ÜBER DIE KRAFT DER KUNST IM SCHWIERIGEN ZEITEN / ABOUT THE POWER OF ART IN DIFFICULT TIMES

Sich mit Kunst zu beschäftigen, kann eine wohltuende Ablenkung sein, besser als sich mit den Problemen im Kopf zu beschäftigen. Man steckt einen Zeh in das magische Feld und merkt, dass es einem gut tut …

Wenn man weiter hineingeht, beginnt eine Kommunikation, die immer intensiver wird, je mehr man sich darauf einlässt. Wenn man alles ablegt und ganz eintaucht, wird die Kunst wie ein Spiegel, der einen immer tiefer in sich selbst blicken lässt …

Gerade in schwierigen Zeiten wird dieser Spiegel zu einem unverzichtbaren Ort der Kraft und Heilung. Er zeigt uns, was wir brauchen, um an den Krisen zu wachsen, um über unsere eigenen persönlichen Grenzen hinauszuwachsen. Und er erinnert uns an das, was nicht verletzt werden kann …

Engaging in art can be just soothingly distracting, better than dealing with the problems in your head. You stick a toe in the magic field and realize that it does you good …

If you go further in, a communication begins, which becomes more and more intensive, the more truthfully you get involved. If you get totally naked and dive into it, art becomes like a mirror that allows you to look deeper and deeper into yourself …

Especially in difficult times this mirror becomes an indispensable place of strength and healing. It shows us what we need to grow from the crises, to grow beyond our own personal limitations. And it reminds us of what cannot be hurt …

ADVENT, ADVENT

Der Adventkalender ist diesmal wie für mich gemacht, zuerst Ende des Lobautunnels und Beginn einer Mobilitätswende, die mehr das Große und Ganze miteinbezieht. Kurz tritt zurück, Blümel tritt zurück, jeden Tag geht ein neues Fenster auf …

Vielleicht geht es ja so weiter: Omikron ist die Variante von Covid, die es wirklich zu einer harmlosen Grippe werden lässt. Menschen lernen aus der Pandemie und finden heraus, was sie wirklich glücklich macht. Der Turbokapitalismus sagt plötzlich, er mag nicht mehr und verschwindet …

Tiere werden als fühlende Wesen behandelt. Randgruppen sind integriert, die Umwelt bekommt Dankbarkeit und Respekt. Superreiche entdecken ihre Menschlichkeit. Politiker dienen dem Volk. Ein Verlag interessiert sich für mein Kartenspiel …

Schul-Rechts- und Gesundheitssystem werden auf den neuesten Erkenntnisstand gebracht. Die Werte von Freude, Schönheit und Lebensqualität sind zentral. Menschen erinnern sich, dass sie hier sind, um zu heilen und lachen und begleiten einander nach Hause …

The Advent calendar is made for me this time, first the end of the Lobautunnel and the beginning of a mobility turnaround that includes more of the big picture. Kurz resigns, Blümel resigns, every day a new window opens …

Maybe it will continue like this: Omikron is the variant of Covid that really makes it a harmless flu. People learn from the pandemic and find out what really makes them happy. Turbo capitalism suddenly says it doesn’t like it anymore and disappears …

Animals are treated as sentient beings. Marginalized groups are integrated, the environment gets gratitude and respect. Super-rich discover their humanity. Politicians serve the people. A publisher is interested in my card game …

School-legal and health systems are brought up to date. The values of joy, beauty and quality of life become central. People remember they are here to heal and laugh and escort each other home …

KÜNSTLERPECH / ARTIST PITCH

Der perfekte Traum hält sich hartnäckig in den Köpfen. Der Wunsch, es endlich zu schaffen, bewirkt etwas Verbissenes, Festhaltendes, dem bald jeder Humor abhanden kommt …

Zum Glück gibts auch einen Antagonisten, eine*n freundliche*n Anarchist*in mit der Bereitschaft, unperfekt zu sein, welche*r Fehler mit einem ‚Hoppla Künstlerpech‘ begrüsst. Der zwar sanfte, sich jedoch dem Funktionszwang verweigernde Pirat, der es einem erst ermöglicht, empfänglich zu sein …

Empfänglich für die Schönheit, die einem so voll erwischt, dass man sich in ihr verirrt. Für Freude, die wie der Pfeil der Sonne durch die Wolkendecke trifft. Für Stille, dieser ewig wohlgesonnene Urgrund, dessen unvermeidliches Grinsen dem perfekten Traum zeigt, dass das Glück ganz woanders liegt …

