichen, während der Schmetterling schlüpft …

Es ist immer dasselbe: die alte Ordnung überlebt sich und das Individuum wie das Kollektiv müssen durch die nötige Phase der Unordnung – obwohl man sich noch so wehrt und zetert – um der neuen Ordnung zu weichen. Evolution entfaltet sich, wie der Schmetterling, immer weiter …

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First, there are only a few steps you can go without a commentator in your head. Then it gradually becomes clear that the commentator is just an old voice that fucks you up and you do not have to follow it …

Going further, ignoring the old voices, the certainty grows that the challenges that seem to plague the planet and all individuals are like the cocoon’s transformational contractions as the butterfly unfolds …

It is always the same: the old order has outlived its purpose and the individual and the collective have to go through the necessary phase of disorder – even though they resist and curse – in order to give way to the new order. Evolution, like the butterfly, unfolds …

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Stilles Reisen / Silent travelling

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Foto: Marianne Hink

„Having never left the house, looking for the way home.“
Nisargadatta Maharaj

Fühlt man sich niedergeschlagen, müde und angestrengt dann wälzen sich ziemlich sicher gerade eine Menge Gedanken im Oberstübchen mit dem „Ich“ als Zentrum. „Ich“ will gesehen werden, darf nicht übersehen werden, braucht Anerkennung ohne Ende …

Anstrengend, aber auch irgendwie witzig, dieser Zirkus des „Ich“. Witzig, aber auch irgendwie tödlich, wenn man den Zustand der Gesellschaft sieht. Der Mechanismus, der „Ich“ antreibt, bleibt gern im Verborgenen, kreiert Ablenkungen, wirft dauernd Stöcke ins Gebüsch, damit man nur ja nicht genau hinschaut …

Das „Ich“ kann nicht zu Hause sein, es muss immer weiter, es ist noch nicht komplett, es muss noch etwas suchen. Und das alles spielt sich in dem ab, dass eigentlich gesucht und vermisst wird. Zum Glück ist in dem ganzen System ein Selbstläufer eingebaut: Das Leben in den Menschen erwacht, es wird sich seiner bewusst und schickt sich selbst – im Menschen – auf eine Reise durch die Stille …

 

„Having never left the house, looking for the way home.“
Nisargadatta Maharaj

Feeling depressed, tired and exhausted, it is quite likely that a lot of thoughts are wallowing in the upper story with the „I“ as the center. „I“ wants to be seen, must not be overlooked, needs recognition without end …

Exhausting, but somehow funny, this circus of the „I“. Funny, but somehow deadly, when you see the state of society. The mechanism that drives „I“ likes to remain hidden, creating distractions, constantly throwing sticks into the bushes, so that one does not look closely …

The „I“ can not be at home, it has to go on and on, it is not complete, it has to look for something else. And all of this happens in that which is actually being sought and missed. Fortunately, a self-sustaining mechanism is built in the whole system: life awakens in people, it becomes aware and sends itself – in humans – on a journey through silence …

Scharf geschnitten / Sharp cut

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Also WENN dieser Halbmond haarscharf ins Firmament geschnitten ist, wie eine Ikone und die Wolken brennen, aber genauso, als wären sie sich der Weite des Himmels bewusst und wenn die Pflanzen wachsen, als würden sie einen geblasen kriegen, dann, aber dann …

Gestartet habe ich die Skulptur mit dem Versuch einen blinden Mann darzustellen. Stückchen um Stückchen wird es aber ganz was anderes. Wieder ein Stückchen Leben, in dem ich noch nie war. Wieder Kombinationen, die bisher noch nicht stattgefunden haben. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund war bisher noch nie jemand in der Menschheitsgeschichte so drauf, dass er mit tausenden Scherben den Gang eines Blinden im Raum gestaltet hat …

Die Kühle des Abends lehnt sich einem mit Entschlossenheit entgegen. Es ist schon spannend, wie man jeden Moment etwas Neues beginnen kann, eine neue Richtung einschlagen kann. An jeder Ecke wartet das Abenteuer – nicht den Plänen im Kopf zu folgen – sondern in Freiheit zu sein, ganz genau mit dem, was gerade ist …

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So IF this crescent is cut into the sky like an icon and the clouds are burning, just as if they would be aware of the vastness of heaven and if the plants grow as if they were getting a blowjob, then, but then …

I started the sculpture with the attempt to portray a blind man. Bit by bit it will be something else. Another piece of life that I’ve never been to. Again combinations that have not yet taken place. For some unknown reason, no one in human history has ever been in such a mood that he designed a blind mans walk through space with thousands of pieces of broken porcelain …

The cool of the evening leans against one with determination. It’s exciting how you can start something new every moment, take a new direction. On every corner awaits the adventure – not to follow the plans in the head – but to be free, exactly with what is right now …

Meetingpoint

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Der ganz normale Briant, komplett ereignislos, mit sonntagsmatten Armen. Zusammengezogen, trüb. Wie ein trockenes Blatt am Lebensbaum …

