Dein Mysterium / Your Mystery

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Wir alle machen so viel wertvolle Arbeit, die nicht von der Leistungsgesellschaft honoriert wird. Wir antworten auf unsere Träume, wir folgen unserer Sehnsucht, entscheiden uns so oft für das Richtige. Immer wieder folgen wir unserem Herzen, auch wenn wir es kaum verstehen,
auch wenn uns die Vernunft noch so warnend an den Knöcheln packt …

Die Einladung besteht, nicht aufzugeben, sondern egal in welchen Umständen aufzuwachen und das Licht einzuschalten. Denn alles, was die Welt uns zuruft, was durch uns zur Welt kommen möchte, würde nicht kommen, ohne unsere Antwort auf den Ruf …

Dein Mysterium ist das, wovon du immer wusstest, aber nie ganz fassen konntest. Es taucht im Lärm der Welt als leiseste Stimme auf, wächst immer wieder wie eine Blume zwischen dem Getrampel der Eifrigen, verschenkt sich in deiner Zuwendung, öffnet die Wüste des Nutzdenkens, ins Magische …

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We all do so much valuable work that is not rewarded by the effort oriented society. We respond to our dreams, we follow our call, we so often decide for the right thing. Again and again we follow our heart, even if we hardly understand it,
even if reason grabs our ankles so warningly …

The invitation is not to give up, but to wake up in whatever circumstances and switch on the light. Because everything that the world calls out to us, everything that wants to come into the world through us, would not come without our response to the call …

Your mystery is what you always knew about, but never quite grasped. It appears in the noise of the world as the quietest voice, grows again and again like a flower between the trampling of the zealous, gives itself to your listening for no reason, opens the desert of profit and gain into magic …

 

ON GOLDEN GROUND

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Ständig fallen mir neue Varianten von dem Motiv mit meinen beiden Lieblingsmodellen ein. Bernhard und Katharina hatten eine Performance gemacht: mit verbundenen Augen durch eine Bachlandschaft zu gehen …

Weiss gar nicht, was sie damit ausdrücken wollten, für mich gehts erst mal um die Entwicklung des Tafelbildes. Bevor die Zentralperspektive erfunden wurde, waren die Figuren in einem Goldgrund verankert. Man war sozusagen eins mit dem Hintergrund …

Und dann lernten sie zwischen gut und böse, richtig und falsch zu unterscheiden und traten somit raus aus der Verbindung. Ist gar nichts verkehrt daran, so läuft Menschheitsentwicklung nun mal …

In den Bildern jetzt sind die Figuren durch ihre Augenbinden getrennt vom Eigentlichen. Das unpackbare der menschlichen Reise: Trotz des Handicaps, trotz des verlorenen Paradieses, trotz der offensichtlichen Arschkarte, machen wir was wir nur irgendwie können und gerade das ist schöner als alles Ideale. Dafür haben wir uns alle einen gehörigen Applaus verdient …

Witziges Detail: würden die Protagonisten ihre Augenbinden abnehmen, würden sie erkennen, dass sie bereits da sind, wo sie hinwollen …

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I constantly think of new variants of the theme with my two favourite models. Bernhard and Katharina had done a performance: to walk with blindfolded eyes through a creek landscape …

I don’t know what they wanted to express, for me it’s all about the development of the panel painting. Before the central perspective was founded, the figures were anchored in a gold ground. They were, so to speak, one with the background …

And then they learned to distinguish between good and evil, right and wrong and thus stepped out of the connection. There’s nothing wrong with it, it is just what development of mankind works …

In these paintings now the figures are separated from the actual by their blindfolds. The amazing thing about the human journey: Despite the handicap, despite the lost paradise, despite that we got the shit end of the stick, we do what we can and that is more beautiful than anything ideal. We all deserve a lot of applause for that …

Funny detail: if the protagonists would take off their blindfolds, they would realize that they are already where they want to be …

 

Alice in Wonderland – or the Invisible Frontier

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Die Wurzel der Probleme unserer Zeit ist der Zustand der Trennung: ich und die Anderen, ich und die Welt. Etwas in einem, nimmt aus Gewohnheit unbewusst an, hier wäre eine unüberwindbare Grenze und verhält sich dementsprechend.
Diese Grenze zwischen Freiheit und in Trennung gefangen sein, funktioniert wie ein Spiegel. Fühlt man sich getrennt von allem, im trockenen Nutzdenken gefangen, genügt ein Blick in den Spiegel …

