Aufbrechen / Breaking open

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Foto: Reinhard Werner

Einst aus der Weite in die Form gebrochen.
Reingebrochen in die Sinne, in das Sein …

Nun ausbrechend aus der Vergangenheit. Hervorbrechend aus dem Gewohnten.
Durch die Gedankentrance in die Anwesenheit, in die Stille, brechend …

Hineinbrechend in die Öffnung.
Einbrechend in die Gegenwart. Aufbrechend aus der Form, ins Ungewisse, mit traumwandlerischer Sicherheit,
wissen wir nicht, wohin wir gehen …

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Once broken from the vastness into the form.
Broken into the senses, into being …

Now breaking out from the past,
out from habit.
Breaking through the thought-trance into awareness, into silence …

Breaking into the opening, into the present.
Breaking out of form, into the unknown, with dreamlike certainty,
we do not know where we are going …

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Virtual reality

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Fotos: Renée Kellner

Der konditionierte Verstand baut ständig neue Szenarien in die geistige Landschaft, als wäre man mit einer Virtual Reality Brille unterwegs. Die eigene Persönlichkeit als HauptdarstellerIn ist manchmal der Star, vor dem sich die Welt andächtig verneigen sollte (warum tut sie das bloß nicht???) und manchmal der größte Loser der Geschichte. Das Spiel besteht darin, den Star ständig zu etablieren, endlich die nötige Anerkennung zu bekommen und den Loser zu vermeiden. Menschen, von denen man nichts bekommen kann, muss man als potenzielle Feinde betrachten, denn sie könnten ja das Wenige nehmen, was man noch hat …

Verblassen die Themen und Gegenstände aus dem Denken, erlischt das schrille Spiel, bleibt der magische Raum zurück, aus dem alles entstanden ist. Die leere Bühne öffnet den Blick für ein gelöstes Spiel, bevölkert von dem, was ist …

Hier wird das Original gespielt, keine Interpretation davon. Auch der/die HauptdarstellerIn ist, was er/sie ist. Wesen, älter als die Zeit, tief verbunden mit dem Kreisen der Gestirne und dem frischen Strom des Seins, mit dem Sprießen und Flüstern, Welken und Melken, begegnen einander als Freunde, die sich zeigen, was zu sehen ist, damit das große Schiff in die neue Zeit ausläuft …

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The conditioned mind is constantly building new scenarios in the mental landscape, as if one would be traveling with Virtual Reality glasses. Your own personality as a leading actor is sometimes the star, to whom the world should worship devoutly (why does not she already???) and sometimes the biggest loser in history. The game demands to constantly establish the star, finally get the necessary recognition and avoid the loser. People from whom you can get nothing, you have to consider as potential enemies, because they could take even the little, what you still have …

If the themes and objects disappear from the mind , the shrill play fades away, leaving behind the magical space from which everything originated. The empty stage opens the view to a relaxed game, populated by what is …

Here the original is played, no interpretation of it. The main actor is also what he / she is, nothing else. Beings older than time, deeply connected with the circling of stars and the fresh stream of being, with sprouting and whispering, withering and milking, encounter each other as friends, showing themselves what can be seen to support the great ship sailing into the new time …

Geschenke / Presents

 

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Fotos: Renée Kellner

Du lehnst dich mit dem Gesicht in die Frühlingsluft und gibst der Familie der Dinge, die Ehre deiner Anwesenheit. Du verlässt die Welt deiner Gedanken und schenkst dich dem Wind und den Sternen. Du trittst heraus aus deinem Bunker und gehst ein paar Schritte in der Berührung …

Jemand hat deinen Käfig aufgesperrt. Alles, was du jetzt hast, ist das nackte Menschsein, wie vor Adam und vor Eva. Die Gegenwart bietet dir keine weiteren Fluchtmöglichkeiten, denn von ihr aus gesehen ist nichts anderes wirklich, weder die Welt deiner Gedanken, noch der Bunker noch der Käfig …

Es ist, als würden sich durch dich alle Gefühle in die Welt träumen. Die Keime, die das Leben einst in dich pflanzte, drängen nun als Geschenke zur Welt …

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You lean with your face into the spring air and give the honor of your presence to the family of things. You leave the world of your thoughts and give yourself to the wind and the stars. You step out of your bunker and take a few steps into the touch …

Someone has unlocked your cage. All you have now is naked humanity, as before Adam and before Eve. The present offers no further escape, because seen from her nothing else is real, neither the world of your thoughts, nor the bunker nor the cage …

It is as if all the feelings are dreaming themselves into the world through you. The germs that life once planted in you are now giving birth as gifts …

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Die Perfektion des Nichtwissens / The perfection of not-knowing

auf zug springen

Fotos: Renée Kellner

„Warum sollten Sie Ihre Last tragen, wenn Sie in der Eisenbahn fahren? Sie befördert Sie und Ihre Last, ob Sie sie nun tragen oder ablegen. Sie erleichtern dem Zug nicht die Bürde, wenn Sie Ihre Last selbst tragen, aber Sie belasten sich unnötig damit. Entsprechend ist es mit dem Individuum, das sich für den Handelnden hält.“

Ramana Maharshi

Du streckst dich, du gähnst, du lachst, du weinst.
Ist das etwas, das du tust oder etwas, das geschieht?
Dein Herz schlägt, dein Atem strömt, deine Lider wischen plötzlich sanft über die Augen.
Ist das etwas, das du tust oder etwas, das geschieht?
Ein Impuls taucht auf, du hast plötzlich eine Idee, ein Gefühl stellt sich ein.
Ist das etwas, das du tust oder etwas, das geschieht?
Musst du dein Leben machen oder ruhst du mit deiner Anwesenheit im glitzernden Lotus der Dinge?

