Die Perfektion des Nicht-Wissens / The perfection of not-knowing

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„An sich ist nichts weder gut noch böse; das Denken macht es erst dazu.“

William Shakespeare

Es geht nicht darum, ob man irgendetwas richtig gemacht hat und es geht nicht darum, ob man irgendetwas falsch gemacht hat. Es geht um das genaue Hinschauen, wie ein Außerirdischer in die menschliche Existenz hinein, was geht da vor sich? Wirklich hinzuschauen, hinein in den Moment, wo man auftaucht, aus dem Gedankenwasser, kurz orientierungslos ist und aufrecht wie ein Kind, mit klarem Blick in den Weltenspiegel schaut. Jedes Mal, wenn du auftauchst, wächst das Gedankenwasser heil und du beißt dich ein Stück weit hinein in die Realität …

„Ein Märchen voll Klang und Wut, das nichts bedeutet.“

William Shakespeare

Es geht nicht darum, ob man gewinnt und es geht nicht darum, ob man verliert, sondern darum, frei zu sein vom Klebstoff des Denkens jedweder Art. Wobei die Gedanken ruhig wie Geister durch den Orbit ziehen dürfen, solange man nicht an ihnen kleben bleibt, sondern eins ist mit sich im frischen Raum und das Schauen wie durch eine Jungfernhaut in die Existenz dringt …

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“Nothing is good or bad but thinking makes it so.”

William Shakespeare

It’s not about whether one did anything right and it’s not about doing anything wrong. It’s about looking closely, like an alien into human existence, what’s going on? To really look deeply into the moment when one appears, out of the water of thought, for a moment disoriented and looking upright like a child, with a clear view into the world mirror.
Every time you turn up, the thought-water grows whole and you bite a bit into reality …

“Full of sound and fury signifying nothing.”

William Shakespeare

It’s not about whether you win and it’s not about losing, but about being free from the glue of thinking of any kind. The thoughts are allowed to quietly drag like spirits through orbit, as long as one does not stick to them but is with oneself in a fresh space and the gaze penetrates as through a virgin skin into existence ..

Master of Disaster

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Da ist so eine kleine Mauer, die wir hochziehen vor der Realität, gerade soviel, dass wir uns scheinbar sicher fühlen. Doch gerade innerhalb der Mauern sammelt sich das Leid. Wenn jede Regung erlaubt ist, jedes Detail willkommen, breitet sich die Stille aus wie ein leeres, knisterndes, knuspriges Land …

Wir glauben oft, es würde noch etwas fehlen, damit wir vollständig sind. Wir bräuchten noch eine bestimmte Fähigkeit, um die verborgenen Schätze zu heben. Tatsächlich fehlt wirklich gar nichts. Allein die Bereitschaft zur Menschlichkeit, in der wir uns erlauben, Mensch zu sein, mit allem, was dazugehört, ohne Ausnahme, erlaubt dem Leben durch die Mauern zu fließen …

Wenn sich wirklich nichts verändern muss, fallen wir auf den Grund der Stille, in ihre unglaubliche Kapazität alles zu halten, wie die Stirn eines fiebernden Kindes, wie die Vögel im Nachtfrost, wie den Raum zwischen Menschen, wie die Mikrokleinigkeiten im Disaster.

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There is a small wall that we pull up to separate us from reality, just enough to make us feel safe. But just inside the walls suffering accumulates. When every movement of being is allowed, every detail is welcome, the silence spreads like an empty, crackling, crunchy land …

We often believe there is something missing for us to be complete. We think we still need a certain ability to lift the hidden treasures. In fact, nothing is missing. Only the willingness to humanity, in which we allow ourselves to be human, with everything that belongs to it, without exception, allows life to flow through the walls …

If really nothing needs to change, we fall to the bottom of silence, in her incredible capacity to hold everything, like the forehead of a feverish child, like the birds in the night frost, like the space between people, like the micro-minuteness in the disaster.

