Your best friend

003

Fotos: Renée Kellner

Es ist, als wäre man zu zweit: zwei Personen, die ineinander verwoben sind. Die eine Person ist eigentlich keine Person, eher eine Wesenheit, sie hat nur wage Umrisse und ist dennoch das einzig Wirkliche weit und breit, der Grund, aus dem die Dinge sind. Sie lebt verborgen in offener Sicht. Wird gesucht, obwohl sie das Allgegenwärtigste ist, wird mystifiziert, obwohl sie das Normalste ist. Sie ist der beste Freund, nimmt unbedingt Teil und verbirgt doch ihre Wunder vor aller Augen …

Die andere Person, mit und zu der man heranwächst, hat einen Namen und eine kontinuierliche Geschichte, mit der man sich üblicherweise identifiziert und sagt: Das bin ich. Das sieht über weite Strecken so real aus, man käme nicht auf die Idee, das anzuzweifeln. Dennoch fehlt dieser Person etwas. Obwohl sie scheinbar so wirklich ist, hält sie keiner genauen Untersuchung stand, ist gestrickt aus Gedankenfäden und braucht ein enormes Maß an Anstrengung, um über die Runden zu kommen. Weil sie eigentlich so wenig real ist, braucht sie ständig Bestätigung, möchte sie Anerkennung und Bedeutung, um zumindest das Gefühl zu haben, jemand zu sein …

Die eine Person, der beste Freund ist der anderen Person näher als der Atem, er führt ihre Hand und flüstert in ihr Ohr. Obwohl er von der anderen Person übersehen, vergessen und ignoriert wird, kennt er doch ihre Sehnsucht und ist immer offen und bereit …

Die andere Person glaubt immer irgendwohin zu müssen, glaubt immer, etwas müsse anders sein. Die eine Person ist schon da und alles darf sein, wie es ist …

Die andere Person sucht immer etwas, will immer etwas, das nicht hier ist. Sie sucht in Wahrheit die eine Person, den besten Freund …

Die beiden treffen sich an der Spiegelfläche, hier lädt der beste Freund die andere Person zum Rendezvous ein. Und er ist ein guter Verführer: er kennt seine Tricks, er macht alles genauso wie die andere Person – jede ihrer Handlungen, jedes noch so winzige Detail – vollführt sie jedoch in Liebe, Freude und Freiheit. Wer kann da schon widerstehen? Der anderen Person bleibt nur mehr Hingabe …

001

 

It’s like two persons living in one: together intertwined.
The one person is actually not a person, more a being, it has only vague outlines and yet is the real deal, the cause of things. It lives hidden in open view. It is sought, though being the most omnipresent, is mystified even though it is the most normal. It is the best friend, it takes totally part and yet hides its miracles in front of all eyes …

The other person is the one with whom you grow up with, which has a name and a certain history and  you usually identify with it and say: That’s me. This looks so real over long distances, you would not have the idea to doubt it. Nevertheless, this person is missing something. Although it seems so real, it does not stand up to any inquiry, it is knit with thought threads, and needs a tremendous amount of effort to make ends meet. Because it is so unreal, it always needs confirmation, wants recognition and meaning, to feel that it at least is somebody …

The one person, the best friend is closer to the other person than the breath, it takes its hand and whispers in its ear. Although it is overlooked, forgotten and ignored by the other person, it knows its longing and is always open and ready …

The other person always believes it has to go somewhere, believes something should be different. The best friend is already here and everything may be as it is …

The other person is always looking for something, always wants something that is not here. Essentially it is looking for the one person, the best friend …

The two meet at the mirror surface, here the best friend invites the other person to a rendezvous. And it is a good seducer: it knows its tricks, it does everything the same way as the other person – each of its actions, every minute detail – executes them in love, joy and freedom. Who could resist that? There is nothing else for the other person but to surrender …

002

Werbeanzeigen

Die Perfektion des Nicht-Wissens / The perfection of not-knowing

Abdeckpapier 2

„An sich ist nichts weder gut noch böse; das Denken macht es erst dazu.“

William Shakespeare

Es geht nicht darum, ob man irgendetwas richtig gemacht hat und es geht nicht darum, ob man irgendetwas falsch gemacht hat. Es geht um das genaue Hinschauen, wie ein Außerirdischer in die menschliche Existenz hinein, was geht da vor sich? Wirklich hinzuschauen, hinein in den Moment, wo man auftaucht, aus dem Gedankenwasser, kurz orientierungslos ist und aufrecht wie ein Kind, mit klarem Blick in den Weltenspiegel schaut. Jedes Mal, wenn du auftauchst, wächst das Gedankenwasser heil und du beißt dich ein Stück weit hinein in die Realität …

