Da ist kein Feind / There is no enemy

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Warum lenken wir uns so viel ab? Warum wischt unser Daumen immer über das Smartphone? Warum hetzen wir herum, zwischen Wichtigem und Vergnügungen und wieder Wichtigem?

Es sieht aus wie ein Überlebenskampf, jeder für sich, ist losgelassen im großen Rennen. Geld, Ansehen, Anerkennung, Fortpflanzung, Selbstverwirklichung. Was passiert, wenn wir stehen bleiben, einfach still sind? Wir sind möglicherweise konfrontiert mit Existenzängsten, Angst zu versagen, vielleicht Traurigkeit oder Wut, angesichts dieser eigenartigen Situation …
Es ist, als wäre ein Feind in uns, der zuschlägt, sobald wir aufhören, im Hamsterrad zu laufen. Beim Zulassen dessen, womit wir konfrontiert sind, beim dennoch still sein, und bei genauerem Hinsehen, entdecken wir, da ist kein Feind, wirklich nicht, das ist einfach nicht wahr …

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Why do we distract ourselves so much? Why is our thumb always wiping over the smartphone? Why are we rushing around, between the important and the pleasurable and the important again?

It looks like a struggle for survival, each one on our own is unleashed in the big race. Money, reputation, recognition, reproduction, self-realization. What happens if we stop, just be still? We may be faced with existential fears, fear of failure, perhaps sadness or anger, given this peculiar situation …

It is as if an enemy within us strikes as soon as we stop running in the rat race. Allein, what we are confronted with yet being quiet, and on closer inspection, we discover, there is no enemy, really not, that is just not true …

Virtuell reality

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Fotos: Renée Kellner

Die Leinwand des Bewusstseins bleibt nicht lange leer. Alles Mögliche drängt auf die Spielfläche. Hauptsache irgendetwas spielt sich ab, es soll bloß nicht still sein. Am besten ist etwas Wichtiges, ein problematisches Drama, mit sich selbst in der Hauptrolle. Der Titel des Stücks ist „mein Leben“ …

Am allerbesten ist es, links und rechts an den Geschichten vorbei oder auch gleich mittendurch – denn so besonders echt sind sie nicht – direkt zum lebendigen Knistern der Leinwand zu kommen, als würde man den leeren, virtuellen Raum sehen, bevor das Spiel anfängt …

Der stille, bewusste Raum ist allgegenwärtig und doch jenseits des Inhalts des Schauspiels, er kann nicht erreicht, berührt oder verstanden werden, kann nicht nass oder verletzt werden, er ist weder den Gesetzen von Zeit und Raum unterworfen, noch denen der Dualität und ist dennoch Voraussetzung für all das, was sich in ihm abspielt …

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The screen of consciousness does not stay empty for long. Everything possible is urging towards the stage. The main thing is that anything should happen, best of all something important, a problematic drama, with oneself in the lead role. The title of the piece is “my life” …

Very best of all is to pass left and right or directly through the stories – they are not so real anyway – to come directly to the vibrant sizzling of the screen, as if you would see the empty virtual space before the game begins …

The quiet, conscious space is omnipresent and yet beyond the content of the drama, it can not be reached, touched or understood, can not get wet or hurt, it is neither subject to the laws of time and space, nor of duality, and yet Prerequisite for everything that happens in it …

Ist es nicht erstaunlich? / Isn’t it amazing?

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Fotos: Renee Kellner

Ist es nicht erstaunlich, sobald der Körper ein paar Schritte gehen möchte, stellt sich schon eine Richtung ein …

Ist es nicht erstaunlich, dass in einer Gesellschaft, die der unbewussten Egotrance folgt, zwar die Wirtschaft wächst, aber Würde verloren geht?

Ist es nicht erstaunlich, sobald das bloße, wache Bemerken dessen, was gerade geschieht, nicht von Gedanken gestört wird, es nicht lange dauert und unglaubliche Schönheit sich zeigt …

In dem Fächern von aufliegenden Taubenflügeln, in den drei winzigen
Tropfen, die sich aus der Wolkenfront lösen und je auf der Sommerhaut zerplatzen …

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Isn’t it amazing, as soon as the body wants to take a few steps, a direction already occurs …

Isn’t it amazing, in a society that follows unconscious egotrance, economy is growing, but dignity is lost?

Isn’t it amazing, as soon as the mere, alert awareness of what is happening right now is not disturbed by thought, it does not take long and incredible beauty shows itself …

In the fan of pigeon wings, in the three tiny drops that break loose from the cloud front and burst on the summer skin …

Mal wieder … / Once again …

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Mal wieder völlig zweckfrei Kunst zu machen. Mal wieder mit einem Haufen herzlich Durchgeknallter abzuhängen. Mal wieder im Auto schlafen, mal wieder das Gesicht mit dem Tau auf einer Parkbank waschen …

Sich mal wieder frischen Ton ins Gesicht drücken.
Sich mal wieder gehen lassen. Sich mal wieder gar nichts verkneifen. Mal wieder Sommer …

Mal wieder der Sonne des Seins erlauben, klar zu scheinen. Mal wieder sich dem Augenblick bis zur Unverschämtheit öffnen …

