Verhexte Träume / Bewitched dreams

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Foto: Marianne Hink

„Ich weiß nicht, ob ich ein Mann bin, der träumt ein Schmetterling zu sein, oder ob ich ein Schmetterling bin, der träumt, ein Mann zu sein.“
Dschuang Dsi (350 – ca. 275 v. Chr.) taoistischer Philosoph

Diese frische Wurzel in den Wesen, wie eine geistige Nabelschnur. Die Persönlichkeit webt sich daraus automatisch selbst. Doch noch, bevor die Geschichten über sich selbst gewoben werden – wie toll man ist oder was für ein Versager, was man erreichen oder vermeiden will – ist es still …

Die Geschichten bannen die Wesen in verhexte Träume, voll Angst, Anstrengung und Verwirrung, doch an der Wurzel ist es still. Hier verströmt sich Leben direkt, ohne sich um die Belange der Persönlichkeit zu kümmern …

Inspiration drängt direkt aus der Lebendigkeit in den Ausdruck. Sie schenkt uns Träume, die berühren, verzaubern, die ermutigen und Sehnsucht stillen …

„I do not know if I’m a man who dreams of being a butterfly, or if I’m a butterfly that dreams of being a man.“
Dschuang Dsi (350 – c. 275 BC) Taoist philosopher

There is this fresh root in beings, like a spirit umbilical cord. The personality weaves itself from there automatically. But even before the stories about oneself are woven – how great one is or what a failure, what one wants to achieve or avoid – it is quiet …

The stories banish beings in bewitched dreams, full of fear, exertion and confusion, but at the root it is quiet. Here life flows directly, without caring about the concerns of the personality …

Inspiration pushes straight from the liveliness into expression. It gives us dreams that touch, enchant, encourage and satisfy longing …

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Dunkelheit ist der Schatten der Gnade / Darkness is the shadow of grace

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Die Knochen eingepackt in Stille. Stille nicht als Abwesenheit von Leben, sondern als Abwesenheit von Lärm im Kopf und als Anwesenheit von Sein …

Schönheit ist. Einfach. Wie ein Bad. Sie drängt die Gedanken in den Hintergrund wie Feuer die Wölfe. Zelebriert die Süße des Seins …

Unter den Krusten von Wollen und Begehren ist die frühe Blüte des Erkennens und Staunens, angelegt seit den ersten Schritten, ohne Form, doch voller Leben, immer noch frisch …

Bones wrapped in silence. Silence not as an absence of life but as an absence of noise in the mind and as the presence of being …

Beauty is. Plain. Like a bath. She pushes thoughts into the background like fire the wolves. Celebrating the sweetness of being …

Underneath the crusts of will and desire is the early flowering of seeing and astonishment, created since the first steps, without form, yet full of life, still fresh …

Stilles Reisen / Silent travelling

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Foto: Marianne Hink

„Having never left the house, looking for the way home.“
Nisargadatta Maharaj

Fühlt man sich niedergeschlagen, müde und angestrengt dann wälzen sich ziemlich sicher gerade eine Menge Gedanken im Oberstübchen mit dem „Ich“ als Zentrum. „Ich“ will gesehen werden, darf nicht übersehen werden, braucht Anerkennung ohne Ende …

Anstrengend, aber auch irgendwie witzig, dieser Zirkus des „Ich“. Witzig, aber auch irgendwie tödlich, wenn man den Zustand der Gesellschaft sieht. Der Mechanismus, der „Ich“ antreibt, bleibt gern im Verborgenen, kreiert Ablenkungen, wirft dauernd Stöcke ins Gebüsch, damit man nur ja nicht genau hinschaut …

Das „Ich“ kann nicht zu Hause sein, es muss immer weiter, es ist noch nicht komplett, es muss noch etwas suchen. Und das alles spielt sich in dem ab, dass eigentlich gesucht und vermisst wird. Zum Glück ist in dem ganzen System ein Selbstläufer eingebaut: Das Leben in den Menschen erwacht, es wird sich seiner bewusst und schickt sich selbst – im Menschen – auf eine Reise durch die Stille …

 

„Having never left the house, looking for the way home.“
Nisargadatta Maharaj

Feeling depressed, tired and exhausted, it is quite likely that a lot of thoughts are wallowing in the upper story with the „I“ as the center. „I“ wants to be seen, must not be overlooked, needs recognition without end …

Exhausting, but somehow funny, this circus of the „I“. Funny, but somehow deadly, when you see the state of society. The mechanism that drives „I“ likes to remain hidden, creating distractions, constantly throwing sticks into the bushes, so that one does not look closely …

The „I“ can not be at home, it has to go on and on, it is not complete, it has to look for something else. And all of this happens in that which is actually being sought and missed. Fortunately, a self-sustaining mechanism is built in the whole system: life awakens in people, it becomes aware and sends itself – in humans – on a journey through silence …

Stilles Loslassen / Silent letting go

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Wären Menschen frei, würde die Welt ganz anders aussehen, entspannter, verbundener. Doch wir sind nicht frei, es ist, als würden Computerprogramme unser Verhalten steuern, eingeschränkt, automatisch, wiederholend …

Loslassen bedeutet, sich selbst dem Leben zurückzugeben. Was für eine Entlastung! Sich nicht mehr tragen zu müssen, nicht mehr zwingen und treiben und halten zu müssen …

Ein erstaunliches Phänomen, wie das bloße seiende Selbst, das in sich so vollkommen ist, dass alles hat, was es braucht, das frei ist, ganz unglaubliche Fähigkeiten besitzt zwischen Materie und Geist und doch immer wieder von diesen mentalen Programmen an der Nase herum geführt wird. Wir können uns aus dem Funktionszwang wieder an diese ganz unglaublichen Wesen zurückgeben, die wir sind …

