SCHWARZE MADONNA / BLACK MADONNA

Es gibt immer die Möglichkeit,  alles hinzugeben. Den vollen Kopf anlehnen, die Last niederlegen, das ganze Selbst in das Sein sinken lassen, ganz auf dem Grund in das unbegreifliche Wogen, zu dem kein Gedanke mehr dringt …

Wenn die Sehnsucht aufzuhören groß genug ist, alles nur mehr loslassen will – koste es, was es wolle – wenn es endgültig ist,
öffnet sich die tiefe Welt. Als könne nur der Tod von etwas den Schleier in das Zeitlose lüften und alles Freilegen …

Als könne nur finales Eintauchen den inneren Kern der Dinge begegnen. Wenn alles Sehnen in einer Berührung endet. Als könnte man nur mit ganz leeren Händen vor das Mysterium treten …

Mach es wie der kleine knorrige Wald oder die Grasklingen: Gib alles hin, lege es zu Füssen der Sonne und lass dich vom Wind zurücktreiben bis in das Land, in dem alles begonnen hat und sogar noch in das Land davor, in dem sich die Geschichte des Ich noch nicht in das Erleben gewebt hat …

There is always the possibility to surrender everything. To rest the full head, to lay down the load, to let the whole self sink into being, completely on the bottom into the incomprehensible waving, to which no thought penetrates any more …

When the longing to stop is great enough, to let go of everything – no matter what the cost – when it is final, the deep world opens up. As if only the death of something could lift the veil into the timeless and expose everything …

As if only final immersion could encounter the inner core of things. When all longing ends in an encounter. As if one could only step in front of the mystery with completely empty hands

Do it like the little gnarled forest or the blades of grass: Surrender everything, lay it at the feet of the sun and let the wind carry you back to the land where it all began and even to the land before that, where the story of the I has not yet woven itself into the experience …

AUS DER ASCHE / OUT OF THE ASH

Menschsein ist schon ein spannender Ort: Man erlebt glänzende Tage, wohlgesonnen und geschmeidig und dann passiert es. Irgendetwas triggert uns und die unerlösten Wesen in der Asche und kalten Glut der Psyche regen sich und beginnen ans Licht zu greifen …

Wir schätzen das gar nicht, wollen die Wunde nicht. Schuldzuweisungen, Ablenkungen, Betäubungen, alles ist uns lieber als dem alten Schmerz wieder ins Gesicht zu starren.
Dennoch sind es genau diese Anteile und unser Umgang damit, die das ausmachen, was wir sind …

Wenn wir standhalten, dem Schmerz erlauben, da zu sein, ja sogar Anerkennung finden für all die Fähigkeiten, die er uns half zu entwickeln, sehen wir ihn als das, was er ist: pure Lebendigkeit und Intensität …

Being human is truly an exciting place: one experiences shiny days, well-meaning and smooth and then it happens. Something triggers us and the unredeemed beings in the ashes and cold embers of the psyche stir and begin to reach for the light …

We don’t appreciate it at all, don’t want the wound. Blame, distractions, numbing, anything is preferable to us than to stare the old pain in the face again.
Yet, it is precisely these parts and how we deal with them that make up who we are …

If we stand firm, allow the pain to be there, even find appreciation for all the skills it helped us develop, we see it for what it is: pure aliveness and intensity …

GROUND ZERO

Es geht nicht darum, irgendwo hinzukommen, sondern darum, mit allem aufzuhören, den Zug der Wünsche, des Reagierens und des Wollens anzuhalten. Hier, auf Ground Zero kalibriert sich alles von selbst wieder neu …

Manche Dinge sind immer wiederkehrend.
Wir verehren die Gewohnheiten, denen wir Aufmerksamkeit schenken und damit bestimmen sie unser Leben. Wenn die Hingabe zur Stille Nummer eins wird, ist es, als hätte jemand das Licht eingeschaltet …

Es ist schon erstaunlich, wie sehr wir unsere Geschicke selbst in der Hand haben. Dabei müssen wir gar nicht – um es mit Nietzsche zu sagen – das Hässliche bekämpfen oder anklagen, wir brauchen nur Ja zum Schönen zu sagen …

It is not about getting somewhere, but about stopping everything, stopping the train of desires, of reacting and wanting. Here, at ground zero, everything recalibrates itself …