Der Spiegel zeigt uns auf süsse Art unsere Unzulänglichkeiten und zeigt uns, wo wir anhaften. Sind wir bereit, uns so zu sehen, wie wir wirklich sind – mit Freundlichkeit und Wärme – wird der Spiegel zum Fenster in die andere Welt, in das magische, immer frische Unbekannte …

Bleibt die Frage, was hat uns denn gebunden, uns freie Wesen? Wer hat die unsichtbare Grenze errichtet, Wer den Bann gesprochen?
Ein Gesicht kann so wunderschön werden, bevor es in das Unbekannte geht. Wenn man den Bereich dessen verlässt, was Körper und Konditionierung glauben machen wollen. Wenn man durch das Fenster hinaus in die abenteuerliche Nacht entflieht …

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The root of the problems of our time is the state of separation: me and the others, me and the world. Something in us unconsciously assumes out of habit that there is an insurmountable border and behaves accordingly.
This frontier between freedom and being trapped in separation functions like a mirror. If one feels separated from everything, trapped in dry compulsive thinking, a glance in the mirror is enough …

The mirror shows us our shortcomings in a sweet way and shows us where we are attached. If we are ready to see ourselves as we truelly are – with friendliness and warmth – the mirror becomes a window into the other world, into the magical, always fresh unknown …

The question remains, what has bound us, us free beings? Who erected the invisible border, who cast the spell?
A face can become so beautiful before it goes into the unknown. When one leaves the realm of what the body and conditioning want us to believe. When one escapes through the window into the adventurous night …

 

Radical Beauty

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In einer Welt, in der nur von Leistung und Funktion geträumt wird, braucht es den radikalen Gestaltungswillen Schönheit bedingungslos ins Zentrum zu rücken. Sich nicht – wie die Mehrheit – angstbesetzt selbst an den Nutzen zu versklaven, sondern provokant den Müßiggang vorzuziehen und im Schönen zu verweilen …

Die Erkenntnis, dass wir zu abgründigster Schrecklichkeit fähig sind, verhindert scheinbar, uns dem Schönen zuzuwenden. Wir empfinden es unbewusst als heuchlerisch oder denken es nicht zu verdienen. Es ist scheinbar nur möglich, Schönheit in einen Nichtraum zu verbannen – zusammen mit Ehrfurcht, Wahrheit und Majestät – den realistische Menschen nur belächeln können …

Für Menschen, die sich dennoch dem Schönen zuwenden, wäre es angebracht eigene Schönheitsoasen zu entwickeln und sich kompromisslos daran zu orientieren, weil die Gesellschaft mit aller Kraft in eine andere Richtung zieht.
Wir brauchen eine Kultur die aus der Schönheit kommt …

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In a world that dreams only of achievment and function, the radical creative will to beauty needs to be unconditionally placed at the centre. Not to anxiously enslave ourselves – like the majority does – to profit and gain, but provocatively prefer idleness and linger in beauty …

The realization that we are capable of the most abysmal horror seems to prevent us from turning to the beautiful. We unconsciously perceive it as hypocritical or think we don’t deserve it. It is apparently only possible to ban beauty to a nonspace – together with awe, truth and majesty – which realistic people can only smile at.

For people who nevertheless turn to beauty, it would be appropriate to develop their own beauty oases and to orient themselves uncompromisingly to them, because society is moving with all its strength in another direction.
We need a culture that comes from beauty …

 

MAY I ASK FOR THE DANCE?

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Welche art Tanz geschieht im Inneren? Sind da wichtige, herrische Bewegungen im Schatten? Starre, Blockaden oder klägliche Gebärden, weil es gerade nicht so gut läuft?

Lass dein*e innere*r Tänzer*in nicht allein im leeren Theater. Sobald dein Tanz deine Aufmerksamkeit bekommt, wird er lebendiger und gelöster. Du kannst ihn nicht zwingen, nicht besitzen, nicht kontrollieren, den er*sie ist unverschämt frei …

Doch du kannst selbst tanzen im inneren Raum. Die Süsse deiner moves kosten. Lass dich los. Es ist gleich, ob du weinend oder lachend, elegant oder tollpatschig tanzt, es ist deine Show. Das Leben ist dein dankbares Publikum und du hast noch alle Zeit der Welt bis zur Verbeugung …

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What kind of dance happens inside? Are there important, imperious movements in the shadow? Rigid, blockades or miserable gestures because things are not going so well?

