CORONA Diaries 48 / Auf die Tube drücken! / Step on it!

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‚I know you are tired, but this is the way.‘ Rumi

Kunst bietet die wunderbare Möglichkeit sich auszudrücken, sich zu zeigen und damit seinen*ihren Stern zum Leuchten zu bringen. Egal, in welchen Zustand man ist, egal, in welchem Alter, egal, in welcher Bildungschicht man sich befindet, die Möglichkeit bis an den Rand seiner*ihres Erlebens zu gehen, besteht …

Im Ausdruck – sei es singen, malen, tanzen, schreiben, etc. – flattert man wie eine Motte in das Licht des Wesentlichen, um zumindest einmal den Kern des Seins zu berühren …

Immer wieder – so bezeugen es die Schätze unserer Kultur – wird jemand am Rand seines Erlebens abgeholt und darüber hinaus getragen. Dieses, ein Stück weit in die Unmöglichkeit zu reichen, genügt um die Evolution der Menschlichkeit voranzutreiben …

Art offers the wonderful opportunity to express oneself, to show oneself and thus to make one’s star shine. No matter in which condition you are, no matter at which age, no matter in which educational level you are, the possibility to go to the edge of your experience exists …

In expression – be it singing, painting, dancing, writing, etc. – one flutters like a moth into the light of the essential in order to touch the core of being at least once …

Again and again – as the treasures of our culture testify – someone is picked up at the edge of their experience and carried beyond. This, reaching some way into the impossibility, is enough to advance the evolution of humanity …

CORONA Diaries 47 / Das Eigene / One’s Own

 

IMG_20200801_084717Das Eigene ist ja gar nicht so schwer zu finden. Es läuft immer parallel innen drin ab. Man wird in dieser Leistungsgesellschaft allerdings schon früh darauf getrimmt, die Aufmerksamkeit auf das zu richten, was ‚man‘ tun muss. Mit genügend Angst vermittelt, modelliert man damit systemkonforme Staatsdiener*innen …

Das Eigene ist immer noch da, verblasst allerdings zunehmend, wenn es keine Aufmerksamkeit bekommt oder keine lebensrelevanten Antworten erfährt. Steckt Angst an der Wurzel des Handelns, kann man bestenfalls funktionieren, aber nicht leben …

Bekommt das Eigene allerdings genug Zuwendung, Freundlichkeit und Vertrauen nimmt es an Fahrt auf. Kommt dann auch noch die Bereitschaft dazu, die eigenen Handlungen darauf auszurichten, holt man es in das Leben rein, dann beginnt es zu leuchten und hebt ab, während die Ängste allmählich verblassen …

It’s not that hard to find one’s own. It always runs parallel inside. But in this achievement-oriented society one is trained early on to focus attention on what ‚one‘ has to do. With enough fear conveyed, you model system-compliant civil servants …

One’s own is still there, but it fades more and more if it doesn’t get attention or doesn’t get any life-relevant answers. If fear is at the root of action, one can at best function, but not live …

But if one’s own gets enough attention, friendliness and trust, it will pick up speed. If the willingness to direct one’s own actions towards this, one brings it into life, then it begins to shine and takes off, while the fears gradually fade away …

 

CORONA Diaries 46 / Self Inquiry

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‚Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns.‘
Rumi

Richtig und falsch, gut und böse, weiß und schwarz sind die Pole des Verstandes. Wie Magnete ziehen sie Handlungen und Erlebnisse in die eine oder die andere Richtung …

Manche Dinge und Handlungen bewerten wir als falsch, obwohl sie uns lebenslänglich anziehen: diverse Stimulanzien, Sexpraktiken, etc. Wir betäuben, verkriechen, schämen oder schelten uns,
weil wir der Versuchung nachgeben …

Doch weder richtig noch falsch befreien uns aus dem Dilemma, ja, die Bewertung hält uns in einer unlebendigen Spirale. Leben verflacht in der Angst, etwas richtig oder falsch zu tun. Erst das untersuchen, das genaue Hinschauen, was wir eigentlich in den Handlungen und Erlebnissen suchen, bringt Licht in die Sache. Speist uns das oberflächliche, unreflektierte Handeln mit billigen Replikaten von Leben ab, wartet Erlösung im wachen, direkten, körperlichen Grund …

‚Beyond right and wrong is a place. That’s where we meet.‘  Rumi

Right and wrong, good and bad, white and black are the poles of the mind. Like magnets they pull actions and experiences in one direction or the other …