Erstaunlich, in welche Welten sich das Sein verirrt. Irgendwie will es sich anscheinend gerade so erleben, grau und verwischt, mit schmerzenden Fersen und Zahnbelag …

Noch erstaunlicher: Lässt man dem Sein die Freude genau das in dieser Briantform zu erleben, kriegt dieses angeschimmelte Lebensgefühl allmählich Glanz und Würde. Und absolut nichts ist dran verkehrt …

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That ordinary Briant, completely uneventful, with sunday dull arms. Constricted, murky. Like a dry leaf on the tree of life …

Amazing into which worlds being gets lost. Somehow, it seems to like experiencing just that state: Gray and blurred, with aching heels and plaque …

Even more astonishing: If you allow being to experience this Briantform exactly the way it is, this mildewed feeling of life will gradually become shiny and dignified. And absolutely nothing is wrong …

Virtual reality

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In der Virtual Reality soap opera unserer Zeit geht der/die SpielerIn durch ausgemergelte Gegenden – projiziert vom psychologischen Verstand – als EinzelkämpferIn durch ein Königreich in dem immer Mangel herrscht, begleitet von ständigem Geschnatter der KommentatorInnen. Die einzige Lösung aus dem Ungenügen scheint darin zu bestehen, sich dauernd verbessern zu müssen, dem instabilen Ego Anerkennung, Bedeutung und damit Sicherheit zu verschaffen …

Den Projektionen des Verstandes, wie wunderbar sie auch sind, liegt jedoch ein noch außerordentlicheres Prinzip zugrunde: die Tatsache unserer Existenz. Hier geht der/die SpielerIn über die Weiden des Herzens, durch Schönheit und Reichtum ohne Ende. Dort wächst ständig alles nach, man braucht nichts davon zu behalten, man weiß gar nicht, wohin damit …

Solange wir nicht den grundlegenden Irrtum begehen und glauben wir seien, was unsere Gedanken projizieren, sind wir schon frei. Erst wenn wir uns damit identifizieren, beginnt die Knechtschaft. Das Gewicht der Existenz rastet in uns. Das, was uns hierher gebracht hat, atmet gleichmäßig ein und aus. Es treibt im Körper, wie ein Geist in der Flasche, es ist, was wir sind …

In the virtual reality soap opera of our time, the gamer walks through emaciated areas – projected from the psychological mind – as a lone fighter through a kingdom in which there is always lack, accompanied by constant chatter of commentators. The only solution to the insufficiency seems to be to constantly improve, to give the unstable ego recognition, meaning, and thus security …

The projections of the mind, however marvelous they are, are based on an even more extraordinary principle: the fact of our existence. Here the gamer walks over meadows of heart, through beauty and wealth without end. Everything is constantly growing here, you do not have to keep anything, you do not even know where to save it …

Unless we make the basic mistake and believe we are what our thoughts project, we are already free. Only when we identify with it does bondage begin. The weight of existence is resting in us. What brought us here breathes in and out even. It’s floating in the body, like a ghost in the bottle, it’s what we are …

Die Unerträglichkeit der Evolution / Unbearable evolution

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Evolution setzt Lebewesen unter Druck, alle, ohne Ausnahme. Egal ob’s der Käfer ist, dessen Blut im Winter gefriert und er irgendwo verkrochen, nur mehr ganz langsame Bewegungen machen kann oder der Grashalm, der ewig auf den Regen warten muss, oder der Mensch, der mit Schmerz und Depression umzugehen hat, mit Entfremdung und Einsamkeit, mit zynischen Politikern und skrupellosen Machtfreaks …

Evolution quetscht Kunst aus uns heraus. Zuerst kocht sie uns in einem Druckkochtopf mit ein paar üblen Zutaten. Dann, wenn wir gut durch sind, stehen da rein zufällig ein paar Farben rum und Leinwände …

Niemand ist Schuld an irgendwas, niemand macht was falsch, nichts ist verkehrt, auch man selbst nicht. Evolution funktioniert eben so. Alle spielen ihre Rolle. Der Druck in unserer Gesellschaft ist deutlich spürbar, da wird mächtig was ausgekocht. Es bleibt nichts übrig, als im mystischen Glühen zu bleiben, sich einen Pinsel zu schnappen und zu malen bis auch er glüht und sich die Welt ins Herz schreiben …

Lobau 1 Detail

Evolution puts living beings under pressure, all without exception. It does not matter if it is a beetle, whose blood freezes in winter and it crawls somewhere with only very slow movements, or the blade of grass, which has to wait forever for the rain, or the person who has to deal with pain and depression, with alienation and Loneliness, with cynical politicians and unscrupulous power freaks …

Evolution squeezes art out of us. First, she cooks us in a pressure cooker with a few nasty ingredients. Then, if we are well done, there are just a few colors and canvases accidentaly around …

No one is to blame for anything, no one does something wrong, nothing is wrong, not even oneself. Evolution just works that way. Everyone plays their role. The pressure in our society is clearly noticeable, something is really being cooked here. There is nothing left but to stay in the mystical glow, to grab a paintbrush and paint until it glows too and write the world in ones heart …