„Ein Märchen voll Klang und Wut, das nichts bedeutet.“

William Shakespeare

Es geht nicht darum, ob man gewinnt und es geht nicht darum, ob man verliert, sondern darum, frei zu sein vom Klebstoff des Denkens jedweder Art. Wobei die Gedanken ruhig wie Geister durch den Orbit ziehen dürfen, solange man nicht an ihnen kleben bleibt, sondern eins ist mit sich im frischen Raum und das Schauen wie durch eine Jungfernhaut in die Existenz dringt …

abdeckpapier1

„Nothing is good or bad but thinking makes it so.“

William Shakespeare

It’s not about whether one did anything right and it’s not about doing anything wrong. It’s about looking closely, like an alien into human existence, what’s going on? To really look deeply into the moment when one appears, out of the water of thought, for a moment disoriented and looking upright like a child, with a clear view into the world mirror.
Every time you turn up, the thought-water grows whole and you bite a bit into reality …

„Full of sound and fury signifying nothing.“

William Shakespeare

It’s not about whether you win and it’s not about losing, but about being free from the glue of thinking of any kind. The thoughts are allowed to quietly drag like spirits through orbit, as long as one does not stick to them but is with oneself in a fresh space and the gaze penetrates as through a virgin skin into existence ..

Master of Disaster

20180302_075338-1

Da ist so eine kleine Mauer, die wir hochziehen vor der Realität, gerade soviel, dass wir uns scheinbar sicher fühlen. Doch gerade innerhalb der Mauern sammelt sich das Leid. Wenn jede Regung erlaubt ist, jedes Detail willkommen, breitet sich die Stille aus wie ein leeres, knisterndes, knuspriges Land …

Wir glauben oft, es würde noch etwas fehlen, damit wir vollständig sind. Wir bräuchten noch eine bestimmte Fähigkeit, um die verborgenen Schätze zu heben. Tatsächlich fehlt wirklich gar nichts. Allein die Bereitschaft zur Menschlichkeit, in der wir uns erlauben, Mensch zu sein, mit allem, was dazugehört, ohne Ausnahme, erlaubt dem Leben durch die Mauern zu fließen …

Wenn sich wirklich nichts verändern muss, fallen wir auf den Grund der Stille, in ihre unglaubliche Kapazität alles zu halten, wie die Stirn eines fiebernden Kindes, wie die Vögel im Nachtfrost, wie den Raum zwischen Menschen, wie die Mikrokleinigkeiten im Disaster.

20180302_075306-1

There is a small wall that we pull up to separate us from reality, just enough to make us feel safe. But just inside the walls suffering accumulates. When every movement of being is allowed, every detail is welcome, the silence spreads like an empty, crackling, crunchy land …

We often believe there is something missing for us to be complete. We think we still need a certain ability to lift the hidden treasures. In fact, nothing is missing. Only the willingness to humanity, in which we allow ourselves to be human, with everything that belongs to it, without exception, allows life to flow through the walls …

If really nothing needs to change, we fall to the bottom of silence, in her incredible capacity to hold everything, like the forehead of a feverish child, like the birds in the night frost, like the space between people, like the micro-minuteness in the disaster.

Ataraxia

IMG_6232SW

„Es ist Zeit die Konsensrealität zu missachten.“

Charles Eisenstein

Offenheit brennt dir Löcher in den Teppich deines Egos. In der Öffnung hältst du die Stange der Stille hoch inmitten der Schlachtfelder der Konditionierung, selbst wenn Furien nach dir schnappen. In jedem Moment von Offenheit atmest du mit den Gestirnen, auch wenn die alten Stimmen wie Sirenen schreien im trockenen Wald …

Egal welche Klammer dich hält und welche Stricke dich binden, in der Öffnung lösen sie sich. Egal welche Geschichten dir die ausgefuchsten Fischhändler, Priester und Politiker in die Ohren blasen, in jedem Augenblick von Stille wird dein Spiegel klarer …

Immer wenn du die Türen öffnest und den Wachposten der Stille betrittst, gewinnt das Abenteuer über die Knechtschaft. Egal wie erschöpft du bist und wie sehr du von quälenden Trugbildern verfolgt wirst, jedes Mal, in deiner offenen, stillen Präsenz bekommt das Unaussprechliche deinen ganz besonderen, frechen Blick …

