Das Perlhuhn am Blechdach / The guinea fowl on the tin roof

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In Indien brauchst du nur auf dein Fahrrad steigen und losfahren. Da laufen ständig Filme und Szenen ab, soviele Details und Stimmungen. Als würde sich das ständig selbst inszenieren, immer neu, auf einer unkontrollierbaren Bühne. Bäume dürfen riesig werden, Tiere sind allgegenwärtig und selbstverständliche Akteure im Gesamtbild. Die Heiligen und die Dorfnarren sind voll mit dabei, genauso wie Verfall und Blüten, abenteurlichste Geruchskompositionen und viel Bezug der Wesenheiten untereinander …

Alles darf da sein und alles hat richtig viel Platz, der Tag wie die Nacht und du segelst da durch mit dem Fahrrad auf dem Weg zum Tempel …

Zuerst fährst du durchs Außen, dann kehrst du ins Innere ein. So wie wir gelernt haben im Außen zu agieren, brauchen wir auch bestimmte Fähigkeiten, um in der inneren Welt zu navigieren …

Im Inneren müssen wir andere Knöpfe drücken; braucht es im Außen ein gesundes Ego, ist es im Inneren hinderlich. Ist in der einen Welt ein klarer Verstand von Bedeutung, wird die innere Welt vom Herzen regiert …

Im Inneren ist weniger besser, am allerbesten ist es, gleich ganz mit allem Tun aufzuhören. Du brauchst an die innere Welt nicht zu glauben, brauchst keine Religionen oder Methoden. Die bist wie ein Innenraumastronaut, richtest deine Aufmerksamkeit hinein und schaust einfach nach. Offen, verfügbar, sanft und still …

Dann zeigen sich die Straßen und Plätze deines Herzens, sie können deinem aufrichtigen Blick nicht widerstehen. Diese Orte sind weiter, als die der Aussenwelt, beleuchtet, frisch gefegt, ein paar Blüten gestreut, erwarten sie dein inneres Selbst …

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In India you just need to get on your bike and start driving. There are always movies and scenes, so many details and moods. As if it is constantly re-enacting itself, always new, on an uncontrollable stage. Trees are allowed to become huge, animals are omnipresent and natural actors in the overall picture. Saints and village fools are totally part of the show, as well as decay and flowers, most peculiar smell compositions and much relation between all entities …

Everything can be there and everything has a lot of space, the day as the night and you sail there by bike on the way to the temple …

First you drive through the outside, then you enter inside. As we have learned to act externally, we also need certain skills to navigate in the inner world …

Inside we have to press other buttons; If a healthy ego is needed in the outside, it is a hindrance inside. If a clear mind is important in one world, the inner world is ruled by the heart …

At the inside less is better, best of all is to stop doing everything right away. You do not have to believe in the inner world, you do not need religions or methods. You are like an interior astronaut, put your attention inside and just look. Open, available, gentle and quiet …

Then the streets and squares of your heart will show, they can not resist your wholehearted look. These places are wider than those of the outside world, illuminated, freshly swept, some flowers scattered, they await your inner self …

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Home is where the heart is

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Das Gedankengebäude ist wie ein Schloss aus Gummi, solange du nur so halb bewusst daran herumzerrst, rutscht es immer wieder an seinen Platz zurück. Erst wenn du es wahrhaftig anschaust, verschwindet es ohne eine Spur zu hinterlassen und ohne Anstrengung …

Immer wieder versperrt dir die Vergangenheit die Sicht. Immer wieder hüllen dich die Wolken des scheinbar mächtigen Schlafes ein und verschleppen dich in die Dunkelheit
und immer wieder kehrst du zurück und setzt dich an den Ort des Lichts.
Die alten Stimmen warnen dich: Du währest dort nur kurz geduldet. Doch du weißt, es ist dein Platz, so sehr, wie es der Ast für den Vogel ist, auf dem er den Abend begrüßt, oder wie für die Kuh auf den Straßen Indiens …

Du musst nicht durch die Welt Donald Trumpen, du musst nicht das Game of Thrones spielen, du kannst das alles wie Schuhe draußen vor dem Tempel lassen …

Die Vorhänge deines Körpers gleiten zur Seite, dein Hals streckt sich zur Sonne mit der innewohnenden Selbstverständlichkeit des weißen Reihers. Der Wind schreibt tausend Gedichte in einer längst vergessenen Sprache auf deine Haut. Du sitzt in der Mitte des subtilen Reiches. Der Moment ist bereit für dich, wie der Wassertropfen, der vom Blatt fällt.