Don’t leave your inner dancer alone in an empty theatre. As soon as your dance gets your attention, it becomes more alive and relaxed. You can’t force it, you can’t possess it, you can’t control it, it is outrageously free …

But you can dance yourself in the inner space. Taste the sweetness of your moves. Let go. It doesn’t matter if you dance crying or laughing, elegant or clumsy, it’s your show. Life is your grateful audience and you still have all the time in the world until you bow …

FREIHEIT – ODER WIE MAN PERSÖNLICHEN SCHIFFBRUCH IN KUNST TRANSFORMIERT, TEIL 2 / FREEDOM – OR HOW YOU TRANSFORM YOUR PERSONAL SHIPWRECK INTO ART, PART 2

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Die Bereitschaft, wirklich zu leben, ist nichts für die Halbherzigen. Manchmal ist es, als müsste man starre Kulissen zur Seite schieben, die kleben und die Fäuste ballen, auf einer Bühne bespielt von schielenden, hinkenden, speienden Teufeln …

Und doch: Selbst der Versuch, das Wesentliche zu sehen, setzt bereits frei, entlarvt das ächzende, scheinbar in Stein Gemeißelte und etwas Regungsloses blickt durch die Augen der scheinbar ungeliebten Kreatur …

Auch wenn alles, woran du glaubtest, zerbrochen ist und dir die alten Stimmen in die Ohren höhnen, etwas bleibt, unberührt von den Gewalten, etwas Stilles. Es zeigt dir dein zu Hause, wo du es nie vermutet hättest und Schönheit an den einsamsten Orten. Die Bereitschaft wirklich zu leben, nach dem zu schauen, dass im Herzen der wehenden Welt wacht, setzt frei …

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The willingness to really live is not for the half-hearted. Sometimes it’s like having to set apart rigid sceneries, which stick and clench their fists while squinting, limping, spitting devils are playing on the stage …

And yet: even the attempt to see the essential already releases, exposes that which is seemingly carved in stone and something motionless looks through the eyes of the apperently unloved creature …

Even if everything you believed in is broken and the old voices mock you in the ears, something remains, untouched by the forces, something quiet. It shows you your home where you would never have guessed to find it and points to beauty in the most lonely places. The willingness to really live, to look for the one that is awake in the heart of the waving world, releases …

FREIHEIT – oder wie verwandelt man persönlichen Schiffbruch in Kunst / FREEDOM – or how to turn personal shipwreck into art

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Da sind diese Momente, wo alles klar ist, fraglos, das Ende der Suche, Angekommensein.
So einfach, so naheliegend, so frei. Man kann sich gar nicht vorstellen, diesen Raum je wieder zu verlieren …

Über kurz oder lang findet man sich in einem Scherbenhaufen. Im Inneren hat es Bomben gehagelt und Wind streift über noch glühende Aschehaufen. Das Fundament des Selbstbildes gebrochen, das Kartenhaus der Wünsche und Pläne eingestürzt. Das Heimatlose tanzend im leeren Theater …

Vielleicht geht es in der menschlichen Reise nicht um die herbeigesehnte Erlösung, die – wie die Vorstellung von Sicherheit durch Ruhm und Reichtum – nur in Abhängigkeit führen würde, diese wieder verlieren zu können …

Vielleicht geht es nicht darum, sich Vermögen zu wünschen, sondern mit dem Unvermögen zu tanzen. Die Knoten des Augenblicks zu lösen angesichts der Unmöglichkeit und so – Schritt für Schritt, Steinchen um Steinchen – in Freiheit zu wandern …

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There are these moments where everything is clear, unquestionably, the end of the search, arrived.
So simple, so obvious, so free. You can’t imagine ever losing this space again …

Sooner or later you will find yourself in a heap of shards. Inside, it has hailed bombs and wind is blowing over still glowing piles of ashes. The foundation of the self-image is broken, the house of cards of wishes and plans collapses. The homeless dancing in the empty theatre …

Perhaps the human journey is not about the longed-for salvation, which – like the notion of security through fame and fortune – would only lead to the dependence of being able to lose it again …

Perhaps it’s not about wishing one’s fortune, but about dancing with one’s inability. To loosen the knots of the moment in face of the impossible and thus – step by step, stone by stone – to wander in freedom …