All my relations …

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Auf alten Felszeichnungen sieht man manchmal rote Linien zwischen Jäger und Gejagten, als wären sie verbunden. Für Naturvölker eine klare Sache: Ohne Sonne kann der Baum nicht überleben, ohne Baum stirbt die Luft. Ein Mensch kann ohne seine Finger überleben, aber nicht ohne die Luft, die ihn umgibt oder ohne Nahrung. Alles hängt voneinander ab …

Im Ego, in der Welt der Gedanken, ist nur dann Verbundenheit, solange sie etwas nützt oder nicht bedroht. Ego kann nicht zwischen Menschen und Dingen unterscheiden, sobald etwas nutzlos geworden ist, wird es ausgetauscht oder weggeworfen, sobald etwas die Stabilität des Egos – das an sich sehr instabil ist – bedroht, wird es zum Feind. In der Welt der Stille regiert ein anderes Prinzip, hier ist alles eins, immer, wie durch dünne, rote Linien verbunden. In einem kreativen Universum löst alles etwas aus, das wiederum in Bezug mit etwas anderem steht …

Erst, wenn man selbst aus dem trennenden Prinzip des Egos den Eingang in das Netz der ursächlichen Verbundenheit findet, beginnt man die Zusammenhänge zu sehen, zwischen Handlungen und Auswirken, zwischen allen Wesenheiten. Die Intelligenz wird klar, die alles durchdringt und jedes hält …

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On old petroglyphs you can sometimes see red lines between hunter and hunted as if they were connected. For native people a clear thing: Without sun a tree can not survive, without tree the air dies. A human can survive without his fingers, but not without the air surrounding him or without nourishment. Everything depends on each other …

In the world of ego, in the thoughts, connectedness exists only as long as it is of use or does not threaten. Ego can not distinguish between humans and things, as soon as something has become useless, it is exchanged or thrown away, as soon as something threatens the ego’s stability – which in itself is very unstable – it becomes an enemy.
In the world of silence, another principle rules, here everything is one, always, as if connected by thin, red lines. In a creative universe, everything triggers something that is in turn related with something else …

Only when one gets out of the dividing principle of ego and finds the entrance into the net of causal connectedness, one begins to see the relations, between actions and effects, between all beings. The intelligence becomes clear that permeates everything and holds each …

Zingg …

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Fotos: Renée Kellner

Zingg, der Faden, der die Stille mit dem Gedankengeschwätz verbunden hat, ist gerissen. Ein trunkener Schmetterling treibt durch den inneren Garten, in dem – immer noch – die Gerüche der Kindheit aus Blütenkelchen strömen …

Die Gedankenblase treibt davon und lässt einen Himmel voller Glück zurück. Und eine wundersame Landschaft, durch die Urahnen auf Kultwägen ziehen und neue Menschen an die Küsten wandern …

Die Gedanken flattern wie ein Vogelschwarm davon und zurück bleibt ein unsichtbarer Dschungel voller Abenteuer und Kunst …

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Zingg, the thread that has connected silence with thought chatter, is broken. A drunken butterfly drifts through the inner garden, where – still – the smells of childhood are flowing from chalices …

The bubble of thoughts is drifting away, leaving behind a sky full of happiness. Including a wondrous landscape through which ancestors move on cult cars and new humans are  wandering to the shores …

The thoughts flutter away like a flock of birds and an invisible jungle full of adventure and art remains …

Wie Ego funktioniert … / How ego works …

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Fotos: Renée Kellner

Wie Ego funktioniert, bemerkt man am besten in Zeiten, wo einem das Leben den Boden unter den Füßen wegzieht. Was wir unbedingt retten wollen, wenn Verluste drohen oder unsere Unzulänglichkeiten aufgedeckt werden, ist das, woran unser Ego am meisten hängt, woran es sich klammert …

In den Gedanken läuft das alte Spiel ab, um das Ego zu schützen, zu verteidigen oder wieder herzustellen und doch ist gerade dann die Chance, wirklich zu sich zu stehen und von der Trennung in die Verbundenheit zu wechseln …