We judge some things and actions as wrong, although they attract us: various stimulants, sex practices, etc. We numb, crawl away, feel ashamed or scold ourselves, because we give in to temptation…

But neither right nor wrong will free us from the dilemma, judgement keeps us in an inanimate spiral. Life fades away in the fear of doing something right or wrong. It is only by examining, by inquiring closely what we are actually looking for in our actions and experiences that light is shed on the matter. The superficial, unreflective acting feeds us with cheap replicas of life, salvation waits in the awake, direct, physical ground …

 

CORONA Diaries 45 / Verborgen on offener Sicht

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Die Persönlichkeit manövriert in ihrem Körperpanzer durch die Gegend. Angestrengt, ängstlich und meint sich durch Macht und Kontrolle schützen zu können und dadurch, etwas richtig zu tun. Es ist überhaupt nicht wichtig, ob etwas gelingt oder nicht, das Entscheidende ist die Anwesenheit, die Präsenz, das eigene So-Sein ist das geheime Ziel jeder Handlung …

Paradoxerweise brechen die Panzer erst weg, wenn wir bereit sind, so zu sein, wie wir sind, mit unserer Schuld und Scham und all den anderen Kellerkindern. Wir haben das Wesentlichste in uns verborgen, verklärt und in scheinbar unerreichbare Dimensionen verbannt, um es zu schützen …

Ab und zu erinnern wir uns, doch die Anstrengung scheint zu hoch, die Ablenkung ist zu nah. Als ob das Wesentliche hinter sieben Bergen unauffindbar wäre. Doch genügt eine einzige Antwort auf den kaum vernehmbaren Ruf, um den Bann zu brechen und die verborgene Tür zu öffnen …

The personality maneuvers through the area in its body armor. Strained, afraid and thinks it can protect itself by power and control and by doing something right. It is not important at all whether something succeeds or fails, the decisive thing is the attendence, the presence of the own beingness is the secret goal of every action …

Paradoxically, the armor only break away when we are ready to be as we are, with our guilt and shame and all the other basement children. We have hidden, transfigured and banished the most essential things into seemingly unreachable dimensions in order to protect them …

Now and then we remember, but the effort seems too much, the distraction too close. As if the essentials were untraceable behind seven mountains. But a single answer to the barely audible call is enough to break the spell and open the hidden door …

CORONA Diaries 44 / … und wir gehen weiter / … and we’ll go on

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Verlässt man den Planeten der Gedankeninhalte und kommt im Sein an, ist es, als würde man Welten tauschen.
Fällt man aus dem klebrigen Netz des Denkens und landet mitten im Sein, holpert schon mal scheppernd die Wahrheit einher, wie eine LKW-Ladung Betonrohre …

Dinge werden klarer: Etwas hatte uns aus der Einheit gespalten, der lange Kampf von Gut und Böse, das ausheilen der Gegensätze, die köstlichen Momente des Wiedererkennens. Wenn ein ‚Danke‘ wie ein Tropfen in den See fällt …

Rückblickend wird deutlich, wie gut wir es gemacht haben! Angesichts der Umstände, der Ausgangslage, des Fehlens jeder Gebrauchsanweisung, sind wir unseren Weg gegangen bis hierher. Welche Kunstfertigkeiten haben wir aus den Wunden und Unvollkommenheiten entwickelt! Wir hatten Hilfe und wir haben geholfen und wir gehen weiter …

When one leaves the planet of mind and arrives in being, it is like exchanging worlds. If you fall out of the sticky web of thought and land in the middle of being, the truth will bounce along like a truckload of concrete pipes …

Things become clearer: Something had split us from unity, the long struggle between good and evil, the healing of opposites, the delicious moments of recognition. When a ‚thank you‘ falls like a drop in the lake…

Looking back it becomes clear how well we did it! Given the circumstances, the starting point, the lack of any instructions for use, we have come this far. What skills we have developed from the wounds and imperfections! We had help and we have helped and we’ll go on…

 

CORONA Diaries 43 / Personal Myth

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Wir glauben, zu wissen, wer wir sind, es wurde während unserer persönlichen Biografie 1000-mal bestätigt. Eine Art Mythos hat sich aufgebaut, eine Geschichte wie wir uns die Welt und unsere Beziehung dazu erklären.