Some things are always recurring.
We worship the habits to which we pay attention and thus they determine our lives. When surrender to silence becomes the number one, it’s as if someone has turned on the light …

It’s amazing how much we are in control of our own destinies. We don’t even have to fight or accuse the ugly – to use Nietzsche’s words – we only have to say yes to the beautiful …

THE GLOW OF PRESENCE

Vincent hat seine alten Schuhe gemalt, Pablo hat die Zentralperspektive versenkt, Frida malte gegen ihre Schmerzen an. Eigentlich ist egal, was man malt. Das Wertvolle ist die Glut der eigenen Anwesenheit, die in das Geschehen fließt …

Im täglichen Leben gilt dasselbe: Es ist egal, was wir tun, sobald die Glut unserer Anwesenheit ins Spiel kommt, erfüllt sich etwas, das vorher nicht ganz war. Es ist die einzige Sache, die von uns verlangt wird, aus den Traumverstecken in das Licht des Seins zu blinzeln …

Und selbst den Meistern und Erwachten bleibt nichts anderes, als der menschlichen Reise – von den Tiefen bis in die Gipfel – und all den kleinen Dingen, die Glut der eigenen Anwesenheit zu schenken …

Vincent painted his old shoes, Pablo plunged the central perspective, Frida painted against her pain. Actually, it doesn’t matter what you paint. The most valuable is the glow of one’s presence that flows into what you are doing …

In daily life, the same is true: it doesn’t matter what we do, as soon as the glow of our presence come into play, something that wasn’t whole before is fulfilled. It is the only thing required of us to blink out of the dream hiding places into the light of being …

And even for the masters and the awakened there is nothing left but to give to the human journey – from the depths to the summits – and to every little thing along the way, the glow of our own presence …

WENN DER HUT BRENNT / WHEN THE HAT IS ON FIRE

Wenn das Leben gerade hart ist zu dir.
Wenn der Hut brennt. Wenn dich närrische Gedanken durch einen Irrgarten drängen, sei du selbst ganz sanft mit dir, so sanft wie nur irgend möglich …

Wenn dein süsser Kopf zum Helm wird und deine Zellen Fäuste machen. Wenn du dich nurmehr verstecken oder angreifen möchtest. Wenn etwas in dir verzweifelt nach einem Ausweg sucht, geh nicht weg, bleib ganz bei dir, sei einfach nur da …

Wenn alles zu viel wird. Wenn sich Sinnlosigkeit breitmacht und keine Hoffnung in Sicht ist. Wenn dich Hilflosigkeit zu verschlucken droht, setz dich in das Zentrum des Sturms, auf den Flügel deines Atems und halt Stille, halt stille Wacht …

When life is just hard to you.
When the hat is on fire. When foolish thoughts push you through a maze, be gentle with yourself, as gentle as can be …

When your sweet head becomes a helmet and your cells make fists. When all you want to do is hide or attack. When something inside you is desperately looking for a way out, don’t go away, stay with yourself, just be there …

When everything becomes too much. When senselessness spreads and there is no hope in sight. When helplessness threatens to swallow you up, sit in the center of the storm, on the wing of your breath and keep silence, keep silent vigil …

APOLLO AND DIONYSOS MAKING FRIENDS

Ich hätte es wissen müssen: Klar läuft das aus dem Ruder. Wie denn auch nicht? Schon allein das Thema: ‚Herbert, der amoklaufende Einzelgänger-Elefant‘. Wer hängt sich denn so was ins Wohnzimmer? Wer will denn erinnert werden an den Abgrund, den Kontrollverlust, den Wahnsinn?

Und wie soll man an das Thema anders herangehen, als wirklich in den Energien zu sein? Apollo, der ruhige, der harmonische, der wohltemperierte Alles-wird-gut-Gott und Dionysos, der rauschige, extatische Nicht-mal-ein-richtiger-Gott-Zerstörer und Erschaffer …

Können sie Freunde sein? Nun, auf der Leinwand geht es zur Sache, da wird das ausgetragen, da darf alles sein: Im dionysischen Malen darf man nicht wissen, keine Ahnung, was der Pinsel da würfelt und Apollo kommt auch zu seinem Recht, sanft und still inmitten des wilden Werdens …

Schönheit ist ein heftiges Geschäft. In dem Willen, Schönheit zu schaffen, kann man nicht so tun als ob, kann nicht auf Bekannten bauen, sondern möchte ihr frisch im Moment begegnen wie einem lebendigen Wesen …

I should have known: Of course it’s getting out of hand. How could it not? The theme alone: ‚Herbert, the rogue elephant run amok‘. Who would hang a painting like that in their living room? Who wants to be reminded of the abyss, the loss of control, the madness?