In den Scherben findet sich eine altbekannte Aufrichtung, etwas, das noch viel ältere Wurzeln hat, als das Ego. Die Fähigkeit, aufrecht im Zerbrochenen zu stehen, ohne Hoffnung, das Feuer auszuhalten – in dem die Egofantasien geröstet werden – verbindet uns mit der ursächlichen Menschlichkeit, einer Kraft sondergleichen …

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How ego works is best noticed in times when life pulls the ground from under our feet. What we desperately want to save, when losses threaten or our shortcomings are uncovered, is what our ego depends most on, what it clings to …

In our minds the old game to protect, to defend or to restore the ego sets in dramatically and yet just then is the chance to really stand by oneself and to switch from separation into relatedness …

In the shards we find a well-known sincerity, something that has much older roots than the ego. The ability to stand upright in the broken, with no hope, enduring the fire – in which the ego fantasies are roasted – connects us with our original humanity, a force beyond compare …

Tanz der Herzen / Dance of hearts

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So eine einfache Bewegung eigentlich, den Blick aus dem Treiben der Dinge, hin zur Quelle zu richten. Im Treiben folgt Reaktion auf Aktion und umgekehrt, so als wären wir Spielzeuge, die schon eine eingebaute Reaktion auf Impulse hätten. Meistens wenig bewusst, mit den Mitteln, die wir gelernt haben, seit wir aus dem Paradies fielen …

Aus dem Treiben entstehen Sorgen und Probleme und die Identifikation damit. Da wir jedoch die Bedeutung dessen, was geschieht, für die folgenden Ereignisse nicht kennen darf der Blick ruhig näher in das direkte, unmittelbare, frische Erleben rücken, ins Gewahren …

Aus dem Überlebenskampf in den Tanz der Herzen. Aus der Anhaftung ins Losgelassensein. Aus der Trennung in die Verbundenheit. Aus der persönlichen, psychologischen Verstrickung in die ursächliche Menschlichkeit. Aus dem Schatten des Zweifels in die Unschuld. All das, mit der eigentlich einfachen Änderung der Richtung. Aus dem Treiben der Dinge, hinein ins freundliche Nichts.

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Such a simple movement actually to direct the gaze from the ado of things to the source. In the emboss follows reaction to action and vice versa as if we were toys as if we were toys that already have a built-in reaction to impulses. Mostly unaware, with the resources we’ve learned since we fell out of paradise …

The bustle creates worries and problems and identification with them. However, since we do not know the meaning of what is happening for the following events, the gaze may quietly move closer to the direct, immediate, fresh experience, into awareness.

From struggle for survival into the dance of hearts. From attachment to release. From separation into the relatedness. From personal, psychological entanglement into causal humanity. From shadow of doubt to innocence. All this, with a simple change of direction. From the bustle of things, into friendly nothingness …

Da ist kein Feind / There is no enemy

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Warum lenken wir uns so viel ab? Warum wischt unser Daumen immer über das Smartphone? Warum hetzen wir herum, zwischen Wichtigem und Vergnügungen und wieder Wichtigem?

Es sieht aus wie ein Überlebenskampf, jeder für sich, ist losgelassen im großen Rennen. Geld, Ansehen, Anerkennung, Fortpflanzung, Selbstverwirklichung. Was passiert, wenn wir stehen bleiben, einfach still sind? Wir sind möglicherweise konfrontiert mit Existenzängsten, Angst zu versagen, vielleicht Traurigkeit oder Wut, angesichts dieser eigenartigen Situation …
Es ist, als wäre ein Feind in uns, der zuschlägt, sobald wir aufhören, im Hamsterrad zu laufen. Beim Zulassen dessen, womit wir konfrontiert sind, beim dennoch still sein, und bei genauerem Hinsehen, entdecken wir, da ist kein Feind, wirklich nicht, das ist einfach nicht wahr …

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Why do we distract ourselves so much? Why is our thumb always wiping over the smartphone? Why are we rushing around, between the important and the pleasurable and the important again?