Ataraxia

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„Es ist Zeit die Konsensrealität zu missachten.“

Charles Eisenstein

Offenheit brennt dir Löcher in den Teppich deines Egos. In der Öffnung hältst du die Stange der Stille hoch inmitten der Schlachtfelder der Konditionierung, selbst wenn Furien nach dir schnappen. In jedem Moment von Offenheit atmest du mit den Gestirnen, auch wenn die alten Stimmen wie Sirenen schreien im trockenen Wald …

Egal welche Klammer dich hält und welche Stricke dich binden, in der Öffnung lösen sie sich. Egal welche Geschichten dir die ausgefuchsten Fischhändler, Priester und Politiker in die Ohren blasen, in jedem Augenblick von Stille wird dein Spiegel klarer …

Immer wenn du die Türen öffnest und den Wachposten der Stille betrittst, gewinnt das Abenteuer über die Knechtschaft. Egal wie erschöpft du bist und wie sehr du von quälenden Trugbildern verfolgt wirst, jedes Mal, in deiner offenen, stillen Präsenz bekommt das Unaussprechliche deinen ganz besonderen, frechen Blick …

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“It’s time to disregard consensus reality.”
Charles Eisenstein

Openness burns holes in your ego’s carpet. In the opening you hold the pole of silence high in the midst of battlefields of conditioning, even when furies snap at you. In every moment of openness you breathe with the stars, even if the old voices scream like sirens in the dry forest …

No matter which brackets hold you and which ropes bind you, they dissolve in the opening. No matter what stories the sleeky fishmongers, priests and politicians blow in your ears, in every moment of silence your mirror becomes clearer …

Whenever you open the doors and enter the Sentinel of Silence, adventure wins over bondage. No matter how exhausted you are and how much you are persecuted by tormenting illusions, every time, in your open, silent presence, the inexpressible gets your very special, cheeky look …

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Kultivierung der Freude / Cultivation of joy

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Fotos: Renée Kellner

Wer vom Brunnen der Stille genascht hat, wer vom Wein der Freude gekostet hat, will mehr, will das immer, will nach Hause. Man kann die Stille jedoch nicht dazu bringen, ihre Geheimnisse zu lüften. Weder durch Wollen, durch Disziplin, durch Verführung oder durch Bitten und Betteln, noch wenn wir wieder und wieder mit dem Kopf gegen die Wand der Trennung laufen. Die Existenz zeigt sich erst dann, wenn sie sich zeigt, wie ein Geschenk, nicht wenn man etwas richtig oder falsch gemacht hat. Sie entfaltet sich in einer Freiheit, die sich allen Manipulationsversuchen – die man im Laufe des Lebens gelernt hat – entzieht …

Es ist gut zu wissen, was man tun kann und was nicht. Das, was wir im Grunde sind, unterhalb oder innerhalb unserer unterschiedlichen konditionierten, psychologischen Persönlichkeiten, hat bestimmte Eigenschaften: ES ist eins, lebt in Fülle, ist offen, es kann nicht werten, es ist bereit wie ein Kind, und es bewegt sich in Freude, wie ein Fisch im Wasser …

Taucht man diese Eigenschaften ein, bis man sie nicht nur kennt oder betrachtet, sondern wirklich IST, wird jede dieser Qualitäten zu einem Portal. Und das ist etwas, das man tun kann:

Dinge, die Trennung schaffen, die Mangel kreieren oder die bewerten und verurteilen zu vermeiden, oder zu mindestens ihren Wahrheitsgehalt infrage zu stellen. Das betrifft an die 95 % unserer Gedankentätigkeit …

Offenheit zelebrieren. Offen zu sein, ist ein magischer Platz, an dem wir an keinen Meinungen kleben. Ein Raum, in dem wir lauschen und verfügbar sind für die Strömungen des Wesentlichen …

Freude kultivieren, selbst den kleinsten Funken an Freude oder Bereitschaft folgen, es zu lernen, Freude in unbedeutendsten Bewegungen des Alltags zu finden, sich darin körperlich der Glut der Freude zu überantworten. Überall wo wir unsere Existenz von Herzen genießen, sind wir zu Hause …

 