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The building of thoughts is like a rubber castle, as long as you wrench it around with little determination, it keeps slipping back into place. Only when you really look at it, it disappears without leaving a trace and without effort …

Again and again the past obstructs your view. Again and again, the clouds of seemingly mighty sleep envelop you and drag you into the darkness
and again and again you return and sit down at the place of light.
The old voices warn you: you would only be tolerated here briefly. But you know, it is your place, as much as the branch is the place for the bird to cheerfully greet the evening, or as much as the streets of India are the right space for the holy cow …

You do not have to go through the world Donald Trumping, you do not have to play the Game of Thrones, you can leave it all like shoes outside the temple …

The curtains of your body glide aside, your neck streches to the sun with the inherent naturalness of the white egret. The wind writes a thousand poems in a long-forgotten language on your skin. You are sitting in the midst of the subtle realm. The moment is ready for you, like the drop of water falling from the leaf.

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Durchbruch / Breakthrough

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“Der, der ohne Zweifel ist, ist das wirkliche Du. Finde heraus, wer dieses wirkliche Du ist und konzentriere dich darauf.”

Ramana Maharshi

Es hängt alles zusammen: dem zu vertrauen, was das Herz erleben will, dem Zweifel keinen Raum geben, dann bekommt das voll die Durchbruchenergie. Und da noch mal ganz reingehen, nicht vorsichtig sein, nicht abwägen, nicht aufschieben …

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Es braucht keinen Fähigkeiten durch die Öffnung zu gehen, es ist eher ein sehr sanfter, süßer Durchbruch. Es braucht dich in deiner Unschuld, deiner Schutzlosigkeit, dich zu bewegen in deiner Menschlichkeit, wie sie gerade ist.
Du gehst vielleicht etwas wackelig, wie ein gerade geschlüpftes Kalb auf den Bahnen der Planeten und du glaubst, die Wände der Welt stürzen jeden Augenblick auf dich ein und doch erwächst bereits aus dem ersten Schritt Kraft, Weite und Vertrauen …

Du blickst in den Wind des Unbekannten mit den Augen eines Kindes …

Und so gehen wir Schatzsucher weiter auf hellen Straßen und folgen dem Unbegreifbaren …

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“The one who is without doubt is the real you. Find out who this real you is and concentrate on it.”

Ramana Maharshi

It all depends on trusting what the heart wants to experience, leaving no room for doubt, and then it gets full of breakthrough energy. And then go in there completely, do not be careful, do not measure, do not delay …

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It does not take any skills to go through the opening, it’s more like a very gentle, sweet breakthrough. It takes you to be in your innocence, your defenselessness, to speak without control, to move in your humanity as it is.
You may be shaky, like a newly hatched calf walking on the orbits of planets and you believe the walls of the world collapse at any moment on you and yet already arises from the first step strength, width and confidence …

You look into the wind of the unknown with the eyes of a child …

And so we go on like treasure hunters continue on bright roads and follow the incomprehensible …

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Om Namah Shivaja

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Mit dem drahtigen Inder und seiner roten Steinschleuder ist nicht zu spaßen. Er ist wohl der Einzige vor dem die Affen bei der Tempelhöhle am Arunachala Respekt haben. Die alte Affenmama, deren Zitzen die stattliche Anzahl ihrer Kinder bezeugen, öffnet dir sogar den Rucksack, den du auf deinem Körper trägst …

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Die Geschichten, die wir uns immer wieder über uns selbst erzählen, beugen uns, halten uns in der Trance eine abgetrennte Persönlichkeit zu sein.
Shiva kehrt die alten Geschichten aus dem Tempel. Deswegen hat er wohl den Ruf eines Zerstörers erhalten. Er muss das machen, denn er möchte in dir wohnen. Der Berg Arunachala ist nicht ein Symbol Shivas, er IST Shiva und du, der/die auf ihm wandert, kann nicht getrennt bleiben. Du bist das Lieblingsspielzeug in der Hand des Lebens. Klar möchte er auch in dir sein. Er will als Tiger durch deinen stillen Wald streifen. Er möchte als Pfau durch deine hohen Hallen spazieren und an deiner Quelle kauern.