And how else to approach the subject than to really be in the energies? Apollo, the calm, the harmonious, the well-tempered all-is-good god and Dionysus, the raucous, extatic not-even-a-right-god destroyer and creator …

Can they be friends? Well, on the canvas it gets down to business, there this is carried out, there everything may be: In Dionysian painting, you can’t know, no idea what the brush is throwing dice, and Apollo also comes into his own, gently and quietly in the midst of the wild becoming …

Beauty is a tough business. In the will to create beauty, you can not pretend, can not build on acquaintances, but would like to meet it fresh in the moment like a living being …

NACH DEM REGEN / AFTER THE RAIN

Wie will man denn anders zur Kunst durchdringen als unter den geblähten Segeln des gerade vorherrschenden Gefühls? Jedes noch so kleine Gefühl stellt eine Transportmöglichkeit dar, um der unlebendigen Küste zu entkommen …

Erst die Gefühle bringen Farbe in die versachlichte Welt. Wenn man sich ganz auf sie einlässt, nicht nur so tut als ob, sondern bedingungslos, so total wie möglich, bis man das Gefühl IST, kommt eine transformative Energie ins Spiel, wobei die herausfordernden Gefühle den besten Treibstoff liefern …

Und hat dich das Gefühl in die Lebendigkeit getragen, ist etwas erfüllt, gereift, zufrieden, klar wie nach dem Regen, wenn sich die Stirn gegen die Welt lehnt und das Wollen wieder erlischt im Lied der Nachtigall und im Fliederleuchten …

How else can one penetrate art than under the inflated sails of the prevailing feeling? Every feeling, no matter how small, represents a means of transport to escape the inanimate shore …

Only feelings bring color into the objectified world. When you engage with them fully, not just pretending, but unconditionally, as totally as possible, until you ARE the feeling, a transformative energy comes into play, whereat the challenging feelings providing the best fuel …

And if the feeling has carried you into aliveness, something is fulfilled, matured, satisfied, clear as after the rain, when the forehead leans against the world and the wanting expires in the song of the nightingale and in the lilac glow …

IM REICH DER STILLE / IN THE REALM OF SILENCE

Inmitten der – eigentlich gar nicht selbstverständlichen – Tatsache der Existenz hat der konzeptuelle Verstand eine eigenartige Welt kreiert. In dieser geht es hauptsächlich darum, immer etwas Nützliches zu tun oder aus einem ungeheuren Angebot von Ablenkungen zu wählen. Nur eine Sache ist nicht erlaubt: still zu sein …

Wenn das Gewicht des konditionierten Verstandes zur Last wird, wenn man ’sein*ihr‘ Leben auf die Reihe bekommen muss, die fast unmöglich zu erfüllen Aufgabe hat, all seine*ihre Probleme zu lösen und ein ‚besserer‘ Mensch zu werden, wird es Zeit loszulassen …

Man würde nie auf die Idee kommen, beispielsweise einem Fasan solche Bürden aufzuerlegen. Es wäre geradezu lächerlich zu meinen, er solle ‚es schaffen‘. Es würde völlig klar, dass dieser einfach und wunderbar vom Leben bespielt wird, so toll, dass er sich – voll von Frühlingshormonen – nicht einmal von heranbrausenden Autos fürchtet und dass diese Leichtigkeit auch uns zukommt …

Im Reich der Stille geschieht ganz viel, ohne dass man etwas tun muss. Etwas im Außen stimuliert die Boten der Sinne, welche die Informationen an den*die König*in des Augenblicks weiterleiten. Die Tatsache der Existenz tritt aus dem Verborgenen, wobei ganz natürlich eine Verbeugung geschieht und Dankbarkeit von selbst entsteht …

In the midst of the fact of existence – which is actually not self-evident at all – the conceptual mind has created a peculiar world. In this one, it is mainly about always doing something useful or choosing from a tremendous offer of distractions. Only one thing is not allowed: to be still …