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Who has nibbled from the well of silence, who has tasted the wine of joy, wants more, wants that all the time, wants to come home. But you can not force silence to unlock its secrets. Not by wanting, by discipline, by seduction or by begging, nor by running our heads against the wall of separation again and again. The existence shows itself only on ist own accord, like a gift, not when you did something right or wrong. It unfolds in a freedom that defies all manipulation attempts – which one has learned in the course of life – …

It’s good to know what you can and can not do. What we basically are, underneath, or within our different conditioned, psychological personalities, has certain qualities: It is one, lives in abundance, is open, it can not judge, it is willing as a child, and it moves in Joy, like a fish in the water …

If one dives into these qualities, until one not only knows or looks at them, but actually BECOMES them , each of these qualities are a portal. And that’s something you can do:

Avoid things that accomplish separation, create lack, or judgement, or at least question their veracity. This concerns about 95% of our thought activity.

Celebrate openness. Being open is a magical place where we stick to no opinions. A space in which we listen and are available for the currents of essence.

To cultivate joy, to follow even the smallest spark of joy or willingness, to learn to find joy in the most insignificant movements of everyday life, to physically surrender oneself into the glow of joy. Wherever we relish our very existence, we are at home …

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Joy and Fear

 

Parallel Landscape 1

“Wie ist es möglich da zu sein?”

Rainer Maria Rilke

Der psychologische Verstand webt Ungenügen ins Erleben, streut Zweifel und mischt etwas Versäumnis hinzu, so als wäre da ständig etwas, dass zu korrigieren wäre, um die Persönlichkeit zu verbessern. Das lässt so einen Geschmack von Mangel zurück, es wirft einen Schleier über die Person wie eine Religion. Mit diesem ungenügenden Blick betrachten wir einander. Das Grundgefühl dieser Lebenskultur ist Angst …

Das schleichende Gift wirkt jedoch nur in der Dunkelheit der Ego-Trance. Sobald etwas Licht auftaucht, vertreibt es die Gespenster der Nacht …

Die Hüter der Morgensonne tauchen durch das Gedankenwasser auf den Grund der Dinge. Hier wachen sie in süßem Bann. Stille streift durch die Landschaft ihrer Körper, ohne auch nur auf ein geringstes Hindernis zu treffen. Sie haben den Flaschengeist, der in ihnen wohnte nach Hause geschickt. Niemand glaubt mehr an den Sand, den er in Augen streut. Die verliebten Wächter werfen sich in die Arme des Windes, das Grundgefühl ihrer Lebenskultur ist Freude …

 

Parallel Landscape 8

“How is it possible to be here?”
Rainer Maria Rilke

The psychological mind weaves inadequacies into experience, sprinkles doubts, and adds some omission, as if there were always something to be corrected to improve one’s personality. That leaves behind a taste of constant lack, it casts a veil over the person like religion does. With this gaze to be not o.k., we look at each other. The basic feeling of this culture is fear …

This creeping poison works only in the darkness of ego-trance. As soon as some light appears, it dispels the ghosts of the night …

The guardians of the morning sun dive through the water of thought to the bottom of things. Here they are awake in a sweet ban. Silence wanders through the landscape of their bodies without encountering even the slightest obstacle. They sent the genie who lived in them back home. No one believes anymore in the sand they scatter in ones eyes. The amorous guards throw themselves into the arms of the wind, the basic feeling of their culture is joy ….

 

Die Kunst ist ein einziger weißer Fleck / Art is a unique white spot

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Hey now, all you children
Leave your lights on
You better leave your lights on
‘Cause there’s a monster
Livin’ under my bed
Whisperin’ in my ear
And there’s an angel
With her hand on my head
She say I got nothing to fear.