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If people were free, the world would look very different, more relaxed, more connected. But we are not free, it is as if computer programs control our behavior, restricted, automatic, repetitive …

Letting go means giving yourself back to life. What a relief! No longer having to carry oneself, no longer compelling and impelling and holding …

An amazing phenomenon: the mere being of oneself, which is so perfect in itself that it has everything it needs, that is free, has incredible abilities between matter and spirit, and yet keeps being fooled by these mental programs. From this functional compulsion, we can return to these incredible creatures that we are …

Scharf geschnitten / Sharp cut

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Also WENN dieser Halbmond haarscharf ins Firmament geschnitten ist, wie eine Ikone und die Wolken brennen, aber genauso, als wären sie sich der Weite des Himmels bewusst und wenn die Pflanzen wachsen, als würden sie einen geblasen kriegen, dann, aber dann …

Gestartet habe ich die Skulptur mit dem Versuch einen blinden Mann darzustellen. Stückchen um Stückchen wird es aber ganz was anderes. Wieder ein Stückchen Leben, in dem ich noch nie war. Wieder Kombinationen, die bisher noch nicht stattgefunden haben. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund war bisher noch nie jemand in der Menschheitsgeschichte so drauf, dass er mit tausenden Scherben den Gang eines Blinden im Raum gestaltet hat …

Die Kühle des Abends lehnt sich einem mit Entschlossenheit entgegen. Es ist schon spannend, wie man jeden Moment etwas Neues beginnen kann, eine neue Richtung einschlagen kann. An jeder Ecke wartet das Abenteuer – nicht den Plänen im Kopf zu folgen – sondern in Freiheit zu sein, ganz genau mit dem, was gerade ist …

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So IF this crescent is cut into the sky like an icon and the clouds are burning, just as if they would be aware of the vastness of heaven and if the plants grow as if they were getting a blowjob, then, but then …

I started the sculpture with the attempt to portray a blind man. Bit by bit it will be something else. Another piece of life that I’ve never been to. Again combinations that have not yet taken place. For some unknown reason, no one in human history has ever been in such a mood that he designed a blind mans walk through space with thousands of pieces of broken porcelain …

The cool of the evening leans against one with determination. It’s exciting how you can start something new every moment, take a new direction. On every corner awaits the adventure – not to follow the plans in the head – but to be free, exactly with what is right now …

10 Tipps für ein Rendezvous mit Stille / 10 tips for a rendezvous with silence

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1. Zeigen sie sich von ihrer sanften Seite seien sie freundlich.

2. Bringen sie besser nicht zu viel Absichten und Erwartungen mit, sondern lassen sie sich überraschen.

3. Es schadet nicht, sich fesch zu machen. Halten sie ihre kostbaren Augen für Schönheit offen.

4. Suchen sie nicht nach etwas, das falsch läuft, haben sie keine Angst etwas Verkehrtes zu tun.

5. Lassen sie ihre persönliche Geschichte zu Hause, die interessiert wirklich niemand.

6. Und wenn wir schon dabei sind, vergessen sie auch gleich, was sie alles erreichen wollen, das ist auch nicht so spannend.

7. Hören sie zu, nicht nur mit dem Verstand, sondern mit dem ganzen Körper.

8. Ihr Humor hilft ihnen. Machen sie sich verfügbar.

9. Machen sie sich verwundbar.

10. Zeigen sie sich.

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1. Show your gentle side, be friendly.

2. Better not bring too much intention and expectation, but let yourself be surprised.

3. It does not hurt to get dressed up. Keep your precious eyes open for beauty.

4. Do not look for something that goes wrong, do not be afraid to do something wrong.

5. Leave your personal story at home, nobody really cares.

6. And while we’re at it, forget also what you want to achieve, that’s not so exciting anyway.

7. Listen, not just with the mind, but with the whole body.

8. Your humor helps. Make yourself available.

9. Make yourself vulnerable.

10. Show yourself.

Stilles Feuer / Silent fire

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Es ist interessant zu sehen, wie das Ego sich aufbaut, gleich in der Früh, nach der völligen Auflösung im Schlaf, versucht es sich zu stabilisieren. Die Persönlichkeit wappnet sich gegen die scheinbar feindliche Welt …

Und noch interessanter ist es zu sehen, was passiert, wenn man all diese Versuche in den leeren Raum des Seins plumpsen lässt. Wenn man sich anstatt des Kampfes auf Offenheit einlässt. Wenn man, anstatt sich zu verteidigen, zulässt, nicht recht zu haben, bereit ist, Fehler zu machen. Nicht zu wissen, was man tun soll. Feindbilder hinterfrägt, sich selbst infrage stellen lässt …

Total interessant ist es, zu sehen, wie dadurch der Planet spürbar ausatmet. Man selbst und die Welt nicht untergeht. Sondern im Gegenteil ein neues, altes, klares Feuer die Sinne und die Handlungen treibt, als würde langsam der mystische Motor zu ruckeln beginnen und Fahrt aufnehmen …

It is interesting to see how the ego builds itself up, in the morning, after the complete dissolution in sleep, it tries to stabilize. The personality braces itself against the seemingly hostile world …

And it’s even more interesting to see what happens when you dump all these attempts into the empty space of being. If you engage in openness instead of struggle. If, instead of defending yourself, you are willing to make mistakes, are willing to be wrong. Not knowing what to do. Questioning the concepts of the enemies, allowing it to be challenged …

It is totally interesting to see how this causes the planet to exhale noticeably. Oneself and the world does not go down. But on the contrary a new, old, clear fire drives senses and actions, as if a mystical engine slowly starts to stutter and get moving …