Als du ein Kind warst, allmählich deine Stimme brach und dein Geschlecht erblühte.
Ist das etwas, das du tust oder etwas, das geschieht?
Wenn sich die Mauer des Denkens teilt und etwas in dir auf den inneren Wachturm klettert.
Ist das etwas, das du tust oder etwas, das geschieht?
Wenn du im Gedankenwasser schwimmst, in Meinungen und Urteilen schwelgst und das plötzlich bemerkst.
Ist das etwas, das du tust oder etwas, das geschieht?
Musst du dein Leben denken oder kannst du dich von den Strömungen des Seins erfassen lassen?

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„Why should you carry your load when you ride the train? It carries you and your luggage, whether you hold or drop it. You do not lighten the load for the train when you carry your burden yourself, but you unnecessarily strain yourself with it. Accordingly, it is with the individual who considers himself the actor. „

Ramana Maharshi

You stretch, you yawn, you laugh, you cry.
Is that something you do or something that happens?
Your heart is beating, your breath is streaming, your eyelids are suddenly gently wiping your eyes.
Is that something you do or something that happens?
An impulse emerges, you suddenly have an idea, a certain feeling arises.
Is that something you do or something that happens?
Do you have to do your life or do you rest with your presence in the glittering lotus of things?

When you were a child, your voice gradually broke and your sex blossomed.
Is that something you do or something that happens?
When the wall of thought divides and something in you climbs the inner watchtower.
Is that something you do or something that happens?
When you swim in thought water, indulge in opinions and judgments and suddenly realize that.
Is that something you do or something that happens?
Do you have to think your life or are you able to let yourself being gathered by the currents of being?

Nichts als der Durst ist mir Licht / Nothing but thirst is light to me

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Fotos: Renée Kellner

Wenn man anhält und nach innen schaut, sieht man, da geschieht gerade etwas, das bereits so ist, wie es ist. Meistens Gedanken, die versuchen mit irgendetwas klarzukommen, ein bestimmtes Gefühl dazu und da ist noch etwas: eine unbewusste Annahme, dass es anders sein sollte. Etwas sucht nach einem idealeren Zustand …

Dieser Grundzustand treibt wilde Blüten, zumindest, wenn man nicht genau hinschaut. Zu einem eine Art Unruhe und Unzufriedenheit, denn unbewusst ist es ja nicht o.k., wie es ist. Zum anderen ist es Ausgangspunkt für wahl- und zahllose Dramen, denn jemand, muss ja schuld daran sein, denn das Leben sollte sich besser anfühlen. Hat der Postbote mir den Tag verdorben, weil er das Paket falsch geliefert hat, oder war es mein Partner, von dem ich zu wenig Aufmerksamkeit bekomme, oder die Regierung?

Was wäre, wenn in uns alles o.k. wäre, wie es ist? Menschsein eben, gewinnen, verlieren, lachen, weinen. Wenn gar nichts anders sein sollte? Was gerade in uns geschieht, ist Teil der großen Strömungen des Seins. Wenn sich unser Blick öffnet, dann geschieht das in einem weit größeren Zusammenhang, so wie die Knospen oder die Hoden anschwellen, im Frühling. Wenn sich unser Herz öffnet, dann nicht, weil wir das so machen könnten, sondern weil dem Universum gerade nach erwachen ist …

Wenn man genau hinschaut, erkennt man in der Sehnsucht, dass es anders sein sollte, als es ist, den Wunsch nach Hause zu kommen. Nicht mehr der/die EinzelkämpferIn zu sein, sondern aufzugehen in den Strömungen des Seins …

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When you stop and look inward, you see that something is happening that is already, as it is. Mostly thoughts that try to come to grips with something, a certain feeling about it and there is something else: an unconscious assumption that it should be different. Something is looking for a more ideal condition …

This ground state drives wild flowers, at least if you do not look closely. First of all a kind of restlessness and dissatisfaction, because unconsciously it is not ok as it is. On the other hand, it is the starting point for random and countless dramas, because somebody has to be to blame since life should feel better. Did the postman ruin my day for delivering the package incorrectly, or was it my partner from whom I do not get enough attention, or the government?

