Zauber und Zweifel / Magic and doubt

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„Der/Die Suchende lebt in Wirklichkeit bereits in dem, wonach er/sie sich sehnt, bemerkt es aber nicht.“
Tony Parsons

Das Quellen der Wolken in all dem Licht geht unter die Haut.
Tauben sitzen am höchsten Punkt des Daches regungslos im Regen. Alles ergibt sich dem Sein, ohne Ausweg, nur der Mensch hält nach etwas Anderem Ausschau, kann nicht hier mit allem bedingungslos das teilen, was ist …

Als hätte man den sanften glatten Ton des Morgen auf der Drehscheibe und sieht, wie er sich selbst gestaltet.
Als wäre der Zauber stärker, als der Zweifel. Als würde man sich auflösen in dem ersten Licht des Tages, jenseits von Worten …

Als hätte man die Kraft, nicht mehr Dinge zu tun, die einem runterziehen in das saure Sein, das unruhig die Knochen treibt. Als könnte man blind vertrauen. Als wüsste man, dass selbst Trennung aus demselben gesegneten Stoff besteht wie Einheit …

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„The seeker already lives in what he / she longs for, but does not notice it.“
Tony Parsons

The swelling of the clouds in all that light gets under the skin.
Pigeons sit motionless in the rain at the highest point of the roof. Everything yields into being, without a way out, only man is looking for something else, not able to share unconditionally what is here …

Like having the soft, smooth clay of tomorrow on the potter’s wheel and seeing how it shapes itself.
As if magic would be stronger than doubt. As if dissolving in the first light of day beyond words …

As if one had the strength to stop doing things that pull oneself down into sour being, which drives the bones uneasily. As if you could trust blindly. As if you would know that even separation consists of the same blessed substance as unity …

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Virtual reality

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In der Virtual Reality soap opera unserer Zeit geht der/die SpielerIn durch ausgemergelte Gegenden – projiziert vom psychologischen Verstand – als EinzelkämpferIn durch ein Königreich in dem immer Mangel herrscht, begleitet von ständigem Geschnatter der KommentatorInnen. Die einzige Lösung aus dem Ungenügen scheint darin zu bestehen, sich dauernd verbessern zu müssen, dem instabilen Ego Anerkennung, Bedeutung und damit Sicherheit zu verschaffen …

Den Projektionen des Verstandes, wie wunderbar sie auch sind, liegt jedoch ein noch außerordentlicheres Prinzip zugrunde: die Tatsache unserer Existenz. Hier geht der/die SpielerIn über die Weiden des Herzens, durch Schönheit und Reichtum ohne Ende. Dort wächst ständig alles nach, man braucht nichts davon zu behalten, man weiß gar nicht, wohin damit …

Solange wir nicht den grundlegenden Irrtum begehen und glauben wir seien, was unsere Gedanken projizieren, sind wir schon frei. Erst wenn wir uns damit identifizieren, beginnt die Knechtschaft. Das Gewicht der Existenz rastet in uns. Das, was uns hierher gebracht hat, atmet gleichmäßig ein und aus. Es treibt im Körper, wie ein Geist in der Flasche, es ist, was wir sind …

In the virtual reality soap opera of our time, the gamer walks through emaciated areas – projected from the psychological mind – as a lone fighter through a kingdom in which there is always lack, accompanied by constant chatter of commentators. The only solution to the insufficiency seems to be to constantly improve, to give the unstable ego recognition, meaning, and thus security …

The projections of the mind, however marvelous they are, are based on an even more extraordinary principle: the fact of our existence. Here the gamer walks over meadows of heart, through beauty and wealth without end. Everything is constantly growing here, you do not have to keep anything, you do not even know where to save it …

Unless we make the basic mistake and believe we are what our thoughts project, we are already free. Only when we identify with it does bondage begin. The weight of existence is resting in us. What brought us here breathes in and out even. It’s floating in the body, like a ghost in the bottle, it’s what we are …

Die Werkzeuge der Götter / The tools of gods

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An der Baustelle des Lebens hantiert man mit den Werkzeugen der Götter.
Am Rand des Sichtbaren stehend bricht das „Ich“ weg wie Gerüst und Balken. Das ewig Neue öffnet seine Tore …

Mit Denken und Wollen geht hier gar nichts mehr. Nur offen sein und werken mit dem, was ist. Sich innerlich erhebend, die ersten Schritte übend, wie ein Schloss auf zwei Beinen …

Die eigene, vertraute Form wie ein Segel einholend, ihre Anwesenheit zelebrierend. In der Kühle des Morgens die Werkzeuge der Götter bereitend dem vertrauend und zu mögen, was man tut …

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At the construction site of life one deals with the tools of the gods.
Standing on the edge of the visible, the „I“ breaks away like scaffolding and beams. The eternally new opens its doors …

Thinking and wanting doesn’t work here. Just being open and working with what is. Rising inwardly, practicing the first steps, like a castle on two legs …

Retrieving one’s own familiar form like a sail, celebrating its presence. In the cool of the morning preparing the tools of the gods to trust in and to like what one does …

stillleben 4 mit füssen

Wie ein Hupen in der Nacht / Like a honking in the night

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Wenn du bewusst hier bist, gibst du dich dem Leben. Du steigst wieder auf das Pferd des Augenblicks. Der Wind blättert deine Seiten um. Zuerst sich finden, total zu knospen und dann sich zu verlieren, wie ein Hupen in der Nacht …