The perfect dream stubbornly persists in the minds. The desire to finally make it causes something grim, clinging, which soon loses all humor …

Fortunately, there is also an antagonist, a friendly anarchist with the willingness to be imperfect, who greets mistakes with an ‚Oops artist pitch‘. A gentle pirate, one who refuses to be forced to function, who makes it possible to be receptive …

Receptive for the beauty that catches you so full that you get lost in it. For joy that strikes like the arrow of the sun through the cloud cover. For silence, that eternally benevolent primordial ground whose inevitable grin shows the perfect dream that happiness lies elsewhere …

ICH UND DU UND ES / ME AND YOU AND IT

Das Ich fühlt sich manchmal in der eigenen Welt nicht vollständig, etwas drängt zu Du. Es lehnt mit der Stirn an der Wand des Ich und will sich öffnen zum Du. Doch die Wand wurde aus gutem Grund errichtet, sie meint das Ich zu schützen …

Das Es ist zwischen Ich und Du, es ist das eine und das andere und das Lebendige zwischen den beiden. Und wie es bei lebendigen Wesen nun mal ist, braucht es ein gewisses Klima, um wachsen zu können. Wenn Ich oder Du sich zu sehr schützen, wird es für das Es brenzlig …

Das Es möchte wachsen und blühen und braucht dazu Ich und Du. Der Trick der Liebe scheint ja darin zu bestehen, nicht das Du verändern zu wollen und nicht das Ich zu sehr zu schützen, sondern es zu weiten bis über den Himmel hinaus …

The I sometimes feels incomplete in its own world, something pushes towards You. It leans with its forehead against the wall of the I and wants to open itself to the You. But the wall was built for a good reason, it means to protect the I …

The It is between I and You, it is the one and the other and the liveness between the two. And as it is with living beings, it needs a certain climate to be able to grow. If I or you protect themselves too much, it becomes dicey for the it …

It wants to grow and blossom and needs I and you for this. The trick of love seems to be not to want to change the you and not to protect the I too much, but to expand beyond the sky …

DEM HIMMEL SO NAH 5 / SO CLOSE TO HEAVEN 5

In einem offenen Malprozess ist man nicht verloren. Wenn man keinen Plan hat, nachdem man vorgeht, heißt das nicht, man würde im Nebel verschwinden. Es gibt eine tiefere Instanz, die genau weiß, was sie will, die genau weiß, wie hell oder weit oder klar etwas aussehen soll …

Als wäre da so eine Art Wesenskern, der von den Gewerken des Schicksals ausgenommen ist, etwas Unberührbares, Intimes, das erst in einer gewissen Offenheit erfahrbar wird. Solange man etwas erreichen will, bleibt es verborgen …

Diese Begegnung kann nicht vorsichtig sein, sie verlangt ein Eintauchen mit Haut und Haar und ohne Hintertür, sonst gilt es nicht. Sich verlierend blind hineintastend mit dem alten Mut des Kindes, es dennoch zu versuchen …

Die Gewissheit findend, die stärker ist als der Zweifel. Mit jedem nächsten Schritt die Ketten und Stricke des falschen Traumes abstreifend. Den Rockzipfel der Kontrolle gehen lassend. Dem Augenblick folgend,  vertrauend, sich im Neuen erkennend …

In an open painting process, you are not lost. If you don’t have a plan after you proceed, it doesn’t mean you disappear into the fog. There is a deeper entity that knows exactly what it wants, that knows exactly how bright or wide or clear something should look….

As if there were a kind of core of being that is exempt from the trades of fate, something untouchable, intimate, that can only be experienced in a certain openness. As long as one wants to reach something, it remains hidden …

This encounter cannot be cautious, it demands an immersion with skin and hair and without back door, otherwise it does not apply. Losing oneself blindly feeling one’s way into it, with the old courage of the child to try nevertheless …

Finding the certainty that is stronger than doubt. With each next step, stripping away the chains and ropes of the false dream. Letting go of the coat-tails of control. Following the moment, trusting, recognizing oneself in the new …

STERNE UND STILLE / STARS AND SILENCE

Philosophie und Psychologie sind in Wahrheit keine trockenen Lehrgegenstände. Die Welt wurde so versachlicht, dass man meint, zu einer etwas überheblichen Kontrolle fähig zu sein. Das ist zwar langweilig, doch scheinbar sicherer. Doch selbst all das Versachlichen kann den Damm nicht aufrecht erhalten … 