What if everything would be o.k. the way it is? Being human, winning, losing, laughing, crying. How about nothing should be different? What is happening in us is part of the great currents of being. When our gaze opens, it happens in a much wider context, as buds or testicles swell in spring. If our heart opens, it is not because we could do it that way, but because the universe is about to awaken …

If you look closely, you realize in the longing that it should be different than it is, the desire to come home. No longer being the lone fighter, but to be absorbed in the currents of being …

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Märchen / Fairy tales

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Fotos: Renée Kellner

Es ist wie im Märchen: In jedem von uns wohnt, verwunschen im Königsschloss des Körpers, das Eigentliche, das Kostbarste. Zwar gut geschützt – überwachsen von dichtem Rosengeflecht – sehnt es sich dennoch nach dem erlösenden Kuss …

Immer wieder dringt ihr Ruf in unser Alltagsleben. Die beiden älteren Söhne des Königs hatten sich schon auf den Weg gemacht zu ihr gemacht allerdings ohne Erfolg, denn sie wollten das Kostbarste nur als ein Mittel zum Zweck, was gar nicht geht. Der jüngste Sohn allerdings, macht sich auf, um das Eigentliche an sich kennenzulernen. Er muss zuerst die Aufgaben lösen, er erkennt, dass nur er selbst Zugang findet, weil er das System des Königsschlosses kennt …

Nur er weiß, wie die eigene Persönlichkeit tickt, er kennt alle Schlupfwege und Mechanismen, die das Kostbarste verborgen halten. Er weiß, dass das ganze Schloss verwunschen ist, in einem Bann gehalten wird. Wie durch Zauberspruch wird man in dem Schloss ständig abgelenkt, sobald man sich auf die Fährte macht das Wesentliche zu finden, wirft jemand einen Stein in das Gebüsch und schon ist man wieder abgelenkt. Die alte Hexe zaubert ständig neue Geschichten in die Gedankentrance, nur um das Kostbarste zu verschleiern und so vergehen die Jahrhunderte …

Der jüngere Sohn kennt nicht nur, was den Bann aufrechterhält, er weiß auch genau, was hilft. Er lässt sich nicht so leicht von den Geschichten ablenken, bleibt beim direkten Erleben. Wenn er mit dem Auto fährt, gibt er sich ganz dem Ballett der schwingenden Wagen hin und nicht den Gedanken. Wenn er sich die Haare kämmt, spürt er die Spur der Freude, die sein Kamm wie ein feiner Pflug in die Kopfhaut zieht und nicht das geile Drama seines Kopfkinos. Wenn er sich doch mal ablenken lässt, kehrt er bald mit seiner Aufmerksamkeit zum Wesentlichen zurück, verliert es nicht aus dem Sinn …

Nur der jüngere Sohn kann den inneren Garten betreten, weiß um die Kernigkeit seiner Knospen, um das heilende Kraut. Weil er sich nicht ablenken lässt, sieht er den goldenen Schlüssel und öffnet den Raum für das Kostbarste …

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It’s like in a fairy tale: In each of us dwells the real, the most precious in the royal castle of the body. Although well protected – overgrown with dense rose netting – it still longs for the redeeming kiss …

Again and again her call gets out into our everyday life. The king’s two older sons had already set out on their journey, but to no avail, for they wanted to incorporate the most precious only as a means to an end, which does not work at all. The youngest son, however, sets off to get to know the real thing for itself. He first has to solve the tasks, he realizes that only he himself has access because he knows the system of the royal castle …

Only he knows how his own personality is ticking, he knows all the slipways and mechanisms that hide the most precious. He knows that the whole castle is bewitched, kept in a hex. As if by spell, one is constantly distracted in the castle, as soon as one gets Close to the essential, someone throws a stone in the bushes and one is distracted again. The old witch constantly conjures up new stories in the trance of thought, only to disguise the most precious and so pass the centuries …

The younger son not only knows what keeps the spell, he also knows exactly what helps. He is not easily distracted through the stories, remains in direct experience. When he drives, he gives himself completely to the ballet of the swinging cars and not to thought. When he combs his hair, he feels the trace of joy that pulls his comb like a fine plow in the scalp and not the lustful drama of his head cinema. If he lets himself be distracted, he soon returns to the essential, does not lose sight of it …

Only the younger son can enter the inner garden, knowing the essence of its buds, the healing herb. Because he does not let himself be distracted, he sees the golden key and opens the chamber of the most precious …

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Wandern im Nichts / Walking in Nothingness

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Fotos: Renée Kellner

Wie ein Detektiv jeden Hinweis nachgehend, schon seit die Zeit aus dem Schatten getreten ist …

Wir wandern im Nichts. Stille schließt unsere Form auf. Wir streunen in Auslöschung auf Seiden knisternden Ebenen des weißen Morgens. Wir flanieren in nichts als Öffnung, die weder Geburt noch Tod kennt …

Der sprachlosen Ahnung folgend, die alleine Herzen kennen, richten wir uns innerlich auf, wächst in uns der Mensch, der wir eigentlich sind …

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Like a detective following any hint, since time has come out of the shadows …

We walk in nothingness. Silence unlocks our form. We roam in obliteration on silky-cracking levels of the white morning. We stroll in nothing but an opening that knows neither birth nor death …

Following the speechless notion that our hearts alone know, we raise inside, becoming the human being that we really are …