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With the wiry Indian and his red Slingshot is not to be trifled. He is probably the only one from whom the monkeys at the temple cave on Arunachala have respect. The old monkey mom, whose teats testify to the stately number of her children, even opens the backpack that you wear on your body …

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The stories we keep telling ourselves about ourselves bend us, keep us in the trance to be a separate personality.
Shiva sweeps the old stories out of the temple. That’s why he probably got the reputation of a destroyer. He has to do that because he wants to live in you. Mount Arunachala is not a symbol of Shiva, it IS Shiva and you who walk on it can not be separate. You are the favorite toy in the hand of life. Of course he wants to be in you too. He wants to roam as a tiger through your silent forest. He wants to walk as a peacock through your high halls and crouch at your source.

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Hanuman ist real! / Hanuman is real!

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O.k. die Aufklärung hat uns Westler vom Machtmissbrauch der Kirche und falschem Aberglauben befreit, aber ist nunmehr alles lächerlich, bloß weil es das Licht der Vernunft nicht erreichen kann?

In Indien ist der Raum der Wahrnehmung wesentlich weiter. Hier ist nicht nur die sichtbare Palette der Farben präsent, sondern auch noch Infrarot und Ultraviolett. Hanuman ist real! Krishna kannst du hier leibhaftig begegnen und das macht etwas mit dem ganzen Land, der Kontinent ist fest gehalten im heiligen Griff. Der Wind treibt die trockenen Blätter über den Tempelstein, in dem noch der alte Zauber lebt. Die Wellen des Schlafs spülen den Saddhu an, von Libellen umschwirrt. Selbst die Vögel streifen hier anders durch die Luftschwaden, sie scheinen nirgendwo hin zu wollen, als genüge es ihnen einfach hier zu sein …

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Das Leben ist wie der indische Straßenverkehr: Selbst wenn dir das Drücken der Hupe eine gewisse Sicherheit verleiht, ist es sinnlos zu glauben, du könntest irgendetwas kontrollieren. Es ist geradezu dumm, der Ratio – die ein wunderbares Werkzeug ist – die Herrschaft zu überlassen. Alles wirklich Wesentliche kann sie nicht begreifen, weder das Leben, den Tod noch die Liebe …

Also kommt schon! Bemalen wir die alten Höhlen neu, schicken wir die Götter des Nutzens und des Profits in den Urlaub. Lassen wir die Babys frei. Dann flackern
unsere Blicke wieder wie Kerzen angesichts der nackten Stille …

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OK. reconnaissance has freed us westerners from the power abuse of the church and false superstition, but is everything ridiculous just because it can not be reached by the light of reason?

In India, the space of perception is much wider. Here is not only the visible range of colors present, but also infrared and ultraviolet. Hanuman is real! You can meet Krishna here in person and that makes something with the whole country, the continent is held tight in a sacred grip. The wind drives the dry leaves over the temple stone, where still the old magic lives. The waves of sleep flush the Saddhu, buzzing with dragonflies. Even the birds wander through the air differently, they do not seem to go somewhere, as if it is just enough for them to simply be here.

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Life is like Indian traffic: even if the sound of the horn gives you some security, it’s useless to think you could control anything. It is downright stupid to let the Ratio – which is a wonderful tool – rule. She can not understand anything really essential, neither life, death nor love …
So come on! Let’s paint the old caves anew, send the gods of utility and profit on vacation. Let us free the babies. Then our eyes flicker again like candles in the face of naked silence …

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In der Stille wird alles enthüllt / In silence everything is revealed

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Soweit das Auge reicht, glänzt die indische Landschaft sanft wie ein mit Licht gemaltes Bild, in dem sich die Wesen tummeln …