Leben bricht herein, findet einen Weg, die wirklichen Landschaften werden offensichtlich, die Welt wirkt direkt. Alles, selbst psychische Entitäten, Krisen, die Sterne oder die Stille wollen wie lebendige Wesen begegnet werden …

Wenn man mit den Sternen oder der Stille wandert, ist man nicht allein. Man folgt dem Rhythmus der eigenen Natur, und wenn Zweifel aufkommt, wenn man wieder blind zu Tasten beginnt, weiß man, dass die Stille abhandengekommen ist. Und dann reibt und reibt man an der Wunder Lampe und in dem trüben Tal wird es bald wieder heller und klar, zweifellos, fraglos …

Und manchmal zieht man das Hemd der Stille wirklich ganz an, ist nicht mehr nur Beobachter oder Besucher, ist nicht mehr nur Teil des Ganzen, man IST still und Stern …

Philosophy and psychology are in truth not dry subjects of teaching. The world has become so objectified that one thinks one is capable of a somewhat arrogant control. This is boring, but seemingly safer. But even all this objectification cannot maintain the dam … 

Life bursts in, finds a way, the real landscapes become obvious, the world acts direct. Everything, even psychic entities, crises, the stars or the silence want to be met like living beings …

When one walks with the stars or the silence, one is not alone. One follows the rhythm of one’s nature, and when doubt arises, when one begins to grope blindly again, one knows that silence has been lost. And then one rubs and rubs at the wonder lamp and in the dull valley it soon becomes brighter and clear again, undoubtedly, unquestionably …

And sometimes one really puts on the shirt of silence completely, is no longer just an observer or visitor, is no longer just part of the whole, one IS silent and star …

LEBENSZEICHEN / SIGNS OF LIFE

Lebenszeichen sind radikales Auftauchen aus dem Sumpf des Traums vom perfekten Leben. Der perfekte Traum ist eine kollektive Vorstellung, die einem antreibt, es schaffen zu müssen, die das, was ist, vergleicht mit einem idealen Trugbild und einem inmitten von Wundern unzufrieden zurücklässt. Es gilt aufzutauchen in die Wirklichkeit und eine Spur zu hinterlassen, ein Lebenszeichen wie ein Gang Tag, der sagt: Ich bin hier …

Der perfekte Traum ist sehr trickreich, es braucht Wachheit und Standfestigkeit, um auszubrechen. Als würde man einen radikalen Satz an die Wand sprühen und dann nicht zum Radieren anfangen, sondern dazu stehen. Es gilt, die Freiheit im Unperfekten auszuhalten und den Angeboten der verführerischen mentalen Zungen ein klares f*ck you entgegen zu halten …

Wenn man sieht, dass sämtliche Versprechungen des Verstandes wertlos sind, fallen dessen Fesseln. Also raus aus der Kiste der Meinungen und Vorstellungen über sich selbst. Ein kleines Tänzchen vielleicht außerhalb des Griffs der falschen Träume außerhalb der ‚Normalität‘?  …

Signs of life are radical emergence from the swamp of the dream of a perfect life. The perfect dream is a collective imagination that drives you to succeed, that compares what is with an ideal mirage and leaves you dissatisfied in the midst of miracles. It is necessary to emerge into reality and leave a trace, a sign of life like a gang tag that says: I am here …

The perfect dream is very tricky, it takes alertness and steadfastness to break out. Like spraying a radical sentence on the wall and then not starting to erase, but standing by it. It is necessary to endure the freedom in the imperfect and to bang a clear f*ck you against the offers of the seductive mental tongues …

When you see that all the promises of the mind are worthless, its shackles fall. So get out of the box of opinions and ideas about yourself. A little dance perhaps outside the grip of false dreams outside ’normality‘?    …

KUNST IST SPIEL MIT DER WELT / ART IS PLAYING WITH THE WORLD

In der Kunst geht es darum, die Welt nicht in Sinn- und Nutzbezügen zu sehen, sondern mit ihr zu spielen. Es empfiehlt sich, das Spiel so zu erweitern, dass wir auch die Dinge, die uns das Leben schwer zu machen scheinen,  mitspielen lassen …