Die Familie der Dinge blickt aus unseren Augen. Es geht nicht darum, was wir tun, sondern darum, was wir sind. Die Totalität des Seins erlebt sich durch uns. Das weiße Wissen benützt unsere Sinne …

Die Gestirne erkennen sich in uns. Das Ewige geht verkleidet und unerkannt mit Tausenden, unterschiedlichen Füßen herum. Es ruft in den verschiedensten Stimmen: „Ich“ …

Stillleben 3 Detail

When you are consciously here, you give yourself to life. You get again on the horse of the moment. The wind is flipping your pages. First find yourself then totally budding and then losing yourself, like a honking in the night …

The family of things watches through our sight. It’s not about what we do, but about who we are. The totality of being is experiencing through us. The white knowledge uses our senses …

The stars recognize themselves in us. The Eternal walks around disguised and unrecognized with thousand different feet. It calls in various voices: „I“ …

Ausbruch aus dem Geistergefängnis / Breakout from the ghost prison

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Alles ist so anders, wenn das „Ich“ nicht mehr ist. Grenzen fallen als erstes weg. Bewegungen geschehen von selbst. Erkennen taucht auf. Lust erwacht. Das Bedürfnis sich ganz zu verlieren meldet sich …

Man erliegt dem sanften Zauber des Unbekannten. Das Erleben durch das „Ich“ kennt man ja, es ist geprägt von Geschichten und Meinungen, die man über sich selbst hat und von jeder Menge Gedanken, in deren Zentrum „Ich“ thront …

Doch kannst du das „Ich“ finden? Kannst du sagen, hier ist es? Allein das Feuer der Sterne bewegt den Atem. Nur die Kraft der Offenheit treibt die Dinge voran. Evolution tanzt in Milliarden Partikeln. Der abwesende Blick füllt sich mit wiedererkennen …

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Everything is so different when the „I“ is no more. Borders fall away first. Movements happen by themselves. Realization emerges. Lust awakens. The need to lose oneself totally is announcing …

One surrenders to the gentle magic of the unknown. One already knows how to experience the world through the „I“, it is characterized by stories and opinions, which one has about oneself and of a lot of thoughts, in whose center „I“ resides …

But can you find the „I“? Can you say, here it is? Merely the fire of the stars moves the breath. Only the power of openness drives things forward. Evolution dances into billions of particles. The absent  fills with realization …

Bühne frei! Clear the desks!

Brautpaar

Als wir das Paradies an das Ego verkauften, haben wir auch uns selbst verloren. Wenn jedoch das Denken still wird und auch alles Wünschen und Hoffen schweigt, kehrt das Verlorene ganz von selbst zurück. Wenn alles Tun aufhört und die Anspannung loslässt, ist die Bühne frei für das, was immer übersehen wurde …

Was vorher keine Gestalt hatte, mischt sich nun munter in die Welt der Formen. Magie flüstert im Rascheln der Gräser. Die Feststofflichkeit erlöst sich. Das Grenzenlose tritt in den Vordergrund und trinkt Kaffee …

Seine Bestimmung zu leben meint wohl, sich nicht in der Gedankenferne zu verlieren, sondern ganz hier, endlich dafür zu gehen, was man schon seit jeher im Herzen weiß …

When we sold paradise to the ego, we also lost ourselves. However, when thinking becomes silent and all desires and hopes remain quiet, the lost paradise returns automatically. When all action stops and the tension releases, the stage is free for what has always been overlooked …

What does not have a form, mixes now merrily into the world of forms. Magic whispers in the rustling of the grasses. The solid unbans. The limitless comes to the foreground and drinks coffee …

To live ones purpose means probably not to lose oneself in the distance of thought, but being right here to finally go for what one has always known in the heart …

Das Normale und das Wunder / The normal and the miracle

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Etwas in uns flieht in das Unbewusste. Bewusst anwesend zu sein, ist, wie wenn ein Kind beschliesst, diesmal standzuhalten. Obwohl sich bereits während der ersten bewussten Momente sofort eine gewisse heitere Vertrautheit einstellt, möchte etwas in uns wieder unter den Mantel der unbewussten Gedankentrance schlüpfen, als wäre es dort in Sicherheit …

Bewusstsein breitet sich aus, bleibt nicht an den Körpergrenzen stehen, badet in lebendiger Stille und blickt entspannt aus sich heraus, mit den Augen alter Elefanten.
Bewusstsein ist wach und aufmerksam. Es verbindet sich mit den Dingen, während im Unbewussten der Geist im Nirgendwo festklebt …

Stilles, bewusstes Sein hat ganz schön Abenteuerlust, wenn es mal aus dem Gedankenkäfig kann, ist es zu allen möglichen Schandtaten aufgelegt und verführt seinen Wirt in verwegene Gebiete. Ein(e) Heiliger zu sein bedeutet wohl, in jene Bereiche des Menschseins einzutreten, in dem sich das Normale mit dem Wunder vermischt und dort zu bleiben …

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Sometimes we flee into the unconscious. To be consciously present is like a child deciding to stand up this time. Although a certain cheerful intimacy sets in immediately during the first conscious moments, something in us would like to slip under the cloak of unconscious mental trance again as if it were safe there …

Consciousness spreads, does not stop at the body borders, bathes in living silence and looks relaxed out of itself, with the eyes of old elephants.
Consciousness is awake and attentive. It connects to things, while in the unconscious mind clings to nowhere …

Silent, conscious being has a thirst for adventure, if it can get out of the thought cage, it is ready for all kinds of atrocities and seduces into daring areas. To be a saint is probably to enter into those realms of being human where the normal mingles with the miracle and stay there …