Diese Bewegung hin zum persönlichen Mythos geschieht unbewusst, sie wir durch irgendein Ereignis ausgelöst und bestätigt automatisch die alten Glaubenssätze, entsprechende Gefühle stellen sich ein und der Mythos scheint sehr real. Wir sind überzeugt, der*die Aussenseiter*in, der*die Normale, das Alien, Opfer, Täter*in, Prinz*essin, Genie, Loser, etc zu sein …

Die Identifikation mit dem persönlichen Mythos ist oft sehr einschränkend und vor allem ist sie nicht wahr. Sie ist nichts weiter als eine eingelernte Selbsttäuschung, an die wir so gewohnt sind, dass wir es uns anders gar nicht vorstellen können.

Die Bereitschaft, ganz zum Anfang der Geschichte zu gehen, zum ‚Ich bin‘, hilft den Bann zu brechen und in die Lebendigkeit des Augenblicks einzutreten. Damit ist gleichzeitig der Mythos durchschaut und wir blinzeln bereits in die Freiheit …

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We believe to know who we are, it has been confirmed 1000 times during our personal biography. A kind of myth has been created, a story of how we explain the world and our relationship to it.

This movement towards the personal myth happens unconsciously, it is triggered by some event and automatically confirms the old beliefs, corresponding feelings arise and the myth seems very real. We are convinced to be the outsider, the normal, the alien, victim, perpetrator, prince, genius, loser, etc. …

The identification with the personal myth is often very limiting and above all it is not true. It is nothing more than a learned self-deception to which we are so used to that we cannot imagine it any other way.

The willingness to go to the very beginning of the story, to the ‚I am‘, helps to break the spell and to enter into the liveliness of the moment. At the same time the myth is seen through and we already blink into freedom …

 

CORONA Diaries 42 / Permanent Creation

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PERMANENT CREATION ist ja mein Ding, also Kreativität und Kunst in Theorie und Praxis ausloten. Jetzt wird es wohl so manche*n Künstler*in aufstoßen: Wie kommt der dazu, Kreativität und Kunst in einem Atemzug zu nennen, Kreativität ist für Kinder und Kunst für Genies …

Für mich ist das anders: Kunst ist für die Kraniche unter den Menschen, für die Füchse, Falken, Tauben und Tiger in Menschengestalt. Kreativität ist schlicht die natürliche Medizin für den Wahnsinn in der Welt, den Ego und Nutzdenken angerichtet haben …

PERMANENT CREATION sieht Leben als andauernde Gestaltung, ständig kommt durch uns Neues in die Welt – Wörter, Handlungen, Impulse, Ideen, Farben, Begegnungen, als solches sind wir Künstler*innen …

Das Neue überzeugt durch Inspiration. Plötzlich steht eine Ahnung im Raum, fast greifbar und überstrahlt das bisher Gewesene um Längen. Man hat keine Wahl, als sich die Hemdsärmel aufzukrempeln und sich ans Werk zu machen …

PERMANENT CREATION is my thing, that is, exploring creativity and art in theory and practice. Now that will probably irritate many artists: How come he calls creativity and art in one breath, creativity is for children and art is for geniuses …

For me it is different: art is for the cranes among humans, for the foxes, hawks, doves and tigers in human form. Creativity is simply the natural medicine for the madness in the world, which ego and materialistic thinking have caused …

PERMANENT CREATION sees life as a continuous creation, something new is constantly coming into the world through us – words, actions, impulses, ideas, colours, encounters, as such we are artists …

The new convinces through inspiration. Suddenly, a notion stands in the room, almost tangible and outshines everything that has been there up to now by far. You have no choice but to roll up your sleeves and get to work …

 

CORONA Diaries 41 / A Toast to the Villains and Scoundrels!

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Mann, brav sein ist so lahm!
Vermissen wir Luzifer, den wir aus den Himmeln stürzten? Um die leblose Trance zu
brechen und zu unseren Innersten vorzustoßen, brauchen wir den Windhund, den Schurken und Halunken …

Immer alles richtig machen zu wollen, lullt einem in den Schlaf. Manchmal müssen wir alles auf eine Karte setzen, durch die Nacht schleichen, in das Haus der Liebe einbrechen und uns frech mitten in ihr Bett legen …

Leben ist ein gefährliches Terrain, es gibt keine Sicherheit weit und breit. Wir müssen unter der Totenkopfflagge segeln, und die Leuchtschilder ignorieren, die davor warnen geheime Türen aufzusperren. Denn gerade dort offenbaren sich uns – noch vor Sprache und Verstehen – die verborgenen Welten des Sommerwinds, der in den Blättern des Herzens rauscht …

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Man, being good is so lame! Do we miss Lucifer, who we dispossess from the heavens? To break through the lifeless trance and reach our innermost selves, we need the desperado, the villain and the scoundrel…

