Stilles Blühen / Silent flowering

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Leben fühlt sich oft hart an, wie angeschlagene Keramik, als hätten wir schon zu lange dieselben Dinge erlebt. Bedrückend, dicht und abgestanden, Nährboden für billige Gewohnheit und giftige Gewächse …

Selbst die Anstrengung es ändern zu wollen, ist noch im selben alten Raum. Doch unbemerkt, wie von selbst, setzt mitten im Brüchigen ein Blühen ein, wie ein neues Instrument im Orchester oder wie ein Aufhorchen im Wald …

Ein sanftes Nichts macht sich Raum in den Trümmern. Evolution bereitet ein Feld für neue Könige und Königinnen. Man kann es nicht machen, aber jedes Mal, wenn man hinhört, ist es da …

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Life often feels hard, like broken ceramics, as if we’ve had experienced the same things for too long. Oppressive, dense and stagnant, breeding ground for cheap habits and poisonous plants …

Even the effort to change this is still in the same old room. But unnoticed, as if by itself, a flowering begins in the middle of the decayed, like a new instrument in an orchestra or like a listening in the forest …

A gentle nothingness makes itself space in the debris. Evolution is preparing a field for new kings and queens. One can not do that, but every time one listens, it’s there …

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Stille Boten / Silent messengers

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„Wo auch immer die Menge hingeht, lauf in die andere Richtung. Sie liegen immer falsch.“
Charles Bukowski

Das Wesentliche ist im Sitzen auf einem Stuhl, oder darin sich warm zu fühlen. Es blüht gleich unter der Haut.
Es träumt sich in tausend Wesen bis in ihre tiefsten Winkel. Es leckt wie Flammen an den Dingen …

Ein geheimer Vogel verbirgt sich im inneren Dschungel aus Bildern, Gespinsten und Getöse. Wenn die Versprechungen der Welt schal geworden sind oder wenn du zu fallen beginnst, hör auf seine stillen Ruf …

Er führt dich an Orte, von denen du schon immer wusstest. Wenn alle Auswege versiegt sind, bleibt letztlich nur Schönheit …

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„Wherever the crowd goes, run in the other direction, they’re always wrong.“
Charles Bukowski

The essential is to sit on a chair, or feeling warm. It blooms right under the skin. It dreams into thousand beings until their deepest corners. It licks like flames at things …

A secret bird hides in the inner jungle of images, marixes and bluster. When the promises of the world have become flat or when you begin to fall, Listen to his his silent call …

He leads you to places you have always known in your heart. When all loopholes have dried up, what remains is beauty …

Tiefe Stille / Deep silence

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Abtauchen in die Stille. Alles geht weiter, Leben geht weiter, gemäß seinem zeitlosen Wachsen und Blühen, Bilden und Vergehen. Nur der Kommentator schweigt, keine NachrichtensprecherInnen, nur das Sein und jemand der es sieht …

Noch ein wenig tiefer, im inneren Meer, geht immer noch alles weiter, Leben geht weiter, webt seine Wunder ohne Bedeutung, Quelle von Mythen und Silben. In diesen Tiefen ist jedoch niemand mehr, der es sieht. Dorthin kann nur niemand tauchen …

Auftauchen in der Person. Erleben was sie möchte oder fürchtet. Was sie schön findet oder hässlich. Sie sucht nach etwas. Möchte überleben. Die Tiefen brechen im Individuum hervor und das Individuum bricht aus den Tiefen hervor. Hilflos ausgeliefert dem künstlerischen Forschen. Abtauchen in die Stille …

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Immersing in silence. Everything goes on, life goes on, according to its timeless growth and flowering, forming and decaying. Only the commentator is silent, no newscasters, only the being and someone who sees it …

A little deeper in the inner ocean, everything still goes on, life goes on, weaves its miracles without meaning, as a source of myths and syllables. But in the very deepness there is nobody who sees it. Only nobody can dive into these depths …

Emerging in the person again. Experiencing what it wants or fears. Finding something beautiful or ugly. Looking for something. Having to survive. The depths break into the individual and the individual breaks into the depths. Helplessly committed to artistic research. Immersing again in silence …

Meetingpoint

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Der ganz normale Briant, komplett ereignislos, mit sonntagsmatten Armen. Zusammengezogen, trüb. Wie ein trockenes Blatt am Lebensbaum …

Erstaunlich, in welche Welten sich das Sein verirrt. Irgendwie will es sich anscheinend gerade so erleben, grau und verwischt, mit schmerzenden Fersen und Zahnbelag …

Noch erstaunlicher: Lässt man dem Sein die Freude genau das in dieser Briantform zu erleben, kriegt dieses angeschimmelte Lebensgefühl allmählich Glanz und Würde. Und absolut nichts ist dran verkehrt …

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That ordinary Briant, completely uneventful, with sunday dull arms. Constricted, murky. Like a dry leaf on the tree of life …

Amazing into which worlds being gets lost. Somehow, it seems to like experiencing just that state: Gray and blurred, with aching heels and plaque …

Even more astonishing: If you allow being to experience this Briantform exactly the way it is, this mildewed feeling of life will gradually become shiny and dignified. And absolutely nothing is wrong …