Songtext „Put your Lights on“ von Everlast

Als Kind war ich oft entäuscht, weil es keine weißen Flecken mehr auf den Landkarten gab, alles war schon entdeckt, keine richtigen Abenteuer mehr. Oh Mann, wie sehr ich mich geirrt habe! Das Leben ist ein einziger weißer Fleck …

In Da Vincis Tagebüchern stand zu lesen, er hätte sich angesichts der Leistung vorangegangener KünstlerInnen, gefragt, was er denn da überhaupt noch neues finden könnte, alles sei ja schon gemacht worden. Oh Mann, wie sehr er sich geirrt hat! Die Kunst ist ein einziger weißer Fleck …

Drehen wir im Höhlensystem unserer Gedanken ewige Runden, befinden wir uns immer, egal wo hin wir uns wenden, in der Vergangenheit. Der Verstand besteht aus Vergangenheit, er kann nur aus bereits da gewesenem schöpfen, das wirklich Neue kennt er nicht. Seine Gefilde bestehen nur aus Projektionen in Dunkelheit …

Drehen wir das Licht an, sehen wir den weißen Fleck immer neu. Er ist aus dem seltsamen Stoff gesponnen, der niemals altert. Während er sich ständig erneuert, nimmt er gern deine Farbe auf und freut sich auf deine Berührung. Durchmisst unser Körper das Licht der Stille, wandern wir im Kristallregen immer neuen Abenteuern entgegen …

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Hey now, all you children
Leave your lights on
You better leave your lights on
‘Cause there’s a monster
Livin’ under my bed
Whisperin’ in my ear
And there’s an angel
With her hand on my head
She say I got nothing to fear.

Songtext „Put your Lights on“ Everlast

As a kid I was often disappointed because there were no more white spots on the maps, everything was already discovered, no more real adventures. Oh man, how wrong I was! Life is a unique white spot …

In Da Vinci’s diaries was to read, he had trouble finding the new. The artists before him seem to have done everything essential already. Oh man, how wrong he was! Art is a unique white spot …

If we turn eternal rounds in the cave system of our thoughts, we are always, no matter where we turn, in the past. The mind consists of the past, it can only synthesize from already existing, he does not know the actually new. His realms consist only of projections in darkness …

When we turn on the light, we always see the white spot new again. It is spun out of the miraculous stuff that never ages. As it keeps renewing itself, it likes to pick up your color and looks forward to your touch. As our body strides across the light of silence, we will continue to walk in the crystal rain towards new adventures ….

 

Stille Wasser sind tief / Still waters run deep

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Fotos: Renée Kellner

Hinter den sieben Bergen in der Seestadt Aspern wohnte einmal ein Bildhauer. Im wahrsten Sinne des Wortes erhaute er sich seine Bilder mit dem Hammer, zerbrach Nützliches und beklebte praktische Dinge mit Scherben, um sie unbrauchbar zu machen. Ja, aus den Scherben entstanden zwar recht scharfe Skulpturen, aber wundert sich hier niemand, warum dort lauter Unsinn gemacht wird? Warum macht dieser Mann alles zunichte? Ist er verwunschen?

Zum besseren Verständnis: der Bildhauer wusste es selbst nicht, allein die Stille kennt den Grund. Der Bildhauer fischte in den Gewässern der Stille nicht nach Nützlichen, damit hatte man seine Welt sowieso schon überfrachtet. Er hoffte noch nicht mal darauf, seine Wünsche zu fangen. Nichts, dass er sich vorzustellen vermochte, machte ihn satt …

Bald hatte er alles zerschlagen, seine alte Welt zum Schweigen gebracht, um das zu sehen, was immer übersehen wurde. Wenn der intime Blick nicht mehr durch immer neue Dinge verstellt wird, erhebt sich das klare Leben, pure Lebendigkeit, aus den Scherbenhaufen und die Gestalten der Stille geben ihre Geheimnisse preis …

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Behind the seven mountains in the Seestadt Aspern lived once a sculptor. He smashed around with a hammer, broke up useful objects, and pasted shards all over practical things to make them useless. Yes, out of the broken pieces, some quite sharp sculptures arose, but is there no one wondering why he created such a lot of nonsense? Why does this man ruin everything? Is he haunted?

For a better understanding: the sculptor does not know it himself, only the silence knows the reason. The sculptor did not not fish for useful things in the waters of silence, his world was already overburdened by them anyway. He did not even hope to catch his wishes. Nothing that he could imagine made him full …

Soon he had smashed everything, silenced his old world to see what was always overlooked. When the intimate gaze is no longer obscured by ever new things, clear life, pure liveliness rises out of the heap of shards and the figures of silence reveal their secrets …

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