When the weight of the conditioned mind becomes a burden, when one has to get ones life in line, has the almost impossible task of solving all ones problems and becoming a ‚better‘ person, it’s time to let go …

One would never think of imposing such burdens on a pheasant, for example. It would be downright ridiculous to think that he should ‚make it‘. It would be absolutely clear that this one is simply and wonderfully played by life, so great that it – full of spring hormones – is not even afraid of approaching cars and that this ease also comes to us …

In the realm of silence, a lot happens without having to do anything. Something outside stimulates the messengers of the senses, which transmit the information to the king of the moment. The fact of existence emerges from the hidden, where naturally a bow happens and gratitude arises by itself …

WIE KÜNSTLER*INNEN MANIFESTIEREN / HOW ARTISTS MANIFEST

Künstler*innen steht der Zugang zum endlosen Pool des noch nicht Geschaffenen offen.

All die noch nicht geborgene Schönheit steht wartend vor ihren Türen.

Sie lernen, sich in das Unbekannte vorzutasten. Sie lernen dem Glanz standzuhalten und das Licht zu tragen, manchmal bis es weh-tut.

Und sorry, sie machen es nicht für euch Kuratoren*innen oder Expert*innen, sie machen es nicht einmal für Ruhm und Geld.

Ok, manchmal machen sie es für ihre*n Geliebte*n.

Und ja, sie schaffen nicht aus Mangel, nicht um etwas zu bekommen, sondern schöpfen aus der Fülle und backen mit Ambrosia.

Und vergebt ihnen, denn sie müssen Zigeuner*innen bleiben, Vagabund*innen und Dieb*innen der Herzen.

Und sie scheuen auch nicht das Licht der großen Meister, denn wie meine Mama schon immer gesagt hat: Die kochen auch nur mit Wasser.

Artists have access to the endless pool of the not yet created.

All the beauty not yet recovered stands waiting at their doors.

They learn to grope their way into the unknown. They learn to withstand the shine and carry the light, sometimes until it hurts.

And sorry, they don’t do it for you curators or experts, they don’t even do it for fame and money.

Ok, sometimes they do it for their lover.

And yes, they don’t create from lack, not in order to get something, but they create from abundance and bake with ambrosia.

And forgive them, because they must remain gypsies, vagabonds and thieves of hearts.

And they do not shy away from the light of the great masters, because as my mom has always said: The also only cook with water.

STRÖME VON SEIN / STREAMS OF BEING

Es ist wichtig zu wissen, dass NICHTS, was einem das konditionierte Denken einredet, wahr ist. Weder, dass man auf irgendetwas warten muss, dass noch etwas fehlen würde, dass man etwas nicht verdient hat, dass man noch nicht soweit ist, noch dass irgendetwas anderes besser wäre als dieser Moment …

Es ist wichtig, HIER zu sein und sich hier nicht von der eigenen Konditionierung in die Irre führen zu lassen. Tiefer in die Süße seiner*ihrer selbst zu tauchen ist keine Frage des Glaubens, sondern des Erforschens. Obwohl die Ströme des Seins so subtil sind, dass sie vom Ego übersehen werden, zeigen sie sich gern dem*der geneigten Betrachter*in …

Es ist deutlich spürbar, wenn sich das eigene System verhärtet und dicht ist und auch wenn es sich offen und durchlässig anfühlt. Bleibt man in der Offenheit, ändert sich das Sehen, die Wahrnehmung wird direkt, man begegnet sich selbst auf eine tiefe, intime, zeitlose Art, als würde ein Reh aus dem Dickicht treten …

It is important to know that NOTHING that the conditioned thinking tells you is true. Neither that you have to wait for something, that something is still missing, that you don’t deserve something, that you are not ready yet, nor that anything else would be better than this moment …

It is important to be HERE and not to be fooled here by your own conditioning. Diving deeper into the sweetness of oneself is not a matter of believing, but of exploring. Although the streams of being are so subtle that they are overlooked by the ego, they like to show themselves to the inclined observer …

It is clearly noticeable when one’s own system is hardened and dense and also when it feels open and permeable. If you stay in the openness, the seeing changes, the perception becomes direct, you meet yourself in a deep, intimate, timeless way, as if a deer would step out of the thicket …