Zauber und Zweifel / Magic and doubt

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„Der/Die Suchende lebt in Wirklichkeit bereits in dem, wonach er/sie sich sehnt, bemerkt es aber nicht.“
Tony Parsons

Das Quellen der Wolken in all dem Licht geht unter die Haut.
Tauben sitzen am höchsten Punkt des Daches regungslos im Regen. Alles ergibt sich dem Sein, ohne Ausweg, nur der Mensch hält nach etwas Anderem Ausschau, kann nicht hier mit allem bedingungslos das teilen, was ist …

Als hätte man den sanften glatten Ton des Morgen auf der Drehscheibe und sieht, wie er sich selbst gestaltet.
Als wäre der Zauber stärker, als der Zweifel. Als würde man sich auflösen in dem ersten Licht des Tages, jenseits von Worten …

Als hätte man die Kraft, nicht mehr Dinge zu tun, die einem runterziehen in das saure Sein, das unruhig die Knochen treibt. Als könnte man blind vertrauen. Als wüsste man, dass selbst Trennung aus demselben gesegneten Stoff besteht wie Einheit …

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„The seeker already lives in what he / she longs for, but does not notice it.“
Tony Parsons

The swelling of the clouds in all that light gets under the skin.
Pigeons sit motionless in the rain at the highest point of the roof. Everything yields into being, without a way out, only man is looking for something else, not able to share unconditionally what is here …

Like having the soft, smooth clay of tomorrow on the potter’s wheel and seeing how it shapes itself.
As if magic would be stronger than doubt. As if dissolving in the first light of day beyond words …

As if one had the strength to stop doing things that pull oneself down into sour being, which drives the bones uneasily. As if you could trust blindly. As if you would know that even separation consists of the same blessed substance as unity …

Sommer / Summer

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Buchseiten. Das Geräusch des Papieres, wenn Finger daran reiben. Zirpen in der Nacht, das neckische Wischen des Windes an bestimmten Hautstellen. Das entfernte Grollen der Flugzeuge im Sommerabendhimmel, in dem noch immer Reste von Musik treiben …

Das Zittern der Lichter am Horizont. Eine Flut magischer Haut trifft aufeinander. Wieder einmal überrascht vom Mond. Darf man entlang der Nacht gleiten? Als wäre das alles schon Tausende Male passiert, dadurch schärft es sich jedoch nur, wie ein Messer …

Wer die Nacht durchwacht, erlebt erst wirklich den Morgen. Holzbretter krachen auf Baustellen, das Echo schallt durch den endlosen, virtuellen Raum, den nur „Niemand“ erlebt …

Book pages. The sound of paper when fingers rub against them. Chirping in the night, the playful wiping of the wind at certain skin areas. The distant rumble of an aircraft in the summer evening sky, in which remnants of music still drift …

The trembling of the lights on the horizon. A flood of magical skin meets each other. Once again surprised by the moon. Is it allowed to glide along the night? As if it had already happened thousands of times, but that only sharpens it, like a knife …

Only whoever watches the night, really experiences the morning. Wooden boards crash on construction sites, it echoes through the endless, virtual space experienced only by „nobody“ …

Virtual reality

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In der Virtual Reality soap opera unserer Zeit geht der/die SpielerIn durch ausgemergelte Gegenden – projiziert vom psychologischen Verstand – als EinzelkämpferIn durch ein Königreich in dem immer Mangel herrscht, begleitet von ständigem Geschnatter der KommentatorInnen. Die einzige Lösung aus dem Ungenügen scheint darin zu bestehen, sich dauernd verbessern zu müssen, dem instabilen Ego Anerkennung, Bedeutung und damit Sicherheit zu verschaffen …

Den Projektionen des Verstandes, wie wunderbar sie auch sind, liegt jedoch ein noch außerordentlicheres Prinzip zugrunde: die Tatsache unserer Existenz. Hier geht der/die SpielerIn über die Weiden des Herzens, durch Schönheit und Reichtum ohne Ende. Dort wächst ständig alles nach, man braucht nichts davon zu behalten, man weiß gar nicht, wohin damit …

Solange wir nicht den grundlegenden Irrtum begehen und glauben wir seien, was unsere Gedanken projizieren, sind wir schon frei. Erst wenn wir uns damit identifizieren, beginnt die Knechtschaft. Das Gewicht der Existenz rastet in uns. Das, was uns hierher gebracht hat, atmet gleichmäßig ein und aus. Es treibt im Körper, wie ein Geist in der Flasche, es ist, was wir sind …

In the virtual reality soap opera of our time, the gamer walks through emaciated areas – projected from the psychological mind – as a lone fighter through a kingdom in which there is always lack, accompanied by constant chatter of commentators. The only solution to the insufficiency seems to be to constantly improve, to give the unstable ego recognition, meaning, and thus security …

The projections of the mind, however marvelous they are, are based on an even more extraordinary principle: the fact of our existence. Here the gamer walks over meadows of heart, through beauty and wealth without end. Everything is constantly growing here, you do not have to keep anything, you do not even know where to save it …

Unless we make the basic mistake and believe we are what our thoughts project, we are already free. Only when we identify with it does bondage begin. The weight of existence is resting in us. What brought us here breathes in and out even. It’s floating in the body, like a ghost in the bottle, it’s what we are …