It looks like a struggle for survival, each one on our own is unleashed in the big race. Money, reputation, recognition, reproduction, self-realization. What happens if we stop, just be still? We may be faced with existential fears, fear of failure, perhaps sadness or anger, given this peculiar situation …

It is as if an enemy within us strikes as soon as we stop running in the rat race. Allein, what we are confronted with yet being quiet, and on closer inspection, we discover, there is no enemy, really not, that is just not true …

Mal wieder … / Once again …

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Mal wieder völlig zweckfrei Kunst zu machen. Mal wieder mit einem Haufen herzlich Durchgeknallter abzuhängen. Mal wieder im Auto schlafen, mal wieder das Gesicht mit dem Tau auf einer Parkbank waschen …

Sich mal wieder frischen Ton ins Gesicht drücken.
Sich mal wieder gehen lassen. Sich mal wieder gar nichts verkneifen. Mal wieder Sommer …

Mal wieder der Sonne des Seins erlauben, klar zu scheinen. Mal wieder sich dem Augenblick bis zur Unverschämtheit öffnen …

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Once again making art completely just for the sake of it. Once again hanging out with a bunch of heartily crazy guys. Once again sleep in the car, once again washing the face with the dew on a park bench …

Once again pressing fresh clay in the face. Once again letting go. Once again not resisting anything. Once again summer …

Once again allow the sun of being to shine clearly. Once again open up to the moment until exorbitance …

Stilles, bewusstes Sein / Silent, conscious being

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Fotos: Renee Kellner

Stilles Bewusstsein zu suchen ist, als ob man in einem Raum voll weißem Licht, weißes Licht sucht, oder eine Gurke in einer Gurke sucht. Es geht einfach nicht, weil es überall ist und auch man selbst daraus besteht …

Was funktioniert ist, selbst die Qualitäten zu verkörpern, die stilles bewusstes Sein ausmachen, wie Offenheit und Verfügbarkeit. Wenn einem dann Freundlichkeit und so eine Glut von Freude aus dem Sein entgegenwehen, ist das eine Art Bestätigung auf dem richtigen Dampfer zu sein …

Der Unterschied von Lebensqualität ist enorm: Entweder man hetzt durch die engen nervigen Gassen des unbewussten Denkens oder man schlendert durch breite malerische Boulevards. Entweder die Dinge knallen einem um die Ohren, oder sie schweben in genau dem richtigen, knusprigen Tempo heran …

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To seek silent consciousness is like looking for a white light in a room full of white light or looking for a cucumber in a cucumber. It’s just not possible, because it’s everywhere and you’re made of it …

What works is to embody the qualities that constitute silent conscious being, such as openness and availability. And then, when kindness and such a glow of joy accommodates you out of the blue, you can take it as a sign of confirmation …

The difference in quality of life is enormous: Either you walk through narrow, annoying alleys of unconscious thinking or you stroll through wide picturesque boulevards. Either things are banging around your ears, or they’re hovering at exactly the right crispy pace …

Blues

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Fotos: Renée Kellner

Die Zeiten, an denen alles dicht wird, schmerzlich zusammengezogen, wohin sich garantiert kein Lichtstrahl verirrt und alle Hoffnung sich längst aus dem Staub gemacht hat …

Vom konditionierten Verstand her gesehen, läuft hier etwas falsch, jemand ist schuld, wir sollten nicht in so einem jämmerlichen Zustand sein, schwach und vom Leben geschlagen. Wir sollten schneller, weiter, besser sein …

Von der Stille her betrachtet, gelten die Aspekte der Konditionierung nicht. Schneller, weiter, besser hat hier keine Bedeutung. Hier zählt Freundlichkeit, anwesend sein, etwas von Herzen zu mögen. Stille integriert, alles, selbst den Blues und all die ungeliebten Kinder …

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The times when everything gets tight, painfully constricted, where no ray of light is wandering by and all hope has disappeared long ago…

Seen from the conditioned mind, something is going wrong here, somebody’s guilty, we should not be in such a pathetic state, weak and beaten down by life. We should be faster, further, better …