Und diese LUFT streicht darüber, weich und warm wie fiebrige Haut, wie eine Erinnerung daran, als die Welt noch nicht war. Du kannst aus ihr heraus riechen, was auch immer du möchtest, wenn du sie sehen könntest, wäre in ihr ALLES wie auf illuminierten Tüchern gezeichnet, die verborgen doch immer noch lebendig um die Dinge wehen. Um den Traktor, der sein Teil durch das flache Wasser der Reisfelder zieht, um die Kraniche und um die Kühe, die sich ablecken und in die Sonne legen …

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Du hast die Reise begonnen, die Orte der Ignoranz verlassen, du musst nie mehr zurück. In der Stille wird alles enthüllt, die Persönlichkeit die in deinem Körper wohnt, wandert verloren herum wie ein rastloses Tier in vergangenen Räumen …

Wenn sie still wird, öffnen sich urplötzlich Schleusen und das Leben stürzt wie Wasser in dich und füllt alle deine Becken. Es zieht wie ein indischer Festzug in den frei gewordenen Raum und etwas in dir feiert mit. Die inneren Bäche stürzen herab, endlich wirst du berührt. In deiner Verbeugung zeigt die Stille ihren kostbarsten Schatz. Das ganze Gold der Mitte liegt brach …

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As far as the eye can see, the Indian landscape shines gently like a picture painted with light, in which the creatures bustle …

And that AIR sweeps over it, soft and warm like feverish skin, like a reminder of the world before it exists. You can smell whatever you want out of that air, if you could see it, EVERYTHING would be drawn like on illuminated cloths that still haunt life in a hidden way. It waves around the tractor, which pulls its olow through the shallow water of the rice fields, around the cranes and around the cows, which lick themselves and lay down in the sun …

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You started the journey, leaving the places of ignorance, you never have to go back. In the silence everything is revealed, the personality that lives in your body wanders around lost like a restless animal in past rooms. When it becomes silent, sluices suddenly open and life rushes like water in you and fills all your ponds. It moves like an Indian pageant into the vacated space and something inside you celebrates along. The inner streams fall down, finally you are touched. In your bow, silence shows its most precious treasure. All the gold in the middle lies waste.

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Sind die Inder alle heilig? / Are all Indians saints?

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Ah Indien, da gehst du auf hellen Straßen und diese Luft, diese einzigartige Luft, die so viel beinhaltet, man riecht Gewürze und Rauch und alte Seelen, man spürt darin die Gegenwart von allem nicht mehr Sichtbaren …

Da versteht man die indische Miniaturmalerei gleich viel besser, das sieht ja hier wirklich so aus!
Und so eine perfekte Inszenierung, wohin man schaut! Jedes beiläufige Detail ist wie von Meisterhand kreiert. Die bemalten Hörner der Kühe, das Seil, das von ihrem Hals baumelt, der weiße Kranich, der gerade in dem Moment vor ihrem Kopf spaziert. Die silbernen Fäden auf den luftigen Pavillons laden den Wind ein.

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Selbst der Verfall zeigt Würde. In den Granitwerken sieht man, dass auch unter der Erde prächtige Farben glitzern. Sogar die Menschen sind bis ins kleinste Detail in die Szenerien arrangiert, als würden sie das perfekte Schauspiel aufführen …

Es sind ja auch überall Tempel hier. Sind die Inder alle heilig? Oder sind wir alle – ohne es zu bemerken – Schauspielerinnen im allerhöchsten Spiel?

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Ah India, there you go on bright roads and this air, this unique air that contains so much, one smells spices and smoke and old souls, one senses in it the presence of everything which is no longer visible …

Now i understand the Indian miniature paintings much better, India really looks like this!
And such a perfect set up, wherever you look! Every casual detail is created as if a master craftsman would have done it. The painted horns of the cows, the rope dangling from her neck, the white crane just walking in front of her head in that moment. The silver threads on the airy pavilions invite the wind.

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Even the decline shows dignity. In the granite workshop you can see that splendid colors are also glittering under the ground …

Even the people are arranged to the smallest detail in the scenery, as if they were performing the perfect show. And there are temples everywhere. Are all Indians saints? Or are we all – without realizing it – actresses in the very highest game?

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