Das Spiel überwindet die Trennung. Darin heilt etwas und wird ganz. In diesem Tun kommt der*die Künstler*in sich selbst immer näher. Das intime, unschuldige, wirkliche Selbst zeigt sich unter der Kruste mentaler Schutzmechanismen, weil es dem Ruf des Spiels nicht widerstehen kann …

Auch wenn mit dem Nebel schwere Gedanken ins Land ziehen, selbst wenn die alte Wunde aufblüht und gerade wenn das eigene Leben weit davon entfernt ist, perfekt zu sein, beendet radikales Erlauben dessen, was ist, den Kampf um den perfekten Traum, dessen falsche Versprechen uns schwach und unglücklich machen und öffnet das authentische Spiel …

Art is not about seeing the world in terms of meaning and profit, but about playing with it. It is advisable to extend the game in such a way that we also let the things that seem to make life difficult for us play along …

Play overcomes separation. In it something heals and becomes whole. In this doing the artist comes closer and closer to himself. The intimate, innocent, real self shows itself under the crust of mental protective mechanisms, because it cannot resist the call of the game …

Even when heavy thoughts come with the fog, even when the old wound blossoms and just when one’s life is far from perfect, radical allowing of what is ends the struggle for the perfect dream, whose false promises make us weak and unhappy, and opens the authentic play …

THE SWEET TERRITORIES OF SILENCE

Will man der Sehnsucht folgen und in den süßen Territorien der Stille wandern, empfiehlt es sich, Klarheit in der eigenen Person zu schaffen. Solange die Portale zu überpersönlichen Räumen von der Wunde bewacht werden oder gar Kampf das eigene Haus dominiert, ist es fast unmöglich, den begrenzten Raum der psychologischen Persönlichkeit zu verlassen …

Hier helfen die heftigen Zeiten. Wenn der Druck im Kochtopf der eigenen Person zu hoch wird, geht es darum, jene Zauberkraft in sich zu finden, die den Gegenpol zu dem Argen bildet. Keine Kraft, die das Ego füttert, sondern die Präsenz. Eine, die bloß ganz wach ist …

So eine Kraft wie das Strahlen und der Glanz eines heranwachsenden Menschen, wenn er*sie dem Elternhaus entwächst. Eine Kraft, die wie eine Generalbevollmächtigung in sämtlichen Dimensionen wirkt. Dieselbe Kraft, welche die Raupe zum Schmetterling drängt und die einem im Trümmerhaufen den neuen Anfang finden lässt …

If one wants to follow the longing and wander in the sweet territories of silence, it is recommended to create clarity in oneself. As long as the portals to superpersonal spaces are guarded by the wound or even struggle dominates one’s house, it is almost impossible to leave the limited space of psychological personality …

Here the fierce times help, when the pressure in the cooking pot of one’s own person becomes too high, it is a matter of finding that magic power in oneself which forms the antithesis to the unbearable. Not a force that feeds the ego, but presence. One that is merely fully awake …

A force like the radiance and the shine of a growing human being when he/she outgrows the parental home. A power that acts like a general authorization in all dimensions. The same force that pushes the caterpillar to become a butterfly and that lets one find the new beginning in the pile of disaster …

FOR NO REASON

Ohne Grund – nur das leise Knistern des Seins.
Ohne Bedeutung – nur entkoppelt zu wandern über sanft glühenden Farben.
Ohne Ziel – nur in die immer heller werdende Tiefe sinken …

Ohne Wollen – nur außer Reichweite der lärmenden Geister zu sein.
Ohne Anspruch – nur zwischen den Worten zu hocken.
Ohne Zögern – nur umfangen von Stille wie von Frauenhaar.
Ohne Träumen – nur dem Atem der Wunde zu lauschen …

Ohne Glauben – nur das Beben der transparenten Herbstblätter im Wald.
Ohne Wünschen – nur so lang, wie der Schrei des Bussards vom Sturm verweht wird.
Ohne Anstrengung – nur man selbst sein zu dürfen …

Without reason – only the quiet sizzling melody of being.
Without meaning – only to wander decoupled over softly glowing colors.
Without aim – only to sink into the ever brighter depths …

Without wanting – only to be out of reach of the noisy ghosts.
Without claim – only to squat between the words.
Without hesitation – only to be embraced by silence as by women’s hair.
Without dreaming – only to listen to the breath of the wound …

Without believing – only the trembling of transparent autumn leaves in the forest.
Without wishing – only as long as the cry of a buzzard is blown away by the storm.
Without effort – only to be allowed to be oneself …