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Once again making art completely just for the sake of it. Once again hanging out with a bunch of heartily crazy guys. Once again sleep in the car, once again washing the face with the dew on a park bench …

Once again pressing fresh clay in the face. Once again letting go. Once again not resisting anything. Once again summer …

Once again allow the sun of being to shine clearly. Once again open up to the moment until exorbitance …

Stilles, bewusstes Sein / Silent, conscious being

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Fotos: Renee Kellner

Stilles Bewusstsein zu suchen ist, als ob man in einem Raum voll weißem Licht, weißes Licht sucht, oder eine Gurke in einer Gurke sucht. Es geht einfach nicht, weil es überall ist und auch man selbst daraus besteht …

Was funktioniert ist, selbst die Qualitäten zu verkörpern, die stilles bewusstes Sein ausmachen, wie Offenheit und Verfügbarkeit. Wenn einem dann Freundlichkeit und so eine Glut von Freude aus dem Sein entgegenwehen, ist das eine Art Bestätigung auf dem richtigen Dampfer zu sein …

Der Unterschied von Lebensqualität ist enorm: Entweder man hetzt durch die engen nervigen Gassen des unbewussten Denkens oder man schlendert durch breite malerische Boulevards. Entweder die Dinge knallen einem um die Ohren, oder sie schweben in genau dem richtigen, knusprigen Tempo heran …

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To seek silent consciousness is like looking for a white light in a room full of white light or looking for a cucumber in a cucumber. It’s just not possible, because it’s everywhere and you’re made of it …

What works is to embody the qualities that constitute silent conscious being, such as openness and availability. And then, when kindness and such a glow of joy accommodates you out of the blue, you can take it as a sign of confirmation …

The difference in quality of life is enormous: Either you walk through narrow, annoying alleys of unconscious thinking or you stroll through wide picturesque boulevards. Either things are banging around your ears, or they’re hovering at exactly the right crispy pace …

Universität der Stille / University of silence

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Langsam wird es Zeit in den Universitäten weniger leistungsorientierte Fächer zu unterrichten. Davon haben wir schon genug. Wir definieren uns viel zu sehr über Funktion und Nutzen. Wir brauchen Universitäten der Stille, des Seins, der Freude, der kleinen, einfachen Dinge …

Wir wohnen unter einem Himmel voll gewaltiger Stille, die Herzen hebt und alle Fragen löscht. Wir können vergleichen, wer mehr erreicht hat, doch was nützt uns das, im einfach Hier sein, in der Mitte der Bewegung? In der Qualität der Berührung? Im Wiedererkennen?

Im Leistungstaumel, im Streben nach Anerkennung, im Bemühen das Glück in äußeren Umständen zu finden, fällt uns gar nicht auf, wie das Leben schal wird und bitter. Unbewusst vermissen wir etwas Wesentliches …

Erst wenn es still wird, beginnen wir wieder klar zu sehen und bemerken, dass nichts fehlt, dass alles, was man wirklich braucht, bereits hier ist. Auch Freude findet sich wieder mit ein, nicht die oberflächliche Freude, die kommt, wenn einem Mal etwas gelingt, sondern die tiefe Freude, die der Stille innewohnt …


Slowly it’s time to teach less achievement-oriented subjects at universities. We already have enough of that. We define ourselves too much about function and utility. We need universities of silence, of being, of joy, of small, simple things …

We live under a sky full of tremendous silence that raises our hearts and clears all questions.
We could compare who has achieved more, but what good is that to us in just being here, in the middle of movement? In the quality of touch? In recognition?

In pursuit of recognition, in an effort to find happiness in external circumstances, we do not even notice how life becomes stale and bitter. Unconsciously we miss something essential …

Only when it gets quiet, we start to see clearly again and notice that nothing is missing, that everything we really need is already here. Joy, too, comes back to us, not the superficial joy that comes when we succeed, but the deep joy inherent in the silence …

Blues

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Fotos: Renée Kellner

Die Zeiten, an denen alles dicht wird, schmerzlich zusammengezogen, wohin sich garantiert kein Lichtstrahl verirrt und alle Hoffnung sich längst aus dem Staub gemacht hat …

Vom konditionierten Verstand her gesehen, läuft hier etwas falsch, jemand ist schuld, wir sollten nicht in so einem jämmerlichen Zustand sein, schwach und vom Leben geschlagen. Wir sollten schneller, weiter, besser sein …

Von der Stille her betrachtet, gelten die Aspekte der Konditionierung nicht. Schneller, weiter, besser hat hier keine Bedeutung. Hier zählt Freundlichkeit, anwesend sein, etwas von Herzen zu mögen. Stille integriert, alles, selbst den Blues und all die ungeliebten Kinder …

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The times when everything gets tight, painfully constricted, where no ray of light is wandering by and all hope has disappeared long ago…

Seen from the conditioned mind, something is going wrong here, somebody’s guilty, we should not be in such a pathetic state, weak and beaten down by life. We should be faster, further, better …

Seen from silence, the aspects of conditioning do not apply. Faster, further, better has no meaning here. Here, friendliness counts, to be present, to like something from the heart. Silence integrates, everything, even the blues and all the unloved children …