Seen from silence, the aspects of conditioning do not apply. Faster, further, better has no meaning here. Here, friendliness counts, to be present, to like something from the heart. Silence integrates, everything, even the blues and all the unloved children …

Paradoxum

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Sich trauen in der Stille zu leben, ist radikal. Ohne mentales Konstrukt zu sein, ohne Methode, ohne Kontrolle, ohne Religion, ohne Philosophie, ohne irgendetwas zu sein, das Sicherheit bietet. Es ist einfach nur still …

Das Seltsame ist, wenn wir gar nichts tun, sondern einfach unbewusst weitermachen, ist es alles andere als still. Da ist Marktgeschrei, Rechtfertigung, richtig oder falsch, Belohnung und Bestrafung im Kopf. Wenn wir nichts tun, geht automatisch der Lärm weiter, wenn wir etwas tun, auch. Das ist paradox. Wir leiden mehr oder weniger bewusst an einem Zustand, der sich scheinbar nicht verändern lässt …

Die Lösung ist erst richtig paradox: Wenn wir bewusst alles so sein lassen, wie es ist, jedes Detail, im Innen, wie im Außen, mit oder ohne Gedankenradio, auch das Ungenügen, das entlang der Grenze des Denkens streunt und wenn auch alle, die es gar nicht auf der Reihe haben, sein dürfen, wie sie sind. Wenn wir nichts ändern wollen, nirgendwo hin wollen, ändert sich alles. Der stille Frieden, der alles sowieso bereits hält, zeigt sich, wie ein wildes Tier, das aus dem Schutz des Waldes tritt. Der Grund der Dinge liegt brach und erwartet die Saat der Veränderung, die vom Herzen kommt …

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To dare to live in silence is radical. Without being with a mental construct, without method, without control, without religion, without philosophy, without being anything that provides security. It’s just quiet …

The strange thing is, if we do nothing but just go on unconsciously, it is anything but quiet. There is market shouting, justification, right or wrong, reward and punishment in the head. If we do nothing, the noise automatically goes on when we do something, too. That’s paradoxical. We more or less consciously suffer from a condition that apparently can not be changed …

The solution is really paradoxical: If we consciously let everything be as it is, every detail, inside and outside, with or without the voices in the head, even with the unease in the back of our heads, when even the ones that cant get anything going. When we do not want to change anything and when there is nowhere to go, everything changes. The quiet peace, which already holds everything anyway, shows itself, like a wild animal that steps out of the protection of the forest. The ground of things willing and awaits the seeds of change that comes from the heart …

Die gute Neuigkeit / Good news

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Eigentlich ist überall Schönheit drin, in dem Ast, der sich im Luftstrom über dem Bach wiegt, in dem Geruch nach dem Gewitter, überall, nur bei den Menschen verzerrt sich das, als wären sie befallen. In ihnen ist oftmals etwas Gequältes, Ratloses, Ambivalentes. Als würde die natürliche Schönheit, die an sich in jedem Blatt thront, in ihnen kein zu Hause finden …

Die gute Neuigkeit: Der Grund der Dinge enthüllt sich uns jetzt. Wir sind dabei, kennenzulernen, was unverletzbar und zeitlos die Rose erblühen lässt. Die Welt wartet bereits so lange auf diese Entdeckung. Kennen wir unseren Wert, heilt das Ver-rückte von selbst. Ein sanftes Sehen, an dem keine Zwänge zerren, durchquert die inneren und äußeren Räume wie ein eingeborenes und doch fremdes Wesen …

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Beauty is actually everywhere, in the branch, which weighs in the air stream over the brook, in the smell after the thunderstorm, everywhere, only in humans it is distorted as if they were affected. There is often something tormented, perplexed, ambivalent in them. As if the natural beauty which even is enthroned in each leaf would not find a home in them …

The good news: The cause of things is revealed to us now. We are getting to know what is invulnerable and timeless and makes the rose bloom. The world has been waiting for this discovery for so long. Knowing our value heals the craziness by itself. A gentle seeing, on which no compulsions tug, traverses the inner and outer spaces like an innate yet alien being …