IMG_6229SW

„It’s time to disregard consensus reality.“
Charles Eisenstein

Openness burns holes in your ego’s carpet. In the opening you hold the pole of silence high in the midst of battlefields of conditioning, even when furies snap at you. In every moment of openness you breathe with the stars, even if the old voices scream like sirens in the dry forest …

No matter which brackets hold you and which ropes bind you, they dissolve in the opening. No matter what stories the sleeky fishmongers, priests and politicians blow in your ears, in every moment of silence your mirror becomes clearer …

Whenever you open the doors and enter the Sentinel of Silence, adventure wins over bondage. No matter how exhausted you are and how much you are persecuted by tormenting illusions, every time, in your open, silent presence, the inexpressible gets your very special, cheeky look …

IMG_6222SW

Kultivierung der Freude / Cultivation of joy

IMG_6236

Fotos: Renée Kellner

Wer vom Brunnen der Stille genascht hat, wer vom Wein der Freude gekostet hat, will mehr, will das immer, will nach Hause. Man kann die Stille jedoch nicht dazu bringen, ihre Geheimnisse zu lüften. Weder durch Wollen, durch Disziplin, durch Verführung oder durch Bitten und Betteln, noch wenn wir wieder und wieder mit dem Kopf gegen die Wand der Trennung laufen. Die Existenz zeigt sich erst dann, wenn sie sich zeigt, wie ein Geschenk, nicht wenn man etwas richtig oder falsch gemacht hat. Sie entfaltet sich in einer Freiheit, die sich allen Manipulationsversuchen – die man im Laufe des Lebens gelernt hat – entzieht …

Es ist gut zu wissen, was man tun kann und was nicht. Das, was wir im Grunde sind, unterhalb oder innerhalb unserer unterschiedlichen konditionierten, psychologischen Persönlichkeiten, hat bestimmte Eigenschaften: ES ist eins, lebt in Fülle, ist offen, es kann nicht werten, es ist bereit wie ein Kind, und es bewegt sich in Freude, wie ein Fisch im Wasser …

Taucht man diese Eigenschaften ein, bis man sie nicht nur kennt oder betrachtet, sondern wirklich IST, wird jede dieser Qualitäten zu einem Portal. Und das ist etwas, das man tun kann:

Dinge, die Trennung schaffen, die Mangel kreieren oder die bewerten und verurteilen zu vermeiden, oder zu mindestens ihren Wahrheitsgehalt infrage zu stellen. Das betrifft an die 95 % unserer Gedankentätigkeit …

Offenheit zelebrieren. Offen zu sein, ist ein magischer Platz, an dem wir an keinen Meinungen kleben. Ein Raum, in dem wir lauschen und verfügbar sind für die Strömungen des Wesentlichen …

Freude kultivieren, selbst den kleinsten Funken an Freude oder Bereitschaft folgen, es zu lernen, Freude in unbedeutendsten Bewegungen des Alltags zu finden, sich darin körperlich der Glut der Freude zu überantworten. Überall wo wir unsere Existenz von Herzen genießen, sind wir zu Hause …

 

IMG_6251SW1

Who has nibbled from the well of silence, who has tasted the wine of joy, wants more, wants that all the time, wants to come home. But you can not force silence to unlock its secrets. Not by wanting, by discipline, by seduction or by begging, nor by running our heads against the wall of separation again and again. The existence shows itself only on ist own accord, like a gift, not when you did something right or wrong. It unfolds in a freedom that defies all manipulation attempts – which one has learned in the course of life – …

It’s good to know what you can and can not do. What we basically are, underneath, or within our different conditioned, psychological personalities, has certain qualities: It is one, lives in abundance, is open, it can not judge, it is willing as a child, and it moves in Joy, like a fish in the water …

If one dives into these qualities, until one not only knows or looks at them, but actually BECOMES them , each of these qualities are a portal. And that’s something you can do:

Avoid things that accomplish separation, create lack, or judgement, or at least question their veracity. This concerns about 95% of our thought activity.

Celebrate openness. Being open is a magical place where we stick to no opinions. A space in which we listen and are available for the currents of essence.

To cultivate joy, to follow even the smallest spark of joy or willingness, to learn to find joy in the most insignificant movements of everyday life, to physically surrender oneself into the glow of joy. Wherever we relish our very existence, we are at home …

IMG_6249SW