Always wanting to do everything right lulls you to sleep. Sometimes we have to put all our eggs in one basket, sneak through the night, break into the house of love and cheekily lie in the middle of her bed …

Life is a dangerous terrain, there is no security far and wide. We must sail under the skull and crossbones, ignoring the illuminated signs that warn against unlocking secret doors. For it is there that the hidden worlds of the summer wind, which rushes in the leaves of the heart, reveal themselves to us – even before language and understanding …

 

CORONA Diaries 40 / Herzzeit

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Herzzeit bedeutet so viel wie ‚zeitlos‘. Wenn das Wollen Pause macht und das Sein sich ausbreitet, entsteht Herzzeit. Sie braucht das Licht der eigenen Anwesenheit und dass man sich die Zeit nimmt, ohne Zeit zu sein …

Im inneren Königreich landen, wenn das Wollen in schweren Stiefeln abgezogen ist. In die Libellenflügel des Bewusstseins sinken, mit jener spielerischen Lässigkeit, in der sich Raubvögel in der sonnendurchfluteten Luft kurz berühren …

Diese Erleichterung, wenn Leben nicht mehr durch die Anstrengung etwas richtig oder falsch zu machen, belastet wird. Wenn wir erkennen, dass die Dinge sowieso entstehen, in Einklang und Verbundenheit. Wie unnötig, sich das als Verdienst oder Versagen anzuheften, und wie freudvoll es ist, sich den Strömen des Seins verfügbar zu machen …

Heart-time means something like timelessness. When the will pauses and the being spreads out, heart-time is created. It needs the light of your own presence and that you take the time to be without time …

Landing in the inner kingdom when the will moves off in heavy boots. Sinking into the dragonfly wings of consciousness, with that playful nonchalance in which birds of prey briefly touch each other in the sun-drenched air.

This relief when life is no longer burdened by the effort of doing something right or wrong. When we realize that things arise anyway, in harmony and connectedness. How unnecessary it is to pin this on ourselves as merit or failure, and how joyful it is to make ourselves available to the streams of being …

 

CORONA Diaries 39 / The HeArt knows

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„In einem Moment des Zerbrechens sei es global oder persönlich, wird all das entfernt, worauf Sie konditioniert wurden, zu glauben, wer Sie sind. Zumindest für einen Augenblick.“
Gangaji

Wenn wir etwas wirklich fürchten, dann die Verletzlichkeit unseres Selbstbildes. Das Selbstbild – generiert und aufrechterhalten von der Gedankentätigkeit des psychologischen Verstandes – muss um jeden Preis geschützt werden, es ist das Einzige, das wirklich angegriffen werden kann …

Da dieses Selbstbild jedoch ein – bloß mit viel Mühe – aufrechterhaltenes Hologramm ist, kann es die Früchte der Wirklichkeit nicht kosten. Es sehnt sich nach Intimität und Verbundenheit mit seiner Quelle und allem, was diese Quelle hervorbringt …

Das Selbstbild kann sich nicht öffnen. Das Herz hingegen, ist dazu in der Lage. Es verfügt über eine geheime Fähigkeit, die der Verstand nicht kennt: Es wertet nicht, wirklich nicht. Es ist der Raum, in dem alles sein darf, wie es ist und in diesem Raum heilt alles aus und findet zu seiner*ihrer Intimität und Schönheit …

Das Herz geht immer direkt in Offenheit, tanzt mit dem Wirklichen und dem Unwirklichen, selbst mit der vergeblichen Suche des Selbstbildnisses. Das Herz, mit Kunst und Witz, muss nichts fürchten …

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„In a moment of shattering, wether it is global or personal, all that you have been conditioned to believe about who you are is removed. At least for an instant.“
Gangaji

If there is something we really fear, it is the vulnerability of our self-image. The self-image – generated and maintained by the thought activity of the psychological mind – must be protected at all costs, it is the only thing that can really be attacked …

However, since this self-image is a hologram maintained – only with great effort – it cannot taste the fruits of reality. It longs for intimacy and connectedness with its source and everything that this source produces…

The self-image cannot open. The heart, on the other hand, is able to open. It has a secret ability that the mind does not know: it does not judge, it really does not. It is the space in which everything is allowed to be as it is and in this space everything heals and finds its intimacy and beauty …

The heart always goes directly into openness, dances with the real and the unreal, even with the vain search of the self-image. The heart, with art and wit, has nothing to fear …